Archive for the ‘Wirtschaft’ Category

Ein politisches Wörterbuch, Teil 4

2012/09/27

Thomas Sowell über „Wohlfahrt“, „Bürgerrechte“ und „Wahlfreiheit“.

Nirgendwo ist die politische Rhetorik schamloser oder gefährlicher als in den frommen Namen, die Politiker den von ihnen verabschiedeten Gesetzen geben. Das vielleicht krasseste Beispiel ist das sogenannte „Indianerkind-Wohlfahrts-Gesetz“ („Indian Child Welfare Act“, ICWA).

Immer wieder werden Kinder indianischer Abstammung, die von Familien adoptiert wurden, die nicht dieser Abstammung sind, plötzlich per Gesetz den einzigen Eltern genommen, die sie je gekannt haben und einem fernen Indianerreservat übergeben, um dort in einer Welt unter Fremden zu leben, über die sie nichts wissen.

Sie könnten denken, daß der Anblick verwirrter, verzweifelter und weinender Kinder vor Gericht, die nach Mama und Papa rufen, während sie mit Gewalt von den Menschen, die für sie seit Jahren gesorgt haben, getrennt werden, dazu führen könnte, daß diejenigen, die sie wegnehmen, nachgeben. Aber nein! Solche Kinder werden routinemäßig auf dem Altar des „Indianerkind-Wohlfahrts-Gesetzes“ geopfert.

Das Kind kann zwei oder zwölf Jahre alt sein. Doch die gesetzlichen Rechte eines biologischen Verwandten und Stammesvertreters übertrumpfen das Wohlbefinden des Kindes, selbst wenn diese biologischen Verwandten dem Kind völlig fremd sind.

Vor einigen Jahren besuchte der Vorsitzende der „Kommission für Bürgerrechte“ („Commission on Civil Rights“) ein 14-jähriges Mädchen, das ihren Adoptiveltern weggenommen worden war und in einem Indianerreservat lebte, wo es ihr schlecht ging. Doch als die Geschichte herauskam, galt Empörung nicht denen, die das Leben dieses Mädchens ruiniert hatten, sondern dem Mitglied der Kommission für Bürgerrechte, der es gewagt hatte, den heiligen Boden des Indianerreservates zu betreten.

Ähnliche Dinge sind schwarzen Kindern passiert, die von weißen Pflegeeltern aufgezogen wurden. Es gibt in diesen Fällen keine Gesetzgebung des Kongresses, doch der Dogmatismus von Sozialarbeitern und so genannten Ministerien für Soziales können zu den gleichen Ergebnissen führen. Richtern mit gesundem Menschenverstand und guten Sitten ermöglicht das Fehlen einer Bundesgesetzgebung allerdings, in diesen Fällen ähnliche Tragödien zu verhindern.

Was steckt hinter solch einer perversen Rassenpolitik? Theorien, Ideologien und Vermutungen von überlegener Weisheit und Tugend. Es ist seit Jahrhunderten bekannt, daß es Menschen gibt, vor allem unter den Intellektuellen, die die Menschheit im Abstrakten lieben, die aber nicht im Geringsten besorgt sind, was mit den Menschen aus Fleisch und Blut passiert, die ihren großen politischen Visionen ausgesetzt werden.

Wenn der Trend der Zeit ist, daß Kinder in ihrer eigenen rassischen Kultur aufgezogen werden sollten, dann setzt dies andere Erwägungen außer Kraft. Wie T. S. Eliot schon vor langer Zeit sagte: „An der Hälfte des Unheils, das auf der Welt geschieht, sind Menschen schuld, die sich wichtig machen wollen. Sie beabsichtigen das Unheil nicht — das Unheil interessiert sie aber nicht. Oder sie sehen es nicht, oder sie rechtfertigen es im endlosen Kampf, über sich selbst nur Gutes zu denken.“

Doch der Rest von uns muß vor ihrer Rhetorik auf der Hut sein. Das „Indianerkind-Wohlfahrts-Gesetz“ ist nicht die einzige Gesetzgebung, deren Auswirkungen das direkte Gegenteil ihres Namens sind.

Die Regierung Obama führte ein Gesetz namens „Arbeitnehmer-Wahlfreiheits-Gesetz“ („Employee Free Choice Act“) ein. Was mag es wohl bewirken? Es zerstört die freie Wahl von Arbeitnehmern, ob sie durch eine Gewerkschaft vertreten werden wollen oder nicht.

Das „Gesetz für Arbeitsbeziehungen“ („National Labor Relations Act“) von 1935 schützt das Recht der Arbeitnehmer, durch geheime Abstimmungen zu entscheiden, ob sie eine Gewerkschaft haben wollen oder nicht. Da in den letzten Jahren jedoch immer mehr Arbeitskräfte dafür gestimmt haben, keine Gewerkschaft zu haben, drängten die Gewerkschaftsbosse auf ein Gesetz, damit diese Entscheidung ohne eine geheime Abstimmung getroffen wird. Dies würde es den Gewerkschaftsorganisatoren ermöglichen, auf diejenigen Druck und Zwang auszuüben, die keine Gewerkschaft haben wollen.

Da die Gewerkschaftsführer in die Wahl von Barack Obama sowohl Geld als auch Arbeit steckten, ist es kaum verwunderlich, daß er bereit war, sich mit dem „Arbeitnehmer-Wahlfreiheits-Gesetz“ erkenntlich zu zeigen.

In diesem Fall scheiterte das Gesetz im Kongreß. Präsident Obama erreicht diese Ziele aber zum Teil dadurch, daß er gewerkschaftsfreundliche Mitglieder in die „Behörde für Arbeitsbeziehungen“ („National Labor Relations Board“) berief, dessen Anordnungen Wahlen zugunsten der Gewerkschaften kippten.

Wenn Sie sich nicht für die Wirklichkeit hinter der Rhetorik interessieren, dürfen Sie sich nicht über ungerechte Gesetze beschweren, und schon gar nicht über die Entartung des Gesetzes zu einer Willkürherrschaft über das, was einmal ein freies Volk war.

Hier finden Sie den Originalartikel, A Political Glossary: Part IV

Ein politisches Wörterbuch, Teil 3

2012/09/27

Thomas Sowell über „soziale Gerechtigkeit“.

Gäbe es eine Hitparade für politische Rhetorik, würde der Begriff „soziale Gerechtigkeit“ einen herausragenden Platz einnehmen. Es hat die Haupteigenschaft politischer Schlagworte: viele unterschiedliche Menschen verstehen darunter viele unterschiedliche Dinge.

Mit anderen Worten, wenn Sie Politiker sind, können Sie viele Menschen mit unterschiedlichen konkreten Ideen dazu bekommen, Ihnen zuzustimmen, wenn Sie sich voller Zuversicht für den vagen Allgemeinplatz der „sozialen Gerechtigkeit“ aussprechen.

Richter Oliver Wendell Holmes sagte: „Ein guter Slogan kann jegliches Denken 50 Jahre lang aufhalten.“ Der Begriff „soziale Gerechtigkeit“ hat viele Menschen vom Denken abgehalten, seit mindestens einem Jahrhundert — Tendenz steigend.

Wenn Ihnen jemand sagt, Land A hat mehr „soziale Gerechtigkeit“ als Land B, und Sie haben alle Statistiken der Welt, wie würden Sie vorgehen, um festzustellen, ob Land A oder Land B mehr „soziale Gerechtigkeit“ hat? Kurz gesagt, wenn die Phrase eine konkrete Bedeutung hat, was bedeutet sie in der Praxis?

In politischen und ideologischen Diskussionen lautet die Frage in der Regel, ob es irgendeine soziale Ungerechtigkeit gibt. Selbst wenn wir zustimmen, daß es irgendeine Ungerechtigkeit gibt, was macht sie zu einer sozialen Ungerechtigkeit?

Der Gedanke, daß einige Menschen in bitterer Armut geboren werden, während andere in extravagantem Luxus geboren werden, ohne ihre eigene Schuld und ohne ihr eigenes Zutun, stößt die meisten von uns sicherlich ab. Wenn dies eine Ungerechtigkeit ist, ist sie dadurch eine soziale Ungerechtigkeit?

Das Baby, das in bitterer Armut geboren wurde, könnte einer Familie in Bangladesch gehören, und das andere, das in extravaganten Luxus geboren wurde, könnte einer Familie in Amerika gehören. Wessen Schuld ist diese Ungleichheit oder Ungerechtigkeit? Welche bestimmte Gesellschaft verursachte diese Ungleichheit oder Ungerechtigkeit? Oder ist dies nur eines von diesen Dingen auf der Welt, bei denen wir uns wünschen, daß sie anders sein sollten?

Wenn es eine Ungerechtigkeit ist, dann eine, die von einer kosmischen Perspektive aus ungerecht ist, ein ungerechtes Schicksal, keine ungerechte Politik, Institution oder Gesellschaft.

Zwischen kosmischer Gerechtigkeit und sozialer Gerechtigkeit zu unterscheiden, ist mehr als nur eine semantische Überspitzung. Sobald wir erkennen, daß es für unzählige Ungleichheiten unzählige Ursachen gibt, können wir nicht länger unbekümmert davon ausgehen, daß in der Regierung einer bestimmten Gesellschaft die Ursache oder die Heilung zu finden sind.

Jeder, der die Geographie verschiedener Völker und Nationen studiert, kann sehen, daß manche nicht den gleichen Kontakt zum Fortschritt hatten, wie der Rest der menschlichen Rasse.

Menschen, die in isolierten Bergtälern leben, liegen seit Jahrhunderten hinter dem Fortschritt der Menschen zurück, die in stark frequentierten Häfen leben, wo ständig neue Produkte und neue Ideen aus der ganzen Welt eintreffen.

Wenn Sie zusätzlich zur Geographie die Geschichte studieren, sind Sie fast gezwungen, anzuerkennen, daß es nie eine realistische Chance gab, daß alle Menschen die gleichen Errungenschaften haben — selbst wenn sie alle mit dem gleichen Potenzial geboren wurden, und selbst wenn es keine sozialen Ungerechtigkeiten gäbe.

Einmal fragte ich einen Kurs schwarzer Studenten, was ihrer Meinung nach passieren würde, wenn mitten in einem Ghetto ein schwarzes Baby geboren wird und mit den gleichen Gehirnzellen auf die Welt kommt, mit denen Albert Einstein geboren wurde.

Es gab viele verschiedene Meinungen — aber niemand in diesem Raum dachte, daß ein solches Baby an einem solchen Ort zu einem weiteren Einstein wird. Einige machten die Diskriminierung verantwortlich, anderen war das überwindbare soziale Umfeld zu viel.

