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Das Post-Urlaubs-Syndrom: Führt Sozialismus zu Faulheit?

2012/09/21

Soeren Kern über die Volkskrankheit Nr. 1 in der neuen europäischen Sowjetunion.

Es ist September und Millionen unglücklicher Spanier, die gerade vier volle Wochen bezahlten Urlaub hatten, werden mit dem unerträglichen Trauma konfrontiert, zur Arbeit zurückzukehren. Und wie jedes Jahr um diese Zeit, bietet eine Armada von Psychologen, Psychiatern und etlichen anderen Spezialisten für psychische Erkrankungen, von denen viele durch die Großzügigkeit des Wohlfahrtsstaates ernährt werden, bieten ihre Dienste Menschen an, die von einer Krankheit betroffen sind, die der Spanier „Post-Urlaubs-Syndrom“ („Síndrome postvacacional“) nennt.

Das Post-Urlaubs-Syndrom, auch als „Rückkehr-Syndrom“ (síndrome del retorno) bekannt, „äußert sich in Form von Apathie, allgemeiner Schwäche, Antriebsschwäche, Trauer, Angst, Appetitlosigkeit, Konzentrationsmangel, Veränderungen des Charakters mit Reizbarkeit, Schlaflosigkeit sowie Muskel- und Magenbeschwerden“, erklärt CINCO DIAS, eine der führenden Wirtschaftszeitungen Spaniens.

Der spanische Sender RADIO Y TELEVISIÓN ESPAÑOLA berichtet, daß das Post-Urlaubs-Syndrom in der Regel etwa ein bis zwei Wochen dauert. Wenn die Erkrankung aber länger anhält, sagt R T V E, ist es „ratsam, professionelle Hilfe zu suchen, weil das Syndrom vermutlich auf etwas Ernsteres hinweist, wie Depressionen oder Probleme bei der Arbeit oder persönliche [Un]zufriedenheit.“

Spaniens wichtigste Tageszeitung, die pro-sozialistische EL PAÍS, schätzt, daß bis zu einem Drittel der Spanier unter dem Syndrom leiden, obwohl laut Personaldienstleister Alta Gestión rund 50 Prozent der spanischen Arbeitnehmer Beschwerden haben, wenn sie nach den Sommerferien an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Eine Umfrage der Barcelonaer Zeitung LA VANGUARDIA ergab, daß fast 75 Prozent der in dieser Stadt Befragten in diesem Jahr unter dem Post-Urlaubs-Syndrom leiden.

Laut CINCO DIAS entspricht das Profil des spanischen Arbeitnehmers, der am ehesten unter dem Post-Urlaubs-Syndrom leidet, einem Mann im Alter zwischen 25 und 40 in einer Arbeit mit direktem Öffentlichkeitskontakt.

ANTENA 3 TELEVISIÓN aus Madrid berichtet jedoch, daß das Post-Urlaubs-Syndrom nicht nur auf Erwachsene beschränkt ist. Zum Beispiel im Fall der acht-jährige Catalina, deren Eltern besorgt sind, weil das Mädchen nach den Ferien sehr aggressiv ist. Laut dem Doktor des Mädchens, „leiden Kinder ebenso wie Erwachsene unter dem Post-Urlaubs-Syndrom … viele zeigen die Störung auf eine radikalere Weise, sie sind reizbarer … sie benehmen sich schlecht“.

Wie kann man die negativen Auswirkungen „der Rückkehr“ [zur Arbeit] mildern? Der Personaldienstleister Randstad sagt, es ist wichtig, zur Arbeit zurückzukehren, ohne sich über die elf verbleibenden Monate bis zum nächsten Sommer Gedanken zu machen.

Spaniens führende Mitte-Rechts-Zeitung EL MUNDO erklärt, eine „leichte Form des Syndroms behinhaltet leichte Müdigkeit, Unwohlsein, Verwirrung, Unlust und das Gefühl, nicht zu wissen, wo man anfangen soll. Trifft dies auf Sie zu, dann Sorgen Sie sich nicht, es passiert fast jedem, und es gibt nichts, was Sie tun können. Halten Sie durch, seien Sie stark, gehen Sie am nächsten Tag zur Arbeit und Sie werden sehen, wie es täglich nachläßt und von selbst heilt.“

Doch, so EL PAIS, „wenn Sie etwas ähnliches, jedoch intensiveres, durchmachen, und Sie fühlen sich am ersten Tag schlecht, und am zweiten und am dritten Tag noch schlechter, und Ihre Seele hält es nicht mehr aus, Sie schaffen nichts mehr, bringen nicht mehr zustande, als Kaffee zu trinken, und Sie fühlen sich nicht besser, und nachdem Sie zu Hause angekommen sind, ist Ihnen alles eine Qual, Sie sind durch alles irritiert, können nicht schlafen, etc. Wenn dies geschieht, haben Sie zwei Möglichkeiten …“

Der überarbeitete Spanier

Sind die Spanier wirklich überlastet? Laut den Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), „arbeiten“ spanische Arbeitnehmer tatsächlich mehr Stunden, als viele ihrer europäischen Kollegen. Im Jahr 2007 arbeitete der spanische Arbeiter durchschnittlich 1.652 Stunden. Im Vergleich zum französischen Arbeitnehmer mit 1.561 Stunden; dem deutschen Arbeiter mit 1.433 Stunden, und dem amerikanischen Arbeiter mit 1.794 Stunden.

