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Demographie ist Schicksal

2012/12/19

Daniel Greenfield erklärt, wie Wählen gehen funktioniert.

BASISDEMOKRATIE

Wahlen werden durch Demographie gewonnen. Kein Suppenkonzern knallt einfach so Dosen seines neuesten „Truthahn-Kokos-Bouillons mit Muskatnuß und Omega-3“ in Gang 6 vom Supermarkt, ohne vorher zu testen, wen solch ein abscheuliches Gebräu demographisch ansprechen könnte. Wer wird das Produkt gut finden? Lesbische alleinerziehende Mütter, geschiedene asiatische Feuerwehrleute oder exzentrische lettische Millionäre? Politik ist kein bißchen anders.

Eine politische Partei hat ihre Basis, definierbare Gruppen, die nach ihrer Botschaft tanzen, die das Fleisch essen, das ihnen ihre Kandidaten zuwerfen. Sie hat die demographischen Gruppen, die sie jedes Mal wählen werden und diejenigen, die ihre Meinung ändern könnten.

Sie kennt deren Rasse, Geschlecht, Alter, Klasse, Sexualität, Wohneigentum und tausend andere statistische Feinheiten. Diese Zahlen sind nach Ländern, Städten und Stadtteilen aufgeschlüsselt, so daß sie zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort, basierend auf der Demographie der Menschen, die dort leben, eine recht gute Einschätzung ihrer Chancen hat.

Diese Art von Informationen sind hilfreich, um Wahlen zu gewinnen, aber die Wählerschaft so hinzunehmen, wie die Karten ausgeteilt werden, das tun nur Deppen. Und mit Deppen meine ich konservative Parteien.

Die Aufschlüsselung der Demographie ist wie ein Blick auf die Karten, die Sie in Ihrer Hand halten. Sobald Sie das getan haben, sind die Karten Ihres Gegners die einzige verbleibende Variable in einem statischen Spiel. Die Wahlkampf-Demographie entspricht den Karten, die jeder Spieler hat. Das macht das Spiel statisch. Blätter werden unweigerlich gewonnen oder verloren — es sei denn, Sie können ein paar neue Karten ziehen.

Der offensichtlichste Weg, das demographische Spiel um den Thron zu gewinnen, ist, mit manipulierten Bezirken zu spielen. Ein manipulierter Bezirk ist so geformt, daß er eine Mehrheit des demographischen Siegers enthält, was nahezu automatisch zu einem Sieg für die Partei führt. Es ist das politische Äquivalent zum Manipulieren eines Kartenspiels.

Manipulierte Bezirke sind von zweifelhafter Legalität, außer wenn ein Bezirk mit einer Minderheiten-Mehrheit (majority-minority district) geschaffen werden, was unter einer Bürgerrechts-Gesetzgebung zur Pflicht wird. Dies manipuliert das Kartenspiel und sichert furchtbar unfähigen Politikern dauerhafte Pfründe — und der Demokratischen Partei ständige Sitze. (Anm.: Diesen Trick dürfte nicht nur die SPD — „Kreuzberger Gespräche ’11: Die Minderheiten sind die Mehrheiten der nächsten Generation“ — beherrschen, sondern mindestens seit dem 31. Dezember 1987 laut BZ auch die CDU: „Türkische Frauen mit Kopftuch und Kleid tummeln sich in Berliner Schwimmbädern — so stellt sich Hanna-R. Laurien die Zukunft vor“)

Aber das ist nur eine Frage der Neuordnung der Karten. Was wäre, wenn Sie neue Karten von außerhalb ins Spiel bringen könnten? Was wäre, wenn Sie den Wert von einigen Karten ändern könnten? Dann wären Sie der beste Falschspieler in Washington DC, London oder Paris.

Sicher, Sie könnten Wahlen gewinnen, wenn Sie ein paar manipulierte Bezirke schaffen, aber ein Land könnten Sie auf diese Weise nicht gewinnen. Um dies zu erreichen, müssen Sie die Demographie des Landes verändern.

Angenommen, Sie würden unseren fiktiven Suppenkonzern betreiben und feststellen, daß der „Truthahn-Kokos-Bouillon mit Muskatnuß und Omega-3“ bei den wichtigsten sozialen Schichten nicht beliebt ist. Die einzigen Leute, die das Zeug mögen, sind arbeitslose pakistanische Einwanderer, lesbische alleinerziehende Mütter und geschiedene asiatische Feuerwehrleute.

