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DIE CLOWARD-PIVEN-STRATEGIE

2012/12/14

Richard Poe auf DISCOVER THE NETWORKS über Sozialhilfe und bedingungsloses Grundeinkommen als Wutbürgerkeulen.

cloward-piven

Die seit 1966 nach Richard Andrew Cloward und Frances Fox Piven, Soziologen der Universitiät Columbia, benannte „Cloward-Piven-Strategie“ versucht, das Ende des Kapitalismus zu beschleunigen, indem die staatliche Bürokratie mit einer Flut von unerfüllbaren Forderungen überlastet wird, was zu sozialen Krisen und zum wirtschaftlichen Zusammenbruch führen soll.

Angeregt durch die Unruhen vom August 1965 im schwarzen Stadtteil Watts in Los Angeles — die ausbrachen, nachdem die Polizei Schlagstöcke eingesetzt hatte, um einen Afroamerikaner unter Kontrolle zu kriegen, der unter dem Verdacht der Trunkenheit am Steuer stand — veröffentlichten Cloward und Piven am 2. Mai 1966 in THE NATION einen Artikel mit dem Titel „Die Bedeutung der Armen: Eine Strategie, zur Beendung der Armut“ („The Weight of the Poor: A Strategy to End Poverty“). Nach der Veröffentlichung verkaufte THE NATION beispiellose 30.000 Nachdrucke. Aktivisten waren von der sogenannten „Krisenstrategie“ oder „Cloward-Piven-Strategie“, wie sie später genannt werden sollte, begeistert und viele brannten darauf, sie in die Tat umzusetzen.

In ihrem Artikel von 1966 beschuldigten Cloward und Piven die herrschenden Klassen, daß sie den Wohlfahrtsstaat dazu nutzen, die Armen zu schwächen und daß die Reichen ein soziales Sicherheitsnetz anbieten, um das Feuer der Rebellion zu löschen. Arme Menschen können nur Fortschritte machen, wenn „der Rest der Gesellschaft Angst vor ihnen hat“, sagte Cloward am 27. September 1970 gegenüber der NEW YORK TIMES. Statt die Armen mit Almosen der Regierung zu beschwichtigen, schrieben Cloward und Piven, sollten Aktivisten daran arbeiten, das Sozialsystem zu sabotieren und zu zerstören; der Zusammenbruch des Wohlfahrtsstaates würde eine politische und finanzielle Krise auslösen, die das Land erschüttern würde; arme Leute würden sich in Revolten erheben; nur dann würde „der Rest der Gesellschaft“ ihre Forderungen akzeptieren.

Die Aufdeckung der Unzulänglichkeit des Wohlfahrtsstaates wäre der Schlüssel zur Entzündung dieser Rebellion. Als Beispiel für ihre Inspiration zitierten die ersten Unterstützer von Cloward und Piven den radikalen Gemeinwesenarbeiter / Bürgerorganisator / Stadtteilarbeiter / Community-Organizer Saul Alinsky: „Der Feind soll seinem eigenen Regelkatalog gerecht werden“, schrieb Alinsky 1974 in seinem Buch „Die Stunde der Radikalen“ (1971, „Rules for Radicals“). Alle jüdisch-christlichen Moralgrundsätze (Anm.: Kennen Sie auch nur einen einzigen jüdischen Moralgrundsatz aus Tora oder Talmud?), alle Versprechen des freiheitlichen Gesellschaftsvertrages, und alle menschlichen Ämter werden zwangsläufig versagen, wenn sie gezwungen werden, jedes Wort von jedem Gesetz und jedem Statut zu honorieren. Das Versagen des Systems, seinem Regelwerk „gerecht“ zu werden, kann dann genutzt werden, um es insgesamt zu diskreditieren und das kapitalistische „Regelwerk“ durch ein sozialistisches zu ersetzen.

Die Autoren schrieben, daß die Zahl der Amerikaner, die Sozialhilfe in Anspruch nehmen — zu jener Zeit über 8 Millionen — wahrscheinlich weniger als die Hälfte derer repräsentierten, die einen vollen Förderanspruch hätten. Sie schlugen vor, „verstärkt die Armen für die Sozialhilfezahlungen zu rekrutieren“. Cloward und Piven rechneten mit dem Bankrott des Systems, wenn auch nur ein Bruchteil der potentiellen Sozialhilfeempfänger überzeugt werden könnte, ihre Ansprüche geltend zu machen. Als Ergebnis prognostizierten sie „eine tiefe finanzielle und politische Krise“, die „starke Kräfte … für große wirtschaftliche Reformen auf nationaler Ebene entfesseln würde“.

Ihr Artikel fordert „Kader aus aggressiven Organisatoren“, diese nutzen „Demonstrationen, um ein Klima der Militanz zu schaffen“. Die drohende schwarze Gewalt würde die Politiker einschüchtern, die die Bundesregierung zu Hilfe rufen würden. Sorgfältig orchestrierte Medienkampagnen sympathisierender linker Journalisten verbreiten den Gedanken an „ein föderales Programm der Einkommensumverteilung“ in Form eines garantierten Einkommens für alle Menschen — arbeitende und nicht-arbeitende gleichermaßen. Behördenvertreter würden diese Idee aufgreifen wie Ertrinkende eine Rettungsleine. Sie würden auf Washington Druck ausüben, damit sie umgesetzt werden. Mit jeder größeren Stadt, in der Proteste ausbrechen, wäre Washington gezwungen, zu handeln.

Dies ist ein Beispiel für Bewegungen, die gemeinhin Trojanisches Pferd genannt werden — Massenbewegungen, deren äußerer Zweck zu sein scheint, den Unterdrückten materiell zu helfen, deren eigentliches Ziel es jedoch ist, arme Menschen als revolutionäres Fußvolk zu rekrutieren; Massen von armen Menschen zu mobilisieren, um die Behörden mit einer Flut von Forderungen zu überwältigen, die über deren Kapazitäten hinausgehen. Die Flut von Forderungen soll das Budget sprengen, das bürokratische Getriebe blockieren, und das System zum Einsturz bringen. Begleitet von Angst, Unruhe, Gewalt und wirtschaftlichen Krisen würde ein solcher Zusammenbruch die perfekten Bedingungen für einen radikalen Wandel schaffen. Das war die Theorie.

Cloward und Piven rekrutierten einen militanten schwarzen Organisator namens George Wiley, der ihre neue Bewegung anführte. Im Sommer 1967 gründete Wiley die „Landesorganisation für Sozialrechte“ („National Welfare Rights Organization“, NWRO). Seine Taktik folgte den Empfehlungen aus Cloward und Pivens Artikel. Seine Anhänger marschierten — häufig gewalttätig — in die Sozialämter der Vereinigten Staaten, terrorisierten die Mitarbeiter und forderten lautstark jeden Cent, zu dem sie das Gesetz „befugt“. Bis 1969 hatte die NWRO mit 523 Ortsverbänden im ganzen Land eine Mitgliederzahl von 22.500 beitragszahlenden Familien.

Die NEW YORK TIMES schrieb am 27. September 1970 über Wileys Taktik: „Es gab Sitzstreiks in gesetzgebenden Kammern, einschließlich einer Anhörung im Senat der Vereinigten Staaten, Massendemonstrationen von mehreren tausend Sozialhilfeempfängern, Schulboykotts, Streikposten, berittene Polizeieinsätze, Tränengas, Festnahmen — und gelegentlich Steinwürfe, zertrümmerte Glastüren, umgestürzte Tische, verstreute Papiere und herausgerissene Telefone.“

Diese Methoden erwiesen sich als wirksam. „Die Überflutungsstrategie übertraf Wileys kühnste Träume“, schreibt Sol Stern im CITY JOURNAL. „Von 1965 bis 1974 stieg die Zahl der alleinerziehenden Sozialhilfeempfänger von 4.300.000 auf 10.800.000, trotz einer meist günstigen Konjunktur. In den frühen 1970er Jahren kamen in New York City auf einen Sozialhilfeempfänger jeweils zwei Personen, die in der Privatwirtschaft arbeiteten.“

Als direkte Folge der hohen Sozialhilfeausgaben mußte New York City im Jahr 1975 den Bankrott erklären. Der gesamte Staat New York ging fast mit unter. Die Cloward-Piven-Strategie hatte sich bewährt.

Der Cloward-Piven-Plan hing vom Überraschungsmoment ab. Sobald sich die Gesellschaft vom ersten Schock erholt hatte, begann der Gegenschlag. New Yorks Krise des Sozialhilfesystems entsetzte Amerika und führte zu einer Reformbewegung, die schließlich „das Ende des Sozialstaates, wie wir ihn kennen“ (Anm.: das Statement „the end of welfare as we know it“ stammt von Bill Clinton) zur Folge hatte — das „Gesetz über persönliche Verantwortung und Arbeitsmöglichkeiten“ („Personal Responsibility and Work Opportunity Reconciliation Act“, PRWORA) von 1996, das der staatlichen Sozialhilfe Fristen, strenge Zulassungskriterien und Arbeitsanforderungen auferlegte. An der Unterzeichnung des Gesetzesentwurfs durch Präsident Clinton im Weißen Haus nahmen (Anm.: am 22. August 1996) beide, Cloward und Piven, als Gäste teil.

Die meisten Amerikaner haben bis heute noch nie von Cloward und Piven gehört. (Anm.: Von den Europäern ganz zu schweigen, die sich mit dem bedingungslosen Grundeinkommen seit Jahren immer häufiger das Hirn waschen.) New Yorks Bürgermeister Rudolph Giuliani versuchte jedoch, sie in den späten 1990er Jahren bloßzustellen. Als seine Reformbestrebungen des Sozialsystems an Dynamik gewannen, nannte Giuliani die militanten Gelehrten beim Namen und zitierte ihr Manifest von 1966 als Beweis, daß sie bewußte ökonomische Sabotage betrieben. „Das war kein Zufall“, klagte Giuliani 1997 in einer Rede. „Es war nicht übernatürlich, es war nicht atmosphärisch. Dies ist das Ergebnis strategischer politischer Programme, die entwickelt wurden, damit die maximale Anzahl von Menschen von Sozialhilfe lebt.“

Cloward und Piven enthüllten ihre Absichten nie wieder so offen, wie sie es in ihrem Artikel von 1966 getan hatten. Trotzdem setzte ihr Aktivismus in den Folgejahren weiter auf die Taktik der Überlastung des Systems. Als die Öffentlichkeit ihre Sozialhilfestrategie durchschaute, machten Cloward und Piven einfach weiter und übten Druck auf andere Sektoren der Bürokratie aus, wo sie Schwächen erkannten.

1982 gründeten alte Genossen der Cloward-Piven-Strategie eine neue „Wahlrechtsbewegung“, die vorgeblich die unvollendete Arbeit des Wahlrechtsgesetzes (Voting Rights Act) von 1965 aufnehmen wollte. (Anm.: 1965 bekamen Analphabeten das Wahlrecht — es ist ja aber eine gute Sache, wenn Analphabeten wählen dürfen, so wie es auch eine gute Sache wäre, wenn bereits ab der Einschulung gewählt werden dürfte, nachdem die Kinder quasi ein Jahr lang öffentlich-rechtlich indoktriniert wurden.) Wie ACORN, die Organisation, die jene Aktion anführte, wurde die neue „Wahlrechtsbewegung“ von Veteranen aus George Wileys Sozialhilfe-Kreuzzug angeführt. Die Flaggschiff-Organisationen, „Projekt Vote“ and „Human SERVE“, wurden beide 1982 gegründet. Projekt Vote ist eine ACORN Fassadenorganisation, gegründet vom ehemaligen NWRO Organisator und ACORN Mitbegründer Zach Polett. Human SERVE wurde von Richard A. Cloward und Frances Fox Piven gegründet, zusammen mit einem ehemaligen NWRO Organisator namens Hulbert James.

