Archive for the ‘Kultur’ Category

Kein Wunder, daß Johnny (immer noch) nicht lesen kann

2012/01/25

Larry Sand über kultursensible Bildung und interkulturelle Mathematik.

(Lesen Sie hier den Artikel Bildung: Weniger deutsch, dafür Schema F über die Zustände in EU-Land.)

(weitere Anmerkungen in Klammern)

Fakultäten für Erziehungswissenschaften konzentrieren sich auf Modeerscheinungen, nicht auf Wissen und Fähigkeiten. Ich weiß das aus Erfahrung.

Es gibt viele Gründe für die beklagenswerte Bildungssituation in den Vereinigten Staaten von heute, aber der größte sind wohl unsere Fakultäten für Erziehungswissenschaften.

Meine Erfahrung in den 1980er Jahren an der Universität von Kalifornien in Los Angeles („California State University, Los Angeles“, CSULA oder Cal State) war typisch. Die Kurse waren leicht. Strenge war nicht existent. Ich nahm elf Kurse für Leistungspunkte (credits) und bekam zehn As (sehr gut) und eine B (gut) und fühlte mich nicht ein einziges Mal intellektuell gefordert. Es gab in der Regel ein einfaches Vordiplom und eine Abschlußprüfung und ein Referat — was zeigen sollte, daß ich wußte, wie man unterrichtet.

Manchmal waren die Stunden (courses), als wäre man wieder auf der Grundschule. Ich hatte viel Spaß in meinen Methodenkursen (methods classes), besonders im Sportunterricht, wo wir die ganze Stunde spielten.

Die erforderlichen Lehrveranstaltungen (course work) beinhalteten jeweils zehn Wochen an Vorlesungen (classes) in Musik und Kunst — doch Wissenschaft und Sozialwissenschaften wurden in einer fünfwöchigen Vorlesung zusammengefaßt. Einen Grundkurs in Klassenzimmermanagement (classroom management), etwas, das für künftige Lehrer ein großer Vorteil gewesen wäre, gab es nicht.

Statt sich auf die besten Techniken zur Vermittlung von Fähigkeiten und Leitbildern zu konzentrieren, die Schüler benötigen, bleuten die Professoren uns ein, daß wir weder „dressieren“ („drill and kill“) sollen, noch den „Weisen auf der Bühne“ („sage on the stage“) spielen sollen, sondern stattdessen der „Berater an der Seite“ („guide on the side“) sein sollen, der die „schülerische Entdeckung erleichtert“ („facilitates student discovery“). In erster Linie sollten uns die Gefühle der Kinder beschäftigen. Legionen von Schülern, die Lehrer hatten, die in diesen fortschrittlichen Techniken ausgebildet wurden, können kaum addieren oder lesen — sie haben aber wahrscheinlich ein extrem hohes Selbstwertgefühl.

Als ich ins Klassenzimmer kam fühlte ich mich für den Unterricht weniger vorbereitet als an dem Tag, an dem ich an der „Cal State“ mit dem Studium begann.

„Ganzheitliche Sprache“ („whole language“) war die herrschende Theorie des Tages. Es verwirft den traditionellen, erfolgreichen, phonetischen Leseunterricht und ersetzt ihn durch einen „holistischen“ Ansatz, bei dem Schülern beigebracht wird, „kritische Denkstrategien“ zu verwenden, um die Bedeutung von Worten, die sie nicht erkennen, zu erraten. Es war eine Katastrophe für die Lesefähigkeit der Schüler, ist aber in Schulen heute noch beliebt — die Befürworter der „ganzheitlichen Sprache“ sind dazu übergegangen, andere Namen zu verwenden, wie „ausgewogene Alphabetisierung“ („balanced literacy“).

In den 1990er Jahren kam dann die Modeerscheinung des Multikulturalismus, und sie hat epidemische Ausmaße erreicht. Lehrer in spe waren gezwungen, über diese ethnische Gruppe zu unterrichten, über jene verarmte Gruppe, über diese sexuell anomale Gruppe, über jene unterrepräsentierte Gruppe, usw. — alles unter der Rubrik „kultursensibler Bildung“ („Culturally Responsive Education“, CRE).

CRE ist das „Verständnis, daß die Denkweise, das Verhalten, und das Sein eines Menschen von der Rasse, der ethnischen Herkunft, der sozialen Schicht und der Sprache beeinflußt wird“. (Willkommen im Rassen- und Klassenkampf der alten Zöpfe: „Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewußtsein.“) Künftige Lehrer sind zur Prüfung verpflichtet, wie ihre eigene „soziokulturelle Identität“ und die Ungleichheiten in Schule und Gesellschaft die „institutionalisierte Diskriminierung“ unterstützen, die eine „privilegierte Gesellschaft, die auf sozialen Klassen und der Hautfarbe basiert“, bewahrt.

Diese Ideen werden übrigens nicht als Theorien präsentiert, sondern als Tatsachen, die nicht in Frage gestellt werden dürfen. Fakultäten für Erziehungswissenschaften (education schools) indoktrinieren ihre Schüler daher mit der tendenziösen Idee, daß alle sozialen Probleme aus „Diskriminierung“ und „Privilegien“ resultieren.

Statt zu lernen, wie man Schüler im Bruchrechnen oder im Einteilen in Kapitel unterrichtet, sollen Lehreranwärter negativen Einstellungen gegenüber kulturellen Gruppen nachgehen. Dies läuft auf die Aussage hinaus, daß die herrschende Kultur verstehen muß, daß sie alle anderen unterdrückt und Wiedergutmachung leisten muß.