Sicher, Sie könnten natürlich versuchen, eine andere Geschmacksrichtung in Auftrag zu geben, aber verdammt noch mal, Sie mögen nun mal diese. Und außerdem haben Sie Ihr gesamtes Werbebudget für die nächsten drei Jahre für die Werbung dafür ausgegeben, und dank Ihrer Werbekampagne verbindet Ihr Unternehmen jetzt jeder mit „Truthahn-Kokos-Bouillon mit Muskatnuß und Omega-3“. Und wenn es die Leute nicht mögen, dann ist Ihr Unternehmen zum Scheitern verurteilt.

Sie könnten versuchen, die Meinung der Menschen zu ändern, oder Sie könnten versuchen, die sozialen Schichten zu ändern, damit Sie eine Demographie haben, die Ihre Suppe mag. Um dies zu erreichen, müßten Sie viele pakistanische Einwanderer holen, eine schlechte Wirtschaftslage schaffen, Scheidung und Homosexualität fördern und im öffentlichen Sektor ein paar Arbeitsplätze schaffen.

Zum Glück kann kein Suppenkonzern so etwas tun. Eine Regierung schon.

Das ist das Tolle an Regierungen, wenn sie im Land die Demographie ändern wollen, mehr Einwanderer wollen, mehr Alleinerziehende und mehr Arbeitslose wollen, können sie all das ohne Umstände tun.

Angenommen, Ihre Statistiken zeigen Ihnen, daß Arbeitslose eher für Sie wählen als Beschäftigte. Dann hätten Sie das Ziel, aus den Reihen der Beschäftigten, die Sie normalerweise nicht wählen, so viele wie möglich zu den Arbeitslosen umzuschichten. Und sobald sie ein von Beihilfen abhängiges Leben leben, werden sie Sie womöglich unterstützen, selbst wenn Sie derjenige sind, der es so hinmanövriert hat, daß sie ihre Beschäftigung los sind.

So etwas ist kinderleicht, wenn Sie zufällig eine Regierung und eine Partei mit umfangreichen Partnerschaften mit progressiven linken gemeinnützigen Organisationen und mächtigen Denkfabriken und Stiftungen haben.

Nehmen wir Arbeiter in Fabriken und sagen wir, daß die Wahrscheinlichkeit, gegen Sie zu stimmen, bei Arbeitern in Fabriken um 40 Prozent geringer ist und daß sie Ihre „Truthahn-Kokos-Bouillon mit Muskatnuß und Omega-3“-Agenda mit einer um 80 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit ablehnen, während die Wahrscheinlichkeit, gegen Sie zu stimmen, bei Arbeitslosen, die in Fabriken beschäftigt waren, nur um 19 Prozent geringer ist und daß sie Ihre Agenda nur zu 56 Prozent ablehnen, und daß sie ihnen sogar ziemlich egal ist, weil ihr Leben auf den Kopf gestellt wurde und sie sich über nichts mehr sicher sind.

Es gibt eine einfache Lösung. Fangen Sie einfach an, unter irgendeinem Vorwand Fabriken zu schließen. (Anm.: Oder neue Wirtschaftszweige zu schaffen.) Beschuldigen Sie sie der Umweltverschmutzung, erhöhen Sie ihre Kosten, Steuern, inspizieren und regulieren Sie sie zu Tode, und tun Sie alles, was in Ihrer Macht steht, um die alteingesessene Arbeiterklasse, die früher — bevor Sie auf der liberalen linken Überholspur durchstarteten — Ihre Basis war, in arbeitslose Männer umzuwandeln, die verbittert dasitzen und Bier trinken und sich fragen, was aus ihrem Land wurde.

Angenommen, Ihre Suppe heißt  Barack Hussein Obama . (Anm.: Name durchgestrichen weil sowas von egal.) 2008 entschieden sich bei einem Geschmackstest 39 Prozent der weißen Arbeiterklasse-Männer für Ihre Suppe. Doch im Jahr 2012 wollen nur 29 Prozent Ihre Suppe. Das ist ein Problem, wenn Völker ihre Regierung wählen — es ist aber kein Problem, wenn Regierungen ihr Volk wählen.

Wenn weiße Arbeiterklasse-Männer für Sie ein Problem sind, dann müssen Sie sicherstellen, daß Ihre Wählerschaft zu einem geringeren Prozentsatz aus weißen Männern besteht, die kein College besuchten.