Wenn Diskriminierung der Hauptgrund dafür ist, daß ein solches Baby wenig oder gar keine Chance auf große geistige Errungenschaften hat, dann ist das etwas von der Gesellschaft verursachtes — eine soziale Ungerechtigkeit. Wenn aber der Hauptgrund darin besteht, daß das umliegende kulturelle Umfeld wenig Anreiz und viel Ablenkung bietet, um das Ziel der Entwicklung eines großen intellektuellen Potenzials zu erreichen, ist das eine kosmische Ungerechtigkeit.

Vor vielen Jahren ergab eine Studie über schwarze Erwachsene mit hohem IQ, daß sie ihre Kindheit häufiger als andere schwarze Erwachsene als „äußerst unglücklich“ beschrieben. Es gibt wenig, was Politiker dagegen tun können — außer aufzuhören, zu heucheln, daß alle Probleme in schwarzen Vierteln aus anderen Vierteln stammen.

Ähnliches gilt weltweit. Jede Gruppe steht auf ihrem kulturellen Erbe, und kein Politiker und keine Gesellschaft kann die Vergangenheit ändern. Aber sie können aufhören, die Menschen in die Sackgasse der Feindseligkeit gegen andere Menschen zu führen. Für eine bessere Zukunft sind oft interne Änderungen in der eigenen Gruppe nötig, die sich besser auszahlen als eine Mystik der „sozialen Gerechtigkeit“.

Hier finden Sie den Originalartikel, A Political Glossary: Part III

Ein politisches Wörterbuch, Teil 2

2012/09/26

Thomas Sowell über „Zugang“.

Politiker scheinen eine besondere Vorliebe für Wörter zu haben, die zwei sehr verschiedene Bedeutungen haben, also werden wir in einem Wahljahr wahrscheinlich eine Menge derartiger Wörter hören.

Ein solches Wort lautet „Zugang“. Politiker scheinen immer und ewig zur Rettung von Menschen zu eilen, denen der „Zugang“ zu Krediten, Hochschulen oder was auch immer verweigert wird.

Aber was heißt das konkret?

Es könnte bedeuten, daß irgendeine externe Kraft Ihr Ziel versperrt, was auch immer es sein könnte. Oder es könnte bedeuten, daß Ihnen einfach das fehlt, was nötig ist, um dieses Ziel zu erreichen.

Um ein persönliches Beispiel zu nehmen: Michael Jordan wurde ein Basketball-Star und ein sehr reicher Mann. Ich nichts davon. Lag das daran, daß mir der „Zugang“ zum Profi-Basketball verweigert wurde?

Wer mich als Teenager beim Versuch sah, Basketball zu spielen, könnte Ihnen sagen, daß ich glücklich war, wenn ich das Basketball-Backboard traf, vom Korb ganz zu schweigen.

Mit der ersten Definition hatte ich zur NBA so viel „Zugang“ wie Michael Jordan. Niemand versperrte mir den „Zugang“. Es war nicht nötig, weil ich den Korb genau so wenig packte wie die NBA.

Zwischen externen und internen Versagensgründen zu unterscheiden, würde die Bedeutung des Wortes „Zugang“ klären. Doch eine Klärung würde die politische Nützlichkeit des Wortes zerstören, zusammen mit den staatlichen Programmen, für die dieses Wort zur Rechtfertigung verwendet wird.

Seit Jahren rasten Politiker und Medien wegen der Tatsache aus, daß es für unterschiedliche Gruppen unterschiedliche Bewilligungsquoten für Hypothekenkredite gab. Dies sollte zeigen, daß einigen rassischen Gruppen der „Zugang“ zu Hypothekendarlehen verweigert wurde, und vor allem der „Zugang“ zu den am meisten gewünschten Krediten mit den niedrigsten Zinsen.

Niemand stellte die Frage: Nach welcher Definition von „Zugang“ wurde der „Zugang“ verweigert?

Politische Kreuzfahrer kennen beim Definieren von Wörtern keine Pause. Laut ihrer schrillen Rhetorik waren externe Schranken das Problem. Und das bedeutete: staatliche Intervention war die Lösung, um die Bösen zu schlagen und „soziale Gerechtigkeit“ — ein weiterer nicht näher definierter Begriff — zu liefern.

Als Statistiken zeigten, daß Schwarze bei der Beantragung von Konventionalhypotheken (conventional mortgage loans — auf die Pleitebuden „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ zugeschnittene Hypotheken) doppelt so häufig abgewiesen wurden wie Weiße, war das für diejenigen, die sagen, daß der „Zugang“ das Problem wäre und daß Rassendiskriminierung der Grund dafür wäre, das entscheidende Argument. Da dies in vielen Vierteln zu den bestehenden Vorurteilen paßte, was will man mehr?

Andere Statistiken zeigten jedoch, daß Weiße bei der Beantragung von Konventionalhypotheken fast doppelt so häufig abgewiesen wurden wie Amerikaner asiatischer Herkunft. Mit der gleichen Logik würde das bedeuten, daß Weiße durch Banken, die hauptsächlich von Weißen geleitet werden, rassisch diskriminiert werden.

Doch dieser Schluß wurde nie gezogen, weil die zweite Statistik nie in den Massenmedien auftauchte, obwohl beide Statistiken von den gleichen Quellen verfügbar waren.

Die Veröffentlichung der zweiten Statistik würde zuerst die moralinsauren Medien unterminieren und dann den politischen Kreuzzug.

Statistiken über die durchschnittliche Bonität von Menschen in verschiedenen rassischen Gruppen erblickten ebenfalls selten das Licht der Welt. Die durchschnittliche Bonität der Weißen war höher als die durchschnittliche Bonität der Schwarzen, und die durchschnittliche Bonität der Amerikaner asiatischer Herkunft war höher als die durchschnittliche Bonität der Weißen.

All diese Fakten der Öffentlichkeit vorzulegen, könnte jedoch gut dazu führen, daß die Öffentlichkeit zu dem Schluß kommt, daß Banken und andere Finanzinstitute Kredite lieber an Privatpersonen vergeben, bei denen es wahrscheinlicher sein dürfte, daß sie sie ihnen zurück zahlen.

Die Medien verschwiegen auch die Tatsache, daß viele, wenn nicht sogar die meisten der Finanzkontrolleure, die Kreditbewilligungsentscheidungen trafen, nie einen Blick auf die Antragsteller warfen, sondern ihre Entscheidungen auf der Grundlage des Papierkrams von denjenigen trafen, die mit den Antragstellern zu tun hatten.

Gleichheit beim „Zugang“ führt nicht automatisch zu gleichen Ergebnissen, weder in Kreditinstituten oder im Basketball, noch sonstwo — Worte wie „Zugang“ führen zu großen politischen Erfolgen und zu großen wirtschaftlichen Katastrophen, der Immobilienmarkt ist nur ein Beispiel.

Hier finden Sie den Originalartikel, A Political Glossary: Part II

Ein politisches Wörterbuch, Teil 1

2012/09/25

Thomas Sowell über „Fairness“, „Rassismus“, „Mitgefühl“, „kleinlich“, „gierig“ und „hungrig“.

In einem Wahljahr können wir erwarten, viele Worte zu hören — und die Bedeutung dieser Worte ist nicht immer klar. Ein Glossar der politischen Begriffe kann also recht hilfreich sein.

Einer der vielseitigsten politischen Begriffe ist „Fairness“, der in einem weiten Spektrum von Fragen verwendet wird — von „Fairem Handel“ bis zum „Gesetz für faire Arbeitsbedingungen“ („Fair Labor Standards Act“ von 1938). Und vor kurzem haben wir gehört, daß die Reichen nicht ihren „fairen Anteil“ an Steuern zahlen.

Einige von uns möchten womöglich eine Definition sehen, was „fair“ ist. Doch eine konkrete Definition würde die Vielseitigkeit des Wortes zerstören, das der Grund ist, weshalb es politisch so nützlich ist.

Wenn Sie zum Beispiel sagen, daß 46,7 Prozent ihres Einkommens — oder irgendeine andere Zahl — der „faire Anteil“ ihres Einkommens wäre, den die Reichen an Steuern zu zahlen hätten, dann gäbe es, sobald sie diesen Betrag zahlen, für die Politiker keine Grundlage mehr, beim nächsten Mal mehr zu verlangen — und „mehr“ ist das, was der „faire Anteil“ in der Praxis bedeutet.

Im Allgemeinen ist das Leben nicht einmal annähernd fair — die Begründung, daß die Regierung das Leben fair machen kann, ist für Politiker, die die Regierung groß und größer machen möchten, somit eine sichere Bank.

Ein weiterer Begriff, den wir in einem Wahljahr erwarten können, ist „Rassismus“, vor allem wenn sich die öffentlichen Meinungsumfragen gegen Präsident Barack Obama aussprechen.

Der ehemalige TV-Journalist Sam Donaldson und der aktuelle CNN-Moderator Don Lemon haben bereits verkündet, daß Kritik an Obama rassistisch ist, und wir können zahllose weitere Blupperköpfe (talking heads) erwarten, die das Gleiche sagen werden. Das Wort „Rassismus“ ist wie Ketchup. Es paßt praktisch auf alles — und wer Beweise fordert, ist ein „Rassist“.

Ein eher positiver Begriff, den wir in Wahljahren ebenfalls erwarten können, ist „Mitgefühl“ — was ist das konkret? In der Praxis bedeutet es häufig die Bereitschaft, das Geld der Steuerzahler auf eine Art und Weise auszugeben, die die Chance auf eine Wiederwahl erhöht.

Wenn Sie dieser Praxis skeptisch gegenüberstehen oder, schlimmer noch, kritisch, dann haben Sie Anspruch auf ein anderes politisches Etikett: „kleinlich“. Ein verwandtes politisches Etikett ist „gierig“.

In der politischen Sprache von heute gelten Menschen, die das behalten wollen, was sie verdienen, als „gierig“, während diejenigen, die ihnen den Verdienst nehmen und anderen geben wollen, „Mitgefühl“ zeigen — im Gegenzug werden sie dafür gewählt.

„Die Hungernden“ war ein politischer Begriff, der mich eine lange Zeit verwirrt hatte. Da wir alle Hunger kriegen, war es für mich nicht offensichtlich, welches bestimmte Segment der Bevölkerung „die Hungernden“ sind.

Irgendwann im Laufe der Jahre dämmerte es mir dann endlich. Menschen, die keine Maßnahme treffen, um sich selbst zu ernähren, aber erwarten, daß andere sie sorgen, sind jene, die Politiker und Medien mit „die Hungernden“ meinen.

Diejenigen, die diese Definition erfüllen, können Geld haben, um sich Alkohol, Drogen oder auch verschiedene elektronische Geräte zu leisten. Und viele von ihnen sind übergewichtig. Wenn es aber um freiwillige Spenden geht oder um Geld, das den Steuerzahlern genommen wird, damit sie etwas zu essen haben, dann sind sie „die Hungernden“.