Zu den Ablegern der kultursensiblen Bildung zählt „interkulturelle Mathematik“ („anti-racist math“ hat hierzulande nicht als „antirassistische Mathematik“ den Weg in den liberalen linken Hirnwaschgang gefunden), die nun in einer Reihe von Schulbezirken angenommen wurde. In Newton, Massachusetts, zum Beispiel, ist das oberste Ziel der Mathematiklehrer, „zwischenmenschliche Unterschiede in den Ausprägungen der Big Five“ zu lehren („respect for human differences“ hat hierzulande nicht als „Respekt für menschliche Unterschiede“ den Weg in den liberalen linken Hirnwaschgang gefunden). Schüler sollten „den systemübergreifenden Grundwert vom ‚Respekt für die menschlichen Unterschiede‘ ausleben, indem sie Antirassismus- und Antidiskriminierungs-Verhalten (anti-bias behaviors) demonstrieren“. (Hierzulande hilft der Anti-Bias-Ansatz, in der Anti-Bias-Werkstatt Anti-Bias-Arbeit zu leisten oder im Anti-Bias-Workshop Anti-Bias-Fragen zu beantworten.) Das Problem ist, daß man all das bis zur Perfektion tun kann und nicht ein klitzekleines Bißchen Mathematik lernt.

Im Jahr 2008 zeigte Bildungsreform-Professor Jay Greene, wie groß das Multikulti Problem geworden ist. Er und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter untersuchte die Anzahl an Multikultikursen, die unseren Lehrern an Hochschulen angeboten werden. Er schrieb (2008) im City Journal:

„Um festzustellen, wie unausgewogen Lehrer auf Fakultäten für Erziehungswissenschaften vorbereitet werden, zählten wir die Titel und Beschreibungen, die die Worte ‚Multikulturalismus‘, ‚Vielfalt‘, ‚Integration‘ enthielten, sowie Varianten davon, und verglichen diese dann mit der Anzahl jener, die Varianten des Wortes ‚Mathematik‘ verwendeten. Dann errechneten wir eine ‚Multikulturalismus-Mathematik-Verhältniszahl‘ (‚multiculturalism-to-math ratio‘) — ein grober Indikator für die relative Bedeutung von sozialen Zielen gegenüber akademischen Fähigkeiten an Fakultäten für Erziehungswissenschaften.“

Die Ergebnisse waren aufschlußreich:

„Die durchschnittliche Fakultät für Erziehungswissenschaften hat eine Multikulturalismus-Mathematik-Verhältniszahl von 1,82, was bedeutet, daß sie 82 Prozent mehr Kurse mit sozialen Zielen als mit Mathematik anbietet. In Harvard und Stanford ist das Verhältnis etwa 2: fast doppelt so viele Kurse sind sozial statt mathematisch. An der Universität von Minnesota ist das Verhältnis höher als 12. Und an der UCLA (University of California Los Angeles) ist das Verhältnis fast 16: kolossale 47 Titel und Beschreibungen von Kurse enthalten das Wort ‚Multikulturalismus‘ oder ‚Vielfalt‘, während nur drei das Wort ‚Mathematik‘ enthalten.“ (Das Tolle an Bildungsreformen ist, daß es dabei kein „Gehe zurück auf Los“ gibt, sondern daß man das heimliche erwünschte Ziel des Chaos mit jedem neuen Ansatz weiterführen und vorantreiben kann.)

In meinem Staat, Kalifornien, brauchen nun dreißig Prozent der Studierenden Förderkurse (remedial help), die in das ehemals gepriesene System der University of California (UCLA) geraten. Was die Fakultäten der California State University (Cal State) betrifft, zu der die meisten Fakultäten für Erziehungswissenschaften des Bundesstaates gehören, benötigen sechzig Prozent der Studenten Förderunterricht (remediation), und auf Fachoberschulen (city colleges) und berufsbezogenen Schulen (ommunity colleges — vergleichbar mit berufsbildenden Schulen und Berufsfachschulen) benötigen sogar kolossale 90 Prozent Förderunterricht.

Dies bedeutet, daß Kinder in unserem K-12-System (Abkürzung für „Kindergarten bis 12. Schuljahr“ — also der Traum der ganzheitlich-ganztäglichen Kinderabschiebepraxis vom „Kindergarten bis zur Sekundarstufe“) nicht richtig erzogen werden. Fehlende Strenge und falsche Schwerpunkte an Fakultäten für Erziehungswissenschaften tragen einen Großteil der Verantwortung.

Können unsere Schulen umgedreht werden? (Natürlich nicht, weil es kein „Gehe zurück auf Los“ gibt — wo sollte man im Fall einer Abkehr von der Leistungsgleichheit all die schlechten Noten unterbringen? Die Verursacher von Christdemokratten über Sozialdemokratten bis hin zu Freidemokratten würden die nicht einmal geschenkt nehmen und Grüne Freibeuter nur, wenn man damit demokratisch an die Macht kommt. Erziehungslager? Die sind für die Gegner der Leistungsgleichheit reserviert.)

Die Arizona State University (ASU), die das landesweit größte Vorbereitungsprogramm (prep program) für Referendare (undergraduate teacher) betreibt, hat gerade in diesem Jahr ein „radikales“ neues Programm vorgestellt, in dem die Studierenden den Umgang mit speziellen pädagogischen Fähigkeiten demonstrieren müssen, die an einem gängigen pädagogischen Rahmen gemessen werden. Dazu verwendet die ASU das „Teacher Advancement Program“ des „National Institute for Excellence in Teaching“.

Nach Prüfung der Beschreibung dieses neuen Ansatzes zur Lehrerausbildung muß ich sagen, daß es solide aussieht. Anstatt sich mit den „gefühlsduseligen“ Standardmethoden zu beschäftigen, benutzt das Programm objektive Maßstäbe, um Lehrer zu bewerten. Es bleibt abzuwarten, ob die fest verwurzelten „fortschrittlichen“ Kräfte das „Teacher Advancement Program“ abwürgen oder untergraben werden, es ist jedoch eine Herausforderung an den Status quo.

