Archive for the ‘Karl Marx’ Category

Israelischer Marxismus

2012/04/28

Steven Plaut über die Chorknaben der Neuen Sozialistischen Internationale.

(Anmerkungen in Klammern)

Es ist schwierig, Menschen, die außerhalb von Israel leben, und besonders den Amerikanern, zu erklären, wie sehr die Israelis wirklich an den Kommunismus glauben.

Manchmal nennen sie es Sozialismus, im Grunde meinen sie aber Kommunismus.

Das soll nicht heißen, daß sie sich in ihrem Privatleben wie Kommunisten verhalten. Ganz im Gegenteil, Israelis leben wie das ultimative Ideal des Kapitalismus. Sie sind enorm individualistisch. Sie sind außergewöhnlich gut darin, Unternehmen zu gründen und zu verwalten, und auch in der Entwicklung und Vermarktung von Innovationen. Das Land Israel hat mehr Start-up-Unternehmen als ganz Europa. Es meldet mehr Patente an als jedes europäische Land.

Doch genau diese Israelis, die jeden Tag unter Beweis stellen, auf den Märkten bestehen zu können, hassen Märkte. Das Wort „Sozialismus“ hat für die Israelis eine enorme romantische und positive Bedeutung. Besonders unter den gebildeten Israelis, die nicht in Rußland geboren wurden. Das Wort Kapitalismus ist für die meisten Israelis so etwas wie eine Obszönität. Ich vermute, daß jemand, der wegen Körperverletzung festgenommen wird, vor Gericht freikommen könnte, wenn er behauptet, das Opfer hätte ihn einen Kapitalisten genannt — eine Form von Volksverhetzung. Die israelischen Medien gebrauchen das Wort „Kapitalismus“ immer in Verbindung mit dem Wort schweinisch. Die einzige Ausnahme bildet ironischerweise der Wirtschaftsredakteur von Haaretz, der einen kapitalistischen Markt unterstützt, während sich der Rest der gleichen Zeitung nach dem Kommunismus sehnt. Die einzig denkbare Form von Marktwirtschaft in den Köpfen der israelischen Redner-Klasse (chattering class) ist der „schweinische Kapitalismus“. Sie würden nicht glauben, wie viele israelische Professoren und Intellektuelle diesen Ausdruck verwenden. Der Kopf der Histadrut, Israels größter organisierter Kriminellen-Familie, verwendet ihn — als loyaler Anhänger des schweinischen Kommunismus.

Darauf hinzuweisen, daß jemand der Kommunistischen Partei angehört, ist in normalen Ländern in der Regel mehr als genug, um diese Person zu diskreditieren. Nicht in Israel. Wer einen Mitgliedsausweis der kommunistischen Partei hat, trägt diesen mit Stolz. Die meisten Mitglieder des Fachbereichs Geschichte an der Universität Tel Aviv sind solche Kommunisten. Ebenso Unmengen anderer Akademiker.

Einerseits machen die funktionierenden Märkte Israel zu einem erfolgreichen, lebensfähigen Land — zu einem Land, das in den letzten 4 Jahren während der globalen Finanz-Krise fast keine Implosion erlebte. Andererseits sind Märkte jedoch etwas, das Israelis unterdrücken wollen. Gebildete Israelis bestehen unisono darauf, daß die Märkte das Problem auf der Welt sind, und daß die Unterdrückung der Märkte die Antwort auf Israels Probleme ist. Märkte sind böse, sie belohnen die Selbstsucht. Was gebraucht wird, sind wohlwollende staatliche Bürokraten, die die Wirtschaft kontrollieren.

Nicht jeder Israeli, wohlgemerkt. Russische Israelis, die heute vielleicht ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen, haben für die Predigt der Wunder des Kommunismus keine Geduld. Und sie fehlen vor allem auf den aktuellen Kundgebungen und Märschen für „soziale Gerechtigkeit“, oder, wie ich es genannt habe, auf dem Woodstock-Festival im Yarkon Park. Aus dem Mund orthodoxer Juden kommen die nostalgischen Slogans für eine bolschewistische Zentralplanung der Märkte nur selten, es gibt aber auch Ausnahmen. Der Kommentator der wöchentlichen Tora-Lesung in Maariv kann von Kommunismus nicht genug bekommen und besteht darauf, daß die Unterdrückung des Schweine-Kapitalismus die höchste Form der jüdischen Ethik ist.

Israelische Akademiker sind nahezu komplett anti-kapitalistisch. Ich stehe auf dem Verteiler einer Chat-Liste der Mitglieder des Lehrkörpers für israelische Sozialwissenschaften, und in den letzten Wochen hat es Hunderte von Mitteilungen gegeben, die sich nach sozialistischen Kontrollen sehnen und den Kapitalismus verurteilen. Die Absender phantasieren generell von einem Israel, das einen „Sozialismus“ im skandinavischen Stil kopiert. Abgesehen von einigen Zweifeln darüber, wie angenehm das Leben in Skandinavien wirklich ist, beispielsweise vor kurzem in Norwegen, ist der skandinavische „Sozialismus“ eigentlich nicht wirklich angenehm. Er besteht im Wesentlichen aus freien Märkten, gemischt mit sehr hohen Steuersätzen und einem gigantischen Wohlfahrtsstaat, der soziale von-der-Wiege-bis-zur-Bahre-Leistungen auf Staatskosten bietet. In anderen Worten, die skandinavischen Länder sind immer viel kapitalistischer gewesen als Israel, und sicherlich kapitalistischer als Israel vor den 1980er Jahren. Darüber hinaus hat Israel immer wohlfahrtsstaatliche Leistungen im skandinavischen Stil erbracht, doch ohne die für Skandinavien charakteristische Liberalisierung der Märkte und der Produktion.

Es gibt zwar Ausnahmen, doch akademische Ökonomen schließen sich in der Regel nicht den geweihten Herden an, die sich nach dem Bolschewismus sehnen. Israelische Ökonomen gehören zu den wenigen, die wissen, was ein Markt ist, was ein Preis ist, und was ein Lohn ist. Die Demonstranten haben davon keine Ahnung. Israel hat jedoch eine lange Geschichte der akademischen Prostitution und man kann immer ein paar akademische Ökonomen finden, die bereit sind, die dümmsten „Ideen“ von denen zu unterstützen, die nichts von Wirtschaft verstehen, wenn es ihnen einen Silberling einbringt oder ihrer Karriere hilft. Der leidenschaftlichste Befürworter der Erhöhung der Mindestlöhne ist „Ökonom“ Avishai Braverman, der Kerl, der die Ben Gurion Universität in Hamastan verwandelte, und es finden sich ähnliche Fälle von Ökonomen, die für kontrollierte Mieten, Verstaatlichungen und andere grundlegende Axiome des wirtschaftlichen Bolschewismus auf die Straße gehen.