Ich kann mich an eine Zeit erinnern, die lange her ist, als ich im altmodischen Sinne hungrig war. Ich war ein junger Mensch ohne Arbeit, konnte keine Arbeit finden, geriet mit der Miete für mein Zimmer in Rückstand — und, als ich endlich eine Arbeit fand, mußte in Meilen gehen, um dort hin zu kommen, weil ich mir weder die U-Bahn noch etwas zu Essen leisten konnte.

Doch das war früher, in den sogenannten einfacheren Zeiten. Ich war so naiv, daß ich dachte, es wäre an mir, eine Arbeit zu finden und etwas Geld zu sparen. Obwohl ich wußte, daß (der Basballspieler) Joe DiMaggio 100.000 Dollar pro Jahr verdiente, was beim Geld der damaligen Zeit eine schwindelerregende Summe war, kam mir nie in den Sinn, daß es an ihm wäre, zu sehen, daß ich gefüttert werde.

Ich habe also nie die politische Definition „der Hungernden“ beansprucht, auch wenn ich hungrig war. Außerdem habe ich nie das ganze Geld ausgegeben, ganz gleich ob es wenig oder viel war, denn damals hungrig zu sein war viel schlimmer, als heutzutage einer „der Hungernden“ zu sein.

Demzufolge war ich Politikern, die Abhängige suchen, die sie wählen, noch nie von Nutzen. Und ich habe mit solchen Politikern auch nie viel anfangen können.

Hier finden Sie den Originalartikel, A Political Glossary.

Kalifornien: San Bernardino wird die zweitgrößte US-Stadt sein, die Insolvenz beantragt

2012/07/12

Tony Lee über den Sonnenuntergang in Kalifornien.

Am Dienstagabend wurde San Bernardino in weniger als einem Monat die dritte kalifornische Stadt, die Gläubigerschutz beantragen muß.

Laut ASSOCIATED PRESS sagte die einstweilige Verwaltungschefin der südkalifornischen Stadt, daß San Bernardino vor einem Haushaltsdefizit von 45,8 Millionen Dollar steht und in den nächsten drei Monaten nicht in der Lage sein dürfte, Gehaltsabrechnungen zu machen.

San Bernardino wird nach der Stadt Stockton in Kalifornien, die am 28. Juni Konkurs anmeldete, die zweitgrößte Stadt, die jemals Konkurs anmelden mußte.

„Wir haben ein unmittelbares Cashflow-Problem“, sagte Andrea Miller, die einstweilige Verwaltungschefin der Stadt, laut der LOS ANGELES TIMES dem Bürgermeister Patrick Morris und dem siebenköpfigen Stadtrat.

Laut der LOS ANGELES TIMES stimmten vier Ratsmitglieder für die Bewilligung, zwei waren dagegen, und einer enthielt sich der Stimme und der Bürgermeister sagte, daß „drakonische“ Kürzungen notwendig sein werden.

San Bernardino hat — wie viele andere kalifornische Städte und Kalifornien selbst — im öffentlichen Sektor keine Reformen erlassen, wenn diese Reformen der Stadt hätten helfen können, einen Bankrott zu verhindern, und zahlen jetzt den Preis dafür, die finanzpolitischen Probleme all die Jahre sprichwörtlich ausgesessen zu haben, um Bürokraten und Gewerkschaften des öffentlichen Sektors zu beschwichtigen.

Viele Städte in Kalifornien sollten sich ansehen, wie die kalifornische Stadt Costa Mesa in Orange County gehandelt hat, die zu den insolventen Städten einen starken Kontrast bildet.

Costa Mesa verabschiedete vor kurzem zum zweiten Mal in Folge einen ausgeglichenen Haushalt und die Stadt befindet sich durch präventive Reformen im öffentlichen Sektor in einer guten finanzpolitischen Gesundheit, obwohl progressive Linke Costa Mesas Führer beschuldigten, „Dschihad“ zu betreiben und Wisconsin nach Kalifornien zu bringen, und „im Krieg der kalifornischen Republikaner gegen die Beschäftigten im öffentlichen Dienst an der blutigen Speerspitze“ zu stehen.

Es sieht so aus, als könnte Kalifornien im öffentlichen Sektor mehr von den Reformen nach Art von Wisconsin gebrauchen.

Bild: Don Barrett

Hier finden Sie den Originalartikel, San Bernardino, CA Will Become Second Largest U.S. City To File For Bankruptcy.

Acht Tage vorher

Mammoth Lakes beantragt Insolvenz

Die Stadt Mammoth Lakes an der Ostflanke der Sierra Nevada erklärte am Montag ihren Konkurs, weil sie nicht in der Lage ist, aufgrund eines durch einen Entwickler angestrengten Urteils eine 43-Millionen-Vertragstrafe zu zahlen.

In einer vorbereiteten Erklärung sagten Vertreter von Mammoth Lakes, „Konkurs ist leider die einzige verbleibende Möglichkeit“ für die Stadt, deren größter Kreditgeber, „Mammoth Lakes Landerwerb“ („Mammoth Lakes Land Acquisition“), vor einem staatlichen Gericht erwirkt hatte, am 30. Juni 2012 voll bezahlt zu werden.

Mit Blick auf ein Urteil, das fast den dreifachen Umfang des jährlichen Haushalts hat und auf einen 2,8-Millionen Fehlbetrag im Geschäftsjahr 2011/12 hatte die Stadt bereits viele Dienste gekürzt und Mitarbeiter ersucht, Lohnsenkungen anzunehmen. Erschwerend kommt hinzu, daß das angrenzende Skigebiet Mammoth Mountain gezwungen war, aufgrund eines Mangels an Schnee im vergangenen Jahr 70 Vollzeit-Mitarbeiter zu entlassen.

Read on: Mammoth Lakes files for bankruptcy

Überall Geisterstädte

2012/07/05

Chelsea Schilling über erfolgreiche Stadtplanung und nachhaltige Wachstumskonzepte.

Schockierende Fotos zeigen menschenleere Städte

Warum baut China riesige „Geisterstädte“, die völlig menschenleer sind?

Die BBC berichtet, daß in Afrika, in den Außenbezirken von Angolas Hauptstadt Luanda, eine von China gebaute Riesenstadt gesichtet wurde.

Die Stadt, Nova Cidade de Kilamba, wurde laut dem Bericht entworfen, um bis zu eine halbe Million Menschen zu fassen und verfügt über 750 achtstöckige Wohngebäude, 12 Schulen und mehr als 100 Einzelhandels-Einheiten.

Die Staatskonzerne „China International Trust“ and „Investment Corporation“ brauchten weniger als drei Jahre, um die Stadt zu errichten. Sie kostete 3,5 Milliarden US-Dollar und umfaßt 12.355 Hektar.

BBCs ehemalige Angola-Korrespondentin Louise Redvers berichtet, daß sie entdeckte, daß die Gebäude leer stehen.

Die leeren Städte gibt es nicht nur in Afrika.

WND und Jerome Corsis RED ALERT berichteten bereits im vergangenen Jahr, daß Bilder von China auf „Google Earth“ riesige städtische Komplexe mit Bürotürmen, Regierungsgebäuden, Apartment-Anlagen, Hochhäusern und Wohnungen zeigen, die alle durch Netzwerke leerer Straßen verbunden sind — wobei einige der Städte in den unwirtlichsten Gegenden von China liegen.

Bilder dieser Geisterstädte zeigen, daß niemand in ihnen lebt — nachdem für Planung und Bau unzählige Milliarden von Dollar ausgegeben wurden.

Die Blöcke aus leeren Ein- und Mehrfamilienhäusern, glamourösen öffentlichen Gebäuden, herrlichen Parks und Sportanlagen, selbst Kunstmuseen, stehen völlig leer.

„Die Fotos sehen aus wie riesige Kulissen für apokalyptische Filme, in denen ein Neutronenkrieg oder eine Naturkatastrophe die Menschen eliminiert hat, während die Wolkenkratzer, Sportstadien, Parks und Straßen vollkommen intakt bleiben“, schreibt Corsi. „Einer von Chinas Geisterstädten befindet sich sogar mitten in einer Wüste in der Inneren Mongolei.“

BUSINESS INSIDER zeigte von diesen chinesischen Geisterstädten eine Reihe von Fotos. Auf einem waren keine Autos zu sehen, außer etwa 100, die auf weitgehend verödeten Flächen um ein Regierungsgebäude geparkt waren, und ein anderes zeigte einen schönen Feuchtgebiet-Nationalpark (wetland park) mit Menschen, die mit Photoshop hinzugefügt wurden.

Zu der Zeit hatte China einen geschätzten Bestand von 64 Millionen freien Wohnungen und baute auf „weiten Teilen freien Landes“ pro Jahr bis zu 20 neue Geisterstädte.

BUSINESS INSIDER spekulierte, daß die Chinesen ihr Geld irgendwo unterbringen müssen, so daß sich die Entwickler zum Bau von Reichtums-Speichern entschieden, selbst wenn die Chinesen, die diese Städte bauen, nicht die Absicht haben, darin zu leben und es keine Aussicht gibt, dafür Mieter zu finden.

ScallyWagAndVagabond.com zitiert Patrick Chovanec, einen Handelslehrer (business teacher) an der Universität Tsinghua in Peking, der erklärte: „Wer will schon der Bürgermeister sein, der meldet, daß er in diesem Jahr kein BIP-Wachstum von 8 Prozent erreicht? Niemand will so etwas vorlegen. Das System hat also die Anreize, zu bauen. Und wenn das der einfachste Weg ist, um Wachstum zu erzielen, dann wird gabaut.“

Hier sind einige Fotos von der chinesischen Geisterstadt in Afrika, Nova Cidade de Kilamba, die auf Facebook veröffentlicht wurden:

Hier finden Sie den Originalartikel, More eerie ‚ghost cities‘ popping up.

Es folgen alle Artikel der deutschsprachigen freien Presse, die über Afrikas chinesische Geisterstadt berichten:

Eine afrikanische Geisterstadt made in China

Eine Million Häuser will Angolas Präsident bauen, um die Wohnungsnot zu bekämpfen. Mit chinesischer Hilfe hat er zwar eine ganze Siedlung aus dem Boden gestampft – nur kann sich niemand leisten, dort zu wohnen.

750 achtstöckige, brandneue Apartmentgebäude, ein Dutzend Schulen und mehr als 100 Ladenlokale: Nova cidade de Kilamba ist ein Stadtteil, der aus dem Boden gestampft wurde, um einst eine halbe Million Menschen zu beherbergen. Er liegt rund 30 Kilometer von Luanda, der Hauptstadt Angolas, entfernt. 3,5 Milliarden Dollar hat das Projekt gekostet, geplant wurde es von der staatlichen chinesischen Firma International Trust and Investment Corporation (Citic).