Unsere Fakultäten für Erziehungswissenschaften sind mit Fehlverhalten, das in keinem anderen Beruf toleriert worden wäre, meistens glimpflich davongekommen. Solange wir nicht etwas völlig anderes machen als bisher, werden wir auch weiterhin Lehrer hervorbringen, die Amerikas Kinder verbilden.

Hier finden Sie den Originalartikel, No Wonder Johnny (Still) Can’t Read.

Advertisements

Lektionen auf dem langen Weg zum islamischen Kopftuch

2012/01/09

Raymond Ibrahim über die Islamisierung Ägyptens.

Termini technici
hijab: islamisches Kopftuch

Obige Karikatur, die zum ersten Mal auf CagleCartoons.com erschien und nun auch in der arabischen Blogosphäre zu sehen ist, zeigt, wie demokratische Wahlen dazu dienen, Ägypten zu islamisieren: unverschleierte Frauen gehen zur Wahl — von der „überwacht“ — und enden gründlich verschleiert und islamisiert.

Apropos Schleier und Bruderschaft, hier ist ein interessantes Video vom ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser (1956-1970), das zeigt, wie sehr sich die Zeiten geändert haben.

Nasser sagte vor einer großen Versammlung, daß er im Jahr 1953 mit der kooperieren wollte und sich mit ihrem Führer traf. Nasser lernte daraus, daß die einzige Antwort auf die Bruderschaft nicht Zusammenarbeit, sondern Unterdrückung ist, eine Lektion, die John Kerry und andere in der gegenwärtigen Regierung zu Recht beherzigen sollten.

Laut Nasser war die allererste Forderung des Führers der Bruderschaft, daß das islamische Kopftuch nach Ägypten zurückzukehren soll, „daß jede Frau, die auf der Straße zu sehen ist, ein Kopftuch tragen soll“.

Das Publikum brach über diese, damals irrsinnige Forderung in Gelächter aus; eine Person brüllte, „Soll er es tragen!“, was noch mehr Lachen und Applaus auslöste. Nasser erklärte dem Führer der Bruderschaft weiter, daß, sollten sie das islamische Kopftuch durchsetzen, die Leute sagen würden, daß Ägypten wieder zu den dunklen Zeiten zurückgekehrt wäre — unter weiterem Gelächter — und fügte hinzu, daß die Ägypter solche Angelegenheiten in der Privatsphäre der eigenen Wohnung hüten sollten.

Doch der Führer der erklärte ihm, daß Nasser selbst, als Präsident Ägyptens, das islamische Kopftuch durchsetzen muß, worauf Nasser antwortete:

Mein Herr, ich weiß, Sie haben eine Tochter in der Schule, und sie trägt kein Kopftuch oder irgendetwas! [Gelächter] Warum sorgen Sie nicht dafür, daß sie das Kopftuch trägt? [Gelächter] Sie können also nicht dafür sorgen, daß es ein Mädchen, Ihre eigene Tochter, trägt, und trotzdem wollen Sie von mir, daß es 10 Millionen Frauen tragen?“ [Gelächter und Applaus]

Ein halbes Jahrhundert später und nichts davon ist zum Lachen: der Hijab ist in Ägypten üblich, wenn nicht sogar die volle Burka, und die Muslim-Bruderschaft, die seit Jahrzehnten verboten war und im Gefängnis saß, weil sie versuchte, Ägypten in ein dunkles islamisches Zeitalter zurückzuführen, ist nun bereit, die Nation zu regieren — alles unter US-Anleitung.

Wie Scheich Osama al-Qusi kürzlich sagte, war der große „Fehler“ von Nassers Nachfolger, Präsident Anwar Sadat,

nicht, daß er diese [Muslimbruderschaft] Gruppen aus dem Gefängnis entließ, nachdem sie Gamal Abdel Nasser eingesperrt hatte; sondern daß er ihnen grünes Licht gab, um in allen Bereichen der ägyptischen Gesellschaft zu arbeiten — zu denken, er würde sie nutzen, um seine sozialistischen und kommunistischen Gegner loswerden. So erlaubte er ihnen, in den Gewerkschaften und Schul-Gewerkschaften zu arbeiten — und gab ihnen jede Möglichkeit, öffentliche Ämter zu bekleiden [hinzugefügte Hervorhebungen laut Originaltext].

Mit anderen Worten, Sadats großer Fehler — der ihn das Leben kostete — war, daß er der ein gewisses Maß an Legitimität verlieh, wodurch sie sich in die ägyptische Gesellschaft schleichen konnten.

So ist jedenfalls der Lauf der Zeit: wird nicht gegengesteuert, dann wird das, was einmal irrsinnig war, zum Beispiel der Antrag der Bruderschaft von 1953, „daß jede Frau, die auf der Straße zu sehen ist, ein Kopftuch tragen soll“, langsam und allmählich Teil der Kultur.

Daher stellt die Scharia eine Bedrohung für den Westen dar — nicht, weil sie den Menschen im Westen auferlegt wird, sondern weil sich deren Aspekte, Stück für Stück, Jahrzehnt für Jahrzehnt, allmählich einschleichen können.

Hier finden Sie den Originalartikel, Lessons on the Long Road to Hijab.

Eine Postkarte aus dem islamischen London

2012/01/05

Ben Shapiro über die Islamisierung Europas.