Die meisten Menschen sind sich dessen nicht bewußt, aber Israels Existenz begann als ein Land mit einem zentral gesteuerten bolschewistischen System. Ben Gurion implementierte in den ersten Jahren ein System nahezu vollständiger Preis- und Lohnkontrollen und massiver Verstaatlichungen. Es unterschied sich nur wenig von der von Lenin geschaffenen wirtschaftlichen Struktur. Wegen dem Unabhängigkeitskrieg und dem nationalen Notstand konnte sich Ben Gurion das eine Weile erlauben. Wie in dem alten Witz, daß es in der Sahara durch Kommunismus zu einem Mangel an Sand kommen würde, war in den frühen 1950er Jahren in Israel alles knapp, und irgendetwas zu kaufen war mit endlosen Warteschlangen im Sowjet-Stil verbunden, wobei die meisten Produkte nur auf dem Schwarzmarkt erhältlich waren.

Ben Gurion ist jedoch anzurechnen, daß er in den frühen 1950er Jahren die Unnachhaltigkeit des Systems der bolschewistischen Kontrollen erkannte. Seltsamerweise hatte dies auch Lenin verstanden und unternahm Schritte zum Abbau der Kontrollen, bloß daß er starb und von Stalin ersetzt wurde, bevor es in der Sowjetunion zu ernsthaften Reformen kam. Lenin nannte seinen Plan zur teilweisen Entbolschewisierung der Wirtschaft „Neue Ökonomische Politik“ oder NEP, exakt der gleiche Name, den Ben Gurion seinen Reformen in den frühen 1950er Jahren gab. Das war kein Zufall!

Die meisten Preiskontrollen wurden zwar beendet, andere Formen des wirtschaftlichen Bolschewismus ließen Ben Gurion und seine MAPAI Parteigenossen jedoch erhalten. Riesige Teile der israelischen Industrie wurden verstaatlicht, und vieles von dem, was übrig blieb, wurde teilverstaatlicht und, weil es dem Gewerkschaftsverband Histadrut übergeben wurde, auf grobe Weise schlecht verwaltet.

Wettbewerb sollte überall durch die Wirtschaftspolitik unterdrückt werden. Sie wollte die Zahl der Monopole und Kartelle in der Wirtschaft maximieren. Die Regierung kontrollierte enorme Ressourcen, die sie als politische Gefälligkeiten verteilte, oft an Amigos und Oligarchen aus der Partei. Die Steuersätze waren enorm und überstiegen manchmal 100 Prozent. Die Gewinne der Unternehmen entstammten vor allem staatlichen Subventionen und Zuteilungen. Die Politik der Regierung war protektionistisch und wünschte keinen Wettbewerb. Der Kapitalmarkt wurde unterdrückt und verstaatlicht. Die Philosophie der Regierung verlangte im Wesentlichen, daß die Israelis ihr gesamtes Einkommen, ihre Ersparnisse und ihr Vermögen an den Staat übergeben, und die staatliche Bürokratie würde dann wiederum die Bedürfnisse der Öffentlichkeit und Bürger berücksichtigen.

Das Ergebnis war eine Dritte-Welt-Wirtschaft, wenn auch eine, die unter einem politischen System stand, das sogar Wahlen und parlamentarische Prozesse kannte. Israel wurde durch den Bolschewismus verelendet und es blieb arm und unterentwickelt.

Erst in den 1970er Jahren fingen die Dinge an, sich auf signifikante Weise zu ändern. Durch die Unterzeichnung und den Beitritt zu verschiedenen internationalen Handelsabkommen wurde Israel gezwungen, seine Wirtschaft zu liberalisieren und einen Teil der sozialistischen Kontrollen aufzugeben. Die Vertragspartner weigerten sich, der israelischen Regierung zu erlauben, ihre Politik fortzusetzen. Durch die lange Zeit des Null-Wachstums nach dem Jom-Kippur-Krieg wurden sich außerdem einige Leute der Notwendigkeit einer funktionellen Wirtschaft bewußt.

In den 1950er und 1960er Jahren war es nicht ungewöhnlich, die Politik und den Zustand der israelischen Wirtschaft mit dem von Ägypten und anderen verschlafenen Nestern aus der Dritten Welt in einen Topf zu werfen.

In den 1980er Jahren änderten sich die Dinge deutlich. Der Großteil der verstaatlichten Industrien wurde privatisiert, vor allem weil Staatsunternehmen so viel Geld verloren. Teilweise lag es daran, daß sich die öffentliche Bereitschaft, die Kontrollen zu dulden, änderte. Teilweise lag es an der wachsenden Zahl von Menschen, die angefangen hatten, Wirtschaftswissenschaften zu studieren und die Idiotie der bolschewistischen Kontrollen begriffen. Teilweise lag es am High-Tech-Wachstum, das die Regierung weder verstehen noch kontrollieren konnte. Teilweise lag es am Druck internationaler Handelsabkommen.

Es gibt immer noch viele bolschewistische Kontrollen. Israels Gesundheitssystem besteht aus einer staatlichen Einheitskrankenkasse (single-payer: Beitragszahlungen gehen an eine Krankenkasse, und die ist staatlich) mit vier streng regulierten HMO-ähnlichen Anbietern. (Health Maintenance Organisationen bieten den Versicherten ein Leistungspaket mit Basis- und Zusatzversorgung und HMO-Ärzte erhalten meistens ein nach Kopfpauschalen berechnetes Budget.) Es funktioniert besser als man erwarten würde — aus versicherungsfremden Gründen: In Israel gibt es an jeder Ecke einen Dr. med. und eine junge Bevölkerung, die sich gut ernährt. Monopole und Kartelle gibt es immer moch in Mengen. Die Landwirtschaft ist immer noch weitgehend ineffizient und gegen Wettbewerb, und sie wird von Kartellen beherrscht, die von der Regierung errichtet wurden. Die Steuern sind zu hoch. Die Regierung besitzt einen großen Teil des Landes. Einige Bereiche sind durch den Protektionismus noch immer verzerrt, vor allem der Lebensmittelsektor.

Die Woodstock-aus-dem-Yarkon-Park-Demonstranten sind im großen und ganzen liberale linke säkulare Israelis, die eine Rückkehr zu den bolschewistischen Kontrollen der 1950er Jahre fordern. Sie sehnen sich nach der Rationierung und den Kürzungen der damaligen Zeit, weil sie glauben, daß sie von einer Kürzung nicht betroffen sein werden. Die zentrale Forderung der Demonstranten ist die Kontrolle der Mieten.