Alle drei Organisationen — ACORN, Project Vote and Human SERVE — widmeten sich intensiv der Lobbyarbeit für das so genannte „Kraftfahrzeug-Wähler-Gesetz“, („Motor-Voter-law“) das Bill Clinton schließlich im Jahr 1993 unterzeichnete. (Anm.: Menschen, die so arm waren, daß sie ein Auto besaßen, konnten sich durch das Gesetz, wenn sie ein Nummernschild beantragten, für die Wahl registrieren lassen, was ungefähr so dreist ist, wie jedem eine Wählerstimme zu geben, der per E-Mail eine Kinokarte reserviert — unter den 24 Millionen windigen Wählerregistrierungen sind 1,8 Millionen Namen von Verstorbenen und 2,75 Millionen Mehrfachregistrierungen). Das Motor-Voter-Gesetz ist weitgehend verantwortlich für eine Wählerflut aus „totem Holz“ („dead wood“) — ungültige Registrierungen auf den Namen von verstorbenen, unzulässigen oder nicht existenten Personen — was sowohl einem beispiellosen Wahlbetrug Tür und Tor öffnete, als auch Klagen über den „Entzug des Wahlrechts“ in späteren Wahlen.

Die neue Koalition für „Wahlrechte“ kombiniert das Ziel, Wählermassen zu registrieren — in der Regel mit einem hohen Anteil an Betrugsfällen verbunden — mit systematischen Einschüchterungen von Wahlhelfern in Form von unseriösen Zivilprozessen, unbegründeten Klagen wegen „Rassismus“ und „Entmündigung“, sowie Straßenprotesten, die auch gewalttätig sein können, namens „Direkte Aktion“ (Anm.: Ein Begriff, der 1912 bei der Anarchistin Voltairine de Claire auftauchte und der auch Sabotage beinhaltet). So wie sie in den 1960er Jahren die amerikanischen Sozialämter überfluteten, versuchen Cloward-Piven-Anhänger nun, das unterbesetzte und schlecht überwachte Wahlsystem des Landes zu überwältigen. Ihre Taktik bereitete im Jahr 2000 die Bühne für die Krise der Neuauszählung in Florida und gab den US-Wahlen einen Beigeschmack von Angst, Spannung und düsteren Vorahnungen, wie sie bisher vor allem aus Ländern der Dritten Welt bekannt waren.

Sowohl die Stimmrechts-Bewegung als auch die Bewegung für ein bedingungsloses Grundeinkommen sind beide stark von George Soros‚ finanzieller Unterstützung durch seine „Stiftung Offene Gesellschaft“ („Open Society Institute“) und seine „Schatten-Partei“ abhängig, wodurch als Vorlage für die ehrgeizigen Aktionen der Linken auch die Cloward-Piven-Strategie unterstützt wird.

Eine ausführlichere Analyse der Cloward-Piven-Strategie finden Sie hier.

Hier finden Sie den Originalartikel, The Cloward-Piven Strategy.

Im basisdemokratischen Informationsdachverband Wikipedia finden Sie natürlich nichts davon.

Der Eintrag zu Richard A. Cloward ist mit folgendem kulturell wertvollen Ballast angereichert:

Cloward studierte an der Columbia University Sozialarbeit und Soziologie und arbeitete danach als Sozialarbeiter. Seit 1954 lehrte er an der Columbia University Sozialarbeit und nach seiner Promotion 1958 Soziologie. Cloward entwickelte gemeinsam mit Lloyd E. Ohlin die merton’sche Anomietheorie weiter und verknüpften sie mit der Subkulturtheorie. Nach ihrer Auffassung steigt die Kriminaitätswahrscheinlichkeit nicht allein aus Mangel an legitimen Mitteln zur Erreichung allgemein üblicher Ziele. Es komme entscheidend auch auf die Verfügbarkeit illegitimer Mittel an, die in Subkulturen eher zur Verfügung gestellt würden.

Und im Text zu seiner Frau, Frances Fox Piven, erfahren Sie, daß die Forschung festgestellt hatte, daß arme Menschen gerne Wählen gehen, Sozialhilfe in Anspruch nehmen und Auto fahren:

Während ihrer gesamten Laufbahn verband Piven ihre akademische Arbeit mit sozialem und politischem Engagement. Ein Beispiel: 1983 war sie Mitgründerin von Human SERVE, einer Organisation, die Menschen dazu zu bringen versuchte, sich für die Wahlen registrieren zu lassen. Der Vorschlag der Gruppe war, dass Menschen, die soziale Dienste in Anspruch nahmen oder mit der KFZ-Verwaltung zu tun hatten, auf eine Registrierung angesprochen werden sollten. Die Forschung hatte ergeben, dass gerade Arme sich oft nicht registrieren ließen. Die Initiative von Human Serve wurde von der Regierung Clinton aufgegriffen und 1993 der National Voter Registration Act novelliert. Diese Fassung des Gesetzes ist im Volksmund als „motor voter bill“ (Ehrenreich 2006) bekannt.

Nach andauernden Anfeindungen durch den ultrakonservativen Fox-Nachrichtensprecher Glenn Beck erhielt Piven wiederholt Morddrohungen

Obama-Verbündete will Alinsky-Aufnahme nicht freigeben

2012/03/07

Ben Shapiro über ein geheimes Theaterstück über den Erfinder der Bürgerinitiative, Stadtteilarbeit und Gemeinwesenentwicklung.

(Anmerkungen in Klammern)

Quellen informierten Breitbart.com heute, daß Pam Dickler, die Regisseurin des Chicagoer Theaterstücks „The Love Song of Saul Alinsky“ aus dem Jahr 1998, das eine Podiumsdiskussion mit dem damaligen Senator Barack Obama beinhaltete, eine Aufnahme des Theaterstücks besitzt.

Und sie will sie nicht freigeben.

„Es gibt nur eine Archiv-Aufnahme des Stücks, und ich besitze sie“, informierte Dickler unsere Quelle. „Sie ist nicht in Chicago.“

Dickler sagte unserer Quelle, daß sie nicht glaubt, daß sie die Aufnahme jemals angesehen hat, und sie weiß nicht, ob sie „angesehen werden kann“. Aber sie fügte hinzu: „Niemand wird die Aufnahme zu sehen bekommen.“

Sie sagte, sie fühlte sich „sehr beschützerisch … wegen all dem Interesse von Konservativen“. Sie sagte unserer Quelle auch, daß das Plakat für das Theaterstück nie verbreitet werden sollte.

Dickler fügte hinzu, daß es von der Podiumsdiskussion keine Abschriften gäbe.

„Sie wußten nicht, daß er weitermachen würde, um Präsident zu werden“, sagte sie. „Wenn sie das gewußt hätten, würden sie selbstverständlich irgendwelche Abschriften behalten haben, aber es wurden nie irgendwelche gemacht.“

Journalisten haben versucht, Andrew Breitbarts gestrigen Artikel über das Theaterstück abzutun, indem sie behaupteten, daß Obama lediglich die Produktion besucht hätte — eine Verteidigung, die Michael Miners Artikel im Chicago Reader vermittelt.

Allerdings bemerkte selbst Miner, daß Obama das Theaterstück nicht bloß besuchte — er war auf dem Plakat und in der anschließenden Podiumsdiskussion zu sehen.

Aber wenn das Theaterstück so harmlos ist, warum verstecken es Obamas Verbündete dann?

Warum geben sie die Aufnahme nicht frei? (Warum? Warum? Wären Journalisten etwa begeistert, wenn Otto Schily Anno Tobak an einer Podiumsdiskussion eines Theaterstücks über Terrorismus teilgenommen hätte? Oder Angela Merkel an einer Podiumsdiskussion eines Theaterstücks über Karl Marx? Andererseits ist es völlig unerheblich, weil selbst wenn Obama an einer Podiumsdiskussion eines Theaterstücks über Alinsky teigenommen hätte, in dem er Embryos ißt und Sex mit Leichen hat, würden Journalisten kein Interesse daran haben.

Hier finden Sie den Originalartikel, Obama Ally Won’t Release Alinsky Tape.

(Klicken Sie auf den letzten Link, um zu sehen wie oft die Suchmaschine diese Schlagzeile findet.)

SAUL ALINSKY

2012/02/02

John Perazzo auf DISCOVER THE NETWORKS über den Erfinder der Bürgerinitiative, Stadtteilarbeit und Gemeinwesenentwicklung, in Nebelsprech „Community Organizing“ genannt.

(Folgende Widmung in Saul Alinskys Buch ‚Rules for Radicals‚ hat es nicht in die deutsche Übersetzung ‚Die Stunde der Radikalen‚ geschafft: „Wie könnten wir eine kleine Würdigung des allerersten Radikalen vergessen: Aus all unseren Legenden, Mythen und der Geschichte — und wer weiß genau, wo Mythen enden und die Geschichte beginnt, oder was davon was ist — ist uns der erste Radikale bekannt, der gegen das Establishment rebellierte, und das so erfolgreich, daß er immerhin sein eigenes Königreich erkämpfte — Luzifer.“)

(weitere Anmerkungen in Klammern)

Saul Alinsky

— Legte eine Reihe zielgerichteter Regeln und Taktiken fest, die ordinäre Bürger als ein Mittel zur Erlangung öffentlicher Macht befolgen und einsetzen können

— Schuf einen Plan für Revolutionen unter dem Banner der ’sozialen Veränderung‘ (’social change‘)

— Zwei seiner bekanntesten heutigen Jünger sind Hillary Clinton und Barack Obama.

— Siehe auch: Cloward-Piven Strategy, Industrial Areas Foundation

Saul Alinsky, im Jahre 1909 als Sohn russisch-jüdischer Eltern in Chicago geboren, war ein kommunistischer und marxistischer Sympathiesant, der half, die Taktik der mit der Konfrontation gekoppelten Infiltration zu etablieren, die bei den revolutionären politischen Bewegungen in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahrzehnten im Mittelpunkt steht. Er trat nie der Kommunistischen Partei bei, wurde aber, wie David Horowitz es formuliert, ein Avatar der post-modernen Linken.