Termini technici
chatter of Islamic languages: Geschwätz der islamischen Sprachen
hijab: islamisches Kopftuch

(weitere Anmerkungen in Klammern)

Ich habe meine Weihnachtsferien mit meiner Frau in Rom und London verbracht. Wir kamen am Heiligabend in London an. Es ist wirklich eine tolle Stadt — wo man hinschaut, gibt es Geschichte, vom Tower bis zum Churchill Museum. Aber wohin man blickt, sieht man eine viel bedrohlichere Präsenz: den Islam.

Nun hat kein Geringerer als Premierminister David Cameron bereits zugegeben, daß die Integration der Muslime in die britische Gesellschaft dramatisch gescheitert ist. Im Februar 2011 erklärte (die deutsche Übersetzung der Erklärung finden Sie hier als pdf-Datei) Cameron:

Nach der Doktrin des staatlichen Multikulturalismus haben wir es gefördert, dass verschiedene Kulturen ihre eigenen Wege gehen, getrennt voneinander und vom Mainstream. Wir haben es versäumt, eine gesellschaftliche Vision zu vermitteln, auf die sie sich einlassen möchten. Wir haben es sogar toleriert, wenn diese Gemeinschaften, die sich abgesondert haben, Verhaltensweisen an den Tag gelegt haben, die unseren Werten entgegenstehen.

Dieses Scheitern der Integration wird sofort deutlich. Es gibt offizielle ins Arabische übersetzte Schilder — für diejenigen, die nicht Englisch sprechen oder lesen wollen. Das Geschwätz der islamischen Sprachen ist ebensoweit verbreitet wie die Muttersprache. Das islamische Kopftuch ist allgegenwärtig.

All das könnte vielleicht ein zauberhaftes Nebenprodukt des Multikulturalismus sein, wenn da nicht die Tatsache, daß ein so großer Teil der islamischen Bevölkerung von Großbritannien radikalisiert ist. Diese Radikalisierung ist unschwer zu sehen.

Da am Tag nach Weihnachten alle wichtigen offiziellen Sehenswürdigkeiten geschlossen waren, gingen meine Frau und ich zu Madame Tussauds berühmter Touristen-Falle. Als wir durch die Hallen voller berühmter Persönlichkeiten aus dem Kulturleben schlenderten, die meisten aus dem 20. Jahrhundert, stießen wir auch auf die Wachsfigur von Albert Einstein. Und dort standen fünf junge Muslime und drängten sich um die Figur — zwei Männer und drei Frauen. Während andere Gäste neben der Figur standen und lächelten, oder einen Arm um sie legten, standen diese muslimischen Persönlichkeiten neben der Figur, legten ihre Hände um ihren Hals und gaben vor, sie zu erwürgen. Zuerst konnte ich nicht glauben, was ich sah — hatte Einstein etwas getan, was diese Menschen beleidigte? Dann dämmerte es mir, daß sie dies taten, weil Einstein ein Jude war. Einstein war sogar der einzige prominente Jude bei Tussauds. Und wer würde nicht gerne einen prominenten Juden erwürgen?

Dieser Verdacht wurde ein paar Minuten später bestätigt, als wir die Wachsfigur von Adolf Hitler erreichten. Briten und Amerikaner versuchten, die Figur zu erwürgen, oder zielten mit ihren Fingern auf sie, als ob sie schießen würden, oder schrien sie an. Diese jungen Muslime standen glücklich neben ihr, lächelten, und machten Fotos mit ihr, als ob sie einen freundlichen Onkel getroffen hätten. Was sie in gewisser Weise hatten.

Natürlich sagte niemand etwas zu diesen kulturell so herrlich vielfältigen jungen Leuten. Bloß nicht den alten Imperialisten spielen, Sie wissen schon.

Doch der alte Imperialist lauert unter der Oberfläche. Bei einer Tour im Tower von London folgten meine Frau und ich einem Beefeater. Er war ein ehemaliger britischer Militär und so benahm er sich auch. Großbritannien, verkündete er, war das größte Land der Erde. Es hatte die halbe Welt zivilisiert. Es gab einen Grund, sagte er, weshalb Großbritannien das einzige Land war, das seinem Namen das Wort „Groß“ voranstellte. Als ein Australier fragte, was mit dem Großen Barriere-Riff ist, antwortete er verschmitzt: „Sie kennen es nur, weil wir darauf stießen, als wir unterwegs waren, um Ihr Land zu gründen.“ Dieser Kommentar wurde von einem leicht unangenehmen Gelächter unter den Einheimischen begleitet — aber es war gut zu hören, daß die Briten irgendwo, tief im Inneren, noch Briten sind.

Allerdings wirklich ziemlich tief. Der Tag nach Weihnachten ist im Vereinigten Königreich der sogenannte Boxing Day (ein Geschenke-Schnäppchen-Einkaufstag, der vom Andrang her einem Schlußverkauf entspricht). Es ist ein Albtraum, durch die überfüllten Straßen zu kommen, und die Geschäfte sind rappelvoll.

Es war genau dieser Tag, den die Mitarbeiter der „London Underground“ — die Arbeiter der britischen U-Bahn — auswählten, um 24 Stunden zu streiken. Was bedeutete, daß nun alle gezwungen waren, auf Taxis umzusteigen, die das Doppelte berechneten, oder den Bus zu nehmen — und der Verkehr war schlimmer als das Haar von Matthew Pocket (aus Charles Dickens Great Expectations aka Geheimnisvolle Erbschaft aka Große Erwartungen). Wofür streikten diese Arbeiter? Dreifache Bezahlung an Feiertagen und einen freien Tag — als Ausgleich dafür, daß sie am zweiten Weihnachtstag (der ein Arbeitstag ist) arbeiten müssen. Sie hatten die doppelte Bezahlung bereits eingeplant.