Dies wird am Ende den israelischen Wohnungsbestand zerstören und ältere Besitzer von Mietwohnungen arm machen, die diese Wohnungen mit der Absicht erwarben, im Alter Mieteinnahmen zu erzielen. Wie in New York und anderen Städten mit Mietpreisbindung, werden die Mietgrenzen Engpässe erzeugen, die bedingen, daß die wahren Kosten für Mietwohnungen steigen, und nicht sinken.

Die Demonstranten sehnen sich nach der sowjetischen Steppe. Sie fordern Preiskontrollen, damit aus Israel ein Land der Breschnew-Ära wird, in dem die Menschen ihre Tage damit verbringen, in Schlangen auf Waren zu warten, die immer knapper werden. Sie verlangen Märkte, die unterdrückt werden, und in denen soziale Gerechtigkeits-Kommandos entscheiden, wer in welcher Wohnung lebt, wer die Waren konsumiert, die fehlen, und wer was verdient. Sie bestehen darauf, daß sich die Löhne nach dem richten, was sich die Menschen nach Meinung der Demonstranten gerechterweise verdient haben. Da es in Israel nicht eine einzige Person gibt, die das verdient, was sie sich ihrer Meinung nach gerechterweise verdient hätte, ergibt sich die Forderung nach einem Lohndirektorium im sowjetischen Stil, das die Löhne für alle Berufe festlegt, und mit denen anfängt, für die gestreikt wird, wie den Ärzten. In anderen Worten: Löhne müssen nach Meinung der Demonstranten nicht die Märkte räumen oder Engpässe und Überschüsse signalisieren. Löhne sollten Maßnahmen der „Fairness“ sein. Versuchen Sie sich vorzustellen, was passiert, wenn sich für die Hälfte der Arbeitsplätze in Israel keine Bewerber finden, weil die fairen Löhne dort nicht ausreichen, um Arbeiter anzuziehen, während sich bei den anderen Arbeitsplätzen für jede Position sechs Bewerber finden, weil die fairen Löhne dort viel zu hoch sind, um den Markt zu räumen. Versuchen Sie sich vorzustellen, wie das Leben aussehen würde, wenn ein marxistischer Soziologe oder ein fürsorglicher Sozialarbeiter zum wirtschaftlichen Diktator berufen wird, um in Zion alle wirtschaftlichen Angelegenheiten und Entscheidungen zu entscheiden.

Jede Gesellschaft auf der Erde und jede Gesellschaft in der Geschichte der Menschheit kennt notleidende und arme Menschen. Es gibt in allen Ländern arme Menschen, auch in Skandinavien. Die Menschheit hat noch keine Innovation entdeckt, die Not und Armut beseitigt.

Doch die fürsorglichen bolschewistischen Träumer vom Rothschild-Boulevard in Tel Aviv — man beachte die Ironie des Namens — fordern eine magische Pille, die alle Not und Ungleichheit sofort beseitigt. Und das Versagen der Regierung, eine solche Pille anzubieten, beweist, daß dafür die bösen „Wirtschaftsmagnaten“ („tycoons“) verantwortlich sind, die verhindern, daß die Regierung dem Volk dient. „Menschen statt Gewinne“ ist das Motto derer, die zu dumm sind, um zu begreifen, daß Gewinne die einzige Möglichkeit sind, um Produzenten dazu zu kriegen, den Menschen zu dienen und Dinge zu produzieren, die die Menschen wollen. Wer Gewinne verbietet, ruft ein Massensterben hervor.

Der Wirtschaftsmagnaten-Fetisch (tycoon fetish) beherrscht weiterhin die Proteste. Ich hatte den Vorschlag gemacht, daß Michael Lerner sein idiotisches Magazin von Tikkun in Tycoon umbenennt. Viele israelische Wirtschaftsmagnaten wurden vor allem zu Zeiten des MAPAI-Sozialismus durch die Sauhäfeli-Saudeckeli-Mentalität des politisches Establishments und ihrer Amigo-Geschäfte zu Wirtschaftsmagnaten gemacht, zumindest außerhalb des High-Tech-Sektors.

Eine andere Ironie ist, daß das Einzige, was die Demonstranten von Netanyahu an „Reformen“ gelernt haben, die Einberufung von „Schnellplanungskommissionen“ („Planning Speed-up Kommissionen“) ist. Und die größte Ironie hierbei ist, daß diese Kommissionen hauptsächlich dazu beitragen werden, die „Wirtschaftsmagnaten“ zu mästen.

Israels kommunale Bauplanung ist ein undurchdringlicher Dschungel aus Korruption und Ineffizienz. Eine Genehmigung, um auf der Veranda eine Fensterscheibe einzusetzen, kostet zwei Jahre und eventuell müssen Sie die Stadtverwaltung auch noch bestechen. Der pingelige Papierkrieg zieht die Bauzeit in die Länge und beeinträchtigt die Immobilienpreise und deren Verfügbarkeit. Gleichzeitig erlauben diese Planungsdinosaurier eine gewisse öffentliche Beteiligung und Intervention, vor allem bei der Bekämpfung von schmutzigen Geschäften zwischen den korrupten Amigos der Kommunen und den „Wirtschaftsmagnaten“ der Bauwirtschaft. Korrupte Kommunalbeamte sind ständig bemüht, die Genehmigung für Bauprojekte zu bekommen, die ihre Bauunternehmer-Amigos bereichern, selbst wenn diese Projekte illegal oder häßlich sind, dem öffentlichen Interesse schaden, und in einigen Fällen auf öffentlichen Parks und Stränden gebaut werden. Die Beamten versuchen, Verordnungen und Raumordnungsgesetze zu beugen, um „ihren Freunden zu helfen“.

Als Trostpflaster für die Demonstranten hat der Knesset soeben die von Netanyahu vorgeschlagene Schaffung von „Schnellplanungskommissionen“ verabschiedet, um die bürokratischen Hindernisse abzubauen. Die Idee hat nur einen Haken: es sind immer noch zwei Jahre und eventuell einige Schmiergelder nötig, um auf der Veranda eine Fensterscheibe einzusetzen. Die Oligarchen werden den Schnellplanungs-Prozeß nutzen, um sinnvolle Raumordnungsgesetze zu unterdrücken und öffentlichen Widerstand beiseite zu schieben. Netanyahu bietet den Oligarchen außerdem öffentliches Land zu Preisen unter dem Marktwert an — Netanyahu glaubt, daß die Immobilienpreise dadurch sinken werden. In Wirklichkeit weiß jeder, der ein Studium der Wirtschaftswissenschaften begonnen hat, daß die Immobilienpreise dadurch nicht einen Schekel fallen werden, sondern daß stattdessen nur die Gewinne der Amigos aufgeblasen werden, die in das Geschäft einsteigen.