Für die angolanische Regierung ist Kilamba ein Prestigeprojekt: José Eduardo dos Santos, der Präsident Angolas, hatte bei seiner Wahl 2008 mit dem Versprechen für sich geworben, eine Million Häuser in vier Jahren zu bauen, um der Bevölkerung den dringend nötigen zusätzlichen Wohnraum zu gewähren. Die Werbevideos zeigen laut einem Bericht von BBC News denn auch glückliche Familien mit Kindern, die das Leben weit weg vom Lärm und Staub der Hauptstadt geniessen. Der Haken daran: Die Protagonisten sind allesamt Schauspieler, denn ein Jahr nach der Fertigstellung von Kilamba sind gerade mal 220 der 2800 Apartments verkauft.

Keine Autos, kein Supermarkt

Bewohnt sind von den verkauften Wohnungen laut einer Schätzung von BBC News gerade mal ein Drittel. «Es gibt keine Autos, kaum Menschen auf den Strassen, nur Reihe um Reihe farbiger Gebäudekomplexe mit geschlossenen Jalousien und leeren Balkonen.» Von den Geschäften sei nur eine Handvoll geöffnet, einen Supermarkt gebe es nicht.

Das Problem: Die allermeisten Menschen in Angola können es sich gar nicht leisten, eine Wohnung in diesen neuen Siedlungen zu kaufen. Für die Apartments wird mit Preisen zwischen 120’000 und 200’000 Dollar geworben – während zwei Drittel der Angolaner mit weniger als 2 Dollar pro Tag auskommen müssen. Die Rechnung scheint nicht aufgehen zu können.

Dass hier der Grund für die leer stehenden Gebäude liegt, bestreitet allerdings der Sprecher der Immobilienfirma, welche die Apartments vertreibt, gegenüber BBC News: Das Problem sei nicht der zu hohe Preis. Vielmehr würden die Banken den Menschen zu wenig Kredite gewähren.

Ein Beispiel für die Sozialpolitik Angolas

So oder so stehen die angolanischen Behörden vor einem Problem, sollten die leer stehenden Wohnungen nicht bald verkauft werden. Denn Kilamba wurde zwar mithilfe von Krediten aus China finanziert, für die Angola in Form von Öllieferungen bezahlt. Doch würde die Regierung auf den Apartments und somit einer verschwendeten Investition sitzen bleiben, bekäme sie ein Imageproblem. Im letzten Sommer hatte der Präsident Kilamba noch feierlich eröffnet – als Beispiel für die Art und Weise, wie die Sozialpolitik das Defizit an Wohnhäusern in Angola bekämpfen will.

In Angola befürchtet man nun, bald mit denselben Problemen kämpfen zu müssen, wie sie China, Spanien oder Irland bereits kennen: Dort stehen nach der geplatzten Immobilienblase vielerorts unbewohnte Geisterstädte oder leer stehende Gebäudekomplexe. Gebaut wurden sie während des grossen Baufiebers bis 2008. Für Menschen, die sich den Einzug heute, nach dem Platzen der Immobilienblase, nicht mehr leisten können.

Das wars auch schon. Nur die BASLER ZEITUNG.

Stockton ist Pleite — Los Angeles und Kalifornien als nächstes?

2012/06/28

Ben Shapiro über die Zukunft des Gerechtismus.

Amerikas fünfundsechzigstgrößte Stadt, Stockton in Kalifornien, hat Konkurs angemeldet. Während die Medien Stockton als den traurigen Fall einer Stadt präsentieren, deren Wirtschaft durch den Immobilienmarkt und leichtfertige Ausgaben für verschiedene öffentliche Bauvorhaben geschädigt wurde, sieht die Wahrheit ganz anders aus: Stockton wurde durch seine Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes ruiniert. Und Stockton ist wichtig, weil es nur der erste Dominostein ist, der fällt — oder vielmehr der zweite, nach Vallejo. Es folgen Los Angeles, Kalifornien und dann die Vereinigten Staaten.

Werfen Sie einfach einen Blick auf die Stocktoner Statistiken. Die Stadt steht vor einem jährliches Defizit von 26 Millionen Dollar; im vergangenen Jahr betrug das Defizit 37 Millionen Dollar; im Jahr zuvor betrug das Defizit 23 Millionen Dollar. Mit dem Geschäftsjahr 2014 soll es angeblich auf 48 Millionen Dollar wachsen.

Wie hat Stockton diese Defizite bezahlt? Durch den Verkauf von Anleihen. Und an einem bestimmten Punkt hörten die Anleihegläubiger auf, mehr Anleihen zu kaufen, weil sie erkannten, daß sie ihr Geld niemals wiedersehen würden. Ein guter Indikator, daß Anleihegläubiger ihr Geld verlieren würden, kam, als Stockton in diesem Jahr Anleihen im Wert von 2 Millionen Dollar nicht bezahlen konnte und das Rathaus und mehrere Parkhäuser an Wells Fargo übergab.

Wofür wurde all dieses Geld ausgegeben? Für die Gewerkschaften. Die Stadt hatte mehr als 800 Millionen Dollar ungedeckte Pensionsverpflichtungen und Gesundheitsleistungen gegenüber Gewerkschaftsmitgliedern; 81% des regulären städtischen Haushaltsbudgets gingen an Leistungen für Mitarbeiter — sprich: gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter. Und Rentenausgaben machten 17,5% des Haushalts aus.

In seiner Verzweiflung griff Stockton auf Kürzungen zurück — 90 Millionen Dollar im regulären Haushalt über drei Jahre, einschließlich einer Reduzierung der Polizei um ein Viertel und der Feuerwehr um 30%. Es half nichts. Und ein besseres Geschäft war dank der verbindlichen Verhandlungsregeln zwischen den Gewerkschaften und der Stadt nicht drin.

Alles war solange Spiel und Spaß, wie es der Wirtschaft gut ging und Stockton weiter die Steuern erhöhen und Anleihen verkaufen konnte. Aber als die Immobilienwirtschaft Titanic spielte, saß Stockton schnell auf dem absteigenden Ast.

Hier ist das eigentliche Problem: Los Angeles kommt als nächstes.

Los Angeles droht für 2012/2013 derzeit ein Fehlbetrag von 238 Millionen Dollar; der Stadt drohen außerdem ungedeckte Pensionsverpflichtungen von 27 Milliarden Dollar. Das Jahresbudget beträgt rund 7 Milliarden Dollar. Wir haben also ein Problem.

Und betrachten Sie diese Prozentsätze: für das Geschäftsjahr 2011/2012 betragen die Renten 15,4% der städtischen Ausgaben. Das liegt nur wenig unter Stockton.

Und der Staat Kalifornien hat das gleiche Problem. Der Staat hat angeblich fast 1 Billion Dollar an ungedeckten Pensionsverpflichtungen. Kalifornien weist jedes Jahr ein gewaltiges Defizit auf. Nach einigen Berechnungen gehen deutlich mehr als 80% des kalifornischen Budgets an Gehaltskonten von staatlichen Mitarbeitern. Und die Kürzungen, die Jerry Brown vorgeschlagen hat, entsprechen denen in Stockton — sie machen noch nicht einmal einen Tropfen im Eimer aus.

Stockton ist erst der Anfang. An einem bestimmten Punkt geht einem das Geld anderer Leute aus — oder sie kaufen keine Anleihen mehr. Dann droht der wahre finanzpolitische Ruin.

Hier finden Sie den Originalartikel, Stockton Goes Bankrupt; Los Angeles and CA Next?

Israelischer Marxismus

2012/04/28

Steven Plaut über die Chorknaben der Neuen Sozialistischen Internationale.

(Anmerkungen in Klammern)

Es ist schwierig, Menschen, die außerhalb von Israel leben, und besonders den Amerikanern, zu erklären, wie sehr die Israelis wirklich an den Kommunismus glauben.

Manchmal nennen sie es Sozialismus, im Grunde meinen sie aber Kommunismus.

Das soll nicht heißen, daß sie sich in ihrem Privatleben wie Kommunisten verhalten. Ganz im Gegenteil, Israelis leben wie das ultimative Ideal des Kapitalismus. Sie sind enorm individualistisch. Sie sind außergewöhnlich gut darin, Unternehmen zu gründen und zu verwalten, und auch in der Entwicklung und Vermarktung von Innovationen. Das Land Israel hat mehr Start-up-Unternehmen als ganz Europa. Es meldet mehr Patente an als jedes europäische Land.

Doch genau diese Israelis, die jeden Tag unter Beweis stellen, auf den Märkten bestehen zu können, hassen Märkte. Das Wort „Sozialismus“ hat für die Israelis eine enorme romantische und positive Bedeutung. Besonders unter den gebildeten Israelis, die nicht in Rußland geboren wurden. Das Wort Kapitalismus ist für die meisten Israelis so etwas wie eine Obszönität. Ich vermute, daß jemand, der wegen Körperverletzung festgenommen wird, vor Gericht freikommen könnte, wenn er behauptet, das Opfer hätte ihn einen Kapitalisten genannt — eine Form von Volksverhetzung. Die israelischen Medien gebrauchen das Wort „Kapitalismus“ immer in Verbindung mit dem Wort schweinisch. Die einzige Ausnahme bildet ironischerweise der Wirtschaftsredakteur von Haaretz, der einen kapitalistischen Markt unterstützt, während sich der Rest der gleichen Zeitung nach dem Kommunismus sehnt. Die einzig denkbare Form von Marktwirtschaft in den Köpfen der israelischen Redner-Klasse (chattering class) ist der „schweinische Kapitalismus“. Sie würden nicht glauben, wie viele israelische Professoren und Intellektuelle diesen Ausdruck verwenden. Der Kopf der Histadrut, Israels größter organisierter Kriminellen-Familie, verwendet ihn — als loyaler Anhänger des schweinischen Kommunismus.

Darauf hinzuweisen, daß jemand der Kommunistischen Partei angehört, ist in normalen Ländern in der Regel mehr als genug, um diese Person zu diskreditieren. Nicht in Israel. Wer einen Mitgliedsausweis der kommunistischen Partei hat, trägt diesen mit Stolz. Die meisten Mitglieder des Fachbereichs Geschichte an der Universität Tel Aviv sind solche Kommunisten. Ebenso Unmengen anderer Akademiker.

Einerseits machen die funktionierenden Märkte Israel zu einem erfolgreichen, lebensfähigen Land — zu einem Land, das in den letzten 4 Jahren während der globalen Finanz-Krise fast keine Implosion erlebte. Andererseits sind Märkte jedoch etwas, das Israelis unterdrücken wollen. Gebildete Israelis bestehen unisono darauf, daß die Märkte das Problem auf der Welt sind, und daß die Unterdrückung der Märkte die Antwort auf Israels Probleme ist. Märkte sind böse, sie belohnen die Selbstsucht. Was gebraucht wird, sind wohlwollende staatliche Bürokraten, die die Wirtschaft kontrollieren.

