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Keine Wahl in Ägypten

2012/01/18

Daniel Greenfield über islamische Demokratie.

In der Anfangsphase der Proteste am Tahrir-Platz schrieb ich:

59 Prozent der ägyptischen Muslime wollen Demokratie und 95 Prozent wollen eine großteils islamische Politik. 84 Prozent glauben, Abtrünnige sollten zum Tode verurteilt werden. So wird die Demokratie in Ägypten aussehen. Eine einstimmige Mehrheit will einen islamischen Staat und eine knappe Mehrheit will Demokratie. Wer wird Ihrer Meinung nach siegen? Eine demokratische Mehrheit des Landes unterstützt die Ermordung von Menschen im Namen des Islam. Mubaraks Regierung tötet keine Abtrünnigen oder Ehebrecher. Ein demokratisches Ägypten wird es tun. Warum? Weil es der Wille des Volkes ist.

Fast ein Jahr später haben wir das demokratische Ägypten, das jeder, dem die Realitäten der Region klar waren, erwartet haben sollte. Ein ägyptisches Parlament aus Salafisten und Muslimbrüdern in einem Land aus Islamisten, die Köpfe abhacken wollen und Islamisten, die denken, daß es klüger ist, ihre Macht zu konsolidieren, bevor sie Köpfe abhacken.

Der Zweck dieses Artikels ist nicht die Beschimpfung von liberalen Linken und übrig gebliebenen Neokonservativen, die im Namen der Demokratie Mubaraks Sturz unterstützten. Das ist eine Verschwendung von Atem und Zeit. Ideologen, die einer Ideologie verpflichtet sind, die die Welt in einer Art und Weise erklärt, die moralisch und gerecht erscheint, werden mit dem, was sie tun, nicht aufhören, nur weil die Folgen katastrophal sind.

Jetzt wollen sie, daß wir in Syrien eingreifen. Will sonst noch jemand, daß wir in Syrien eingreifen? Der Emir von Katar, besser bekannt als der Mann hinter Al Jazeera, der die ganze Lüge des arabischen Frühlings zu einem internationalen Mythos vorantrieb, um nicht-islamistische Regime in der Region zu stürzen. Der Emir winkt ein wenig offensichtlich nach Truppen, die in Syrien einzumarschieren sollen, anstatt sich zurückzulehnen und seine Al-Jazeera-Propagandisten die harte Arbeit machen zu lassen, dem Westen eine unabhängige Demokratiebewegung zu verkaufen — doch das Pro-Demokratie-Volk hörte nicht zu.

Es hörte einfach nicht zu, egal wie oft ihm gesagt wurde, daß die Muslimbruderschaft die dominierende Kraft hinter der „Pro-Demokratie-Revolution“ wäre und daß sie die Nutznießer sein würden, wenn Mubarak gestürzt wäre. Für sie war alles nur Lärm. Die Demokratie würde alles überwinden und die gleichen Twitter-Aktivisten, mit denen sie so eng befreundet waren, würden die neue Verfassung schreiben.

Jetzt sind wir also den langen Weg gegangen und die ägyptische Demokratie trägt ein Schwert und eine Burka. „Das muß man der Muslimbruderschaft lassen. Sie haben diese Revolution wie eine Geige gespielt. Und tun es noch immer. Brilliant.“ Das Zitat stammt von Sandmonkey, einem der beliebtesten Aktivisten vieler Blogger und Experten, die Mubaraks Beseitigung befürworteten. Jetzt gibt es keinen Raum mehr für Illusionen. Mubaraks Beseitigung zu unterstützen war ein Fehler und es ist Zeit, es zuzugeben und sich die verfügbaren Optionen anzuschauen.

Option 1. So tun, als ob die Muslimbruderschaft oder ein Flügel davon gemäßigt ist. Dies ist der Ansatz der liberalen Linken, die damit beschäftigt sind, zu erklären, daß die Muslimbruderschaft unsere beste Hoffnung ist, um die Salafisten zu bändigen und die moderaten Salafisten die beste Hoffnung sind, um die extremistischen Salafisten zu bändigen. Das sind die Menschen, die, wenn sie mit einem Stamm von Kannibalen eingesperrt wären, anfangen würden, die Kannibalen in Gemäßigte und Extremisten aufzuteilen und die Gemäßigten mit ihre Fingern füttern würden, um die Extremisten in Schach zu halten.