Hier finden Sie den Originalartikel, Israeli Marxism.

Eine Postkarte aus dem islamischen London

2012/01/05

Ben Shapiro über die Islamisierung Europas.

Termini technici
chatter of Islamic languages: Geschwätz der islamischen Sprachen
hijab: islamisches Kopftuch

(weitere Anmerkungen in Klammern)

Ich habe meine Weihnachtsferien mit meiner Frau in Rom und London verbracht. Wir kamen am Heiligabend in London an. Es ist wirklich eine tolle Stadt — wo man hinschaut, gibt es Geschichte, vom Tower bis zum Churchill Museum. Aber wohin man blickt, sieht man eine viel bedrohlichere Präsenz: den Islam.

Nun hat kein Geringerer als Premierminister David Cameron bereits zugegeben, daß die Integration der Muslime in die britische Gesellschaft dramatisch gescheitert ist. Im Februar 2011 erklärte (die deutsche Übersetzung der Erklärung finden Sie hier als pdf-Datei) Cameron:

Nach der Doktrin des staatlichen Multikulturalismus haben wir es gefördert, dass verschiedene Kulturen ihre eigenen Wege gehen, getrennt voneinander und vom Mainstream. Wir haben es versäumt, eine gesellschaftliche Vision zu vermitteln, auf die sie sich einlassen möchten. Wir haben es sogar toleriert, wenn diese Gemeinschaften, die sich abgesondert haben, Verhaltensweisen an den Tag gelegt haben, die unseren Werten entgegenstehen.

Dieses Scheitern der Integration wird sofort deutlich. Es gibt offizielle ins Arabische übersetzte Schilder — für diejenigen, die nicht Englisch sprechen oder lesen wollen. Das Geschwätz der islamischen Sprachen ist ebensoweit verbreitet wie die Muttersprache. Das islamische Kopftuch ist allgegenwärtig.

All das könnte vielleicht ein zauberhaftes Nebenprodukt des Multikulturalismus sein, wenn da nicht die Tatsache, daß ein so großer Teil der islamischen Bevölkerung von Großbritannien radikalisiert ist. Diese Radikalisierung ist unschwer zu sehen.

Da am Tag nach Weihnachten alle wichtigen offiziellen Sehenswürdigkeiten geschlossen waren, gingen meine Frau und ich zu Madame Tussauds berühmter Touristen-Falle. Als wir durch die Hallen voller berühmter Persönlichkeiten aus dem Kulturleben schlenderten, die meisten aus dem 20. Jahrhundert, stießen wir auch auf die Wachsfigur von Albert Einstein. Und dort standen fünf junge Muslime und drängten sich um die Figur — zwei Männer und drei Frauen. Während andere Gäste neben der Figur standen und lächelten, oder einen Arm um sie legten, standen diese muslimischen Persönlichkeiten neben der Figur, legten ihre Hände um ihren Hals und gaben vor, sie zu erwürgen. Zuerst konnte ich nicht glauben, was ich sah — hatte Einstein etwas getan, was diese Menschen beleidigte? Dann dämmerte es mir, daß sie dies taten, weil Einstein ein Jude war. Einstein war sogar der einzige prominente Jude bei Tussauds. Und wer würde nicht gerne einen prominenten Juden erwürgen?

Dieser Verdacht wurde ein paar Minuten später bestätigt, als wir die Wachsfigur von Adolf Hitler erreichten. Briten und Amerikaner versuchten, die Figur zu erwürgen, oder zielten mit ihren Fingern auf sie, als ob sie schießen würden, oder schrien sie an. Diese jungen Muslime standen glücklich neben ihr, lächelten, und machten Fotos mit ihr, als ob sie einen freundlichen Onkel getroffen hätten. Was sie in gewisser Weise hatten.

Natürlich sagte niemand etwas zu diesen kulturell so herrlich vielfältigen jungen Leuten. Bloß nicht den alten Imperialisten spielen, Sie wissen schon.

Doch der alte Imperialist lauert unter der Oberfläche. Bei einer Tour im Tower von London folgten meine Frau und ich einem Beefeater. Er war ein ehemaliger britischer Militär und so benahm er sich auch. Großbritannien, verkündete er, war das größte Land der Erde. Es hatte die halbe Welt zivilisiert. Es gab einen Grund, sagte er, weshalb Großbritannien das einzige Land war, das seinem Namen das Wort „Groß“ voranstellte. Als ein Australier fragte, was mit dem Großen Barriere-Riff ist, antwortete er verschmitzt: „Sie kennen es nur, weil wir darauf stießen, als wir unterwegs waren, um Ihr Land zu gründen.“ Dieser Kommentar wurde von einem leicht unangenehmen Gelächter unter den Einheimischen begleitet — aber es war gut zu hören, daß die Briten irgendwo, tief im Inneren, noch Briten sind.

Allerdings wirklich ziemlich tief. Der Tag nach Weihnachten ist im Vereinigten Königreich der sogenannte Boxing Day (ein Geschenke-Schnäppchen-Einkaufstag, der vom Andrang her einem Schlußverkauf entspricht). Es ist ein Albtraum, durch die überfüllten Straßen zu kommen, und die Geschäfte sind rappelvoll.

Es war genau dieser Tag, den die Mitarbeiter der „London Underground“ — die Arbeiter der britischen U-Bahn — auswählten, um 24 Stunden zu streiken. Was bedeutete, daß nun alle gezwungen waren, auf Taxis umzusteigen, die das Doppelte berechneten, oder den Bus zu nehmen — und der Verkehr war schlimmer als das Haar von Matthew Pocket (aus Charles Dickens Great Expectations aka Geheimnisvolle Erbschaft aka Große Erwartungen). Wofür streikten diese Arbeiter? Dreifache Bezahlung an Feiertagen und einen freien Tag — als Ausgleich dafür, daß sie am zweiten Weihnachtstag (der ein Arbeitstag ist) arbeiten müssen. Sie hatten die doppelte Bezahlung bereits eingeplant.

In jeder rationalen Gesellschaft würde die britische Regierung diese Tunichtgute unverzüglich feuern und Streikbrecher einstellen, um sie zu ersetzen. Großbritanniens Pakt mit dem Teufel nach dem Zweiten Weltkrieg ist jedoch der gleiche gewesen, wie im Rest des Westens: werdet Marxisten und befreit euch von der imperialen Aggression. Aus marxistischer Sicht führt der Kapitalismus zum Imperialismus; wird der Kapitalismus herausgezüchtet, dann verschwindet der Imperialismus ebenfalls in der Geschichte. Und so hat sich Großbritannien kastriert, sowohl wirtschaftlich als auch sozial.