Nicht jeder Israeli, wohlgemerkt. Russische Israelis, die heute vielleicht ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen, haben für die Predigt der Wunder des Kommunismus keine Geduld. Und sie fehlen vor allem auf den aktuellen Kundgebungen und Märschen für „soziale Gerechtigkeit“, oder, wie ich es genannt habe, auf dem Woodstock-Festival im Yarkon Park. Aus dem Mund orthodoxer Juden kommen die nostalgischen Slogans für eine bolschewistische Zentralplanung der Märkte nur selten, es gibt aber auch Ausnahmen. Der Kommentator der wöchentlichen Tora-Lesung in Maariv kann von Kommunismus nicht genug bekommen und besteht darauf, daß die Unterdrückung des Schweine-Kapitalismus die höchste Form der jüdischen Ethik ist.

Israelische Akademiker sind nahezu komplett anti-kapitalistisch. Ich stehe auf dem Verteiler einer Chat-Liste der Mitglieder des Lehrkörpers für israelische Sozialwissenschaften, und in den letzten Wochen hat es Hunderte von Mitteilungen gegeben, die sich nach sozialistischen Kontrollen sehnen und den Kapitalismus verurteilen. Die Absender phantasieren generell von einem Israel, das einen „Sozialismus“ im skandinavischen Stil kopiert. Abgesehen von einigen Zweifeln darüber, wie angenehm das Leben in Skandinavien wirklich ist, beispielsweise vor kurzem in Norwegen, ist der skandinavische „Sozialismus“ eigentlich nicht wirklich angenehm. Er besteht im Wesentlichen aus freien Märkten, gemischt mit sehr hohen Steuersätzen und einem gigantischen Wohlfahrtsstaat, der soziale von-der-Wiege-bis-zur-Bahre-Leistungen auf Staatskosten bietet. In anderen Worten, die skandinavischen Länder sind immer viel kapitalistischer gewesen als Israel, und sicherlich kapitalistischer als Israel vor den 1980er Jahren. Darüber hinaus hat Israel immer wohlfahrtsstaatliche Leistungen im skandinavischen Stil erbracht, doch ohne die für Skandinavien charakteristische Liberalisierung der Märkte und der Produktion.

Es gibt zwar Ausnahmen, doch akademische Ökonomen schließen sich in der Regel nicht den geweihten Herden an, die sich nach dem Bolschewismus sehnen. Israelische Ökonomen gehören zu den wenigen, die wissen, was ein Markt ist, was ein Preis ist, und was ein Lohn ist. Die Demonstranten haben davon keine Ahnung. Israel hat jedoch eine lange Geschichte der akademischen Prostitution und man kann immer ein paar akademische Ökonomen finden, die bereit sind, die dümmsten „Ideen“ von denen zu unterstützen, die nichts von Wirtschaft verstehen, wenn es ihnen einen Silberling einbringt oder ihrer Karriere hilft. Der leidenschaftlichste Befürworter der Erhöhung der Mindestlöhne ist „Ökonom“ Avishai Braverman, der Kerl, der die Ben Gurion Universität in Hamastan verwandelte, und es finden sich ähnliche Fälle von Ökonomen, die für kontrollierte Mieten, Verstaatlichungen und andere grundlegende Axiome des wirtschaftlichen Bolschewismus auf die Straße gehen.

Die meisten Menschen sind sich dessen nicht bewußt, aber Israels Existenz begann als ein Land mit einem zentral gesteuerten bolschewistischen System. Ben Gurion implementierte in den ersten Jahren ein System nahezu vollständiger Preis- und Lohnkontrollen und massiver Verstaatlichungen. Es unterschied sich nur wenig von der von Lenin geschaffenen wirtschaftlichen Struktur. Wegen dem Unabhängigkeitskrieg und dem nationalen Notstand konnte sich Ben Gurion das eine Weile erlauben. Wie in dem alten Witz, daß es in der Sahara durch Kommunismus zu einem Mangel an Sand kommen würde, war in den frühen 1950er Jahren in Israel alles knapp, und irgendetwas zu kaufen war mit endlosen Warteschlangen im Sowjet-Stil verbunden, wobei die meisten Produkte nur auf dem Schwarzmarkt erhältlich waren.

Ben Gurion ist jedoch anzurechnen, daß er in den frühen 1950er Jahren die Unnachhaltigkeit des Systems der bolschewistischen Kontrollen erkannte. Seltsamerweise hatte dies auch Lenin verstanden und unternahm Schritte zum Abbau der Kontrollen, bloß daß er starb und von Stalin ersetzt wurde, bevor es in der Sowjetunion zu ernsthaften Reformen kam. Lenin nannte seinen Plan zur teilweisen Entbolschewisierung der Wirtschaft „Neue Ökonomische Politik“ oder NEP, exakt der gleiche Name, den Ben Gurion seinen Reformen in den frühen 1950er Jahren gab. Das war kein Zufall!

Die meisten Preiskontrollen wurden zwar beendet, andere Formen des wirtschaftlichen Bolschewismus ließen Ben Gurion und seine MAPAI Parteigenossen jedoch erhalten. Riesige Teile der israelischen Industrie wurden verstaatlicht, und vieles von dem, was übrig blieb, wurde teilverstaatlicht und, weil es dem Gewerkschaftsverband Histadrut übergeben wurde, auf grobe Weise schlecht verwaltet.

Wettbewerb sollte überall durch die Wirtschaftspolitik unterdrückt werden. Sie wollte die Zahl der Monopole und Kartelle in der Wirtschaft maximieren. Die Regierung kontrollierte enorme Ressourcen, die sie als politische Gefälligkeiten verteilte, oft an Amigos und Oligarchen aus der Partei. Die Steuersätze waren enorm und überstiegen manchmal 100 Prozent. Die Gewinne der Unternehmen entstammten vor allem staatlichen Subventionen und Zuteilungen. Die Politik der Regierung war protektionistisch und wünschte keinen Wettbewerb. Der Kapitalmarkt wurde unterdrückt und verstaatlicht. Die Philosophie der Regierung verlangte im Wesentlichen, daß die Israelis ihr gesamtes Einkommen, ihre Ersparnisse und ihr Vermögen an den Staat übergeben, und die staatliche Bürokratie würde dann wiederum die Bedürfnisse der Öffentlichkeit und Bürger berücksichtigen.

Das Ergebnis war eine Dritte-Welt-Wirtschaft, wenn auch eine, die unter einem politischen System stand, das sogar Wahlen und parlamentarische Prozesse kannte. Israel wurde durch den Bolschewismus verelendet und es blieb arm und unterentwickelt.

Erst in den 1970er Jahren fingen die Dinge an, sich auf signifikante Weise zu ändern. Durch die Unterzeichnung und den Beitritt zu verschiedenen internationalen Handelsabkommen wurde Israel gezwungen, seine Wirtschaft zu liberalisieren und einen Teil der sozialistischen Kontrollen aufzugeben. Die Vertragspartner weigerten sich, der israelischen Regierung zu erlauben, ihre Politik fortzusetzen. Durch die lange Zeit des Null-Wachstums nach dem Jom-Kippur-Krieg wurden sich außerdem einige Leute der Notwendigkeit einer funktionellen Wirtschaft bewußt.

In den 1950er und 1960er Jahren war es nicht ungewöhnlich, die Politik und den Zustand der israelischen Wirtschaft mit dem von Ägypten und anderen verschlafenen Nestern aus der Dritten Welt in einen Topf zu werfen.

In den 1980er Jahren änderten sich die Dinge deutlich. Der Großteil der verstaatlichten Industrien wurde privatisiert, vor allem weil Staatsunternehmen so viel Geld verloren. Teilweise lag es daran, daß sich die öffentliche Bereitschaft, die Kontrollen zu dulden, änderte. Teilweise lag es an der wachsenden Zahl von Menschen, die angefangen hatten, Wirtschaftswissenschaften zu studieren und die Idiotie der bolschewistischen Kontrollen begriffen. Teilweise lag es am High-Tech-Wachstum, das die Regierung weder verstehen noch kontrollieren konnte. Teilweise lag es am Druck internationaler Handelsabkommen.

Es gibt immer noch viele bolschewistische Kontrollen. Israels Gesundheitssystem besteht aus einer staatlichen Einheitskrankenkasse (single-payer: Beitragszahlungen gehen an eine Krankenkasse, und die ist staatlich) mit vier streng regulierten HMO-ähnlichen Anbietern. (Health Maintenance Organisationen bieten den Versicherten ein Leistungspaket mit Basis- und Zusatzversorgung und HMO-Ärzte erhalten meistens ein nach Kopfpauschalen berechnetes Budget.) Es funktioniert besser als man erwarten würde — aus versicherungsfremden Gründen: In Israel gibt es an jeder Ecke einen Dr. med. und eine junge Bevölkerung, die sich gut ernährt. Monopole und Kartelle gibt es immer moch in Mengen. Die Landwirtschaft ist immer noch weitgehend ineffizient und gegen Wettbewerb, und sie wird von Kartellen beherrscht, die von der Regierung errichtet wurden. Die Steuern sind zu hoch. Die Regierung besitzt einen großen Teil des Landes. Einige Bereiche sind durch den Protektionismus noch immer verzerrt, vor allem der Lebensmittelsektor.

Die Woodstock-aus-dem-Yarkon-Park-Demonstranten sind im großen und ganzen liberale linke säkulare Israelis, die eine Rückkehr zu den bolschewistischen Kontrollen der 1950er Jahre fordern. Sie sehnen sich nach der Rationierung und den Kürzungen der damaligen Zeit, weil sie glauben, daß sie von einer Kürzung nicht betroffen sein werden. Die zentrale Forderung der Demonstranten ist die Kontrolle der Mieten.

Dies wird am Ende den israelischen Wohnungsbestand zerstören und ältere Besitzer von Mietwohnungen arm machen, die diese Wohnungen mit der Absicht erwarben, im Alter Mieteinnahmen zu erzielen. Wie in New York und anderen Städten mit Mietpreisbindung, werden die Mietgrenzen Engpässe erzeugen, die bedingen, daß die wahren Kosten für Mietwohnungen steigen, und nicht sinken.

