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Wie die Römer

2012/01/10

Ben Shapiro über den real existierenden Sozialismus Italiens.

(Anmerkungen in Klammern)

Ich war letzte Woche mit meiner Frau in Europa. Wir verbrachten ein paar Tage davon in Italien, die meisten in Rom, mit all den touristischen Sehenswürdigkeiten: dem Kolosseum, dem Vatikan, der Spanischen Treppe. Im Wesentlichen fuhren wir die Route der Romreise von Audrey Hepburn in Ein Herz und eine Krone nach.

Und natürlich wollte meine Frau ein Souvenir kaufen. Also besuchten wir die unzähligen römischen Flohmärkte, wo Straßenhändler ihre Waren feilboten: billige Kopien von Geldbörsen, Gemälden, Schmuck. Trotz der Probleme mit dem Euro hat der Dollar einen vergleichsweise schlechten Wert, der aktuelle Wechselkurs liegt bei 1 Euro für 1,30 Dollar, also war alles relativ teuer. Doch die Märkte waren überfüllt, und das aus gutem Grund: Italiens wirkliche Wirtschaft besteht aus jenen Märkten, die nicht in den Büchern auftauchen, wo in bar bezahlt wird.

Einige Ökonomen schätzen, daß der Schwarzmarkt volle 50% der italienischen Wirtschaft ausmacht. Selbst Fodor’s Moderner Reiseführer ist über die schiere Größe dieses Marktes erstaunt: „wenn die höchsten Schätzungen zutreffend sind, ist Italiens Schwarzmarkt etwa so groß wie die gesamte Wirtschaft der Schweiz oder Indonesiens. Würden die geschätzten Zahlen des Schwarzmarktes zum offiziellen BIP hinzugefügt werden, dann würde Italien wahrscheinlich Frankreich, Großbritannien und China überholen und die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt werden.“ Das ist für Italien natürlich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein Problem; 1951 berichtete Time: „Die Erhebung von Steuern ist in Italien ein Katz-und-Maus-Spiel, das von beiden Seiten verstanden wird. Die Italiener geben in ihren Steuererklärungen nur einen winzigen Bruchteil ihres wahres Einkommens an, und im Gegenzug verdreifacht die Regierung automatisch das, was auch immer der Steuerzahler erklärt“.

Es gibt einen Grund, warum der Schwarzmarkt in Italien so groß ist: es ist der einzige Weg, wie man überleben kann. Die Immobilienpreise in Rom sind unerhört hoch, und die Steuern sind noch extremer: der Spitzensatz bei der Einkommensteuer liegt bei 43% und die Körperschaftssteuer beträgt 31,4%. Es gibt auch eine 20% Mehrwertsteuer. Kein Wunder, daß in Italien so viele Betriebe nicht jeden Tag öffnen — wozu die Mühe, wenn Sie dafür, daß Sie das Gesetz achten, von der Regierung in Form von konfiskatorischen Steuern bestraft werden?

Und doch kann Italien seinen massiven Sozialstaat nicht bezahlen. Italiens Schuldenquote beträgt jetzt 120%. Das Durchschnittsalter liegt bei weit über 40, und eine neue Generation von Kindern ist nicht auf dem Weg. Rom ist zu einem wunderschönen Relikt geworden, nicht nur in der Architektur, sondern in der Bevölkerung.

Während wir in Italien waren, mußte die Regierung eine Sparmaßnahme in Höhe von 33.000.000.000 Euro durchdrücken; in dieser Woche, waren sie lediglich in der Lage, 8.500.000.000 Euro durch Anleiheverkäufe einzunehmen. (Im TAGESSPIEGEL liest sich das so: „Die Versteigerung langjähriger Anleihen füllte Italiens Kassen mit mehr als sieben Milliarden Euro. Damit wurde das angestrebte Volumen von 5,0 bis 8,5 Milliarden Euro erreicht. Für die zehnjährige Anleihe mussten die Geldgeber aber mit einem Zins von 6,98 Prozent belohnt werden. Er lag damit unter dem im November erreichten Rekordhoch von 7,56 Prozent, aber klar über dem Marktzins für deutsche Bundesanleihen von knapp 1,9 Prozent. Bei dreijährigen Anleihen fiel der Zins von 7,89 auf 5,62 Prozent.“ Alles klar?)