(Es ist etwas komplizierter, oder einfacher: Es gibt zerstörerische Subjekte, denen die freiheitliche Demokratie seit dem Ende von Adenauer-Erlaß und sozialsozialistischem Radikalenerlaß/Extremistenbeschluß erlaubt, die freiheitliche Demokratie zu zerstören, also die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu untergraben. Diesen Subjekten sollte wie früher nach dem Zweiten Weltkrieg verboten werden, Institutionen anzugehören, die die Regierung als freiheitsfeindlich einstuft, was wiederum schwer möglich sein wird, weil diesen Subjekten der Marsch in die Institutionen erlaubt wurde und sie nun beispielsweise Gerichtsprozesse abbrechen, um die Anklage zu ändern, wie Sören Kerns Artikel Ein schwarzer Tag für Österreich über den Prozeß gegen Elisabeth Sabaditsch-Wolff zeigt.)

Doch tief in der britischen Seele regt sich das Echo des Heldentums: das Echo von Churchill und Henry V, das Echo von Elizabeth I. und Cromwell. Je mehr Zeit vergeht, desto lauter wird das Echo. Die Frage ist, ob das Echo die britische Tapferkeit wiederherstellen wird, bevor endgültig die Lichter ausgehen.

Hier finden Sie den Originalartikel, Postcard From Islamic London.

Wie aus dem L-Wort ein Unwort wurde

2011/12/22

Daniel Flynn über das Wort „liberal“.

Termini technici
liberal: liberaler Linker (weil sich der Begriff liberal, so wie der Begriff humanistisch, irgendwann als Tarnkappe für links enttarnen wird)

(weitere Anmerkungen in Klammern)

Liberale Linke sind etwa wie der KGB. Alle paar Jahre muß der Name geändert werden. So wird der KGB zum FSK, der zum FSB wird. Die Liberale Linke werden Sozialisten, die zu Radikalen werden, und so weiter. Aktuell haben die Liberalen Linken einen Anachronismus aus dem späten 19. Jahrhundert ausgegraben und beschreiben sich selbst als „progressiv“.

In seinem Artikel „Kann das L-Wort gerettet werden?“ („Can The L-word Be Saved?“) auf „The American Interest“ sieht Walter Russell Mead bei den zeitgenössischen Liberalen Linken systembedingte Probleme und plädiert für eine Erneuerung. Dies widerspricht der bisherigen liberalen linken Tradition, eher die Etiketten statt die Prinzipien fallenzulassen. Wahre Gläubige des 20. Jahrhunderts behaupteten, ihre Unbeliebtheit resultiere aus schlechtem Marketing. Somit wurden Ideen nicht überdacht, sondern umbenannt.

Mead, der (als Professor am Bard-College) Außenpolitik lehrt, weist liberalen Linken fünf Epochen zu und bezeichnet die aktuellen runderneuerten liberalen Linken als Version 4.0 und deren zukunftsweisendes Ersatzmodell als Version 5.0, wobei er argumentiert, „liberale Linke der Version 5.0 werden liberale Linke der Version 4.0 wegen dem Recht auf das magische L-Wort herausfordern und versuchen, liberale Linke der Version 4.0 zu überzeugen, zurück in die Zukunft zu kommen und diejenigen, die nicht mitkommen, als das brandmarken, was sie sind — Bremsklötze und Reaktionäre mit Scheuklappen.“ Doch besonders „magisch“ war das L-Wort in den letzten Jahrzehnten nicht. Es ist viel wahrscheinlicher, daß Reformer wie Mead als „Reaktionäre“ angeprangert werden — und nicht die verkalkten liberalen Linken der Version 4.0.

Liberale Linke sind in Amerika nicht sehr populär. Die halbjährliche Gallup-Umfrage zur politischen Identifikation ergab, daß Anfang 2010 nur 21 Prozent der Amerikaner das „liberale linke“ Erkennungszeichen trugen, ein rückläufiger Anteil. Zum Vergleich: 42 Prozent der Befragten bezeichneten sich selbst als „konservativ“. Gallup wies im Juni darauf hin, daß, wenn der Trend für den Rest des Jahres 2010 anhält, die Konservativen ihren größten Anteil seit Bestehen der Umfrage aus dem Jahre 1992 erreichen würden.

Es war nicht immer so. Während des Hochwassers der liberalen Linken im 20. Jahrhundert konnte John F. Kennedy erklären „Ich sage mit Stolz, daß ich ein liberaler Linker bin“ und knapp zwei Monate später die Wahl zum Präsidenten gewinnen. Kennedy definierte einen liberalen Linken, wenn auch platitüdenhaft, als „jemand, der vorausschaut und nicht zurückblickt, jemand, der neue Ideen ohne steife Reaktionen begrüßt, jemand der sich um das Wohl der Menschen kümmert — ihre Gesundheit, ihre Wohnungen, ihre Schulen, ihre Arbeitsplätze, ihre Bürgerrechte und ihre bürgerlichen Freiheiten — jemand, der daran glaubt, daß wir den Argwohn und die Stagnation aufbrechen, die unsere Politik im Ausland umklammern.“ Weil sich die Bedeutung, ein liberaler Linker zu sein, in dem halben Jahrhundert, seit Kennedy diese Worte sprach, so sehr verändert hat, ist das Kapital der liberalen Linken so schnell zerronnen.

Dies zeigt sich in der Art und Weise, wie liberale Linke und Konservative reagieren, wenn sie liberale Linke und Konservative genannt werden. Erstere sehen darin eine Beleidigung, letztere ein Kompliment. Menschen mit wenigen konservativen Überzeugungen sind dennoch darauf bedacht, sich mit diesem Wort zu identifizieren. Menschen, die sich der liberalen linken Parteilinie am eifrigsten unterordnen, meiden das Markenzeichen. Es ist nicht das erste Mal, daß ein Etikett für eine politische Beschreibung zu einem Schimpfwort geworden ist.