Alinsky wird zu Recht als Linker verstanden, sein Vermächtnis ist allerdings mehr methodisch als ideologisch. Er legte eine Reihe zielgerischteter Regeln und Taktiken fest, die ordinäre Bürger als ein Mittel zur Erlangung öffentlicher Macht befolgen und einsetzen können. Sein Motto war: „Was auch immer das gewünschte Ergebnis erzielt, ist das wirksamste Mittel.“

Während der Zeit seines Kriminologiestudiums als Student im Aufbaustudium an der Universität von Chicago freundete sich Alinsky mit Al Capone und dessen Gangstern an. Ryan Lizza, leitender Redakteur von The New Republic, vermittelt einen Einblick in Alinskys Persönlichkeit: „Charmant und egozentrisch pflegte Alinsky Jahrzehnte danach Freunde mit Geschichten aus seinen Mafia-Tagen zu unterhalten — einige wahr, viele verschönert. Er war profan, freimütig und narzißtisch, und stand trotz seines tweedigen, akademischen Aussehens und seiner dicken Hornbrille immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.“

Ryan Lizza schreibt:

„Alinsky war von den großen sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen seiner Zeit stark beeinflußt, eine davon stammt von seinen Professoren an der Universität von Chicago: daß die Krankheiten der armen Städter nicht erblich, sondern durch die Umwelt bedingt waren. Diese Idee, daß die Menschen durch die Veränderung ihrer Umgebung ihr Leben verändern könnten, führte ihn dazu, daß er eine obskure sozialwissenschaftliche Phrase — ‚die Gemeinwesenentwicklung‘ (‚the community organization‘) — wählte, und sie, in den Worten von Alinsky-Biograph Sanford Horwitt, in ‚etwas Kontroverseses, Wichtiges, sogar Romantisches‘ umwandelte. Sein Ausgangspunkt war eine Beinahe-Faszination für John L. Lewis, den großen Arbeiterführer und Gründer der (radikalen) Industriearbeitergewerkschaft CIO (Congress of Industrial Organizations). Was wäre, fragte sich Alinsky, wenn die gleiche eigensinnige Taktik der Gewerkschaften auf die Beziehung zwischen Bürgern und öffentlichen Vertretern angewandt werden könnte?“

Nach Abschluß seiner Diplom-Arbeit in der Kriminologie machte sich Alinsky daran, das zu entwickeln, was heute als das ‚Alinsky-Konzept der Massenorganisation für Macht‘ (‚Alinsky concepts of mass organization for power‘) bekannt ist. In den späten 1930er Jahren verdiente er sich einen Ruf als Organisator der Armen, als er die Chicagoer Gegend organisierte, die ‚Back of the Yards‘ genannt wird, eine Industrie- und Wohngegend mit einer ethnischen Nachbarschaft auf der südwestlichen Seite der Stadt, und so genannt, weil sie in der Nähe des Geländes der ehemaligen (Fleischverarbeitungsmetropole) Union Stock Yards liegt; diese Gegend wurde durch Upton Sinclairs Roman ‚The Jungle‘ (‚Der Sumpf‘) aus dem Jahr 1906 berühmt. Im Jahr 1940 gründete Alinsky die IAF (Industrial Areas Foundation), durch die er und seine Mitarbeiter nicht nur in Chicago halfen, Stadtteile zu ‚organisieren‘ (helped ‚organize‘ communities), sondern in den gesamten Vereinigten Staaten. Die IAF ist bis zum heutigen Tag aktiv. Der Hauptsitz liegt in Chicago, Zweigniederlassungen gibt es im District of Columbia, in 21 Bundesstaaten, und je eine in Kanada, Deutschland und dem Vereinigten Königreich. (Die bekannteste deutsche Organisation ist das ‚Deutsche Institut für Community Organizing‚, DICO, unter Leitung des amerikanischen Geistlichen Leo J. Penta aus East Brooklyn.)

In den späten 1960er Jahren würde die Black Power Bewegung Alinsky und seine Organisier-Kreuzzüge aus den Projekten der afroamerikanischen Nachbarschaften verdrängen, so daß ihm keine andere Wahl blieb, als sich auf weiße Stadtteile zu spezialisieren. Zu diesem Zweck gründete er im Jahr 1970 das CAP (Citizens Action Program). Stanley Kurtz schreibt in seinem Buch ‚Der Oberradikale‘ (‚Radical in Chief)‘ aus dem Jahr 2010: „Alinsky war … davon überzeugt, daß eine groß angelegte sozialistische Transformation eine Allianz zwischen der kämpfenden Mittelschicht und den Armen erforderlich machen würde. Der Schlüssel zur radikalen sozialen Veränderung war nach Alinskys Vorstellung, den Zorn der Mittelklasse gegen Amerikas große Konzerne zu richten.“

‚Organisieren‘ ist im Alinsky-Modell ein Euphemismus für ‚Revolution‘ — eine umfassende Revolution, deren oberstes Ziel der systematische Machtgewinn durch einen angeblich unterdrückten Teil der Bevölkerung ist, sowie die radikale Veränderung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Struktur Amerikas. Das Ziel ist, genügend Chaos, moralische Verwirrung und öffentliche Unzufriedenheit zu schüren, um die gesellschaftlichen Umwälzungen einzuleiten, die Marx, Engels und Lenin vorausgesagt hatten — eine Revolution, deren Fußvolk den Status quo als totale Fehlkonstruktion betrachtet und der es nicht wert ist, gerettet zu werden. Laut Theorie werden sich die Menschen also für nichts Geringeres als den völligen Zusammenbruch des Status quo entscheiden — gefolgt durch die Errichtung eines völlig neuen Systems auf dessen Trümmern. Für dieses Ziel werden sie der Führung charismatischer radikaler Organisatoren folgen, die eine visionäre Aura des Vertrauens schaffen, und die eindeutig verstehen, welche gesellschaftlichen ‚Veränderungen‘ notwendig sind.

Alinsky drückte es so aus: „Eine Reformation bedeutet, daß eine Menge Menschen unseres Volkes (masses of our people) den Punkt erreicht haben, an dem sie desillusioniert sind hinsichtlich der bisherigen Wege und Werte (past ways and values). Sie wissen nicht, was funktionieren wird, aber sie wissen, daß das herrschende System selbstzerstörend, frustrierend und hoffnungslos ist. Sie werden sich zwar nicht für Veränderungen einsetzen, aber sie werden sich denjenigen, die es tun, nicht entschieden widersetzen. Die Zeit ist dann reif für eine Revolution.“ [1]

„[W]ir befassen uns damit“, führte Alinsky aus, „Massenorganisationen zu schaffen, um die Macht zu ergreifen und sie dem Volk zu geben; um den demokratischen Traum verwirklichen — Gleichheit, Gerechtigkeit, Frieden, Zusammenarbeit, volle Chancengleichheit auf Bildung, Vollbeschäftigung und nützliche Beschäftigung (useful employment — fehlt in der deutschen Ausgabe ‚Die Stunde der Radikalen), Gesundheit, und die Schaffung von Umständen, unter denen Männer die Möglichkeit haben, nach den Werten zu leben, die dem Leben einen Sinn geben. Wir sprechen über eine massenhafte Machtorganisation (a mass power organization), die die Welt so verändern wird, daß alle Männer und Frauen aufrecht gehen werden, nach dem Motto des Spanischen Bürgerkriegs: ‚Es ist besser auf den Füßen zu sterben, als auf den Knien zu leben.‘ Das bedeutet Revolution“. [2]

Alinskys Revolution zeichnet sich jedoch nicht durch dramatische Transformationen aus, die die gesellschaftlichen Institutionen über Nacht wegfegen. Richard Poe drückt es so aus: „Alinsky sah Revolution als einen langsamen, geduldigen Prozess. Der Trick bestand darin, bestehende Institutionen wie Kirchen, Gewerkschaften und politische Parteien zu durchdringen.“ Er wies die Organisatoren und ihre Schüler an, unter den Entscheidungsträgern dieser Institutionen leise und subtil an Einfluß zu gewinnen, und von dieser Plattform aus die Veränderungen vorzustellen. Das war genau die Taktik der ‚Infiltration‘, die Lenin und Stalin befürworteten. [3] Georgi Dimitroff, der Generalsekretär der Kommunistischen Internationale, riet dem VII. Weltkongreß der Komintern im Jahre 1935:

„Genossen, ihr erinnert euch der alten Sage von der Einnahme Trojas. Troja hatte sich vor dem angreifenden Heer durch unbezwingbare Mauern geschützt. Und das angreifende Heer, das nicht wenig Verluste erlitten hatte, konnte den Sieg nicht erringen, bis es ihm nicht gelang, mit Hilfe des trojanischen Pferdes in das Innere, in das Herz des Feindes einzudringen.“ [4]

Alinskys Revolution versprach, daß die Welt durch die Veränderung der Struktur der gesellschaftlichen Institutionen von Lastern wie Sozialpathologie (socio-pathology) und Kriminalität befreit werden würde. Durch die Argumentation, daß diese Laster nicht durch persönliche Charakterschwächen, sondern durch externe gesellschaftliche Einflüsse verursacht werden, war Alinskys Weltsicht gründlich mit der kollektivistischen Klassenlehre des ökonomischen Determinismus der sozialistischen Linken durchdrungen. „Die Zuneigung des Radikalen für die Menschen wird nicht geringer“, sagte Alinsky, „… wenn sie in Massen zeigen, daß sie zu Grausamkeit, Egoismus, Haß, Gier, Geiz und Untreue fähig sind. Es sind nicht die Menschen, die beurteilt werden müssen, sondern die Umstände, die sie so gemacht haben.“ [5] Der wichtigste von diesen Umständen war seiner Ansicht nach „der diebische Druck einer materialistischen Gesellschaft“. [6]

Um dem Materialismus entgegenzuwirken, befürwortet Alinsky eine sozialistische Alternative. Er beschreibt seinen edlen Radikalen — sprich: ‚Revolutionär‘ — als einen Sozialreformer, der „die Menschenrechte weit über die Eigentumsrechte stellt“; der „universelle, kostenlose öffentliche Bildung“ anstrebt; der „Vollbeschäftigung für die wirtschaftliche Sicherheit“ wünscht, aber auch erklärt, die Aufgaben sollten „so sein, die kreativen Wünsche aller Menschen zu befriedigen“; der überall „die Konservativen bekämpfen wird“; und der „Begünstigung und Macht bekämpfen wird, ob sie vererbt oder erworben sind“ und „ob sie ein politisches oder finanzielles oder organisiertes Credo sind“. [7] Alinsky behauptete, daß Radikale, die sich „hilflos in der stürmischen See des Kapitalismus“ [8] wiederfinden, versuchen „müssen, aus dem Dschungel des Laissez-faire-Kapitalismus in eine Welt zu schreiten, die den Namen der menschlichen Zivilisation verdient“. [9] Er schrieb: „Sie hoffen auf eine Zukunft, in der die Produktionsmittel von allen Menschen besessen werden und nicht nur von vergleichsweise wenigen (a comparative handful)“. [10] Kurz, sie wollten Sozialismus.

1946 schrieb Alinsky ‚Reveille for Radicals‘ (1973 als ‚Leidenschaft für den Nächsten‘ übersetzt), sein erstes großes Buch über die Prinzipien und Taktiken der ‚Gemeinwesenentwicklung‘ (‚Community Organizing‘), die sonst schlicht als Agitation zur Revolution bekannt sind. 1971, fünfundzwanzig Jahre später, verfaßte er die Schrift ‚Rules for Radicals‘ (1974 als ‚Die Stunde der Radikalen‘ übersetzt), die auf seiner früheren Arbeit aufbaute. Seine Schriften und die darin skizzierten Taktiken haben einen großen Einfluß auf alle Bewegungen der letzten Jahrzehnte, die ’soziale Veränderung‘ (’social change‘) und ’soziale Gerechtigkeit‘ (’social justice‘) zum Thema haben.