Die Regierung versenkte außerdem ihre an die Inflation gekoppelten Rentenzahlungen, was bedeutet, daß die Senioren laut Reuters eine „Einkommenskürzung“ hinnahmen — obwohl diese Senioren nur dafür bezahlt werden, herumzusitzen und Espresso zu trinken. Doch jetzt werden Anreize geschaffen, damit Arbeitnehmer bis 70 beschäftigt bleiben, und im Jahr 2018 soll das Rentenalter auf 66 angehoben werden. Die italienische Regierung erhöhte außerdem wieder einmal die Steuern, dieses Mal in Form einer 1,5 prozentigen Steuer auf Geld, das nach Italien zurückfließt; und die Regierung will die Mehrwertsteuer um weitere 2% erhöhen. Steuererhöhungen sind offensichtlich die Lösung für ein Steuersystem, das die Menschen in eine Schattenwirtschaft treibt. Das neue Motto der italienischen Regierung lautet: Veni, vidi, tributarium.

Doch niemand zahlt den Tribut. Als die Regierung die neuen Maßnahmen durchdrückte, wußte sie, daß sich niemand daran halten würde. Die New York Times berichtete diese Woche:

Erst kürzlich stand Maurizio Compagnone, ein Mitarbeiter der italienischen Steuerbehörde, eines Morgens in einem Klassenzimmer vor den Schülern der Mittelstufe, hier, in einem grünen Viertel, und predigte die Tugenden des Steuerzahlers.

„Ihr mögt vielleicht denken: ‚Ich bin 13, warum sollte ich mich um die Steuern kümmern?'“, sagte er mit ernster Begeisterung, während die Schüler zusahen, leicht gelangweilt. „Aber ihr könnt einen Schritt in die richtige Richtung gehen. Ihr könnt das Verhalten der Menschen um euch herum ändern, eurer Eltern und Freunde.“

„Und die Kinder werden sie führen“, scheint die Philosophie der italienischen Regierung zu sein. Bloß daß es keine Kinder gibt, und daß die Italiener verhungern würden, wenn sie sich den Gesetzen der Regierung fügen würden. (Die 61.000.000 Italiener haben andere Mäuler, die gestopft werden wollen: „In Italien beziehen fast 500.000 Menschen ihr Gehalt aus der Politik: 180.000 als Parlamentarier, Regional-, Provinz-, Gemeinde- und Bezirksräte; der Rest als Berater und Mitarbeiter dieser Räte“.)

Was macht also ein armer Italiener? Zur Arbeit gehen, und die Regierung sich selbst überlassen. Ich habe noch nie so viele erwerbstätige Arme wie in Italien gesehen. Wo Los Angeles‘ verarmte Gegenden Treffpunkte für Drogendealer und Banden sind, scheint es in Rom blühende Märkte zu geben, wo Gauner zu überhöhten Preisen Kunstdrucke der Stadt verkaufen, und wo die Polizei wegschaut.

Meine Frau und ich kauften ein paar Bilder von einem netten jungen Mann, der uns sagte, er wäre ein Kunst-Student. Wir haben wahrscheinlich zu viel dafür bezahlt, und er war wahrscheinlich kein Kunst-Student — als ich fünf Minuten später zurückkehrte, um ihn nach dem Weg zu fragen, war der junge „Künstler“ in der Nacht verschwunden. Aber was solls? Zumindest hat er etwas verkauft. Ich werde die Bilder noch rahmen, und ich werde sie aufhängen. Und besser das Geld bleibt bei ihm, statt an einen 65-jähriger Rentner zu gehen. Wenn Italien Glück hat, wird er das Geld verwenden, um einen Hausstand zu gründen und zu heiraten — Italiens Katholizismus bedeutet, daß die Menschen, im Gegensatz zu Großbritannien oder den Niederlanden, immer noch heiraten — und ein paar Baby-Italiener in die Welt setzen, die Papas unternehmerisches Geschick dann nutzen werden, um Waren und andere Dienste zu schaffen, die andere kaufen wollen.

Die Lektion für die USA ist klar: egal wie hart die Regierung gegen Steuerhinterzieher und Schwarzarbeiter vorgeht, werden solche Aktivitäten mit einem wachsenden Gouvernantenstaat nur zunehmen. Wenn wir ein funktionierendes System wollen, müssen wir die Menschen an diesem System beteiligen, indem wir das schützen, was sie leisten und verdienen.

Hier finden Sie den Originalartikel, Doing As the Romans Do.