Option 2. So tun, als würde sich die Bruderschaft so lange an den demokratischen Prozeß halten, bis sich die liberalen Linken in Ägypten zusammenreißen und die Wahlen gewinnen. Nennen wir diese Strategie „dem Kannibalenstamm Locke vorlesen“. Sie kommt von den gleichen Leuten, die dachten, El Baradei würde in Ägypten augenblicklich ein neues Zeitalter der Demokratie eingeleiten.

Option 3. Das ägyptische Militär stärken und sämtliche Maßnahmen unterstützen, damit es an der Macht bleibt und die alleinige Macht auszuübt. Kein schöner Satz, ich weiß. Es bedeutet, die Menschen zu unterstützen, die für Jungfräulichkeitstests und viele andere noch häßlichere Dinge sind. Es bedeutet, das zu tun, was wir die ganze Zeit getan haben, arabische Diktatoren zu unterstützen, die auf die Menschenrechte pfeifen und das Land blindlings ausrauben. Es ist auch die einzige Option.

Ich meine damit nicht nur, daß es die einzige Option ist, um den Aufstieg der Islamisten zu verhindern und die Umwandlung von Ägypten in einen weiteren Iran. Ich meine, daß es die einzige Option ist, die tatsächlich existiert.

Unsere Unterstützung kann an die Muslimbrüder, das ägyptische Militär oder El Baradei und eine magische Truppe tanzender Demokrataten gehen, und das Endergebnis wird immer noch eine Diktatur mit einer Geheimpolizei sein, die Dissidenten terrorisiert und das Land blindlings ausraubt. Das ist die einzige Form von Regierung, die es in der muslimischen Welt gibt.

Bei dieser Form von Regierung gibt es geringfügige Abweichungen. Im Iran ist die Oligarchie, die das Land regiert und blindlings ausraubt, explizit islamisch. In Ägypten ist es das Militär. In der Türkei ist es eine Gruppe von islamistischen Industriellen. In Afghanistan ist es ein Haufen von Banden. Die Einzelheiten spielen keine große Rolle, außer, daß die Islamisten etwas von dem Geld, das sie stehlen, nutzen, um den Terrorismus gegen uns zu finanzieren und sie sind in der Regel repressiver als die säkulare oder semi-säkulare Alternative.

Auf der Liste gibt es keine Option, die Ägypten in einen säkularen Staat verwandelt, der die Menschenrechte respektiert. Es wäre nie passiert und es wird jetzt nicht passieren. Wenn die Muslimbruderschaft das Militär in die Schranken weist und die vollständige Kontrolle übernimmt, dann wird nur eine Oligarchie durch eine andere ersetzt. Und die Oligarchie wird nicht lange brauchen, weil sie bereits existiert. So oder so werden Demonstranten blutig geschlagen und die Geheimpolizei, die sich mit den Dissidenten befaßt, wird größtenteils die gleiche Geheimpolizei sein.

Option 3 ist die einzige echte Option, und sie ist nicht vielversprechend. Der Geist der bezaubernden Bruderschaft ist aus der Flasche und das ägyptische Militär ist keine säkulare Macht, wie sie das türkische Militär war. Es hat kein wirkliches Interesse daran, die Bruderschaft zurückzuhalten — sie ist der Hebel gegen uns und gegen jedes unserer Demokratie-Projekte. Dennoch ist es die einzige Option, weil die Obama-Alternative die ägyptische Demokratie weiterhin vorantreibt, wodurch die Macht der Bruderschaft direkt wächst, im Gegensatz zur Stärkung des Militärs, wodurch die Macht der Bruderschaft nur indirekt wächst.