Alinksys Ziel, das er in ‚Rules for Radicals‘ klar erwähnt, war es „eine Bestandsaufnahme bestimmter Fakten und allgemeiner Konzepte der Veränderung zu präsentieren, ein Schritt hin zu einer Wissenschaft der Revolution“. [11] Der Prinz, erklärt er, „wurde von Macchiavelli für die Habenden (Haves) geschrieben und handelt davon, wie sie an der Macht bleiben. Die Stunde der Radikalen ist für die Nicht-Habenden (Have-Nots) geschrieben und handelt davon, wie man sie wegnimmt“. [12] (Die ‚Haves‘ und ‚Have-Nots‘ übersetzt ‚Die Stunde der Radikalen‘ als ‚Besitzende‘ und ‚Besitzlose‘.)

Wenn Radikale die Vorhut der Bewegung darstellen, die die Macht von den Habenden auf die Nicht-Habenden übertragen sollen, bestand Alinskys erster Auftrag darin, genau zu definieren, was ein Radikaler wäre. Er näherte sich dieser Aufgabe, indem er zunächst zwischen Liberalen und Radikalen unterschied. Alinsky hatte keine Geduld für diejenigen, die er die Liberalen seiner Zeit nannte (the liberals of his day) — Menschen, die zufrieden waren, über die Veränderungen zu reden, die sie wollten, die aber nicht bereit waren, aktiv für diese Veränderungen zu arbeiten. Er favorisierte vielmehr ‚Radikale‘, die zu entschlossenen Taten bereit waren, um die Gesellschaft zu transformieren, selbst wenn diese Transformation nur langsam und schrittweise erreicht werden könnte. Alinsky schrieb:

„Liberale haben vor Macht oder deren Anwendung Angst … Sie reden leichtfertig von Menschen, die sich selbst helfen, aber sie erkennen nicht, daß ohne Macht nichts erreicht werden kann … Radikale führen die sozialen Krise herbei, indem sie handeln — indem sie Macht nutzen. … Liberale protestieren; Radikale rebellieren; Liberale sind empört; Radikale werden tollwütig (become fighting mad) und treten in Aktion. Liberale ändern nicht ihr persönliches Leben[,] und was sie für eine Sache opfern, ist ein kleiner Teil ihres Lebens; Radikale opfern sich für die Sache ganz; Liberale bieten und haben mit Diskussionen mit Worten; Radikale bieten und haben den harten, schmutzigen, verbitterten Lebensstil (way of life).“ [13]

Wenn Radikalismus den Zweck hat, eine gesellschaftliche Umwandlung herbeizuführen, dann muß der Radikale bereit sein, überzeugende Argumente vorzubringen, warum eine solche Veränderung dringend erforderlich ist. Alinskys Überzeugung, daß die amerikanische Gesellschaft gründlich revidiert werden muß, beruhte auf seiner Überzeugung, daß der Status quo für die meisten Menschen unerträglich elend wäre. Alinsky sah die Vereinigten Staaten als eine Nation voller wirtschaftlicher Ungerechtigkeit. „Die Menschen in Amerika leben so, wie sie können“, schrieb er. „Viele von ihnen leiden in Ein-Zimmer-Bruchbuden und ein paar von ihnen leben in Penthäusern. … Die Habenden riechen nach Eau de Toilette, die Nicht-Habenden riechen schlicht nach Toilette.“ [14] Alinsky beklagte das „große Gefälle in Wohlstand, Privilegien, und Möglichkeiten“, die er in Amerika sah, und verurteilte die „materialistischen Werte und Normen“ des Landes. [15] Er schrieb: „Wir wissen, daß man aufhören muß, den Gott des Goldes und das Monster des Materialismus zu verehren.“ [16]

Wie Alinsky die Dinge sah, war ökonomische Ungerechtigkeit keineswegs Amerikas einziges Manko. Er beklagte die „eher konfuse und demoralisierte Ideologie“ der Nation, [17] und identifizierte als unvermeidliche Nebenprodukte des Lebens im kapitalistischen Amerika „Arbeitslosigkeit“, „Verfall“, „Krankheit“, „Verbrechen“, „Mißtrauen“, „Bigotterie“, „Desorganisation“ und „Demoralisierung“. [18] Ein solcher Stand der Dinge machte seiner Ansicht nach das Leben für die Mehrheit der Amerikaner zu nichts weiterem als einer Strapaze. „Am Ende der Woche“, schrieb Alinsky über den durchschnittliche Amerikaner, „kommt er mit einem Gehaltsscheck aus der Hölle der Monotonie und geht nach Hause, in eine zweite Runde der Monotonie. … Am Montagmorgen ist er wieder am Fließband. … Das ist im Großen und Ganzen sein Leben. Eine Routine, in der er verrottet. Die traurigste, düsterste, graueste Aussicht, die man haben kann. Einfach eine Zukunft der völligen Verzweiflung.“ [19] „Die Menschen hungern nach Drama und Abenteuer, nach einem Hauch von Leben in einer tristen, grauen Existenz“, führte er weiter aus. [20] (Die Kunst der sozialrevolutionären Prosa aus ‚Rules for Radicals‘: „People hunger for drama and adventure, for a breath of life in a dreary, drab existence.“ Die Kunst der sozialrevolutionären Prosa aus ‚Die Stunde der Radikalen‘: Die Menschen hungern nach Abenteuer, Spannung und Leben in ihrer öden und eintönigen Existenz.“)

Diese unglückliche Existenz hatte nach Alinsky auf den amerikanischen Charakter einen zutiefst negativen Einfluß. Alinsky hielt die meisten Amerikaner für Menschen, die von ihren Vorurteilen regiert wurden und die für die Mehrheit ihrer Landsleute daher eine starke Antipathie empfanden — vor allem für diejenigen mit einem anderen rassischen, ethnischen oder religiösen Hintergrund. Er schrieb, „die meisten Menschen mögen nur wenige Menschen, und kümmern sich entweder nicht aktiv um die meisten ‚anderen‘ Menschen oder lehnen sie aktiv ab“. [21]

Nachdem er wortreich das Porträt einer durch und durch korrupten und melancholischen amerikanischen Gesellschaft gezeichnet hatte, konnte Alinsky jetzt argumentieren, daß eine Veränderung angezeigt war. Was benötigt wurde, war seiner Ansicht nach eine Revolution, in der Radikale als Vorreiter die Verpflichtung hätten, die „fundamentalen Ursachen“ der Probleme der Nation zu eliminieren, [22] und sich nicht bloß mit den „aktuellen Erscheinungsformen“ [23] oder „Endprodukten“ [24] dieser Probleme zu beschäftigen. Das Ziel des Radikalen, erklärte er, ist „die Zerstörung der Wurzeln aller Ängste und Frustrationen sowie der Unsicherheit des Menschen, ob materiell oder spirituell“; [25] die Säuberung (purge) des Landes von „den großen zerstörerischen Kräften, die die gesamte gesellschaftliche Szene durchdringen“; [26] und die Beseitigung „der zerstörerischen Kräfte, aus denen sich Kriege ergeben“, Kräfte wie „wirtschaftliche Ungerechtigkeit, Unsicherheit, ungleiche Chancen, Vorurteile, Bigotterie, Imperialismus, … und andere nationalistische Neurosen“. [27]

Das Ziel der Befreiung des Landes von den oben genannten Lastern paßt perfekt zu Alinskys Überzeugung, daß alle gesellschaftlichen Probleme miteinander verbunden wären. Wenn Teile der Bevölkerung Alinsky zufolge unter Kriminalität, Arbeitslosigkeit, schlechten Wohnverhältnissen, Unterernährung, Krankheit, Demoralisierung, Rassismus, Diskriminierung oder religiöser Intoleranz leiden, machte es unmöglich Sinn, ein bestimmtes dieser Probleme isoliert zu thematisieren. Sie „sind schlicht Teile des Gesamtbildes“, sagte er. „Sie sind keine getrennten Probleme.“ [28]

„[A]lle Probleme stehen in Beziehung zueinander und sie sind alle Nachkommen von bestimmten fundamentalen Ursachen“, erklärte Alinsky. [29] „Viele anscheinend lokale Probleme sind in Wirklichkeit bösartige Mikrokosmen aus Konflikten, Druck, Streß und Belastungen durch die gesamte soziale Ordnung.“ [30] Alinsky folgerte, daß „ultimativer Erfolg bei der Bezwingung dieser Übel (evils) nur durch den Sieg über alle Übel erreicht werden kann“. [31] Mit anderen Worten, was man brauchte, war eine von Radikalen angeführte Revolution, um die Gesellschaft buchstäblich auf den Kopf zu stellen und ihr Innenleben nach Außen zu kehren.

Alinsky plante dann die Methode, durch die Radikale dieses Ziel erreichen könnten, indem er eine Vielzahl von „Volks-Organisationen“ („People’s Organizations“) schuf — von denen jede ihren ganz eigenen Namen und Auftrag hat, und von denen jede „im Sinne sozialer operativer Eingriffe und nicht kosmetischer Verschleierungen denkt und handelt“. [32]

Diese Volks-Organisationen setzten sich weitgehend aus unzufriedenen Individuen zusammen, die glaubten, daß die Gesellschaft voller Ungerechtigkeiten war, die sie davon abhielten, in der Lage zu sein, zufriedenstellende Leben zu leben. Alinsky riet dazu an, daß solche Organisationen nicht von außen in eine nachbarschaftliche Gemeinde (community) importiert werden sollten, sondern personalmäßig vielmehr mit Einheimischen ausgestattet werden sollten, die — unter Anleitung ausgebildeter radikaler Organisatoren — ihre eigenen Ziele aufstellen konnten. [33]

Die Volks-Organisationen mit lokalen Führern als Spitzenfunktionäre zu besetzen, half, den Organisationen in den Augen der nachbarschaftlichen Gemeinde Glaubwürdigkeit und Authentizität zu verleihen. Diese Taktik entsprach der langjährigen Strategie, die von der Kommunistischen Partei bei der Schaffung von Fassadenorganisationen angewandt wurde, die angeblich von nicht-kommunistischen Sympathisanten geführt wurden, die aber in Wirklichkeit durch die Parteimitglieder hinter den Kulissen gesteuert wurden. Wie J. Edgar Hoover 1958 in seinem Buch ‚Masters of Deceit‘ erklärte: „Ein bekanntes Parteimitglied zum Präsidenten einer Fassadenorganisation zu machen, würde sie sofort als ‚kommunistisch‘ kennzeichnen. Wenn aber ein Sympathisant eingesetzt werden kann, vor allem ein Mann von Bedeutung, beispielsweise ein Erzieher, Pfarrer oder Wissenschaftler, kann die Gruppe als ‚unabhängige‘ Organisation operieren.“ [34]

Alinsky lehrte, daß die erste Aufgabe des Organisators darin bestand, den Menschen das Gefühl zu geben, daß sie klug genug waren, um ihre eigenen Probleme zu diagnostizieren, ihre eigene Lösungen zu finden und ihr eigenes Schicksal zu bestimmen. Alinsky schrieb, der Organisator muß sich die Tatsache zunutze machen, daß „Millionen von Menschen tief in ihrem Herzen fühlen, daß es für sie keinen Platz gibt — daß sie nicht ‚zählen'“. [35] Um diesen Zustand effektiv zu nutzen, erklärte Alinsky, muß der Organisator Techniken einsetzen, wie die kunstvolle Anwendung von „Fangfragen (loaded questions), die geschaffen sind, um besondere Reaktionen auszulösen und die Entscheidungsprozesse der Organisation in der Richtung zu steuern, die der Organisator bevorzugt. [36]

„Ist das Manipulation?“, fragte Alinsky. „Sicherlich“, antwortete er sofort. [37] Aber es war Manipulation zugunsten eines wünschenswerten Ziels: „Wenn der gemeine Mann eine Chance hätte, zu spüren, daß er seine eigenen Anstrengungen steuern könnte … daß es zu einem gewissen Grad ein Schicksal gab, für das er etwas tun könnte, daß es einen Traum gab, für den er weiter kämpfen könnte, dann wären die Lebensbedingungen lebenswert (life would be wonderful living).“ [38] Diese neue Vitalität des Geistes könnte der gemeine Mann laut Alinskys Rechnung durch seine Mitgliedschaft und aktive Mitarbeit in der Volks-Organisation erlangen.