In jeder rationalen Gesellschaft würde die britische Regierung diese Tunichtgute unverzüglich feuern und Streikbrecher einstellen, um sie zu ersetzen. Großbritanniens Pakt mit dem Teufel nach dem Zweiten Weltkrieg ist jedoch der gleiche gewesen, wie im Rest des Westens: werdet Marxisten und befreit euch von der imperialen Aggression. Aus marxistischer Sicht führt der Kapitalismus zum Imperialismus; wird der Kapitalismus herausgezüchtet, dann verschwindet der Imperialismus ebenfalls in der Geschichte. Und so hat sich Großbritannien kastriert, sowohl wirtschaftlich als auch sozial.

(Es ist etwas komplizierter, oder einfacher: Es gibt zerstörerische Subjekte, denen die freiheitliche Demokratie seit dem Ende von Adenauer-Erlaß und sozialsozialistischem Radikalenerlaß/Extremistenbeschluß erlaubt, die freiheitliche Demokratie zu zerstören, also die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu untergraben. Diesen Subjekten sollte wie früher nach dem Zweiten Weltkrieg verboten werden, Institutionen anzugehören, die die Regierung als freiheitsfeindlich einstuft, was wiederum schwer möglich sein wird, weil diesen Subjekten der Marsch in die Institutionen erlaubt wurde und sie nun beispielsweise Gerichtsprozesse abbrechen, um die Anklage zu ändern, wie Sören Kerns Artikel Ein schwarzer Tag für Österreich über den Prozeß gegen Elisabeth Sabaditsch-Wolff zeigt.)

Doch tief in der britischen Seele regt sich das Echo des Heldentums: das Echo von Churchill und Henry V, das Echo von Elizabeth I. und Cromwell. Je mehr Zeit vergeht, desto lauter wird das Echo. Die Frage ist, ob das Echo die britische Tapferkeit wiederherstellen wird, bevor endgültig die Lichter ausgehen.

Hier finden Sie den Originalartikel, Postcard From Islamic London.

Eingeschränkte Benzinverkäufe sollen dafür sorgen, daß zu Neujahr weniger Autos abgefackelt werden

2011/12/31

Die anonymen Journalisten von AFP über Silvester in Paris.

(Siehe auch die dapd-Meldungen auf SPIEGEL ONLINE und im Hamburger Abendblatt.)

(weitere Anmerkungen in Klammern)

Der Verkauf von Benzin und anderen Brennstoffen wird zu Silvester eingeschränkt, um der jährlichen Tradition von Feiernden, Hunderte von Autos abzufackeln, Einhalt zu gebieten, sagte die Polizei.

In den oft notleidenden Vierteln französischer Städte fackeln Jugendliche seit den frühen 1990er Jahren zu Silvester Hunderte von Fahrzeugen ab und veranstalten laut Aussage der Polizei einen Wettbewerb, um zu sehen, welche Gegend die meisten Schäden verursachen kann. (Die Täter haben fließend Wasser, Strom, Kühlschrank, Mikrowelle, Zwei-Meter-Fernseher, Computer, Internet, iPhone, X-Box, Playstation, Wii und Designerschlüpfer — brauchen sie gegen die Not etwa noch einen Weihnachtsurlaub mit einem händchenhaltenden Guido Westerwelle im Robinson Club Soma Bay in Hurghada?)

Die Polizei sagte im vergangenen Jahr, daß sie keine Zahlen mehr veröffentlichen würde, aus denen die Anzahl der in Brand gesetzten Fahrzeuge hervorgeht, um dem entstandenen „Wettbewerb und Ranking“ ein Ende zu bereiten, bei dem jedes Jahr mehr als 1.000 Fahrzeuge abgefackelt werden.

In einem Polizei-Rundschreiben, das AFP vorlag, forderte Innenminister Claude Guéant die Sicherheitskräfte auf, für die Silvester-Feierlichkeiten am Samstag „mit größter Wachsamkeit mobil zu machen“.

Laut den Anweisungen, die mit dem Rundschreiben verschickt wurden, sollten die lokalen Sicherheitskräfte alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, einschließlich der „Einschränkung von Benzinverkäufen“.

In Paris, wo für die jährliche Feier auf den Champs Elysées Zehntausende erwartet werden, hat die Polizei von Mittwoch bis Montag den Verkauf von „häusliche Brennstoffen“ wie Feuerzeugbenzin verboten.

Auch der Verkauf von Alkohol wurde rund um die Champs Elysées über Silvester verboten.

Die Pariser Polizei wies am Donnerstag in einer Erklärung darauf hin, daß Feuerwerkskörper auf den Champs Elysées wie in den letzten Jahren verboten sind und daß kein offizielles Feuerwerk stattfinden wird.

„In der Nacht des 31. Dezember wird es in der Hauptstadt kein Feuerwerk geben“, so die Erklärung.

„Während der Feiertage zum Jahresende ist der Verkauf und die Verwendung von Feuerwerkskörpern streng verboten, weil sie für ernsthafte Störungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit verantwortlich sind.“

Die Erklärung weist darauf hin, daß der Verkauf von Feuerwerkskörpern in diesem Zeitraum mit einer Strafe von bis zu 1.500 Euro belegt wird und deren Verwendung mit einer Strafe von 38 Euro.

Es wird erwartet, daß Zehntausende von Polizisten am Samstag die Sicherheit auf den Straßen von Frankreich gewährleisten.

Während der Feier im letzten Jahr kamen fast 54.000 Sicherheitskräfte, darunter Polizisten und Gendarmen ums Leben (Ups!) zum Einsatz, darunter mehr als 8.000 in Paris.

Hier finden Sie den Originalartikel, Petrol sales limited to cut New Year car torchings.