Karl Marx entschied sich für den Begriff „Kommunist“, als Abgrenzung zum Wort „Sozialist“, das von den Anhängern Robert Owens geprägt wurde. Bezeichnete Marx sich selbst als „Sozialist“, verwendete er häufig den Modifikator „wissenschaftlich“ — das Wort „utopisch“ stellte er dem Sozialismus seiner rivalisierenden Propheten voran. Dies trotz der Tatsache, daß Marx seine Theorien im Lesesaal des Britischen Museums entwickelte, während viele der Ideen seiner Konkurrenten an tatsächlichen Kommunen erarbeitet wurden, wie Owens (gescheiterte genossenschaftliche Kolonie) New Harmony (die er 1824 gründete, nachdem er in Indiana, 24 km nördlich der Bezirksstadt Mount Vernon, die Siedlung Harmony am Fluß Wabash in Posey County kaufte). Extremen Linken sind Klassifikationen ebenso wichtig wie ihren gemäßigteren ideologischen Vettern.

Dennoch liegt Mead richtig, wenn er dazu auffordert, statt der Etiketten lieber die Ideen der liberalen Linken zu überdenken. Die Tatsache, daß es so weit gekommen ist, daß die dem Begriff zugrundeliegenden Prinzipien das genaue Gegenteil von „frei“ bedeuten, legt nahe, daß eine solche Neubewertung längst überfällig ist. Das Problem ist, daß sich der Begriff so gründlich diskreditiert hat, daß er den Amerikanern sämtliche mit ihr verbundenen Programme oder Philosophien versauerte. Es ist nicht nur, daß der Begriff Feindseligkeit gegenüber Freiheit andeutet. „Linker Liberalismus“ wurde seit den 60er Jahren zu reflexiver Feindseligkeit gegenüber der umgebenden Kultur, kurz: zu „Entfremdung“. Dies manifestiert sich in Kreuzzügen für inhaftierte Terroristen, illegale Einwanderer und gewöhnliche Gesetzesbrecher; im Beifall für Homosexualität und Abtreibung, in der Wut auf Amerika sowie der Verachtung für die Fahne, Waffen, Kapitalismus, Pick-ups und so ziemlich jedem anderen noch so simplen materiellen amerikanischen kulturellen Marker. Es gibt einen Impuls gegen das, wofür Amerika steht. Man muß nicht allzu scharfsinnig sein, um zu erraten, wie sich eine solche Prognose in Amerika entwickeln wird.

„Die amerikanische Gesellschaft muß die zunehmend dysfunktionalen und veralteten liberalen linken Ideen der Version 4.0 überwinden“, schreibt Mead. „Was auch immer in der Vergangenheit der Fall war, jetzt funktioniert es einfach nicht.“ Das ist richtig. Aber warum ein Wort wiederbeleben, das mit „dysfunktionalen und veralteten Ideen“ verbunden ist?

Kann das L-Wort gerettet werden? Wahrscheinlich nicht. Es kann, und wird, umgeändert werden. Das Wort könnte wieder schick werden, wie das seltsame Wiederaufleben von „progressiv“. Nicht jedoch die Prinzipien hinter dem Wort — zumindest nicht in diesem Land.

Hier finden Sie den Originalartikel, How the L-Word Became a 4-Letter Word.

Eine historische Taktik der Linken: Nicht die Ideologie ist schuld, sondern der Vorgänger

2011/12/16

Ion Mihai Pacepa über Chruschtschow, Breschnew, Andropow, Ceausescu, Gorbatschow, Jelzin, Putin, Occupy Wall Street und die immer wieder neu aufgelegte Platte des Marxismus mit menschlichem Antlitz.

Termini technici
political necrophagy: politische Nekrophagie (neomarxistische Strategie der Vergangenheitsbewältigung)

(Generalleutnant Ion Mihai Pacepa ist der höchste Vertreter, der jemals aus dem Ostblock übergelaufen ist.

Zwischen 1957 und 1960 diente er als Chef der rumänischen Geheimdienststation in der BRD, zwischen 1972 und 1978 war er stellvertretender Chef des Auslandsgeheimdienstes.

Pacepa setzte sich im Juli 1978 im Zuge eines Aufenthaltes in der US-amerikanischen Botschaft in Bonn ab. Dorthin war er von Ceausescu mit einer Nachricht für Bundeskanzler Helmut Schmidt geschickt worden. Geheim wurde er in einer US-Militärmaschine auf die Andrews Air Force Base in der Nähe von Washington, D.C. ausgeflogen. Im September 1978 wurde Pacepa in Rumänien zum Tode verurteilt.

Ceausescu setzte eine Belohnung in Höhe von zwei Millionen Dollar auf seinen Kopf aus. Auch Yassir Arafat, über den Pacepa berichtet hatte, er sei homosexuell, und Muammar al-Gaddafi boten eine Million Dollar.

1989 wurde der rumänische Tyrann Nicolae Ceausescu nach einem Prozeß hingerichtet, dessen Haupt-Anklagepunkte Pacepas Buch „Red Horizons“ entnommen wurden, das anschließend in 27 Ländern wiederveröffentlicht wurde.)

Ich habe diese Strategie in der Sowjetunion erlebt, und jetzt sehe ich sie bei Occupy Wall Street. Sie schlägt immer fehl.

Die chaotische Occupy Wall Street Bewegung ist das Ergebnis der chaotischen Bemühungen der Demokratischen Partei, Bösewichte für ihre chaotische Wirtschaftspolitik zu finden, die 14 Millionen Amerikaner ihre Arbeit verlieren ließ. Die US-Verschuldung hat jetzt 15.000.000.000.000 Dollar erreicht, ein noch nie erreichtes Ausmaß, höher als die Gesamtverschuldung aller 41 Präsidenten von George Washington bis George H.W. Bush zusammen. Das bedeutet eine Schuld von 35.835 Dollar für jeden amerikanischen Haushalt. Das BIP fiel von einem Wachstum von 4,5% im ersten Quartal 2011 auf 1,3% im zweiten Quartal 2011.

Anstatt sich am Riemen zu reißen und die Produktion — nicht die Umverteilung — von Reichtum zu förden, machten die Demokratischen Führer im Weißen Haus und US-Senat den ehemaligen Präsidenten George W. Bush für die aktuelle wirtschaftliche Katastrophe verantwortlich. Kein Amerikaner hat es so richtig geglaubt. Also machten die Demokraten den japanischen Tsunami verantwortlich. Auch Pech. Den arabischen Frühling und die europäische Wirtschafts-Krise verantwortlich zu machen, führte auch nicht zum gewünschten Ergebnis. Jetzt machen die Demokraten Wall Street — was auch immer das heißt — und die Reichen verantwortlich. Sie sind das eigentliche Übel. Sie saugen den Menschen das Blut aus und zerstören Amerika.