Die Rolle des Organisators, oder Meister-Manipulators, dessen Führung dafür verantwortlich war, die Agenda der Volks-Organisation festzulegen, erachtete Alinsky als äußerst wichtig. „Der Organisator“, schrieb Alinsky, „greift im eigentlichen Sinne nach der höchsten Stufe, die der Mensch erreichen kann — zu erschaffen, ein ‚großer Schöpfer‘ zu sein, Gott zu spielen“. [39] (Der Absatz aus ‚Rules for Radicals‘: „The ego of the organizer is stronger and more monumental than the ego of the leader. The leader is driven by the desire for power, while the organizer is driven by the desire to create. The organizer is in a true sense reaching for the highest level of which many can reach — to create, to be a ‚great creator,‘ to play God.“ Der Absatz aus ‚Die Stunde der Radikalen‘: „Das Ego eines Praxisberaters ist stärker ausgeprägt als das einer Führerpersönlichkeit. Die Führerpersönlichkeit wird vom Willen zur Macht angetrieben, während der Praxisberater den Wunsch hat, etwas zu schaffen. Er strebt damit die höchste Stufe an, die der Mensch erreichen kann — das Schöpferische, das Kreative und damit das Gottgleiche.“)

Alinsky stellte eine Reihe von Grundprinzipien auf, um die Handlungen und Entscheidungen der radikalen Organisatoren und der Volks-Organisationen, die sie gründeten, zu führen. Der Organisator, sagte er, „muß zuerst die Ressentiments der Bevölkerung wundreiben (rub raw); die latenten Feindseligkeiten bis zu dem Punkt anfachen, an dem sie offen ausgesprochen werden. Er muß Kontroversen und Probleme ausfindig machen, anstatt sie zu vermeiden, denn solange es keine Kontroverse gibt, sind die Menschen nicht ausreichend beunruhigt, um zu handeln“. [40] Er fügte hinzu, die Funktion des Organisators wäre es, „bis zum Punkt des Konflikts“ zu agitieren [41] und „das Establishment zu manövrieren und zu ködern, so daß es ihn öffentlich als einen ‚gefährlichen Feind‘ angreifen wird“. [42] Alinsky erklärte: „Das Wort ‚Feind‘ reicht aus, um den Organisator auf die Seite des Volkes zu stellen“; das heißt, um die Mitglieder der nachbarschaftlichen Gemeinde (community) zu überzeugen, daß er so darauf erpicht ist, Fürsprache anzubieten, daß er sich bereitwillig der Verurteilung und Verspottung aussetzt. [43]

Mit den Menschen solidarisch zu sein, reicht dem Organisator aber nicht aus. Alinsky erklärte, er muß auch die Einheit gegen einen klar erkennbaren Feind kultivieren; dieser Feind muß speziell benannt werden, als Ziel „ausgesondert“ werden („singled out“) [44], um für irgendein „einzelnes Übel“ („for any particular evil“) verantwortlich gemacht werden, das die Quelle der Angst der Menschen darstellt. [45] Mit anderen Worten: die Unzufriedenheit des Volkes muß mit einem Gesicht verbunden sein. Das Gesicht, lehrte Alinsky, „muß eine Personifikation sein, nicht etwas Allgemeines und Abstraktes wie eine Kapitalgesellschaft oder ein Rathaus“. [46] Vielmehr sollte es eine Einzelperson sein, wie zum Beispiel ein Firmenchef, ein Bürgermeister oder ein Präsident.

Alinsky faßte es so zusammen: „Wählen Sie das Ziel, stellen Sie es, personifizieren Sie es, und polarisieren Sie es. … [E]s macht keinen Sinn, Taktiken einzusetzen, außer, man hat ein Ziel, auf das sich die Angriffe konzentrieren“. [47] Er behauptete, daß der Organisator die Aufgabe hat, auf das Gesicht des Feindes in den Herzen der Menschen eine tiefe negative emotionale Reaktion zu kultivieren. „Der Organisator, der die Bedeutung der persönlichen Identifikation vergißt“, erklärte Alinsky, „wird versuchen, alle Einwände auf der Grundlage von Logik und Verdienst zu beantworten. Bis auf wenige Ausnahmen ist dies ein aussichtsloses Verfahren“. [48] (Der erste Satz laut ‚Rules for Radicals‘: „The thirteenth rule: Pick the target, freeze it, personalize it, and polarize it.“ Der erste Satz laut ‚Die Stunde der Radikalen‘: „Die zwölfte Regel lautet: Suche dir eine Zielscheibe, personalisiere sie und schieß dich auf sie ein.“ In ‚Die Stunde der Radikalen‘ fehlt an dieser Stelle eine Regel aus ‚Rules for Radicals‘: „The twelfth rule: The price of a successful attack is a constructive alternative. You cannot risk being trapped by the enemy in his sudden agreement with your demand and saying ‚You’re right‘ we don’t know what to do about this issue. Now you tell us.'“)

Alinsky wies die Organisatoren auch an, ihre Aufmerksamkeit auf eine kleine Anzahl von ausgewählten strategischen Zielen zu konzentrieren. Die Leidenschaften (passions) einer Organisation zu dünn aufzutragen, warnte er, wäre ein Rezept für einen sicheren Mißerfolg. [49] (Der Ausdruck ‚passion‘ bzw. ‚passions‘ findet sich in ‚Rules for Radicals‘ insgesamt 6 bzw. 3 mal.)

Alinsky riet dem radikalen Aktivisten, die Versuchung zu meiden, einzuräumen, daß sein Gegner nicht „100 Prozent Teufel“ („100 per cent devil“) wäre oder daß er einige bewundernswerte Qualitäten besäße, wie zum Beispiel „ein guter Kirchgänger zu sein, großzügig bei wohltätigen Zwecken, und ein guter Ehemann“. Alinsky erklärte, solche qualifizierenden Bemerkungen „schwächen den Einschlag des Angriffs“ und laufen auf pure „politische Dummheit“ hinaus. [50] (Den Ausdruck ‚devil‘ bzw. devils‘ gibt es in ‚Rules for Radicals‘ insgesamt 7 bzw. 2 mal — ein ‚Devil‘ muß aber als Zitat von Churchill abgezogen werden.)

Alinsky betonte für die Organisatoren die Notwendigkeit, ihre Anhänger zu überzeugen, daß die Kluft zwischen dem Feind und den Mitgliedern der Volks-Organisation groß und unüberbrückbar war. „Bevor die Menschen handeln können“, erklärte er, „muß ein Thema polarisiert werden. Die Menschen werden handeln, wenn sie davon überzeugt sind, daß ihre Sache zu 100 Prozent auf der Seite der Engel ist, und daß die Opposition zu 100 Prozent auf der Seite des Teufels ist“. [51] Alinsky riet zu diesem Vorgehen, obwohl er gut verstand, daß der Organisator „weiß, daß es in Wahrheit nur ein 10 Prozent Unterschied ist, wenn der andere Teil zu Verhandlungen bereit ist“. [52] Doch in Alinskys Modell der sozialen Kriegsführung heiligt der Zweck — in diesem Fall der Transfer von Macht — praktisch was auch immer an Mitteln erforderlich ist — in diesem Fall, zu lügen. [53]

Gewinnen war alles, was in Alinskys strategischem Kalkül zählte: „Die Moral von einem Mittel hängt davon ab, ob das Mittel in einer Zeit der bevorstehenden Niederlage oder des bevorstehenden Sieges eingesetzt wird.“ [54] „Der Mann der Tat … denkt nur an seine eigentlichen Ressourcen und an die verschiedenen Möglichkeiten des Handelns“, fügte Alinsky hinzu. „Er fragt nur, ob sie machbar sind und ob sich die Kosten lohnen; nur, ob die Mittel funktionieren werden.“ [55] Für Alinsky war alle Moral relativ: „Das Urteil über die Ethik der Mittel ist abhängig von der politischen Position derjenigen, die das Urteil treffen.“ [56]

(Der komplette Absatz aus ‚Die Stunde der Radikalen‘: „Die zweite Faustregel besagt, daß die Beurteilung der ethischen Prinzipien von Mittel und Zweck von dem politischen Standort der Beurteilenden abhängt: Sich dem im Untergrund operierenden Widerstand gegen die Nazis anzuschließen, hieß Mord, Terror, Zerstörung von Eigentum, Bombenlegen, Entführung und die Bereitschaft zur Opferung unschuldiger Geiseln als politische Mittel zu akzeptieren, um die Niederlage der Nazis als Ziel zu erreichen. Unter den Nazi-Gegenern wurde der Widerstand als eine geheime Armee selbstloser, patriotischer Idealisten angesehen, die jederzeit bereit waren, in äußerster Tapferkeit ihr Leben ihrer sittlichen Überzeugung zu opfern. Für die nationalsozialistische Besatzungsmacht waren sie gesetzlose Terroristen, Mörder, Saboteure und Totschläger, für die der Zweck die Mittel heiligte und die in unsittlicher Weise die mystischen Regeln des Krieges verletzten. Jede feindliche Besatzungsmacht würde den Gegner auf diese Art moralisch richten. In einem solchen Konflikt gelten für keine Partei irgendwelche Werte außer dem Sieg. Es geht um Leben und Tod.“ Klingt zwar, als würde mein alter Sozialkunde-Lehrer sprechen, erklärt aber die Saat der Gewaltbereitschaft, die daraus hervorging und weiter hervorgeht, wobei PR-technisch natürlich behauptet wird, daß niemals unschuldige Geiseln geopfert werden dürfen.)