Die Demonstranten sehnen sich nach der sowjetischen Steppe. Sie fordern Preiskontrollen, damit aus Israel ein Land der Breschnew-Ära wird, in dem die Menschen ihre Tage damit verbringen, in Schlangen auf Waren zu warten, die immer knapper werden. Sie verlangen Märkte, die unterdrückt werden, und in denen soziale Gerechtigkeits-Kommandos entscheiden, wer in welcher Wohnung lebt, wer die Waren konsumiert, die fehlen, und wer was verdient. Sie bestehen darauf, daß sich die Löhne nach dem richten, was sich die Menschen nach Meinung der Demonstranten gerechterweise verdient haben. Da es in Israel nicht eine einzige Person gibt, die das verdient, was sie sich ihrer Meinung nach gerechterweise verdient hätte, ergibt sich die Forderung nach einem Lohndirektorium im sowjetischen Stil, das die Löhne für alle Berufe festlegt, und mit denen anfängt, für die gestreikt wird, wie den Ärzten. In anderen Worten: Löhne müssen nach Meinung der Demonstranten nicht die Märkte räumen oder Engpässe und Überschüsse signalisieren. Löhne sollten Maßnahmen der „Fairness“ sein. Versuchen Sie sich vorzustellen, was passiert, wenn sich für die Hälfte der Arbeitsplätze in Israel keine Bewerber finden, weil die fairen Löhne dort nicht ausreichen, um Arbeiter anzuziehen, während sich bei den anderen Arbeitsplätzen für jede Position sechs Bewerber finden, weil die fairen Löhne dort viel zu hoch sind, um den Markt zu räumen. Versuchen Sie sich vorzustellen, wie das Leben aussehen würde, wenn ein marxistischer Soziologe oder ein fürsorglicher Sozialarbeiter zum wirtschaftlichen Diktator berufen wird, um in Zion alle wirtschaftlichen Angelegenheiten und Entscheidungen zu entscheiden.

Jede Gesellschaft auf der Erde und jede Gesellschaft in der Geschichte der Menschheit kennt notleidende und arme Menschen. Es gibt in allen Ländern arme Menschen, auch in Skandinavien. Die Menschheit hat noch keine Innovation entdeckt, die Not und Armut beseitigt.

Doch die fürsorglichen bolschewistischen Träumer vom Rothschild-Boulevard in Tel Aviv — man beachte die Ironie des Namens — fordern eine magische Pille, die alle Not und Ungleichheit sofort beseitigt. Und das Versagen der Regierung, eine solche Pille anzubieten, beweist, daß dafür die bösen „Wirtschaftsmagnaten“ („tycoons“) verantwortlich sind, die verhindern, daß die Regierung dem Volk dient. „Menschen statt Gewinne“ ist das Motto derer, die zu dumm sind, um zu begreifen, daß Gewinne die einzige Möglichkeit sind, um Produzenten dazu zu kriegen, den Menschen zu dienen und Dinge zu produzieren, die die Menschen wollen. Wer Gewinne verbietet, ruft ein Massensterben hervor.

Der Wirtschaftsmagnaten-Fetisch (tycoon fetish) beherrscht weiterhin die Proteste. Ich hatte den Vorschlag gemacht, daß Michael Lerner sein idiotisches Magazin von Tikkun in Tycoon umbenennt. Viele israelische Wirtschaftsmagnaten wurden vor allem zu Zeiten des MAPAI-Sozialismus durch die Sauhäfeli-Saudeckeli-Mentalität des politisches Establishments und ihrer Amigo-Geschäfte zu Wirtschaftsmagnaten gemacht, zumindest außerhalb des High-Tech-Sektors.

Eine andere Ironie ist, daß das Einzige, was die Demonstranten von Netanyahu an „Reformen“ gelernt haben, die Einberufung von „Schnellplanungskommissionen“ („Planning Speed-up Kommissionen“) ist. Und die größte Ironie hierbei ist, daß diese Kommissionen hauptsächlich dazu beitragen werden, die „Wirtschaftsmagnaten“ zu mästen.

Israels kommunale Bauplanung ist ein undurchdringlicher Dschungel aus Korruption und Ineffizienz. Eine Genehmigung, um auf der Veranda eine Fensterscheibe einzusetzen, kostet zwei Jahre und eventuell müssen Sie die Stadtverwaltung auch noch bestechen. Der pingelige Papierkrieg zieht die Bauzeit in die Länge und beeinträchtigt die Immobilienpreise und deren Verfügbarkeit. Gleichzeitig erlauben diese Planungsdinosaurier eine gewisse öffentliche Beteiligung und Intervention, vor allem bei der Bekämpfung von schmutzigen Geschäften zwischen den korrupten Amigos der Kommunen und den „Wirtschaftsmagnaten“ der Bauwirtschaft. Korrupte Kommunalbeamte sind ständig bemüht, die Genehmigung für Bauprojekte zu bekommen, die ihre Bauunternehmer-Amigos bereichern, selbst wenn diese Projekte illegal oder häßlich sind, dem öffentlichen Interesse schaden, und in einigen Fällen auf öffentlichen Parks und Stränden gebaut werden. Die Beamten versuchen, Verordnungen und Raumordnungsgesetze zu beugen, um „ihren Freunden zu helfen“.

Als Trostpflaster für die Demonstranten hat der Knesset soeben die von Netanyahu vorgeschlagene Schaffung von „Schnellplanungskommissionen“ verabschiedet, um die bürokratischen Hindernisse abzubauen. Die Idee hat nur einen Haken: es sind immer noch zwei Jahre und eventuell einige Schmiergelder nötig, um auf der Veranda eine Fensterscheibe einzusetzen. Die Oligarchen werden den Schnellplanungs-Prozeß nutzen, um sinnvolle Raumordnungsgesetze zu unterdrücken und öffentlichen Widerstand beiseite zu schieben. Netanyahu bietet den Oligarchen außerdem öffentliches Land zu Preisen unter dem Marktwert an — Netanyahu glaubt, daß die Immobilienpreise dadurch sinken werden. In Wirklichkeit weiß jeder, der ein Studium der Wirtschaftswissenschaften begonnen hat, daß die Immobilienpreise dadurch nicht einen Schekel fallen werden, sondern daß stattdessen nur die Gewinne der Amigos aufgeblasen werden, die in das Geschäft einsteigen.

Hier finden Sie den Originalartikel, Israeli Marxism.

Von Demokratischen Spendern geleitete Solar-Unternehmen erhielten Kreditbürgschaften

2012/02/06

John Rossomando über nachhaltige Sonnenenergie-Pleiten.

(Anmerkungen in Klammern)

Eine Untersuchung des ‚Daily Caller‘ hat ergeben, daß neben dem Pleite gegangenen Unternehmen Solyndra mindestens vier weitere Solarhersteller, die von der Obama-Administration mehr als 500.000.000 Dollar an Kreditbürgschaften erhalten haben, Angestellte oder Vorstandsmitglieder beschäftigen, die den Demokraten große Wahlkampfspenden zukommen ließen.

Und während sich Fragen über mögliche Verbindungen zwischen und diesen bevorzugenden finanziellen Arrangements und politischen Spenden aufdrängen, fingen Obama’s Mitarbeiter im Weißen Haus am Mittwoch plötzlich an, die Fragen des ‚Daily Caller‘ an das ‚Democratic National Committee‘ (die Parteizentrale) umzulenken.

Die Anfrage nach einem Kommentar über die Verbindung zwischen demokratischen Großspendern und Bürgschaften der Obama-Regierung für die von ihnen vertretenen Firmen beantwortete das Weiße Haus dem ‚Daily Caller‘ am Mittwoch mit einem einzigen Satz: „Wir verweisen Sie mit Ihrer Frage an das Democratic National Committee.“

Über Solyndras finanzielle Gesundheit und Bedenken hinsichtlich der langfristigen Lebensfähigkeit berichtete der Daily Caller bereits im Februar — nun sind weitere Unternehmen hinzugekommen, die ebenfalls Bürgschaften erhielten.

Diese Unternehmen leiden trotz ihres bevorzugten Status im Weißen Haus unter sinkenden Aktienkursen. Doch mit dem Ende des Geschäftsjahres der Bundesregierung am Freitag (dem 30. September 2011) könnte sich eine neue Reihe von Bürgschaften ankündigen, die mehr als neun Mal so hoch sind wie das, was die Steuerzahler bereits an dem Pleite gegangenen Unternehmen Solyndra verloren haben.

Als der Daily Caller Joe Barton kontaktierte, den Republikanischen Abgeordneten für Texas, fragte dieser: „Wer war während dieser Zeit zu Besuch im Weißen Haus?“ Barton war ein Vorsitzender im Ausschuß für Energie und Handel (House Energy and Commerce Committee). „Mit wem haben sie gesprochen und worüber haben sie gesprochen? Gibt es weitere Bürgschaften, die in Gefahr sind, nicht zurückgezahlt zu werden? Sind dies sinnvolle Investitionen oder politische Gefälligkeiten?“

„Die Menschen in Amerika haben gerade eine halbe Milliarde Dollar verloren und bevor noch mehr Geld verschwendet wird, verdienen sie, daß diese Fragen beantwortet werden. Ich denke, bis wir genau wissen, was vor sich ging, sollten wir dieses Bürgschafts-Programm abbremsen und auf jeden einzelnen Fall einen genaueren Blick werfen.“

„Die Enthüllungen zeigen immer deutlicher, daß im Fall Solyndra Warnschilder mißachtet wurden,“ fuhr Barton fort. „Doch in den nächsten 48 Stunden wird das Energieministerium weitere 5.000.000.000 Dollar an Bürgschaften bewilligen — eine Frist, die noch geändert werden kann.“

Insgesamt haben Unternehmen wie First Solar, SolarReserve, SunPower Corporation und Abengoa SA von der Obama-Administration bereits Milliarden an Krediten erhalten, um im Südwesten der USA im Rahmen von Konjunkturprogrammen Solarkraftwerke zu bauen.

Doch mit Ausnahme des sich in Privatbesitz befindenden Unternehmens SolarReserve fielen die Aktienkurse der anderen Unternehmen jedesmal, wenn sie die Abgeordneten der Obama-Administration und des Kongresses zur Zustimmung zu Kreditbürgschaften in Milliardenhöhe gewinnen konnten.

Die Zeitung Hill berichtete am Mittwoch, daß das Energieministerium dem in Santa Monica, Kalifornien ansässigen Unternehmen SolarReserve für den Bau einer Solaranlage in Nevada eine Bürgschaft in Höhe von 737.000.000 Dollar zusicherte.

Dieses Unternehmen hat Beziehungen zu Milliardär George Kaiser aus Oklahoma, der im Jahr 2008 für Präsident Obamas Wahl 53.500 Dollar spendete. Durch sein Private Equity Unternehmen Argonaut verfügt Kaiser über eine Mehrheitsbeteiligung an Solyndra.

In der Person von Steve Mitchell, der zugleich im Aufsichtsrat von Solyndra dient, hat Argonaut einen Stimmrechtsanteil im Aufsichtsrat von SolarReserve.

Darüber hinaus zeigen Aufzeichnungen der Kontrollbehörde für Präsidentenwahlen (Federal Election Commission), die das ‚Center for Responsive Politics‘ veröffentlichte, daß James McDermott, Vorstandsmitglied von SolarReserve, seit 2008 insgesamt 61.500 Dollar zu verschiedenen Demokratischen Wahlen beisteuerte, darunter 30.800 Dollar zu Obamas Präsidentschaftswahl.