Wenn alles vermasselt ist, wird es keine guten Optionen mehr geben. Es wird nur eine Liste mit kleineren Übeln geben. Für die Gläubigen der allgemein heilbringenden Kirche der Demokratie ist die Machtergreifung der Muslimbruderschaft ein kleineres Übel als zuzugeben, daß die Wahlurne vielleicht den Willen des Volkes widerspiegelt und nicht irgendeine spirituelle Kraft, die allen zu Menschenrechten und Freiheit verhilft. Sie wollen dem Prozeß mehr Zeit geben, damit er arbeiten kann. Er wird arbeiten. In der gleichen Richtung.

Das Mäntelchen aus Recht und Säkularismus, das Ägypten hatte, war nicht angeboren — es stammt aus seiner Kolonialzeit. Das ägyptische Militär und einige wohlhabende Kairoer Familien und Intellektuelle waren ein bißchen moderner, weil sie westlich beeinflußt waren, nicht weil sie irgendeine indigene Quelle der Moderne vertraten. Demokratie brachte den Willen des Volkes für den Islam hervor. Mehr Demokratie bedeutet mehr Islam.

Als ihnen Demokratie gegeben wurde, wählten die palästinensischen Araber Hamas. Als ihnen Demokratie gegeben wurde, wählten die Tunesier die islamistischen Schläger von Ennahda. Als ihnen Demokratie gegeben wurde, wählten die Ägypter die Salafisten und die Bruderschaft. Das Muster ist unschwer zu erkennen. Der Prozeß kann mit den exakt gleichen Ergebnissen immer und immer fortgesetzt werden, bis wir es kapieren. Nicht, bis sie es kapieren. Uns werden die Wolkenkratzer und Kinder ausgehen, bevor ihnen klar, wird, daß der Islam nicht die Antwort auf all ihre und unsere Probleme ist.

Solange die meisten Muslime weiter glauben, daß ihre Rechte und Gesellschaften am besten durch den Islam abgesichert sind und nicht durch ein System, das die Rechte des Einzelnen unvoreingenommen schützt, wird sich dieser Prozeß endlos wiederholen. Und das ist ihr Problem — unser Problem ist, uns zu schützen, während sie experimentieren und als Grundlage für eine Zivilgesellschaft Texte benutzen, die von massenmordenden fanatischen Vergewaltigern geschrieben wurden.

Die Idee der Bush-Ära, daß das zu tun, was das Beste für sie sein soll, auch das Beste für uns sein soll, ist auf mehreren Ebenen falsch. Unsere erste Pflicht ist, das zu tun, was das Beste für uns ist, was wahrer denn je ist, weil es wirklich nichts gibt, das wir tun können, was das Beste für sie ist. Nur sie können die Entscheidung treffen, aus dem Stillstand aufzubrechen. Und solange, bis sie diese Entscheidung treffen und bereit sind, der Gemeinschaft der zivilisierten Völker beizutreten, ist es unsere einzige Aufgabe, das zu tun, was für unsere Völker und unsere Nationen das Beste ist.

Es ist nichts falsch daran, die Tyrannei in Ägypten zu unterstützen, wenn die Alternative eine noch schlimmere, von der Wahlurne geheiligte Tyrannei ist. Es ist nichts falsch daran, einem Prozeß ein Ende zu setzen, an dessen Ende Ägyptens Frauen weggesperrt und die verbliebenen Christen in Säuberungsaktionen verhaftet werden. Es ist nichts falsch daran, denjenigen die Tür vor der Nase zuzuknallen, die uns töten würden, weil ihnen ihr heiliges Buch sagt, daß es ihr Weg ins Paradies ist. Es ist nichts falsch daran, ein Regime zu unterstützen, das uns nicht bekriegen wird, egal wie undemokratisch es sein könnte. Unsere erste Pflicht gehört nicht fremden Demokratien des Terrors, sondern unserem eigenen Leben und unserer eigenen Freiheit.

Die ganze Geschichte, warum liberale Linke die Islamisten stärken, lesen Sie in Jamie Glazovs „Vereint im Haß: Die Romanze der Linken mit Tyrannei und Terror“ („The Left’s Romance with Tyranny and Terror“).

Hier finden Sie den Originalartikel, Out of Options in Egypt.