Da der Feind als die Verkörperung des Bösen dargestellt werden mußte, gegen den sämtliche Methoden erlaubt waren, lehrte Alinsky, daß ein effektiver Organisator sich niemals den Anschein geben sollte, als Folge, einen bestimmten Konflikt über einen Kompromiß gelöst zu haben, voll zufrieden zu sein. Jeder Kompromiß mit dem „Teufel“ ist per definitionem moralisch verdorben und damit unangemessen. Während der Organisator bestätigen mag, daß er über den Kompromiß als einen kleinen Schritt in die richtige Richtung erfreut ist, muß er infolgedessen unmißverständlich klar machen, daß es noch ein langer Weg ist, und daß viele Beschwerden (grievances) noch unangesprochen bleiben. Das ultimative Ziel besteht laut Alinsky nicht darin, zu einem Kompromiß oder einer friedlichen Koexistenz zu gelangen, sondern vielmehr, „die Opposition zu zerquetschen“ (crush), Stück für Stück. [57] „Eine Volks-Organisation ist zum ewigen Krieg (eternal war) bestimmt“, erklärte Alinsky. „… Ein Krieg ist keine intellektuelle Debatte, und im Krieg gegen soziale Übel gibt es keine fairen Regeln. … Krieg zu haben bedeutet, daß sich keine der beiden Seiten auf irgendetwas einigen kann …. In unserem Krieg gegen die sozialen Bedrohungen der Menschheit kann es keine Kompromisse geben. Es heißt Leben oder Tod.“ [58]

Alinsky warnte den Organisator, sich vor der Möglichkeit zu hüten, daß der Feind ihm „eine konstruktive Alternative“ anbieten könnte, um eine Lösung des Konflikts anzustreben: „Man darf nicht riskieren, durch den Feind in seiner plötzlichen Übereinkunft mit der Forderung gefangen zu werden und zu sagen: ‚Sie haben Recht — wir wissen nicht, was bezüglich dieser Frage zu tun ist. Jetzt erklären Sie es uns'“. [59] Eine durch den Feind herbeigeführte Kapitulation würde den Effekt haben, die gerechte Empörung der Volks-Organisation, deren bloße Identität untrennbar mit dem Kampf für die lang verweigerte Gerechtigkeit verwoben ist, zu diffundieren; das heißt, der Kampf und die Identität der Organisation sind synonym. Wenn der wahrgenommene Unterdrücker in dem Bemühen, den Konflikt zu beenden, aufgibt oder eine Hand der Freundschaft reicht, wird der Kreuzzug der Volks-Organisation gefährdet. Dies kann nicht zugelassen werden. Ewiger Krieg darf per definitionem niemals enden.

Während Alinsky Rücksichtslosigkeit im Krieg gegen den Feind befürwortete, war er sich doch bewußt, daß es bestimmte Ansätze gab, die eher die Herzen und Köpfe der Menschen gewinnen, deren Unterstützung für den ultimativen Sieg der Organisatoren von entscheidender Bedeutung war. Er lehrte, daß der Organisator und seine Volks-Organisation vor allem den Mittelstand zum Ziel für ihre Botschaft machen müssen, um erfolgreich zu sein. „Die Menschheit“, so Alinsky, „war und ist in drei Teile gegliedert: die Habenden, die Nicht-Habenden, und die Wenig-Habenden-Mehr-Wollenden (the Haves, the Have-Nots, and the Have-a-Little, Want Mores)“. [60] (In ‚Die Stunde der Radikalen‘ heißt es ‚in die Besitzenden, die Satten, in die Besitzlosen oder Habenichtse und jene, die wenig besitzen, jedoch mehr haben wollen‘.) Er erklärte, daß die Wenig-Habenden-Mehr-Wollenden — das heißt die Mittelschicht — in Amerika am zahlreichsten sind und daher von größter Wichtigkeit. [61] Alinsky erklärte: „Hin- und hergerissen zwischen der Aufrechterhaltung des Status quo, um das Wenige, das sie haben, zu schützen, aber dennoch nach Veränderung suchend (wanting change), damit sie mehr bekommen können, werden sie [die Mitglieder der Mittelschicht] zu gespaltenen Persönlichkeiten … Thermopolitisch (thermopolitically) sind sie lau und in der Trägheit verwurzelt. In der westlichen Gesellschaft und besonders in den Vereinigten Staaten stellen sie heute die Mehrheit unserer Bevölkerung dar.“ [62]

Alinsky betonte, daß sich die Organisatoren und ihre Anhänger, wenn sie ihren besonderen Kreuzzug für „Wandel“ zum ersten Mal enthüllen, in Acht nehmen müssen, die Mittelklasse nicht vor den Kopf zu stoßen (not to alienate) — durch jegliche Art von roher Sprache, trotziger Haltung oder bedrohlicher Aufmachung, die Radikalismus oder eine Mißachtung der Sitten und Traditionen der Mittelklasse erkennen läßt. Aus diesem Grund mochte er die Hippies und Gegenkultur-Aktivisten der 1960er Jahre nicht. Richard Poe drückt es so aus: „Alinsky schimpfte über die Sechziger-Jahre-Linken, weil sie potentielle Konvertiten in Mittelamerika vergraulten. Wahre Revolutionäre stellen ihre Radikalität nicht zur Schau, lehrte Alinsky. Sie schneiden sich die Haare, tragen Anzüge und infiltrieren das System von innen.“

In seinem Buch ‚Der Ober-Radikale‘ (‚Radical in Chief‘), beschreibt Stanley Kurtz Alinsky als „eine Kreuzung zwischen einem demokratischen Sozialisten und einem kommunistischen Mitläufer“. Alinsky vermied jedoch sorgfältig, auf diese Tatsache irgendwelche Aufmerksamkeit zu lenken. Kurtz schreibt:

„Er war intelligent genug, um die marxistische Sprache in der Öffentlichkeit zu vermeiden. … Anstatt zum Sturz der Bourgeoisie aufzurufen, reden Alinsky und seine Anhänger davon, die ‚Macht herauszufordern‘ (‚confronting power‘). Anstatt die sozialistische Revolution zu befürworten, fordern sie ‚radikale soziale Veränderung‘. Anstatt Angriffe auf Kapitalisten zu fordern, verfolgen sie ‚Ziele‘ oder ‚Feinde‘.“

Während Alinskys ultimatives Ziel nichts Geringeres als die „Radikalisierung des Mittelschicht“ war, betonte er die Bedeutung, zu „lernen, die Sprache derer zu sprechen, mit denen man versucht, sich zu unterhalten“. [63] „Die Taktik muß mit der Erfahrung der Mittelschicht beginnen, deren Aversion gegen Grobheit, Vulgarität und Konflikte zu akzeptieren. Gehen Sie sie gemütlich an, vergraulen Sie sie nicht.“ [64] (Der Doppelsatz aus ‚Rules for Radicals‘: Tactics must begin within the experience of the middle class, accepting their aversion to rudeness, vulgarity, and conflict. Start them easy, don’t scare them off.“ Der Doppelsatz aus‘ Die Stunde der Radikalen‘: „Die Strategien müssen dem Charakter der Mittelklasse genau entsprechen und ihren Aversionen gegen das Gemeine und Konfliktgeladene Rechnung tragen. Man darf da nichts überstürzen.“)

Um die Mittelschicht anzusprechen, erklärte Alinsky weiter, „müssen die Ziele in allgemeinen Begriffen formuliert werden, wie: ‚Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit‘; ‚Zum Wohle der Allgemeinheit‘; ‚Das allgemeine Streben nach Glück‘ oder ‚Brot und Frieden‘.“ [65] (Heute würde es wohl heißen: ‚Soziale Gerechtigkei‘, ‚Die Würde des Menschen‘ oder ‚Frieden‘.) Er machte zum Beispiel den Vorschlag, daß ein effektiver Organisator „entdeckt, wie sie [die Mittelschicht] Polizei definiert, und wie sie spricht — [und] er verwirft die Rhetorik, die [in Bezug auf die Polizei] immer ‚Bulle‘ (‚pig‘) sagt. Statt feindlicher Ablehnung sucht er eine Brücke der Kommunikation und der Einheit über die Gräben … . Mit strategischer Sensibilität betrachtet er die Natur des Verhaltens der Mittelschicht, mit ihren Macken und Komplexen (hang-ups) gegenüber unhöflichem Verhalten oder aggressiven, beleidigenden oder profanen Handlungen. All dies und mehr muß verstanden und genutzt werden, um Teile der Mittelschicht zu radikalisieren.“ [66]

Ein verwandtes Prinzip, das Alinsky lehrte, war, daß radikale Organisatoren nicht nur die Sprache der Mittelschicht sprechen müssen, sondern daß sie auch ihre Kreuzzüge in die Gewänder der Moral kleiden müssen. „Moralische Rationalisierung“, erklärte er, „ist für alle Maßnahmen unverzichtbar, egal ob die Wahl oder ab der Gebrauch von Zwecken oder Mitteln geheiligt wird.“ [67] „Alle großen Führer“, fügte er hinzu, „machten ‚moralische Prinzipien‘ geltend, um das nackte Eigeninteresse zu verhüllen — in den Gewändern von ‚Freiheit‘, ‚Gleichheit der Menschen‘, ‚einem höheren Gesetz‘ (‚a law higher than man-made law‘ in ‚Rules for Radicals‘ bzw. ‚universaler Gerechtigkeit‘ in ‚Die Stunde der Radikalen‘), und so weiter“. Kurz gesagt: „Für alle effektiven Aktionen ist der Passierschein (pass) der Moral erforderlich.“ [68]

Doch Alinsky war sich einer Kehrseite seiner Strategie bewußt, in der schmackhaften Sprache der Mittelschicht und dem beruhigenden Jargon der Moral zu sprechen. Er sagte, daß die Organisatoren — zum Wohle der moralischen Prinzipien, in deren Namen sie angeblich handeln — völlig unberechenbar und unverwechselbar bereit sein müssen, zu beobachten, wie die Gesellschaft in Chaos und Anarchie versinkt. Er erklärte, daß sie darauf vorbereitet sein müssen, wenn nötig „einen Zustand völliger Verwirrung zu wählen und [ihren] Widersacher (opponent) in den gleichen Strudel der Verwirrung zu ziehen“. [69]

Ein Weg, auf dem die Organisatoren und ihre Schüler ihre Bereitschaft für diese Möglichkeit verbreiten können, ist die Inszenierung massiver, lauter, herausfordernder Protestkundgebungen, die ihre tiefe Wut und Unzufriedenheit über die eine oder andere Ungerechtigkeit zum Ausdruck bringt. Solche Demonstrationen können Zuschauern den Eindruck vermitteln, daß sich eine Massenbewegung darauf vorbereitet, einen Gang höher zu schalten, und daß ihre gegenwärtige — ohnehin schon beeindruckende — Größe nur einen Bruchteil dessen beträgt, was letztlich aus ihr entstehen wird. „Der Eindruck einer Masse“, erklärte Alinsky, „kann dauerhaft und einschüchternd sein. [70 als Quellenangabe falsch] … Macht ist nicht nur das, was man hat, sondern das, was man nach Meinung des Feindes (enemy) hat“. [70] „Die Bedrohung“, fügte er hinzu, „ist in der Regel noch furchteinflößender als die Sache selbst“. [71] „Wenn Ihre Organisation zahlenmäßig klein ist“, erklärte Alinsky, “ … lassen Sie die Zahl der Mitglieder im Dunkeln, aber veranstalten Sie ein solches Gedröhne und Geschrei, daß die Zuhörer glauben, daß die Zahl Ihrer Organisation viel größer ist, als es der Fall ist.“ [72]

„Wo immer möglich,“ riet Alinsky, „suchen Sie die Erfahrung des Gegners von außen. Hier wollen Sie Verwirrung, Angst und den Rückzug auslösen.“ [73] Marschierende Mobs aus Demonstranten mit Sprechchören erreichen dieses Ziel. Die Reaktion des durchschnittlichen Beobachters auf ein solches Schauspiel (display) ist doppelter Natur: Erstens hat er Angst. Doch er erinnert auch an die bürgerlichen Ideale und Moralvorstellungen der Mittelschicht, die der Organisator ursprünglich zum Ausdruck brachte. Auf diese Weise versichert er sich, daß die Volks-Organisation aus vernünftigen Menschen besteht, die eigentlich Werte vertreten, die seinen ähneln und die Beschlüsse anstreben, die beiden Seiten Vorteile bringen werden. Dieser Denkprozeß veranlaßt ihn, Schuldeingeständnisse und Entgegenkommen anzubieten — in der Hoffnung, den wütenden Mob zu beschwichtigen –, die der Organisator wiederum ausnutzt, um noch größeren moralischen Einfluß zu gewinnen und um weitere Zugeständnisse zu erpressen.