Aber was ist mit der Arbeitsproduktivität, also der Menge (oder dem Wert) der pro Stunde produzierten Güter oder Dienstleistungen? Nach Angaben der OECD nimmt Spanien bei der Arbeitsproduktivität innerhalb Europas einen der letzten Plätze ein. Ein durchschnittlicher spanischer Arbeitnehmer erzeugt im BIP pro Arbeitsstunde 39,4 Dollar, verglichen mit 49,9 Dollar für den französischen Arbeitnehmer; 47 Dollar für den deutschen Arbeiter; und 50,4 Dollar für den amerikanischem Arbeiter.

In anderen Worten, von all diesen Stunden, in denen die Spanier an ihren Arbeitsplätzen physisch anwesend sind, wie viele von diesen Stunden werden tatsächlich mit Arbeit verbracht? Und wie viele dieser Stunden werden mit Siestas, Kaffee-Pausen, zweistündigen Mittagessen, Surfen im Internet, und anderen sozialen Aktivitäten verbracht?

Dann dürfen die Feiertage berücksichtigt werden. Spanien hat 14 Feiertage (neun davon auf nationaler, der Rest auf provinzieller Ebene). Wenn einer der neun nationalen Feiertage auf einen Sonntag fällt — kein Grund, sich Sorgen zu machen; die Regionalregierungen wählen einen Ausgleichsfeiertag. Und wenn ein nationaler Feiertag auf einen Dienstag oder Donnerstag fällt, bleiben die Unternehmen in der Regel montags und freitags geschlossen, um eine „Brücke“ (hacer Puente) für ein extralanges Wochenende zu schaffen. Mit diesen Feiertagen und den 30 Tagen gesetzlichem Urlaub kommen die Spanier dann auf etwa 45 freie Tage pro Jahr.

Laut der Studie „Expedia 2008 International Vacation Deprivation“ hatten die Amerikaner im Vergleich — mit zehn bundesweiten Feiertagen — durchschnittlich 14 Tage Urlaub. (Von den europäischen Arbeitnehmern kamen die Franzosen im Jahr 2008 auf durchschnittlich 37 Tage Urlaub; Italiener 33; Deutsche 27; Briten 26).

Aber das ist nicht alles. Die Spanier haben noch einen anderen Weg gefunden, um zusätzlich arbeitsfrei zu bekommen: Streiks, die sich in Spanien zu einem Volkssport entwickelt haben. Nach Angaben der „Spanischen Vereinigung der Arbeitgeberverbände“ („Confederación Española de Organizaciones Empresariales“, CEOE) streikten die spanischen Arbeitskräfte 2008 während der ersten Jahreshälfte 541 mal, was einen Arbeitszeitverlust von 23,4 Millionen Stunden bedeutet. Verglichen mit dem selben Zeitraum im Jahr 2007 stieg die Zahl der streikenden Arbeiter im Jahr 2008 um 90,3 Prozent sprunghaft an und der Arbeitszeitverlust stieg im Jahr 2008 um 69,9 Prozent.

Führt Sozialismus zu Faulheit?

Laut Personaldienstleister Adecco haben sich in Spanien die Fehlzeiten am Arbeitsplatz in den letzten vier Jahren verdoppelt, von drei auf sechs Prozent. Dies entspricht dem europäischen Durchschnitt von 4,6 Prozent. Adecco sagt, einer der Hauptgründe, warum spanische Arbeitnehmer nicht zur Arbeit erscheinen, ist das Post-Urlaubs-Syndrom.

Viele spanische Psychologen nennen das Post-Urlaubs-Syndrom ein „Syndrom“ weil sie sagen, daß die Krankheit aus einer identifizierbaren Gruppe von Symptomen besteht. Andere sagen, das Leiden war in der spanischen Gesellschaft nie zuvor so weit verbreitet, obwohl es, technisch gesehen, keine Krankheit ist.

Wieder andere behaupten, das Post-Urlaubs-Syndrom sei nichts anderes, als klassische Faulheit. Und manche gehen so weit, einen klaren Zusammenhang zwischen Faulheit und europäischen Sozialismus zu ziehen. Während der Kapitalismus harte Arbeit und Eigeninitiative belohnt, wird im Sozialismus von Natur aus Faulheit belohnt. Tatsächlich lehren die sozialistischen europäischen Gesellschaften ihre Bürger, alles erwarten zu können, selbst wenn sie nichts leisten. Warum also arbeiten, wenn man es umsonst bekommt?

Doch nach Ansicht von Forschern der Universität Göteborg in Schweden, ist harte Arbeit tatsächlich der Schlüssel zum Glück, weil Faulheit zu Depressionen führt – und Depressionen führen zu Faulheit. Könnte das der Grund sein, warum Spanien, trotz seines guten Klimas und seines guten Essens, nach der jüngsten „Weltweite-Werte-Umfrage“ („World Values Survey“), als eines der unglücklichsten Länder Europas gilt? (Dänemark gilt als das glücklichste Land der Welt, die Vereinigten Staaten liegen auf Platz 16, und Spanien liegt auf Platz 44.)

Könnte es sein, daß das Post-Urlaubs-Syndrom, unter dem Spanien leidet, nichts anderes ist, als ein politisch korrektes, post-modernes Etikett, entwickelt, um die Faulheit, die Selbstverliebtheit und die Verantwortungslosigkeit zu verbergen, die durch den spanischen Sozialismus gefördert werden?

Soeren Kern ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für transatlantische Beziehungen an der Madrider „Grupo de Estudios Estratégicos“

Hier finden Sie den Originalartikel, Does Socialism Breed Laziness? Spain and the Problem of Post-Vacation Syndrome.