Sie können mit Ihrer aktuellen Agenda in einem Land mit der gegenwärtigen Zusammensetzung keine Wahlen gewinnen? Träumen Sie groß, planen Sie sogar noch größer. Zerren Sie jeden an die Uni, den Sie kriegen können und importieren Sie die richtigen Immigranten, machen Sie Scheidungen zu etwas Alltäglichem und killen Sie Arbeitsplätze. Nicht sofort. Fangen Sie damit vor vierzig oder fünfzig Jahren an. Sagen Sie, die Sitcom-Familie aus der Familienserie des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ist die moderne Familie und ganz plötzlich sehen liberale Linke nicht mehr wie kommunistische Eierköpfe aus und die Konservativen werden zu Freaks, die aussehen wie Roboter, die über jemanden reden, den sie „Gott“ nennen, über etwas, das sie „traditionelle Familie“ nennen und etwas, das sie als „Arbeitsplätze“ beschreiben.

Bertolt Brecht schrieb „Die Lösung: Nach dem Aufstand des 17. Juni ließ der Sekretär des Schriftstellerverbandes in der Stalinallee Flugblätter verteilen, auf denen zu lesen war, daß das Volk das Vertrauen der Regierung verscherzt habe und es nur durch verdoppelte Arbeit zurückerobern könne. Wäre es da nicht einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?“

Brechts Witz ist nun die buchstäbliche Wahrheit. Westliche Regierungen lösen ihre Völker auf und wählen an deren Stelle andere Völker. Die Demokratie erlaubt Völkern, Regierungen zu wählen, aber Macht ermöglicht auch, daß Regierungen ein Volk wählen.

Liberale Linke wollen das demographische Spiel um den Thron gewinnen, indem sie die Demographie verändern. Liberale Linke verändern das Gelände und konservative Rechte versuchen, auf dem neuen Terrain zu kämpfen. Und der einzige Weg, das zu tun, ist, zu liberalen Linken zu werden. Konservative Rechte gewinnen zwar noch Wahlen, doch der Krieg um die Zukunft wird von liberalen Linken gewonnen. Sie schaffen sich demographisch die Wählerschaft, die sie wählen. Sie müssen nicht jede Wahl gewinnen, um den Kampf um die Zukunft zu gewinnen; alles, was sie tun müssen, ist, weiterhin die Demographie zu verändern, bis die konservativen Rechten entweder die Hoffnung aufgeben oder keine konservativen Rechten mehr sind, so daß es nichts mehr gibt, was als Opposition bezeichnet werden kann.

Demographie ist Schicksal. Liberale Linke gestalten Länder entsprechend ihren demographischen Zielen um. Sie verwandeln Nationen in einen großen manipulierten Bezirk, der aus Bevölkerungsschichten besteht, die sie stärker unterstützen. Dazu benutzen sie die Einwanderungs-, Wirtschaft- und Sozialpolitik und jedes andere Werkzeug, das ihnen zur Verfügung steht. Und wenn die konservativen Rechten nicht lernen, das demographische Spiel um den Thron zu verstehen, dann werden sie den Krieg verlieren.

Hier finden Sie den Originalartikel, Demographics Is Destiny.

Ergänzende Worte von H. Müller in der PAZ:

Zu wenig Multikulti

Vereinte Nationen: Politiker in Europa sollen sich konsequenter ein neues Volk formen

Seit selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel „Multikulti“ für gescheitert erklärt hat, war es etwas still geworden um den Begriff von der „multikulturellen Gesellschaft“. Der UN-Sonderbeauftragte für Migrationsfragen, Peter Sutherland, hat nun allerdings klar gemacht, dass der Versuch eines ethnischen Umbaus westlicher Gesellschaften nach wie vor auf der Tagesordnung der politischen Eliten steht.

„Die ethnische Homogenität muss unterminiert werden.“ Zumindest in seiner Deutlichkeit dürfte eine Forderung, wie sie der UN-Sonderbeauftragte für Migrationsfragen vorgebracht hat, mittlerweile fast Seltenheitswert haben. Nach Ansicht Sutherlands, der nicht nur für die Uno, sondern auch für die Investmentbank Goldman-Sachs arbeitet und langjähriger Teilnehmer der „Bilderberger“-Treffen ist, „hängt der Wohlstand der EU-Länder davon ab, ob die Staaten in multikulturelle Gesellschaften umgewandelt werden“. Auch wenn Sutherland den Beweis für diese Behauptung schuldig bleibt, empfiehlt er ernsthaft, dass sich Länder wie Deutschland in Bezug auf Multikulturalität Großbritannien als Vorbild nehmen sollten, wie BBC berichtete.