Handlungen waren nach Alinskys Ansicht häufiger der Auslöser für revolutionären Eifer als umgekehrt. Er erachtete es für den Organisator als wichtig, die Menschen erst zu Handlungen zu bewegen — zum Beispiel zur Teilnahme an einer Demonstration — und ihre Handlungen später zu rationalisieren. „Kriegen Sie sie erst dazu, in die richtige Richtung zu gehen“, sagte Alinsky. „Später werden sie es sich selbst erklären, warum sie in diese Richtung gingen.“ [74]

Zu den wichtigsten Grundsätzen von Alinskys Methode zählen die folgenden:

— „Sorgen Sie dafür, daß die Feinde nach ihrem eigenen Regelwerk (book of rules) leben. Sie können sie damit töten (kill), denn sie können ihren Regeln nicht gerechter werden als die christliche Kirche dem Christentum gerecht werden kann.“ [75]

— „Keine Organisation, die organisierte Religion eingeschlossen, kann den Schriften im eigenen Buch gerecht werden. Sie können sie mit ihrem eigenen ‚Buch‘ aus Regeln und Vorschriften erschlagen (club them to death).“ [76]

— „Praktisch alle Menschen leben in einer Welt der Widersprüche. Sie haben sich einer Moral verschrieben, die sie nicht praktizieren. … Dieses Dilemma kann und soll vom Organisator durch die Beteiligung von Individuen und Gruppen in einer Volks-Organisation vollständig genutzt werden. Dies ist selbst für die materialistischste Person eine definitive Achillesferse. Gefangen in der Falle seiner eigenen Widersprüche, wird es diese Person schwierig finden, sowohl dem Organisator als auch sich selbst befriedigende Gründe vorzubringen, warum er der Organisation nicht beitreten und darin mitmachen sollte. Er wird entweder zur Teilnahme getrieben werden oder aber zu einem öffentlichen und privaten Zugeständnis seines eigenen Mangels an Vertrauen in die Demokratie und den Menschen.“ [77]

Alinsky lehrte, daß die Organisatoren — um sich am effektivsten als Verteidiger der moralischen Prinzipien und des menschlichen Anstandes darzustellen — mit „Erschütterung, Entsetzen und moralischer Entrüstung“ reagieren müssen, wenn ihr anvisierter Feind sein „Regelwerk“ auf irgendeine Weise falsch aufsagt oder ihm nicht gerecht wird. [78]

Darüber hinaus muß der Organisator seinen Feind laut Alinsky wann immer möglich verspotten und ihn als jemanden ablehnen, der es nicht wert ist, ernst genommen zu werden, weil es ihm entweder an Intellekt mangelt oder weil er moralisch bankrott ist. „Der Feind richtig angestachelt und in seiner Reaktion richtig geführt, das wird Ihre größte Stärke sein“, erklärte Alinsky. [79] Organisatoren sollen, so sein Rat, „über den Feind lachen“, um „eine irrationale Wut“ zu provozieren. [80] „Spott“, erklärte Alinsky, „ist die mächtigste Waffe des Menschen. Es ist im Gegenzug fast unmöglich, Spott anzugreifen. Außerdem ärgert es den Gegenspieler, der dann zu Ihrem Vorteil reagiert“. [81]

Alinsky zufolge war es wichtig, daß sich die Organisatoren auf mehrere Kreuzzüge und mehrere Ansätze konzentrieren. „Eine Taktik, die sich zu lange hinzieht wird ein Langweiler (becomes a drag)“, schrieb er. „Der Mensch kann ein militantes Interesse an einem Thema nur für eine begrenzte Zeit aufrecht erhalten … Es entwickeln sich immer neue Aspekte und Krisen …“ [82] „Halten Sie den Druck mit unterschiedlichen Taktiken und Aktionen aufrecht“, fuhr er fort, „und nutzen Sie alle Vorkommnisse der Zeit für Ihre Zwecke“. [83]

Zu diesem Zweck riet Alinksy den Organisatoren, immer mehr als einen „Kampf in der Bank“ („fight in the bank“) zu führen. Mit anderen Worten, die Organisatoren sollten sich einen Vorrat von vergleichsweise kleinen Kreuzzügen anlegen, für die sie stets einsatzbereit sind, und auf die sie sofort ihre Aufmerksamkeit richten können, nachdem sie eine Art von großem Sieg errungen haben. Diese „Kämpfe in der Bank“ dienen dem doppelten Zweck, den Schwung der Organisation am Laufen zu halten, während gleichzeitig ihr großer Kreuzzug durch übermäßige öffentliche Exposition nicht „schal“ wird. [84]

Eine Volks-Organisation kann eine breite Mitgliederbasis laut Alinsky nur anlegen, wenn sie sich auf mehrere Pprobleme konzentriert — zum Beispiel, Bürgerrechte, Bürgerfreiheiten, Wohlfahrt, Miete, Stadterneuerung, Umwelt, etc. „Mehrere Probleme bedeuten ständiges Handeln und Leben“, schrieb Alinsky. [85] (Denken Sie jetzt nicht an Stuttgart 21 und den Juchtenkäfer.)

Alinsky riet den Organisatoren, sich mit Umsicht nur für die Initiierung solcher Schlachten zu entscheiden, bei denen eine sehr gute Chance auf den Sieg bestand. „Die Aufgabe des Organisators“, erklärte er, „ist, damit anzufangen, in die Idee der Organisation, und somit in die Menschen selbst, Vertrauen und Hoffnung einzubauen: limitierte Siege zu erringen, von denen jeder Vertrauen schaffen wird, und das Gefühl: ‚(W)enn wir mit dem, was wir jetzt haben, so viel tun können, denken Sie nur, was wir tun können, wenn wir groß und stark sind.‘ Es ist fast, wie einen Berufsboxer auf dem Weg zur Meisterschaft zu begleiten — Sie müssen seine Gegner sehr vorsichtig und selektiv auslesen, wohl wissend, daß bestimmte Niederlagen demoralisierend wären und seine Karriere beenden würden.“ [86]

Alinsky lehrte auch, daß der Mission der Volks-Organisation in einigen Fällen geholfen werden könnte, wenn sich der Organisator selbst verhaften und danach die Publicity ausnutzen könnte, die er aus der Verhaftung zog. „Die revolutionären Führer und ihre Anhänger einzusperren“, erklärte Alinsky, „… stärkt unermesslich die Position der Führer mit ihren Menschen, indem die eingesperrte Führung mit einer Aura des Martyriums umgeben wird; es vertieft die Identifikation der Führung mit ihren Menschen“. Es zeigt, „daß sich ihre Führung so sehr um sie kümmert, und dem Problem so ehrlich verpflichtet ist, daß sie bereit ist, für die Sache eine Freiheitsstrafe zu erdulden“. [87] Alinsky legte jedoch fest, daß die Organisatoren bemüht sein sollten, nur für eine kurze Zeitdauer eingesperrt zu werden — von einem Tag bis zu zwei Monaten; längere Inhaftierungszeiten, erklärte er, haben die Tendenz, aus dem öffentlichen Bewußtsein zu fallen und vergessen zu werden. [88]

In den 1960er Jahren war Alinsky im amerikanischen Leben eine besonders einflußreiche Kraft. Richard Poe berichtet: „Als Präsident Johnson im Jahr 1964 seinen Krieg gegen die Armut (War on Poverty) ins Leben rief, infiltrierten Alinskys Verbündete das Programm und leiteten Staatsgelder in Alinsky-Projekte. Im Jahr 1966 verbündete sich Senator Robert Kennedy mit Gewerkschaftsführer Cesar Chavez, einem Alinsky-Schüler. Chavez hatte ab 1952 zehn Jahre für Alinsky gearbeitet. Bald darauf driftete Kennedy in Alinskys Kreis. Nach den Rassenunruhen in Rochester, New York, kam Alinsky in die Stadt und fing an, Eastman-Kodak unter Druck zu setzen, mehr Schwarze einzustellen. Kennedy unterstützte Alinskys Erpressung.“

Alinsky starb 1972, doch in der linken Methode lebt sein Vermächtnis als Blaupause für Revolutione weiter — von ihm und seinen Jüngern euphemistisch ‚Veränderung‘ (‚change‘) genannt. Zwei seiner bekanntesten heutigen Jünger sind Hillary Clinton und Barack Obama.

Im Jahr 1969 schrieb Hillary Clinton ihre 92-seitige Diplomarbeit (senior thesis) über Alinskys Theorien. Hillary ist eine große Verehrerin von Alinskys skrupellosen Tarnkappen-Taktiken und interviewte den berühmten Autor persönlich für ihr Projekt. Sie schloß ihre Diplomarbeit mit der Feststellung:

„Alinsky wird von vielen als Befürworter einer gefährlichen sozio-politischen Philosophie betrachtet. Als solcher wurde er gefürchtet wie Eugene Debs [der fünfmalige US-Präsidentschaftskandidat der Sozialistischen Partei] oder Walt Whitman oder Martin Luther King — weil jeder die radikalste politische Glaubensrichtung vertrat: Demokratie.“

Im Laufe ihres Erwachsenenlebens würde Hillary ihre Zugehörigkeit zu Alinskys Lehren beibehalten. Die Washington Post berichtete im März 2007:

„Als First Lady lieh Clinton ihren Namen gelegentlich für Projekte, die von Alinskys IAF (Industrial Areas Foundation) gebilligt wurden, der Gruppe, die ihr 1968 einen Arbeitsplatz anbot. Sie nahm an zwei Veranstaltungen teil, die von der IAF-Tochterorganisation ‚Washington Interfaith Network‘ organisiert wurden und beschaffte Geld.“

Hillarys Untersuchung von Alinskys Methoden und Idealen führte sie schließlich zu dem Schluß, daß die Anti-Armuts-Programme der Ära Lyndon Johnson bei der Umverteilung von Reichtum in der amerikanischen Bevölkerung nicht weit genug gingen, und den Armen nicht genügend Macht gaben.

Als Hillary im Jahr 1969 in Wellesley ihren Abschluß machte, wurde ihr ein Job in Alinskys neuem Ausbildungs-Institut in Chicago angeboten. Sie wählte stattdessen ein Studium an der Universität Yale.