Es sieht so aus, als hätte der 8 Jahre alte French Ban Fireworks at Euro Disney Witz die Wirklichkeit eingeholt:

Franzosen verbieten Feuerwerk in Euro Disney

(AP), Paris, 5. März 2003

Die französische Regierung gab heute bekannt, daß sie über Euro Disney ein Verbot der Verwendung von Feuerwerkskörpern verhängt.

Die Entscheidung kommt einen Tag, nachdem eine nächtliche Feuerwerksveranstaltung in dem Vergnügungspark, der sich nur 32 km östlich von Paris befindet, dazu führte, daß sich die Soldaten einer nahe gelegenen Garnison der französischen Armee einer Gruppe von tschechischen Touristen ergaben.

Der Krieg gegen Weihnachten

2011/12/23

Mark D. Tooley über den Weihnachtsmann der liberalen Linken.

(Anmerkungen in Klammern)

Multikulti-Linke wollen Weihnachten zu einer winterlichen Betriebsfeier verwässern, völlig losgelöst von Kultur und Religion. Ein Verbot von Krippen, Bäumen und Weihnachtsliedern macht die Anti-Weihnachts-Kulturkämpfer nicht wirklich glücklich, häufig fühlen sie sich sogar vom Weihnachtsmann bedroht. Liberale Linke sehen hinter der autoritären Transzendenz von Weihnachten, selbst in seiner kommerzialisierten Form, einen Angriff gegen die Autorität des Staates und seiner säkularen Kleriker.

Fox News nahm die regelmäßigen Absurditäten im „Krieg gegen Weihnachten“, in dessen Zuge manchmal sogar ein Verbot von grün und rot in Klassenzimmern gefordert wird, begeistert auf die Schippe. Die American Family Association, eine para-kirchliche Gruppe, greift die Anti-Weihnachts-Aktion ebenfalls an und lobt Unternehmen, die Weihnachten loben.

Religiöse Linke sind durch diese Verteidigung von Weihnachten natürlich beunruhigt, vor allem durch Fox News oder konservative Christen, die sie verachten. Religiöse Linke haben deshalb entschieden, daß die kulturellen Verteidiger von Weihnachten Verräter sind und in Wirklichkeit den Kommerz fördern.

„Die Weihnachten von Fox News trommeln ständig für den Krieg, greifen bei jedem Konflikt auf militärische Lösungen zurück, verteufeln unsere Gegner, und predigen die amerikanische Vorherrschaft“, erklärt der evangelische Links-Aktivist Jim Wallis im friedensbewegten Magazin Sojourners in tiefster rhetorischer Trauer.

Ein Kollege von Wallis nannte Fox News sogar das „Hauptquartier der Widerstandsarmee Gottes (Lords Resistance Army) gegen den Krieg gegen Weihnachten“.

Obwohl dieser Kollege darauf hinwies, daß Anti-Weihnachts-Kreuzfahrer sogar gegen Osterglocken kämpfen, ist Wallis immer noch blind vor Wut: „Die Weihnachten von Fox News verkünden die Werbung für Konsum, die Verteidigung des Reichtums und der Macht, die Schmeichelei des Geldes und der Märkte, und den Angriff auf die Bemühungen zur Überwindung der Armut.“

Wer hätte gedacht, daß Weihnachten so böse ist?

Wallis behauptet, die Fox News Aktion gegen den „Krieg gegen Weihnachten“ richtet sich gegen „Atheisten, Agnostiker, Liberale, Linke, Progressive und die Eiferer für die Trennung von Kirche und Staat — das heißt Demokraten“. Der langjährige Aktivist für eine linksdrehende Welt und Empfänger George-Soros-ähnlicher Menschenliebe hat seine eigene Definition von Polit-Weihnachten. Jesus wurde in einem „besetzten Land“ geboren, unter einer „imperialen Macht“, und er fügte der Weihnachtszeit „politischen Kontext“ hinzu. „In Jesus Christus ging Gott an die Öffentlichkeit“, verkündet Wallis. „Daß Jesus arm geboren war … definiert radikal den sozialen Kontext … und zeigt deutlich die wahre Bedeutung von Weihnachten.“ Wallis frohlockt, daß Jesus „unseren kriegerischen Streit beenden“ wird. (Wenn liberale Linke für die Trennung von Religion und Politik sind, wieso verbinden sie sie dann?)

Wallis‘ 40-jährige religiöse und politische Aktivisten-Karriere verrät natürlich sein Verständnis des Christentums als pazifistische Protestbewegung gegen den amerikanischen Imperialismus und als Forderung nach erzwungener Umverteilung des Reichtums. Im Gegensatz dazu verstehen die Verteidiger der traditionellen Weihnacht diese als Feier eines göttlichen Erlösers, der gekommen ist, um eine sündige Welt zu retten. Religiöse Linke sind für die Erlösung in der Regel viel zu beschäftigt, und denken vor allem an den Glauben, daß nur wohlhabende Imperialisten sündig sind.

Wallis erklärt: „Daß Einkaufszentren und Geschäfte ihre Kunden mit „Merry Christmas“ begrüßen, ist völlig irrelevant für die Bedeutung der Fleischwerdung.“ Stattdessen ist der „Konsumrausch“ in Höhe von „450.000.000.000 Dollar“, die angeblich zu Weihnachten ausgegeben werden, die eigentliche „Blasphemie“. Hat sich Wallis überlegt, wie viele Millionen armer Menschen auf der ganzen Welt wahrscheinlich beschäftigt sind, um Waren für die Amerikaner zu produzieren, die so egoistisch sind, Weihnachten zu feiern? Und ist ein Feiertag, bei dem es ums Schenken geht, wirklich die finsterste Verwendung von Geld?