Im Allerheiligsten des ehemaligen sowjetischen Imperiums, dem ich einst angehörte, wurde die Suche nach einem Sündenbock für die Fehler des Führers eines Landes als „politische Nekrophagie“ bezeichnet. Obwohl der Marxismus verkündet, daß „das Volk“ die entscheidende Rolle in der Geschichte spielen muß, glaubten die Marxisten, die auf dem Kreml-Thron saßen, daß nur der Führer zählt. Aus dem Munde von Chruschtschow selbst konnte ich immer und immer wieder hören: „Ändere das Bild des Führers in der Öffentlichkeit, und du änderst die Geschichte.“

Am 26. Februar 1956 erblickte die geheime „Wissenschaft“ der politischen Nekrophagie im Kreml das Licht der Welt. An diesem Tag enthüllte Chruschtschow in einer vierstündigen „Geheimrede“ „Stalins Verbrechen“ — um ihre Bedeutung zu betonen um Mitternacht unter einer geheimnisschwangeren Wolke während des öffentlichkeitswirksamen XX. Kongresses der Kommunistischen Partei der Sowjetunion.

New York Times Journalist Harry Schwartz schrieb: „Chruschtschow öffnete die Türen und Fenster einer versteinerten Struktur. Er ließ frische Luft und frische Ideen einströmen, die Änderungen hervorriefen, die, wie, wie sich bereits gezeigt hat, irreversibel und grundlegend sind.“

In Wirklichkeit war Chruschtschows „Geheimrede“ nur eine Show, die von der Brutalität des sowjetischen Marxismus und von seinem eigenen Bild als „Schlächter der Ukraine“ ablenken sollte. Nicht der Marxismus war Schuld, daß in der Sowjetunion 20 Millionen Menschen barbarisch getötet wurden, um den Marxismus zur einzigen Religion zu machen — es war alles Stalins Schuld. Nicht der Marxismus war Schuld, daß in den Jahren, als Chruschtschow der Vizekönig des Kremls in Kiew war, Hunderttausende von Ukrainern hingerichtet wurden — auch das war alles Stalins Schuld.

Ein paar Tage nach Chruschtschows „Geheimrede“ brachte sein brandneuer Geheimdienstchef, General Aleksandr Sakharovsky — der ehemalige Chefberater des sowjetischen Geheimdienstes für Rumänien — den Text meinem rumänischen Auslandsnachrichtendienst, dem DIE (Departamentul de Informatii Externe). „Dies ist das geheimste Dokument, das ich jemals in meiner Hand gehalten habe“, erzählte uns Sakharovsky — mit einem Augenzwinkern.

Er bat uns, die „Geheimrede“ an den israelischen Mossad weiterzuleiten, der gerade Diskussionen über ein geheimes Tauschgeschäft mit dem DIE begonnen hatte, um rumänischen Juden im Tausch gegen amerikanische Dollars die Auswanderung nach Israel zu ermöglichen. Das DIE spielte die Geheimrede gehorsam dem Mossad zu, der zu dieser Zeit eng mit der amerikanischen CIA zusammenarbeitete.

Im Juni 1956 wurde Chruschtschows „Geheimrede“ von der New York Times veröffentlicht, die einräumte, sie von der CIA bekommen zu haben. Darüber, wie diese Rede zur New York Times gelangte, gibt es viele öffentliche Versionen — der Mossad ist für die Verschleierung seiner Aktivitäten bekannt. Wie auch immer, Sakharovsky dankte dem DIE ein paar Monate später dafür, ihm geholfen zu haben, Chruschtschows neuen „Kommunismus mit menschlichem Antlitz“ der Welt vorzustellen.

Bald darauf wurde Chruschtschows „Geheimrede“ im gesamten Ostblock in allen Organisationen und Medien der Kommunistischen Partei diskutiert. Der Marxismus war rehabilitiert.

Rumäniens erster kommunistischer Herrscher, Gheorghe Gheorghiu-Dej, starb nur wenige Monate nachdem Chruschtschow gestürzt wurde, und die politische Nekrophagie erreichte nun auch Rumänien. Wie auf dem Balkan nicht anders zu erwarten, kam Rumäniens politische Nekrophagie in einer herrlich byzantinischen Färbung daher. „Wir brauchen keine Idole“, erklärte Nicolae Ceausescu, der neue Herrscher, dem Plebs. Dann „demaskierte“ Ceausescu den „beispiellosen“ Personenkult seines Vorgängers, und erlaubte dem Plebs, seine Augen auf den opulenten Palast von Gheorghiu-Dej zu werfen. Es dauerte nicht lange, bis sich Ceausescu selbst zum „Laien-Gott“ erklärte und rühmte, „ein Mensch wie ich wird alle 500 Jahre nur einmal geboren“. Ein paar Jahre später gründete Ceausescu die erste kommunistische Dynastie, und begann abwechselnd in 21 luxuriös eingerichteten Palästen, 41 „Wohn-Villen“ und 20 Jagdhütten zu residieren.

Nach Chruschtschow wurde die politische Nekrophagie im Kreml die Regel. Breschnew beschuldigte Chruschtschow, die Einheit der kommunistischen Welt zerstört zu haben. Als Gorbatschow kam, warf er Breschnew vor, die sowjetische Wirtschaft verwüstet zu haben. Gorbatschow hatte sogar einige von Breschnews Verwandten verhaften lassen — in einem offensichtlichen Versuch, zu beweisen, daß die sowjetische Wirtschaft durch korrupte Individuen verwüstet worden war und nicht durch den Marxismus. Jelzin beschuldigte Gorbatschows Perestroika, das „Land in den Ruin zu führen“ und dann gab Putin Jelzin die Schuld für den „Untergang der Sowjetunion, die größte Katastrophe des Jahrhunderts.“

Im Jahr 2004 — als unser Krieg im Irak auf die ersten Schwierigkeiten stieß — schmuggelte die Demokratische Partei die politische Nekrophagie des Kremls in die Vereinigten Staaten. Obwohl der Krieg von 296 Mitgliedern des Repräsentantenhauses und 76 Senatoren autorisiert war, bezeichneten ihn die Führer der Demokratischen Partei als Bushs Krieg. „Bush hat gelogen, Menschen sind gestorben“ („Bush lied, people died“) wurde zum Slogan der Demokratischen Partei, deren Führer plötzlich vergessen hatten, daß auch sie für diesen Krieg gestimmt hatten.

Die Fußmatte am Eingang zum Büro des Bundesvorsitzenden der Demokratischen Partei, Terry McAuliffe, stellte den US-Präsidenten dar und trug die Aufschrift „Gib Bush einen Tritt“ („Give Bush the Boot“). Der Demokratische Senator Tom Daschle, der Minderheitenführer, nannte Präsident Bush einen unglücklichen Störfall. Der pensionierte General Wesley Clark, ein ehemaliger NATO-Oberbefehlshaber, der ein Führer der Demokratischen Partei mit Blick auf das Weiße Haus wurde, forderte den Kongreß auf, zu „prüfen, ob Präsident Bush ein Verbrecher war, als er einen Krieg gegen Saddam Hussein befürwortete“. Im Jahr 2004 konzentrierte sich die Demokratische Nationalversammlung (Democratic National Convention) fast ausschließlich auf politische Nekrophagie. Mit Ausnahme von Senator Joe Lieberman verunglimpften alle anderen Sprecher den US-Präsidenten.