Im Gegensatz zu Hillary Clinton traf Barack Obama Saul Alinsky nie persönlich. Als Alinsky 1972 starb, war Obama erst 11 Jahre alt. Als junger Mann würde er die Alinsky-Methoden jedoch meisterhaft ausüben. Eine kleine Gruppe aus etwa 20 Chicagoer Kirchen bot Obama 1985 einen Job an, um Bewohnern in den armen, überwiegend schwarzen Vierteln im Süden zu helfen. Obama ergriff diese Gelegenheit und wurde Direktor vom ‚Developing Communities Project‘, wo er die nächsten drei Jahre an Initiativen arbeitete, die von beruflicher Ausbildung über Schulreform bis hin zu Giftmüllbeseitigung reichten. David Freddoso, Autor des 2008 erschienenen Buches ‚Argumente gegen Barack Obama‘ (‚The Case Against Barack Obama‘), faßt Obamas Gemeinwesenentwicklung wie folgt zusammen:

„Er verfolgte offensichtlich ehrenwerte Ziele; Menschen in staatlichen Wohnprojekten vor Asbest zu schützen ist natürlich eine gute Sache und etwas, wofür die Regierung als Bauherr verantwortlich ist — die vorgeschlagene Lösung für jedes Problem in der South Side war aber [in jedem Fall bis auf eine Ausnahme] eine Verteilung der staatlichen Mittel …“

Drei von Obamas Mentoren in Chicago wurden an der von Alinsky gegrüdeten ‚Industrial Areas Foundation‘ ausgebildet. Das ‚Developing Communities Project‘ selbst war eine Tochterorganisation der Gamaliel Foundation, deren modus operandi für die Schaffung „einer gerechten und demokratischen Gesellschaft“ fest in der Alinsky Methode verwurzelt ist.

Einer von Obamas frühen Mentoren in der Alinsky Methode, Mike Kruglik, würde später folgendes über Obama sagen:

„Er war ein natürlicher, der unbestrittene Meister der Agitation, der einen Raum voller Zielgruppen (recruiting targets) mit einem sokratischen Schnellfeuer-Dialog beschäftigen konnte und sie dazu anstieß, zuzugeben, daß sie ihren eigenen Maßstäben nicht gerecht wurden. Er konnte aggressiv und konfrontativ sein, wie es bei einem Bettler der Fall ist. Mit sondierenden, manchmal persönlichen Fragen, würde er in ihrem Leben die Quelle des Schmerzes lokalisieren, ihr Ego gerade weit genug niederreißen, bevor er verlockend eine Karotte in Aussicht stellt — die Hoffnung, daß sie die Dinge besser machen könnten.“

Obama unterrichtete selbst mehrere Jahre Workshops über die Alinsky-Methode. Seit Mitte der 1980er Jahre arbeitete Obama außerdem mit ACORN, die Alinskyitische Polit-Organisation, die aus George Wileys Aktivistengruppe NWRO (National Welfare Rights Organization) entstand. (ACORN wurde wegen Wahlbetrug verurteilt und organisierte sich im April 2010 nach ihrer vorgetäuschten Auflösung neu.)

Dieses Profil wurde von John Perazzo im April 2008 geschrieben.

Anhang:

[1] Saul Alinsky, Rules for Radicals (New York: Vintage Books), March 1972 edition, S. xxii. (Originalveröffentlichung im Jahr 1971.)

[2] Ebd., S.3.

[3] J. Edgar Hoover, Masters of Deceit (New York: Henry Holt and Company, 1958), S. 213.

[4] Ebd.

[5] Saul Alinsky, Reveille for Radicals (New York: Vintage Books), 1989, S. 90. (Originalveröffentlichung im Jahr 1946.)

[6] Ebd., S.91.

[7] Ebd., S. 16-17.

[8] Ebd., S. 26.

[9] Ebd., S. 25.

[10] Ebd.

[11] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 7.

[12] Ebd., S. 3.

[13] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 21-22.

[14] Ebd., S. 4.

[15] Ebd., S. 92.

[16] Ebd., S. 40.

[17] Ebd., S. 92.

[18] Ebd., S. 45.

[19] Ebd., S. 43.

[20] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 120-121.

[21] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 6-7.

[22] Ebd., S. 15.

[23] Ebd.

[24] Ebd., S. 40.

[25] Ebd., S. 16.

[26] Ebd., S. 60.

[27] Ebd., S. 25.

[28] Ebd., S. 57.

[29] Ebd., S. 59.

[30] Ebd., S. 60.

[31] Ebd., S. 59-60.

[32] Ebd., S. 133.

[33] Ebd., S. 48, 64.

[34] J. Edgar Hoover, Masters of Deceit, S. 90.

[35] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 44.

[36] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 91. Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 104.

[37] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 92.

[38] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 43.

[39] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 61.

[40] Ebd., S. 116-117.

[41] Ebd., S. 117.

[42] Ebd., S. 100.

[43] Ebd.

[44] Ebd., S. 130.

[45] Ebd.

[46] Ebd., S. 133.

[47] Ebd., S. 130-131.

[48] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 125.

[49] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 151.

[50] Ebd., S. 134.

[51] Ebd., S. 78.

[52] Ebd.

[53] Ebd., S. 29.

[54] Ebd., S. 34.

[55] Ebd., S. 24.

[56] Ebd., S. 26.

[57] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 150.

[58] Ebd., S. 133-134.

[59] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 130.

[60] Ebd., S. 18.

[61] Ebd., S. 18-20.

[62] Ebd., S. 19.

[63] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 93.

[64] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 195.

[65] Ebd., S. 45.

[66] Ebd., S. 186.

[67] Ebd., S. 43.

[68] Ebd., S. 43-44.

[69] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 150-151.

[70] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 127.

[71] Ebd., S. 129.

[72] Ebd., S. 126.

[73] Ebd., S. 127.

[74] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 169-170.

[75] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 128.

[76] Ebd., S. 152.

[77] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 93-94.

[78] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 130.

[79] Ebd., S. 136.

[80] Ebd., S. 138.

[81] Ebd., S. 128.

[82] Ebd.

[83] Ebd.

[84] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 151-152.

[85] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 76-78, 120.

[86] Ebd., S. 114.

[87] Ebd., S. 155.

[88] Ebd., S. 156.

Hier finden Sie den Originalartikel, Saul Alinsky.

Die Widmung aus meinem Flohmarktkauf von ‚Die Stunde der Radikalen‘:

Hätte ich gewußt, daß auf BLU-NEWS sieben Monate später der Artikel Anweisungen für Radikale erscheint, hätte ich mir die Arbeit, John Perazzos Artikel zu übersetzen, definitiv erspart.

Im Weißen Haus sitzt der Kommunist Antonio Gramsci

2012/01/20

Kathy Barkulis über den heutigen Kulturkampf.

(Anmerkungen in Klammern)

Wer ist Antonio Gramsci und was verbindet ihn mit den liberalen Linken in Amerika? Die Theorien dieses kommunistischen Philosophen aus Italien werden seit mindestens 50 Jahren heimlich in unsere Kultur eingebaut. Sie mögen nie von Gramsci gehört haben, aber Sie würden seine Ideen sicherlich erkennen, sowohl im Weißen Haus unter Präsident Clinton als auch unter Präsident Obama. Gramsci glaubte, daß der beste Weg zur Integration des Marxismus in kapitalistischen Gesellschaften von unten nach oben erfolgt, indem heimlich die kulturellen Überzeugungen verändert werden, genannt „kulturelle Hegemonie“.

Kulturelle Hegemonie beinhaltet die Aufweichung oder Radikalisierung des gesunden kulturellen Menschenverstandes (culture’s beliefs) hinsichtlich verschiedener sozialer Fragen wie Homosexualität, Ehe, Bildung, Feminismus (women’s issues), Religion, Scheidung, Pornographie, Medien, Abtreibung und etablierte politische Parteien. Die Idee ist, alles auf die linke Seite zu ziehen, so daß sich in der Gesellschaft schließlich neue Normen verwurzeln.

Ein Dokumentarfilm mit dem Titel „Agenda: Grinding America Down“ erläutert den bisherigen Stand dieser Strategie. Unsere wichtigsten Institutionen wurden von unseren intellektuellen Führern so erfolgreich mit der marxistischen Ideologie durchdrungen, daß „ihre Regeln“ schleichend zu den anerkannten Kommunikations- und Denkregeln geworden sind. Beginnend mit der öffentlichen Bildung, dann den Medien, den Kirchen, und so weiter, wußte Gramsci, daß die Gesellschaft schließlich neue Moralvorstellungen und Gesetze akzeptieren würde. Sobald dies erreicht wäre, würde es viel einfacher sein, die kapitalistische Infrastruktur und die etablierten politischen Parteien zu zerstören und marxistisch zu transformieren.

Die politisch korrekte Sprache würde etabliert und anerkannt werden und letzten Endes auch die politisch korrekten Ideen, ohne jemals die hinter ihnen stehende Philosophie preiszugeben. Ihre Organisationen und Think Tanks würden nie Worte gebrauchen, die im Zusammenhang mit Sozialismus, Marxismus oder Kommunismus stehen. Begriffe wie allgemeine Gesundheitsversorgung, reproduktive Rechte (Kostprobe auf Linguee.de) und Gemeinwesenarbeit / Bürgerinitiativen / Stadtteilarbeit (Community Organizing) würden Wörter wie sozialisierte Medizin, Abtreibung und Kommunismus ersetzen.

Wenn man bedenkt, was im öffentlichen Schulsystem heute geschieht, ist es offensichtlich, daß Gramscianische Strategien seit Jahren berücksichtigt werden, ohne daß wir dies jemals realisieren. Lehrbücher, Lehrergewerkschaften, liberale linke Kirchen, Feministinnen (women’s movement), und Vorzeige-Intellektuelle haben unsere traditionellen Werte infiltriert und durch eine liberale linke Mentalität ersetzt, die den Einzelnen zugunsten des globalen Gemeinwohls (global good) negiert. Dies erklärt die Bedeutung der Umweltpolitik, der Gesetze gegen Volksverhetzung und Haßreden, erpresserische Bürgerinitiativen wie ACORN (die wegen Wahlbetrug verurteilt wurde und sich im April 2010 nach ihrer vorgetäuschten Auflösung neu organisierte), und die Gefährdung der nationalen Sicherheit durch Regierungsbehörden, die die Politische Korrektheit auf die Spitze treiben.

Wer beeinflusste Saul Alinsky? Höchstwahrscheinlich basieren seine Strategien auch auf der Gramscianischen Philosophie der kulturellen Hegemonie. (Dann darf Rudi Dutschke nicht fehlen. Der basisdemokratische Informationsdachverband Wikipedia schreibt: In 1967, the German student movement leader Rudi Dutschke reformulated Gramsci’s philosophy of cultural hegemony with the phrase „Der lange Marsch durch die Institutionen“ — The long march through the institutions — denoting the war of position, in allusion to the Long March of the Communist Chinese People’s Liberation Army.) Wenn Sie den Einfluß von Saul Alinskys „Anleitung zum Mächtigsein“ („Rules for Radicals“) auf Barack Obama untersuchen, werden Sie viele Eigenschaften von Antonio Gramsci finden. Auch Clintons Politik ließ häufig die Taktiken von Gramsci erkennen. Nichts davon ist über Nacht passiert.

All dies wurde durch die Medien und Populärkultur erleichtert. (Denken Sie an Sigmar Gabriel und das neugeschaffene Amt des Beauftragten für Popkultur und Popdiskurs, kurz Popbeauftragter.) Mit der heimlichen Einführung Gramscianischer Taktiken in die Kultur haben die Medien diese Werte übernommen und jede Generation beeinflußt. Es ist zwingend notwendig, daß wir diese Einflüsse bekämpfen und erkennen, was in unseren Schulen und Kirchen und in der Regierung geschieht. Lassen wir weiterhin zu, daß sie uns kulturell neu definieren, dann werden wir von diesem Wahnsinn für immer versklavt werden.

Hier finden Sie den Originalartikel, Communist Antonio Gramsci Resides In The White House.