Selbst auf Weihnachtsbäume und anderes Grün schlägt Wallis ein: es ist „entlehnt von antiken römischen und germanischen Feiern zur Wintersonnenwende, die von der Kirche assimiliert und kooptiert wurden, nachdem Konstantin zwischen seinem Reich und den Christen Frieden schloß“. (Fast so überzeugend wie meine alten Deutsch-, Gemeinschaftskunde- und Sozialkundelehrer. Oder die lustigen Stasi-Taschenbücher von Bernt Engelmann.) Da haben Sie es. Das Weihnachts-Tamtam ist in Wirklichkeit die götzendienerische Frucht des Konstantinianismus, dem ultimativen Schreckgespenst der religiösen Linken und Pazifisten.

Wallis erinnert ein wenig an die alten englischen Puritaner, die einem katholizistischen Weihnachten, das nicht in der Bibel verwurzelt ist, abschworen. Doch die Puritaner glaubten immerhin an eine transzendente Macht über der Regierung und lehnten Utopien ab. Sie schufen fleißig ihren eigenen Reichtum und verlangten keine Abgagen von anderen. Wallis zitiert das Magnificat der Jungfrau Maria, die Jesus kommen sieht: „Er stürzt die Mächtigen … und erhöht die Niedrigen.“ Wallis kommentiert sarkastisch, Fox News würde dies als „Klassenkampf“ verurteilen und schließt: „Wenn es also einen Krieg gegen Weihnachten gibt, dann ist es jener, der von Fox News geführt wird.“

Wer sind die „Niedrigen“ und wer sind die „Mächtigen?“ Die Arbeiterklasse-Konsumenten, die Fox News sehen und bei Wal-Mart einkaufen, und „Frohe Weihnachten“ anstelle von „Frohe Feiertage“ vorziehen, dürften sich eher als die „Niedrigen“ qualifizieren als die multikulturellen Eliten, die sich in der Kommandozentrale der Kultur eingenistet haben und über Religion und kulturelle Traditionen spotten.

Ein Pfarrer und Journalist, der auf der Blogseite der Huffington Post schreibt, wiederholt Wallis‘ Verdacht, daß Weihnachten eine populistische Feier ist. Pfarrer Skye Jethani schimpft über Weihnachten als einen „Feiertag von zweifelhafter Herkunft“, über den die Puritaner „richtig“ dachten: ein „heidnisches Fest, das sich nun als ein christliches verkleidet“. Er verwirft den Weihnachtsmann als eine „Marketing-Dampfwalze für den Einzelhandel“, die Weihnachten wegen der Gewinne anpreist. Und Pfarrer Jethani beklagt, daß „konservative Christen“, die Weihnachten verteidigen, nur ihre eigene traurige „Gefangenschaft im Konsumismus“ veranschaulichen. Also alles Humbug!

Vielleicht können die allerheiligen puristischen Linken der ganzen unheiligen amerikanischen Konsumgesellschaft entkommen, wenn sie sich am Weihnachtsmorgen der nächsten Occupy Wall Street Demonstration anschließen und zur Rettung der Welt einen köstlichen überteuerten Free-Trade Kaffee trinken. Doch wie Millionen von Menschen auf der ganzen Welt, von denen die meisten sehr arm sind, ziehen es die meisten Amerikaner vor, lieber ordentlich ein Weihnachten voller „dubioser“ kultureller Symbole zu feiern, und unter Freunden und Familie sogar einige großzügige Geschenke zu verteilen.

All den reichen oder armen Konsumenten, denen Traditionen wichtiger sind als elitärer Snobismus: Frohe Weihnachten!

Hier finden Sie den Originalartikel, The War on Christmas.

Warum Sie mit dem Studium aufhören sollten

2011/12/22

Ben Shapiro über das Wissen der Zukunft.

(Anmerkungen in Klammern)

Junge Menschen gehen immer noch an die Uni, um sich zu bekiffen, zu betrinken und zu befreien. Warum sollten sie es also nicht als Hauptfach wählen? Dies scheint die Philosophie der Universität Yale zu sein, wo ein Doktorand einen Kurs mit dem Titel „Dance Music and Nightlife Culture in New York City“ leitet. Zum Unterricht gehören DJ-Lautsprecher, Ausflüge in Discos wie Le Bain und Boom Boom Room, und ein Seminar zum Thema „Blickkontakt, Türen und Gästelisten: Wie man an der Samtkordel vorbeikommt“ („Looks, Doors and Guest Lists: Getting Past the Velvet Rope“). Madison Moore, die Lehrkraft, ist besorgt „darüber, ob die Leute das ernst nehmen. Es geht jedoch nicht nur darum, sich zu betrinken. Es geht um dessen Geschichte, die Kabaretts von Harlem, das Verständnis von Rasse, Geschlecht und Sex, und um das Thema Gesetz und Prohibition“. Ein so herrliches und verständnisvolles Lernen bekommen Sie an der Universität Yale für den Schnäppchenpreis von nur 53.070 Dollar pro Jahr. (Hier sehen Sie die Lehrkraft, die sicher auch einen Top-Praktikanten beim SPIEGEL abgeben würde, oder die rechte Hand der Geschäftsführung bei der BILD-Zeitung.)

Mit einem 200.000-Dollar-Abschluß im Nachtleben ist es kein Wunder, daß so viele Studenten Occupy Wall Street anschließen und Arbeitsplatzgarantien entsprechend ihrer schulischen Leistungen fordern. Das Problem ist folgendes: sie haben bereits einen Job, der ihren schulischen Leistungen entspricht. Sie sitzen in einem Park und tun nichts, wofür sie auch nicht bezahlt bezahlt. Klingt irgendwie fair, wenn man weiß, daß alles, was man tun muß, darin besteht, dem Türsteher schöne Augen zu machen.

