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Sex und Super Mario

2011/12/17

L. Brent Bozell über Nintendo-Sexspiele für Kinder.

(Eine kleine Analyse der Werbesprache für das „ab-12-Spiel“ Flirtgewitter liefert das Video We Dare: Trailer Analysis – IGN Rewind Theater von IGN.)

(weitere Anmerkungen in Klammern)

Die meisten Menschen denken bei Videospielen an eine unschuldige Kinderbeschäftigung. Viele Eltern, die eine Nintendo Wii-Spielkonsole kauften, würden meinen, dies wäre die harmloseste von allen. Sie sehen, wie ihre Kinder darauf Super Mario spielen oder die Familie spielt gemeinsam Tennis oder Golf oder Fußball.

Ich hätte nie gedacht, daß diese Spielkonsole zu Orgien verführen würde.

Eine neue Werbung des französischen Spieleherstellers Ubisoft wirbt für ein neues Nintendo-Wii-Spiel mit dem Titel „Flirtgewitter“ („We dare“), laut Beschreibung „ein unterhaltsames Partygame zum Flirten und Spaß haben, voller sexy Charaktere, frecher Mini-Games und bekannten Musik-Hits wie Sex Bomb, Time of My Life, Lady Marmalade und vielen anderen“.

(Und weiter: „Lege die Stimmung deiner Party fest: Seid ihr verliebt, mutig, gemein, albern oder genial? Fordere deine Mitspieler zu gewagten Striptease-Einlagen heraus. Der Controller flüstert dir pikante Begriffe ins Ohr, die du dann pantomimisch darstellen sollst. Können deine Mitspieler diese dann erraten?“)

Auf YouTube wird für das Spiel eine Werbung mit zwei jungen Pärchen gezeigt, die den Controller küssen, darunter die beiden Mädchen. Grafisch sieht das Spiel simpel und comic-haft wie ein typisches Super Mario Abenteuer aus. Während Julia Messengers „Like A Magic Show“ spielt, steckt eines der Mädchen den Controller in die Rückseite ihres Rockes und legt sich einem der Männer über die Knie, um sich ein wenig versohlen zu lassen. Dann versohlen sich die Mädchen. Und dann strippen die Männer. Am Ende des Werbespots wird der Bildschirm verschwommen und es erscheint: „Bitte geben sie ihren Jugendschutzcode ein.“

Da sich Ubisoft nicht wirklich den Kopf über Jugendschutzcodes zerbricht, ist dies lediglich eine Einladung zu Nacktheit und Sex. In Australien gab die Selbstkontrolle dem Spiel ein bedeutungsloses PG-Rating (entspricht FSK 6). Dort zeigt die Werbung Paare, die „bis auf die Unterwäsche strippen“ mit „Anregungen für Pole-Dancing, Gruppen-Sex und Partner-Tausch“. (Die deutsche „Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle“ gab dem elektronischen Flaschendrehen ein USK 12, wodurch das Spiel unter Grünen Piraten sicherlich ein Hit wird.)

In England ist die Empörung ähnlich. Eltern sind wütend, weil dem Spiel eine „12 Plus“ gegeben wurde. Laura Pearson aus Birmingham sagte der Londoner Daily Mail: „Ich habe eine 13-jährige Tochter, und wenn ich wüßte, daß sie solch ein sexuell aufgeladenenes Spiel mit Jungs spielt, wäre ich entsetzt. Es ermutigt Minderjährige zu Sex.“

Ubisoft hat — noch — keine Pläne, das Spiel in den Vereinigten Staaten zu verkaufen, da wir „puritanischer“ als Europa sind. Das bedeutet nicht, daß sie es nicht versuchen werden, wenn sich das Spiel gut verkauft. Auf Twitter witzelte Ubisoft: „Wirst du es wagen, diesen sexy Trailer für unser neues Party-Spiel zu sehen? Flirtgewitter peppt deine Party auf.“

Es wäre eine Sache, wenn die Videospiel-Hersteller ein Erwachsenen-Spiel für verheiratete Erwachsene gemacht hätten. Ubisoft machte aber etwas anderes. Sie haben ein Spiel hergestellt, das Jugendliche in Gruppen-Sex, Partner-Tausch und Homosexualität lockt.

Eine Ubisoft-Sprecherin erklärte gegenüber der Melbourne Herald-Sun: „Das Spiel ist für ein erwachsenes Publikum gedacht, absolut…. Ehrlich gesagt, kann das Spiel auch ohne zu flirten gespielt werden. Es läßt einfach nur Spielraum für Interpretationen.“

Das ist unaufrichtig. Dieses Spiel in eine simple Super Mario Kategorie zu kleiden, ist wie eine Sex-Szene ins Spiel Thomas die kleine Lokomotive zu packen, aber zu erklären, es ist nur für Erwachsene. Man sagt einfach, daß man das Spiel anders spielen kann, als es Ubisoft beabsichtigte. Kinder, die im Spiel „Grand Theft Auto“ keine drogendealenden Prostituiertenmörder sein wollen, können auch einfach auf ihrem Motorrad herumalbern. Das ist aber nicht das, was die Spielehersteller verkauft haben.

Als Sonys PlayStation versuchte, Nintendos Wii mit seiner Sensor-gesteuerten Kinect-Technologie eine Nasenlänge voraus zu sein, war es nur eine Frage der Zeit, bis Kinect Sex-Spiele in Erwägung gezogen werden.