McDermotts Unternehmen ‚U.S. Renewable Energy Group‘ hat an SolarReserve eine erhebliche finanzielle Beteiligung und zog wegen Verbindungen zu Harry Reid, dem Mehrheitsführer im Senat, die Aufmerksamkeit auf sich — und weil grüne Arbeitsplätze angeblich nach China gingen.

Und Lee Bailey — Vorstandskollege bei SolarReserve und Investor bei U.S. Renewables Group‘ — spendete seit dem Jahr 2008 insgesamt 21.850 Dollar an demokratische Kandidaten, darunter Präsident Obama, den Mehrheitsführer im Senat Harry Reid, die kalifornische Senatorin Barbara Boxer und die damalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton.

Zum Vorstand von SolarReserve gehört auch Jasandra Nyker von der (grün-alternativen) Vermögensverwaltungsgesellschaft Pacific Corporate Group, in der Ronald Pelosi, der Schwager der ehemaligen Sprecherin des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi, eine führende Position hat.

Andere Zahlen des Center for Responsive Politics zeigen, daß SolarReserve an die Podesta Group im Jahr 2009 100.000 Dollar für  Öffentlichdrecksarbeit  Lobbyarbeit zahlte. Der Direktor des Unternehmens ist Tony Podesta, der Bruder von John Podesta — der Barack Obamas Team zur Regierungsübernahme (transition team) leitete. (Die friedensbewegte ‚grüne Heinrich Böll Stiftung‚ beschreibt ihn so: „John Podesta leitete das ‚TransitionTeam‘ von Präsident Obama, das den Machtwechsel von der Administration Bush zur neuen amerikanischen Regierung organisierte. Er gilt als einer der Vordenker für eine neue progressive Agenda in den Vereinigten Staaten.“)

Die Finanzen von SolarReserve sind nicht öffentlich einsehbar, da das Unternehmen privat geleitet wird, doch First Solar bietet ein transparentes Beispiel. Die Aktie des Solarenergie-Unternehmens seit ihrem Höhepunkt am 17. Februar 2011, an dem sie bei 170,80 Dollar erreichte, mehr als 100 Dollar an Wert verloren. Die Aktie des Unternehmens wurde am Mittwochnachmittag mit 65,77 Dollar gehandelt.

Dieser Marktsturz kam trotz der etwa 2.100.000.000 Dollar an Kreditbürgschaften, die First Solar vom Energieministerium erhielt. Das Unternehmen verkündete am Mittwoch, daß es sich für eine weitere Kreditbürgschaft in Höhe von 1.500.000.000 Dollar vor Ablauf des 30. September nicht qualifizieren würde.

First Solar Gründer und Vorstandsvorsitzender Michael Ahearn, der laut Reuters letzten Monat von dem Unternehmen einen Aktienanteil in Höhe von 68.900.000 Dollar verkaufte, hat, zusammen mit seiner Frau, während der letzten drei Amtszyklen an die Demokratische Partei und an Demokratische Kandidaten 123.650 Dollar gespendet, vor allem in Arizona.

Das größte Solarenergie-Unternehmen der Nation gab seit 2009 außerdem mehr als 1.500.000 Dollar aus, um im Kongreß und in der Obama-Regierung eine starke Lobby für die Konjunkturpakete und die daraus resultierenden grünen Jobs zu schaffen. Dazu zählten etwa 400.000 Dollar, die an die (Unternehmensberatungsgesellschaft) Washington Tax Group LLC gezahlt wurden, die auch Solyndra vertreten. (Das Phrasendresch der Firmenbeschreibung: „The Washington Tax Group LLC is a cutting-edge government relations firm specializing in the development and implementation of legislative and regulatory solutions on a broad range of tax, energy, agricultural, and financial services matters.“)

The Motley Fool‚, die Internetseite für Anleger, meldete am Mittwoch, daß First Solar eine potenziell düstere Zukunft bevorsteht, da ihre Technologie zunehmend im Schatten der Konkurrenz steht.

„Da die Kosten für [Solar] Kollektoren sinken, werden die Systemkosten immer wichtiger, was die aktuellen Probleme von First Solar unterstreicht,“ schreibt Travis Hoium auf Motley Fool. „Kollektoren, die weniger effizient sind, benötigen mehr Land, mehr Montagekräfte, und mehr Zusatzkomponenten als Kollektoren, die effizienter sind. Und weil es in Europa Einspeisevergütungen für Aufdachanlagen gibt, ist First Solar jetzt nicht mehr zeitgemäß.“

SunPower, die Konkurrenz von First Solar, hat für ein Solar-Projekt in Kalifornien eine vergleichbare Kreditbürgschaft in Höhe von 1.300.000.000 Dollar erhalten, doch was die finanzielle Gesundheit der Gesellschaft betrifft, war Wall Street alles andere als optimistisch.

Wie die Aktie von First Solar hat SunPower in den vergangenen Monaten enorm an Wert verloren. Am 29. April 2011 erreichte sie an der Börse 21,40 Dollar und jetzt liegt die Aktie unter 8,36 Dollar. Der Morningstar aus Toronto prognostiziert, daß das Unternehmen „sowohl 2011 als auch 2012 Verluste bekanntgeben wird“. Der Morningstar warnt, daß die Technologie von SunPower „im Vergleich zu seinen Konkurrenten zu teuer“ werden dürfte und erwartet in der absehbaren Zukunft nur „mittelmäßige“ Gewinne.

Für die  Öffentlichdrecksarbeit  Lobbyarbeit von Patrick Murphy, einem engen Vertrauten von Harry Reid, dem Mehrheitsführer im Senat, hat SunPower seit 2009 mindestens 290.000 Dollar gezahlt.

Im Jahr 2010 zahlte die Wahlkampfinitiative (political action committee) von SunPower 15.650 Dollar an Kongreß-Kandidaten der Demokraten und nur 500 Dollar an einen einzigen Kandidaten der Republikaner. Mit 4.000 Dollar ging das größte Stück vom Kuchen an Reid.

Das spanische Unternehmen Abengoa Solar erhielt für ein Solar-Projekt in Arizona eine Kreditbürgschaft in Höhe von 1.450.000.000 Dollar — und hat ähnliche finanzielle Nöte. Für ein anderes Projekt in Arizona erhielt Abengoa Solar vor kurzem eine zweite Kreditbürgschaft in Höhe von 1.200.000.000 Dollar.

Doch trotz der erfolgreichen Finanzierung durch die Obama-Administration hat das Unternehmen seit März beständig an Wert verloren. Der Aktienwert fiel von einem Hoch, das vor sechs Monaten bei 16,50 Dollar lag, am Mittwoch auf 10,45 Dollar pro Aktie.

Fred Morse, der unter Carter und Reagan im Energieministerium diente, leitet für Abengoa Solar die  Öffentlichdrecksarbeit  Lobbyarbeit. Laut dem Center for Responsible Politics hat das Unternehmen seit dem Jahr 2009 an Ernst and Young 330.000 Dollar für  Öffentlichdrecksarbeit  Lobbyarbeit gezahlt.

Laut dem Institute for Energy Research nahm Abengoa Solar auch die Hilfe der Demokratischen Senatorin für Kalifornien Dianne Feinstein in Anspruch, um das Energieministerium zu schnelleren Kreditbürgschaften zu drängen.

„Es ist falsch, wenn wir den Staat entscheiden lassen, wer die Gewinner und die Verlierer sind“, sagte Mark Kramer, ein Fakultätsmitglied der Wharton School of Business an der University of Pennsylvania. „Wenn sie nicht privat finanziert werden können, dann sollten sie wohl nicht existieren.“

In einem Interview mit dem Daily Caller beschrieb Kramer diese Firmen als Fehlinvestitionen, deren Zusammenbruch nicht die Steuerzahler finanzieren sollten.

Doch Rhone Resch, der Geschüftsführer des Industrieverbandes Solarenergie (Solar Energy Industries Association), verteidigt das Kreditbürgschaftsprogramm als eine Investition in saubere Technologien, die Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen und die Innovation vorangetrieben haben.

Er vertritt die Meinung, daß die Vereinigten Staaten in die amerikanischen Solarunternehmen investieren müssen, damit sie wachsen, was angesichts der chinesischen Konkurrenz schwieriger geworden ist.

Der harte Wettbewerb wurde als ein Hauptgrund angegeben, als Evergreen Solar aus Massachusetts und SpectraWatt aus New York Anfang dieses Jahres Gläubigerschutz beantragten.

Hier finden Sie den Originalartikel, More solar companies led by Democratic donors received federal loan guarantees.

Lagert Apples Suizid-Fabrik Arbeitsplätze an noch billigere chinesische Bauern aus?

2012/01/26

David Gewirtz über die Arbeitsbedingungen beim Produzenten von Steve Jobs elektronischem Schminkkasten.

(Literaturempfehlung für alle, die schon immer etwas von Wirtschaft verstehen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten: Der zerdachte Staat von Walter Wannenmacher oder jedes x-beliebige Buch von Roland Baader.)

(weitere Anmerkungen in Klammern)

Zusammenfassung: Kaufen Sie sich Ihre Geräte aus der Consumer-Elektronik-Branche. Dadurch gelangt Nahrung in Münder. Es gelangt aber auch Blut an unsere Hände.

Dies ist eine schwierige Geschichte, denn sie ist schrecklich, egal wo man anfängt. Selbst wenn Sie dachten, Sie würden die ganze Geschichte kennen — Sie kennen sie nicht. Wir fanden diese Woche heraus, daß es noch schlimmer kommt.

Zunächst einige Hintergrundinformationen.

„Laufe in deinen Tod“

Apples iPad, iPhone und andere Apple-Produkte werden in China von einer 61.000.000.000-Dollar-Firma namens Foxconn hergestellt. Laut Reuters ist Foxconn der weltweit größte Hersteller elektronischer Komponenten. Außer für Apple produziert Foxconn unter anderem auch für HP und Dell.

Im vergangenen Mai erfuhren wir von einer Reihe von Suiziden auf Apples Produktionsstraße. Bis zum 27. Mai (2010) hatten 16 Menschen versucht, sich durch einen Sprung von Fabrikdächern ihr Leben zu nehmen — 12 erfolgreich. Mindestens 20 weitere wurden aufgehalten, bevor sie springen konnten. Reuters berichtet, daß chinesische Arbeiter „Foxconns chinesischen Namen verdreht haben, so daß er jetzt wie ‚Laufe in deinen Tod‘ klingt“.