Obwohl der UN-Sonderbeauftragte noch Nachholbedarf zu sehen glaubt, die Weichen hin zu einer multikulturellen Gesellschaft sind in Deutschland längst gestellt. Im Jahr 2011 haben die Geburten von Eltern mit Migrationshintergrund und der Einwanderungsüberschuss – gesamt 520000 – die Zahl der einheimischen Geburten – etwa 440000 – bereits überstiegen. Verschärfend zu den niedrigen Geburtsziffern Einheimischer und einer anhaltende Zuwanderung von außen kommt im Falle Deutschlands noch verschärfend eine weitere Entwicklung hinzu: eine Auswanderungswelle von häufig gutausgebildeten Deutschen. Profitiert haben davon in den letzten Jahren klassische Einwanderungsländer wie Kanada und Australien, aber auch die Schweiz und Norwegen.

Glaubt man der landläufigen Darstellung vieler Politiker und Medien, dann sind derartige Entwicklungen zwangsläufig und nicht zu verhindern. Dass die spürbare Zunahme von Masseneinwanderung in viele europäische Staaten um das Jahr 2000 durchaus gezielt herbeigeführt worden ist und politischen Zielen gedient hat, wurde erst im Jahr 2010 durch Enthüllungen zur britischen Einwanderungspolitik deutlich. Andrew Neather, früherer Berater der Labour-Regierung unter Tony Blair, hatte unumwunden zugegeben, dass die gezielte Förderung von Zuwanderung Teil der damaligen Regierungspolitik gewesen sei. Offiziell mit wirtschaftlichen Vorteilen gerechtfertigt, waren insgeheim auch politische Ziele verfolgt worden. „Die Rechten sollten mit der Nase auf die Tatsache der Vielfalt gestoßen werden, damit sie ihre altmodischen Ansichten ändern“, wie Neather unverblümt einräumte. Tatsächlich hatte die Einwanderungswelle allerdings noch einen ganz anderen Effekt: zusätzliche Wähler für die eigene Partei. Unter anderem weil Einwanderer aus Commonwealth-Staaten bei legalem Aufenthalt in Großbritannien sofortiges Wahlrecht genießen, hat sich in den Jahren der letzten Labour-Regierung per Masseneinwanderung die Zahl der Wahlberechtigten um 1,3 Millionen vergrößert. Hauptprofiteur dürften nicht nur in Großbritannien Vertreter des linken Parteienspektrums gewesen sein. Da Blairs Labour Party um das Jahr 2000 unter den sozialdemokratischen Parteien Europas als regelrechtes Vorbild gegolten hat, dürfte man mit der Annahme nicht fehlgehen, dass auch Gerhard Schröders SPD in Fragen der Einwanderungspolitik und zusätzlicher Wähler genau nach Großbritannien geschaut hat. Die Bemühungen von Rot-Grün im Jahr 1999, die Möglichkeiten einer doppelten Staatsbürgerschaft massiv auszuweiten, oder in den Folgejahren, per angeordneter, freigiebiger Vergabe von Touristenvisa eine Masseneinwanderung zu ermöglichen, würden dafür sprechen.

Der von der „New Labour“ oder dem „Modernisierer“ Gerhard Schröder verfolgte Ansatz, per „multikultureller Gesellschaft“ politische Ziele zu verfolgen, ist weniger modern, als es zunächst erscheinen mag. Umso verblüffender ist allerdings die Herkunft des Konzepts. Die Blaupause zum Entwurf der modernen multikulturellen Gesellschaften entstammt der britischen Kolonialpolitik. Bewährte Herrschaftspraxis war die Herbeiführung einer ethnischen oder religiösen Zersplitterung der Bevölkerung – im Normalfall per Einwanderung.

Erfolgreich praktiziert wurde derartiges über lange Zeit in Südafrika oder Indien, am offensichtlichsten wahrscheinlich am Handelsplatz der britischen Ost-Indiengesellschaft in Singapur. Die Förderung ethnischer und religiöser Unterschiede in der Bevölkerung beziehungsweise die offensichtliche Bevorzugung einzelner Bevölkerungsgruppen haben über lange Zeiträume Spannungen innerhalb der Bevölkerung aufrechterhalten, die Herrschaftsausübung dafür aber umso mehr gefestigt.

Auch in Hinsicht auf die Bestrebungen, die EU zu „Vereinigten Staaten von Europa“ umzuwandeln, ist ein Blick in die Geschichte angeraten. Erst die Marginalisierung der angestammten Urbevölkerung und die Massenimmigration einer neuen und vor allem bunt zusammengewürfelten (multikulturellen) Hauptbevölkerung, die frei von ihren bisherigen nationalen Bindungen war, hat die Etablierung eines völlig neuen, quasi künstlich geschaffenen Staates namens USA überhaupt möglich gemacht.