Zwei Tage nach Beendigung dieses Kongresses erklärte Teresa Heinz Kerry, die Ehefrau des demokratischen Kandidaten für das Weiße Haus, daß vier weitere Jahre der Bush-Regierung für Amerika vier weitere Jahre der Hölle bedeuten. Wie sie bin auch ich ein Einwanderer. Ich habe meine 33 Jahre in Amerika unter sechs Präsidenten verbracht — einige besser als andere –, aber ich habe immer das Gefühl gehabt, daß ich im besten Land der Welt lebe. Und in jenem Wahljahr hatte auch die überwältigende Mehrheit der Amerikaner dieses Gefühl.

Präsident Bush wurde wiedergewählt, aber die politische Nekrophagie der Demokratischen Partei hatte das internationale Ansehen der Vereinigten Staaten so unglaublich herabgesetzt, daß die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa dem Rest der Welt bescheinigen mußte, daß die Vereinigten Staaten im November 2004 freie Wahlen hatten.

Jetzt nähern wir uns wichtigen Neuwahlen, und die Demokratische Partei greift zu einer neuen Form der politischen Nekrophagie. „Zieht eure Pantoffeln aus und steigt in eure Schuhe zum Marschieren“ wurde der neue Slogan der Demokratischen Partei. Das Ergebnis: Occupy Wall Street Zeltlager.

Für Millionen von Menschen, die nach Freiheit strebten und in die Vereinigten Staaten kamen, war die amerikanische Staatsbürgerschaft der höchste Traum — wie für mich. Nun aber ersetzt die Demokratische Partei die amerikanische Staatsbürgerschaft durch ein „Ash-Sha’b yurid isqat an-nizam“ — „das Volk will den Sturz des Regimes“. „Bringt einen offenen Geist und einen Schlafsack“, schrieben die Organisatoren von Occupy Wall Street auf Facebook und Twitter. „Es wird eine große Sache und es wird global.“

Diese durch die politische Nekrophagie der Demokratischen Partei generierte Anarchistenbewegung hat sich in mehr als 200 Städten in den USA sowie 82 weiteren Ländern ausgebreitet.

Die politische Nekrophagie von Chruschtschow erschütterte das Bild der Sowjetunion als Arbeiter-Paradies. Die politische Nekrophagie und die Occupy Wall Street Zeltlager der Demokratischen Partei erschüttern das Bild der Vereinigten Staaten als Führer der freien Welt.

Ich könnte ein ganzes Buch über politische Nekrophagie schreiben, und vielleicht werde ich es eines Tages tun. Hier möchte ich nur sagen, daß, politische Nekrophagie — nach meiner Erfahrung — ein gefährliches Spiel ist. Sie verletzt den Nationalstolz der Menschen, und in der Regel wendet sie sich gegen den Verursacher.

Am 14. Oktober 1964 wurde Chruschtschow zum ersten sowjetischen Führer, der jemals entthront wurde. Das sowjetische Politbüro schätzte seine politische Nekrophagie als so unberechenbar und gefährlich ein, daß es ihn unter Hausarrest stellte — bewacht vom KGB, für den Rest seines Lebens. Als Chruschtschow starb, verfügte Breschnew, daß sein Vorgänger den historischen Respekt des Landes gegenüber dem Kreml schwer geschädigt hatte, und daß er unwürdig wäre, an der Kreml-Mauer neben den anderen ehemaligen Führern beigesetzt zu werden. Die sowjetische Regierung weigerte sich sogar, Chruschtschows Grabstein zu bezahlen. 1972, als ich Chruschtschows Grab auf dem Friedhof von Novodevichi besuchte, gab es darauf nur einen kleinen unbedeutenden Hinweis.

Leonid Breschnew, der Chruschtschow absetzte, endete dann aber so, daß er von den Russen und vom Rest der Welt als selbstverherrlichende Karikatur gesehen wurde. Seine politische Nekrophgie und sein Personenkult beschädigten das internationale Ansehen der Sowjetunion in einem solchen Maße, daß der KGB entschied, den Kreml zu übernehmen.

Yury Andropow, der erste Offizier des KGB, der im Kreml inthronisiert wurde, begann, die Sowjetunion in ein Land umzuwandeln, in dem, hinter einer Fassade des Marxismus, die politische Polizei des Herrschers den Vorrang über das ursprüngliche Werkzeug zur Führung des Landes einnahm — die Kommunistische Partei. Bereits todkrank, starb Andropow, bevor er seine Aufgabe erfüllen konnte.

Michail Gorbatschow, dessen Glasnost und Perestroika als ein Akt der politischen Nekrophagie geschildert wurden, die Rußlands historische Traditionen ändern sollten, endete im Exil.

Im Dezember 1989 wurde der rumänische Tyrannen Nicolae Ceausescu hingerichtet. Das außerordentliche Gericht, das ihn zum Tode verurteilte, entschied, daß seine politische Nekrophagie und sein anschließender Personenkult Rumäniens traditionellen Respekt gegenüber seinen Führern entehrt hatten, und daß er nicht einmal einen Sarg und ein Grab verdient. Ceausescus Leiche wurde deshalb in einen Beutel gepackt und in einem Fußball-Stadion in den Müll geworfen.

Die Sowjetunion und das kommunistische Rumänien waren extreme Fälle. Aber auch in den Vereinigten Staaten wird die politische Nekrophagie nicht funktionieren. Es gibt hier eine lange Tradition, die gewählten Führer zu respektieren. Während des Zweiten Weltkriegs gaben 405.399 Amerikaner ihr Leben, um den Nationalsozialismus und den Holocaust zu besiegen, aber die USA standen hinter ihrem Präsidenten. Die Vereinigten Staaten hielten während dieses Krieges Wahlen ab, aber kein Bewerber für ein Amt hatte auch nur daran gedacht, auf der Suche nach einem persönlichen Sieg die Einheit des Landes zu schädigen.

Die amerikanischen Traditionen können weder durch politische Nekrophagie noch durch demonstrierende Occupy Wall Street Mobs geändert werden.

Hier finden Sie den Originalartikel, Blame the Predecessor, Not the Ideology: A Historical Leftist Tactic.