51 Cent pro Stunde

Die Firma spannt Netze zwischen den Gebäuden, um Menschen, die springen, zu fangen. Foxconn-Vorstand Terry Gou erklärt: „Es ist eine ungeschickte Lösung, aber sie kann Leben retten.“

Am 10. jeden Monats haben die Arbeiter bei Foxconn ihren einzigen guten Tag. Das liegt daran, weil sie das chinesische Äquivalent von 130 Dollar bekommen. Das sind 130 Dollar für etwa 240 Stunden Arbeit. Die Rechnung ist beunruhigend. Diese Arbeiter verdienen etwa 51 Cent pro Stunde.

Es ist anzumerken, daß Apples Arbeiter bei Foxconn Überstunden machen, so daß sie pro Woche 70 Stunden arbeiteten. Apple ordnete an, daß pro Woche maximal 20 Überstunden gemacht werden dürfen, weshalb die Arbeiter bei Foxconn jetzt nur 60 Stunden pro Woche arbeiten. Natürlich verdienen sie immer noch nur 51 Cent pro Stunde.

Im Gegensatz dazu liegt das Reinvermögen von Terry Gou laut Forbes bei 5.500.000.000 Dollar. Steve Jobs Reinvermögen liegt bei 6.100.000.000 Dollar.

51 Cent pro Stunde sind anscheinend zu viel

Ich schrieb eine Menge über die chinesischen Arbeiter in (meinem Buch) How To Save Jobs. Ich schrieb darüber, daß „Mittelschicht“ für viele chinesische Arbeiter bedeutet, stolze 2 Dollar pro Tag zu verdienen — ein Teil jenes Kapitels ist auf CNN zu finden: China on $2 a day. Ein Arbeiter bei Foxconn verdient viel mehr als ein klassischer chinesischer Bauer.

In „How To Save Jobs“ sprach ich darüber, wie die „Mittelklassierung“ chinesischer Arbeiter die Kosten von Waren für amerikanische Unternehmen, die Arbeitsplätze nach China auszulagern, nach oben treiben wird. Ich schrieb, da Arbeiter in China mehr verdienen, müssen Unternehmen an neuen Orten Arbeiter suchen — Menschen, die bereit sind, für weniger Geld zu arbeiten.

Dies ist eine Möglichkeit, was bei Foxconn geschah. Und genau hier wird unsere Geschichte noch beunruhigender.

In Longhua, einem Vorort der riesigen chinesischen Industriestadt Shenzhen, arbeiten die meisten Foxconn-Arbeiter. Es scheint, daß für die Arbeiter in Shenzhen 51 Cent pro Stunde zu viel sind. Denken Sie daran, diese Arbeiter arbeiten unter einem solchen Druck, daß sich im Einzugsgebiet der Fabrik Suizide häufen.

Laut einem anderen Bericht von Reuters investiert Foxconn für ein neues Werk in Chengdu in der Größenordnung von 10.000.000.000 Dollar. Warum? Laut Reuters „expandiert Foxconn … dorthin, wo die Löhne niedriger und die Arbeiter zahlreicher sind“.

Foxconn investiert Milliarden von Dollar, um ein Werk zu bauen, wo es den Arbeitern noch weniger als 51 Cent pro Stunde bezahlen kann.

Der Rest der Geschichte

Auf der anderen Seite ist die Geschichte differenzierter, als es auf den ersten Blick scheint. In der Reuters-Meldung vom Mai wird Gou mit den Worten zitiert, daß er erwägt, mit den Fabriken dichter in die Nähe der Familien der Arbeiter zu ziehen.

Sowohl Gou als auch Jobs befinden sich in einer Zwickmühle. Laut dem Reuters-Interview schien Gou wegen den Todesfällen der Arbeiter wirklich besorgt zu sein, steht aber auch vor dem Problem, mit einer beinahe wahnsinnigen Nachfrage mithalten zu müssen, die die Arbeiter bis zum Zerreißen belastet.

Wir von der Presse sind daran nicht unbeteiligt. Wann immer Apple — und, in geringerem Umfang, andere Anbieter — nicht mit der Nachfrage mithalten können, kritisieren wir häufig das Management wegen der schlechten Planung. Dies kann durchaus bedeuten, daß unsere Kritik dadurch ausgeräumt wird, daß einige ausländische Arbeiter über ihre Grenzen hinaus belastet werden.

Es sollte auch darauf hingewiesen werden, daß das Foxconn-Werk für ein Schwellenland eigentlich sehr fortschrittlich ist. Die Arbeiter verdienen deutlich mehr als fast alle anderen, die in China die gleiche Arbeit machen.

Beklagenswerte Arbeitsbedingungen sind nicht nur auf Foxconn beschränkt — nicht einmal auf China. Es gibt einen faszinierenden Film mit dem Titel Shipbreakers, der die absolut erbärmlichen Bedingungen in Indien zeigt, unter denen Arbeiter (ähnlich wie in dem Film Eisenfresser) alte Schiffe abwracken. Die Arbeiter sind dabei zu sehen, wie sie über Metallschrott und durch giftiges Wasser laufen — barfuß.

Aber selbst damit ist nicht alles so klar, wie es sein könnte. Diese schlecht bezahlten Arbeiter würden sonst verhungern, und Hunderttausende aus dem ganzen Land machen sich auf den Weg und wandern zum Hafen der Schiffsverschrotter, weil es eine Arbeit ist, die sich lohnt — auch wenn sie tötet.

Die traurige Tatsache ist, daß der weltweite durchschnittliche Jahreslohn 7.000 Dollar beträgt. Bedenkt man, wie viel wir in Amerika verdienen und wie viele Reiche es weltweit gibt, bedeutet das, daß es auf dem Planeten eine enorme Zahl von Menschen gibt, die viel weniger als 7.000 verdienen.

In China beträgt der durchschnittliche Jahreslohn pro Person 4.325 Dollar. Angesichts der extremen Einkommensunterschiede zwischen Milliardären wie Terry Gou und armen Bauern im Hinterland, verdienen Milliarden von Chinesen jedes Jahr viel weniger.

Hier ist eine Vorstellung: bei meinen Recherchen für How To Save Jobs, errechnete ich, daß in China und Indien mehr Menschen hungern als es in Amerika Menschen gibt.

Was sollen wir tun? Was sollen wir denken?

Dies ist ein zutiefst beunruhigendes Thema. Brauchen wir Amerikaner unser elektronisches Spielzeug wirklich so sehr, daß wir bereit sind, wegzuschauen, wenn unsere Mitmenschen durch den Druck sterben, unter den sie gestellt werden, um das Leben von Sklaven zu führen? (Die Frage geht weiter an die Apple-süchtige  Kinderpartei  Piratenpartei, die gerne bereit wäre, für ihr Spielzeug eine Null mehr zu bezahlen, wenn es überall auf der Welt Armuts-Gleichheit und Gratis-Nahverkehr gäbe.)

Ja, ich weiß, diese Leute werden bezahlt und Sklaven werden nicht bezahlt, aber wo ziehen wir die Grenze? An welchem Punkt wird alles zu viel — die Anstrengung, die Überstunden, das Verbot, mit anderen Arbeitern zu reden, die Arbeitsbedingungen, daß Arbeitnehmer stundenlang stehen müssen, ohne sich bewegen oder strecken zu können, die Schläge, an welchem Punkt wird all das für uns zu viel, um es akzeptieren zu können?

Es ist nicht leicht zu beantworten. Millionen von Amerikanern verlassen sich auf ihre Arbeit in der Elektronik- und Computerindustrie und diese Arbeitsplätze sind letztlich abhängig von unseren kontinuierlichen Einkäufen bezahlbarer Elektronik. Wenn wir den Kauf unserer iPads und iPhones — und Laptops und Desktops und Motherboards — stoppen, würden die Amerikaner Arbeitsplätze verlieren.

Wir können diese Geräte auch nicht in den USA bauen und verkaufen.

Laut Wolfram Alpha beträgt der amerikanische Medianlohn 42.270 Dollar pro Jahr. (Medianlohn heißt, daß je die Hälfte der Lohnempfänger mehr bzw. weniger als diese Zahl x erreicht.) Das bedeutet, jeder Arbeiter kostet die amerikanischen Arbeitgeber in der Regel 15,57 Dollar pro Stunde. Lassen wir die hohen Kosten für die Arbeitgeberleistungen außer acht. Trotzdem verdient der typische amerikanische Arbeitnehmer 30-mal mehr als der Arbeiter bei Foxconn.

Das iPad der unteren Preisklasse kostet 499 Dollar. Würden es Amerikaner bauen, müßte es 14.970 Dollar kosten. Niemand würde ein iPad für 14.970 Dollar kaufen. Niemand würde einen Laptop der mittleren Preisklasse für 23.970 Dollar kaufen. Niemand würde ein Smartphone für 5.970 Dollar kaufen.

Der einzige Weg, an unsere preiswerten Elektronikprodukte zu bekommen, ist, ganz wörtlich, über das Blut anderer Menschen, die im Elend arbeiten.

Und doch.

Wenn wir uns einfach entscheiden, auf den Kauf von Elektronikprodukten zu verzichten, würden nicht nur amerikanische Arbeitsplätze verloren gehen, sondern auch die Arbeitsplätze jener ärmlichen chinesischen Arbeiter.

Die traurige, traurige, schrecklich traurige Tatsache ist, daß diese Arbeitsplätze tatsächlich für viele der Arbeiter bei Foxconn gut sind. Weil sie so viel mehr als ihre chinesischen Brüder verdienen, versuchen sie verzweifelt, die Arbeit zu behalten, auch wenn die Arbeit, fast wörtlich, Folter ist. Durch die Arbeit bei Foxconn können sie Geld nach Hause schicken, zu hungernden Familien, können sie einige ihrer Kinder zur Schule schicken, können sie leicht aufsteigen, auf der unfaßbar brutalen ökonomischen Leiter, die in China existiert.

Sind diese Mißstände Terry Gous Schuld? Sind sie Steve Jobs‘ Schuld? Sind sie unsere Schuld?

Chinesische Arbeiter — und viele andere Menschen auf der ganzen Welt — leben unter furchtbaren Bedingungen. Wir Amerikaner haben weit mehr Glück, alle von uns, als es sich fast jeder hier vorstellen kann.

Ich sähe gerne, daß Terry Gou die schrecklichen Beschränkungen seiner Arbeiter aufhebt. Hier in Amerika möchte ich die Führungskräfte bei Apple, die für den Vertrag mit Foxconn verantwortlich sind, ermutigen, Foxconn zu helfen, besseren Arbeitsbedingungen Vorrang zu geben.

Tatsache ist, wir werden unsere Elektronikprodukte weiter kaufen. Die gute Nachricht ist, daß dadurch Nahrung in Münder gelangt. Die schlechte Nachricht ist, daß dadurch auch Blut an unsere Hände gelangt. So ist unsere Welt.

Hier finden Sie den Originalartikel, Is Apple’s suicide factory outsourcing to even cheaper Chinese peasants?