Früher war es so, daß diejenigen die Universität besuchten, die höhere Angestellte werden wollten. Leute, die eine höhere Ausbildung in Englisch, Mathematik oder Naturwissenschaften haben wollten. Leute, die Professoren, Ingenieure, Juristen oder Ärzte werden wollten. Und es war kein Stigma, nicht zur Uni zu gehen — es war nichts verkehrt daran, ein Klempner oder Friseur oder Schweißer zu sein. Tatsächlich konnte man damit häufig sogar mehr Geld machen als eine Führungskraft im unteren Management. (Heute ist es so, daß Hebammen Abitur haben sollen.)

Viele unserer besten Präsidenten waren auf keiner Universität. Viele von denen, die eine Universität besuchten, waren irgendwo in Hintertupfingen und machten einen wenig prestigeträchtigen Abschluß. Heute gilt jeder, der keine Universität besucht als ein Prolet.

Der größte Unterstützer der „jeder an die Uni“ Mentalität war der schlechteste Präsident des zwanzigsten Jahrhunderts, Lyndon Baines Johnson — ja, er war schlimmer als Jimmy Carter. 1965 machte Johnson den Higher Education Act zum Gesetz, wodurch für mehr und mehr Amerikaner Massen an neuen Hochschulen geschaffen wurden. Warum? Nun, Johnson sagte: „Es ist ein deutliches Signal für die Entschlossenheit der Nation, unserer gesamten Jugend die Ausbildung zu geben, die sie verdient, und solange wir eine Regierung haben, wird diese Regierung die alten Feinde der Menschheit bekämpfen, Analphabetismus und Armut und Krankheit — und in diesem Kampf sind alle Soldaten, die die Ehrennadel tragen.“

Jetzt ist es 46 Jahre später und wir sind dem Sieg über Analphabetismus oder Armut oder Krankheit keinen Schritt näher. Wie sich herausstellt, können die meisten Menschen lange bevor sie eine höhere Bildung erlangen lesen und schreiben — laut UNESCO konnten in den USA bereits vor 1940 über 95% der Erwachsenen lesen und schreiben. Die durchschnittliche Lebenserwartung lag im Jahr 1965 bei knapp über 70, heute liegt sie bei ungefähr 78. In den 45 Jahren zwischen 1920 und 1965 stieg die Lebenserwartung von 54 auf 70, oder etwa doppelt so stark. Diese Sache mit der Krankheit haben wir also nicht ganz besiegt. Was ist mit der Armut? Heute sind mehr Amerikaner von der Regierung abhängig als jemals zuvor in der Geschichte. Millionen Menschen brauchen heute Essensmarken. Im Jahr 1965 betrug die Armutsrate 17%, heute sind es fast 15%. So viel zur Bildung als Allheilmittel. Daß so viele Leute auf die Uni gehen, um zu feiern, ist ohne Zweifel damit verbunden. Es ist die „beste Zeit deines Lebens“. Normalerweise half die Universität, die Gesellschaft zu verbessern; jetzt hilft sie, die Abhängigkeit von der Regierung zu verbessern. Kein Wunder, daß die Regierungsbeschäftigung ständig zunimmt — immer mehr Studenten wird im Unterricht nicht nur vermittelt, wie herrlich eine wachsende Regierung ist, sondern auch, daß sie an wunderbare Jobs kommen, ohne über viel Wissen zu verfügen.

Als ich die juristische Fakultät der Universität Harvard besuchte, gab es überall den Witz, daß die letzten zwei Jahre ein riesiger Schwindel waren. Das erste Jahr lehrte uns die Grundlagen des Rechts — Zivilprozessrecht, Eigentum, Strafrecht, etc. –, aber in den letzten zwei Jahren mußten wir Kurse belegen, die den Legalismus bei Shakespeare zum Thema hatten oder sexuelle Spannungen im Arbeitsrecht. Uns allen war klar, daß der eigentliche Zweck der letzten zwei Jahre darin bestand, uns um weitere 100.000 Dollar zu verschulden, so daß wir nach dem Abschluß gezwungen waren, unsere Seelen an eine große Kanzlei zu verkaufen, nur um auf der Leiter wieder zurück zur Zahlungsfähigkeit zu klettern.

Der Unterschied zwischen der Harvard Law School und anderen Universitäten im ganzen Land ist, daß Sie einen Job finden können, wenn Sie an der Harvard Law School fertig sind. Ein Hochschulabschluss in Theaterwissenschaften bringt Ihnen heute garantiert nichts. Außer erheblichen Schulden ohne Chance auf Erholung. Universitätsabschlüsse sind die neue Hypothekenkrise — die Zinsen wachsen und wachsen und es gibt kaum eine Chance, sie mit einem Abschluß im Hauptfach Tanz (dance major) jemals abzuzahlen. Kein Wunder, daß die Regierung die Studienkredite verstaatlichen will — auf diese Art retten wir die schlechten studentischen Kreditnehmer mit einem Rettungsschirm auf die gleiche Weise wie wir die Subprime-Immobilien-Kreditnehmer gerettet haben.

Hier ist das amtliche Endergebnis: wer nicht auf die Uni geht, um eine Qualifikation zu lernen, die im Leben hilft, sollte sie überspringen und einen Job suchen. Diese armen Einfaltspinsel, die im Zuccotti Park in der Kälte sitzen und mit ihren Elite-Diplomen aus Wesleyan winken, sind der beste Beweis, daß die Uni nichts für jeden ist.

Hier finden Sie den Originalartikel, Why You Should Quit College.

Weihnachten hier und anderswo

2011/12/17

Nein. Es muß heißen: Kulturkampf hier, Weihnachten anderswo.

Shadrack’s Christmas Wonderland

Ein Weihnachtsalptraum


12 500 Euro teuer und furchtbar häßlich: Die Weihnachtsbaum-Installation vor der Berliner Gedächtniskirche