Brad Abram von der österreichischen Firma ThriXXX sagte, sein Unternehmen, das interaktive 3D-Sexspiele wie „3D Sexvilla“, „Fetish3D“ und „3DLesbian“ verkauft, plant, im Mai ein Kinect-fähiges Sex-Spiel zu veröffentlichen. Im Dezember 2010 veröffentlichte Thrixxx ein Video, das zeigt, wie ein Spieler seine Hand im Raum bewegt und einen spärlich bekleideten weiblichen Avatar auf Sofa oder Sonnenliege begrapscht.

Jeder Witz über Video-Spieler, die als ausgewachsene Sozialkrüppel (nerds) nicht in der Lage sind, echte Frauen kennenzulernen, wird durch solche Nachrichten nur noch besser.

Microsoft, das seine Technologie an Sony lizenzierte und gesagt hat, es „würde diese Art von Spiel für Kinect nicht dulden“, verhindert diese Art von Spielen bis jetzt. Aber manch einer kann nicht verstehen, wie die Prüden nur so ahistorisch sein können. Software-Ingenieur und „Sex-Technik-Experte“ Kyle Machulis beschwerte sich gegenüber ABC News: „Die Gutenberg-Druckpresse druckte zwar Bibeln, sie druckte aber auch Erotika.“

Jeder versteht, daß jede neue Technologie für Pornographie genutzt werden wird, wenn jemand damit Geld machen kann. Jemand in Österreich kann für Charlie Sheen und seinesgleichen Videospiele in diskreten Verpackungen machen.

Da aber die meisten Video-Spiele für Kinder gemacht werden, sollten die fremdregulierten Selbstregulierungs-Gremien der Spielehersteller Grenzen ziehen und die Einzelhändler die Gremien wissen lassen, daß diese Grenzen eingehalten werden sollten — nicht aus Respekt für die Eltern mit dem Geld, sondern für die Kinder, deren Unschuld geschützt werden muß.

Hier finden Sie den Originalartikel, Sex and Super Mario.

Es gibt natürlich wirklich Erwachsene, die dieses Spiel mit Kindern spielen:

Viel Spaß beim Spielen, Tanzen und Raten, 15. Juli 2011
Von I. Puchert „Katzenfrau“ (Kiel)
Flirtgewitter (Videospiel)

Wir spielen dieses Spiel öfters mit 4 Erwachsenen und einer 12-jährigen und ich muss sagen, die Spiele sind wirklich lustig. Die Charaktere wirklich herzig und die Sprüche informativ ;o).

Man kann die Spiellänge variieren und Themen wählen. Wir lassen immer den Computer entscheiden. Überraschung ist doch toll!

Nur keine Angst – die ganzen Geschichten über dieses Spiel…. man sollte nicht alles so bierernst nehmen.

Man sieht manchmal schon ziemlich merkwürdig aus, bei den Verrenkungen und Bewegungen, die man dort so machen muss. Auch wenn man Dirty Dancing (Frau als Mann und Mann als Frau) tanzt, ist dies manchmal zum Kichern komisch – auch beim Limbo kann man sich echt einen abbrechen, aber es ist alles wirklich harmlos, einfach nur spaßig für eine Party.

Kauft Euch ruhig das Spiel!

Ja. Sicher. Ganz bestimmt.

Laut Filmindustrie trinken kleine Kinder auch Alkohol und sagen „blondes Gift“ und „Sch—e“, wie im Kinderfilm Das Mädchen mit dem Zauberhaar:

Familienfilm? Nein!, 19. März 2011
Von bakagaijin
Das Mädchen mit dem Zauberhaar (DVD)

Glaubt man dem Klappentext, dann kommt man zum Schluß, es handle sich bei „Dem Mädchen mit dem Zauberhaar“ um einen klassischen Familienfilm a la Ghibli. Der Eindruck wird gefördert durch den dicken, roten Aufkleber „Ein Familienfilm im Stil von Chihiro und Ponyo“.

Und genau dem ist nicht so, Vielmehr ist „Das Mädchen…“ ein recht erwachsener, schwermütiger Film in dem einige Thematiken behandelt werden, die nicht wirklich für Kinder ab 6 geeignet sind. Dauernd stirbt irgendjemand oder irgendetwas, ein kleiner Ausflug ins Rotlichmillieu und der erste Rausch im Kindesalter runden das kindgerechte Familienprogramm ab. Ein unbeschwerter Fernsehgenuss mit der Familie wird das in meinen augen nicht. Das „Zauberhaar“ kommt zudem nicht wirklich oft zum Einsatz, die Episoden, die damit in Zusammenhang stehen, sind dünn gesät.

Unter dem Aspekt „Familienfilm“ bleibt für mich – vor allem beim Vergleich mit den beiden selbst gewählten „Konkurrenten“ aus dem Hause Ghibli nur das Fazit: Thema verfehlt. Oder schlimmer: Echte Mogelpackung.

Nimmt man „Das Mädchen…“ als Film für Erwachsene (ich persönlich empfinde die Geschichte als durchaus interessant) und bezieht man die überaus gelungene optische Umsetzung mit ein, so kann man hier durchaus zu einer viel besseren Wertung kommen. Dann allersings sollte man sich seitens des Studios vielleicht eine andere Marketing Strategie überlegen.