Archive for the ‘Human Engineering’ Category

Letzte Grenze der Klimapolitik: Neue Menschen

2012/04/12

Catherine Armitage besucht die Welt von Morgen.

(Wenn nicht irgendwann ein Riegel gefunden wird, der verhindert, daß gewisse Subjekte in Politik, Medien und Wissenschaft geraten, werden wir bald in Umerziehungslager geraten — es gibt für moderne Philosophen schließlich noch Zilliarden anderer Jobs, zum Beispiel nach Art von „American Beauty“ in Frittenbuden.)

(weitere Anmerkungen in Klammern)

Ein radikaler Vorschlag, wegen (der Religion) der Klimaänderung den Körperbau und das Verhalten zu ändern, sorgte für Empörung, schreibt Catherine Armitage.

Wenn es so schwer ist, das Klima zu verändern, um es den Menschen anzupassen, warum nicht die Menschen verändern, um sie an den Klimawandel anzupassen, fragen Philosophen der Universitäten Oxford und New York.

Sie schlagen vor, Menschen zu modifizieren, sodaß sie kleiner werden, kein Fleisch mögen, weniger Kinder haben und eher bereit sind, mit sozialen Zielen zu kooperieren.

Veränderungen des Verhaltens könnten nicht ausreichen, um den Klimawandel zu verhindern, selbst wenn sie weithin umgesetzt werden würden, und internationale Abkommen für Maßnahmen wie den Emissionshandel sind bisher ausgeblieben, sagen Matthew Liao von der Universität New York und Anders Sandberg und Rebecca Roache von der Universität Oxford.

Human Engineering verdient in der Diskussion darüber, wie der Klimawandel zu lösen ist, also ernsthafte Beachtung, schreiben sie in einer Arbeit für die akademische Zeitschrift „Ethik, Politik und Umwelt“ („Ethics, Policy & Environment“).

Der ökologische Fußabdruck einer Person korreliert direkt mit der Größe, weil größere Menschen (larger people) mehr essen als leichtere Menschen (lighter people), ihre Autos mehr Treibstoff benötigen, um sie zu transportieren und sie verschleißen Schuhe, Teppiche und Möbel früher als leichtere Menschen, schreiben die Autoren. Sie schlagen vor, daß Hormonbehandlungen verwendet werden könnten, um das Wachstum von Kindern zu unterdrücken, oder daß Embryonen für eine kleinere Größe ausgelesen werden könnten.

Eine Verringerung des Konsums von rotem Fleisch könnte erhebliche ökologische Vorteile haben, sagt die Arbeit unter Berufung auf Schätzungen, daß bis zu 51 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen aus der Tierhaltung stammen. Sie sagen, daß Menschen, denen die Motivation oder Willenskraft fehlt, um das Essen von Fleisch aufzugeben, mit „Fleisch-Pflastern“ („meat patches“ — also wohl gesetzlich von den Krankenkassen empfohlene Pflaster für „Fleischer“ ähnlich den Nikotin-Pflastern für Raucher) auf ihrer Haut geholfen werden könnte, Hormone zu liefern, um in ihrem Immunsystem Abwehrreaktionen gegen herkömmliche Rinderproteine anzuregen.

„Das Essen von ‚umweltfeindlichen‘ Lebensmitteln würde unangenehme Erfahrungen auslösen“, sagen die Autoren.

Besser gebildete Frauen haben weniger Kinder, also könnte durch Human Engineering zur Verbesserung des Erkenntnisvermögens die Fruchtbarkeit reduziert werden — „ein positiver Nebeneffekt vom Standpunkt der Bekämpfung des Klimawandels“, argumentiert die Arbeit. (Und Leute, die Hosen mit Bügelfalten tragen, konsumieren weniger Drogen als Leute, die Hosen mit Löchern tragen — auf in den Kampf gegen Drogen.)

Pharmakologische Behandlungen wie mit der „Liebesdroge“ Oxytocin könnten die Menschen dazu ermutigen, als Gruppe zu handeln und ihre Wertschätzung für andere Lebensformen und die Natur steigern, sagen die Autoren. (Interessante Formulierung — wenn ich von der Erdoberfläche die Natur abziehe, bleiben als „andere Lebensformen“ offensichtlich nur noch alternative generationenübergreifende Experimentalsex-Lebensweisen nach Dr. Kinsey übrig.)

Die Arbeit hat in der Blogosphäre einen Sturm ausgelöst. Der Umweltschützer Bill McKibben twitterte, daß die Autoren „die schlimmsten Klimawandel-Lösungen aller Zeiten“ vorgeschlagen hätten. Sie wurden auch als Nazis und Ökofaschisten denunziert.

Die Autoren sind verwirrt, zeigen aber keine Reue. Würden die Menschen in Erwägung ziehen, „wirklich gefährliche“ Geo-Engineering-Lösungen wie Weltraum-Spiegel zu nutzen, um das solare Reflexionsvermögen der Erde zu ändern, dann muß auch Human Engineering auf den Tisch, sagte Dr. Liao.

„Jedenfalls verlassen sich die von uns beschriebenen Human-Engineering-Lösungen auf bewährte Technologien, deren Risiken zumindest auf individueller Ebene vergleichsweise gering und gut bekannt sind.“

Die Autoren betonen, daß sie nicht die Einführung von Human Engineering befürworten, sondern nur, es in Betracht zu ziehen. Sie stellen es sich als einen freiwilligen Akt (voluntary activity) vor, der ggf. durch Anreize wie Steuererleichterungen oder durch das Gesundheitswesen unterstützt wird, nicht als etwas Aufgezwungenes oder als eine Verpflichtung.

Dr. Sandberg vom „Institut für die Zukunft der Menschheit“ („Future of Humanity Institute“) an der Universität Oxford schreibt, die Arbeit hätte versehentlich „zwei gefährliche Knöpfe gedrückt“ — Klimawandel und „Herumpfuschen an der menschlichen Natur“. Er sagte voraus, die Arbeit würde zu einer Geschichte mutieren, daß Wissenschaftler daran arbeiten, grüne Menschen zu schaffen und sie würde als „ein weiteres Beweisstück für die große Verschwörung“ übernommen werden.

Hier finden Sie den Originalartikel, Final frontier of climate policy — remake humans.

Die Arbeit „Human Engineering and Climate Change“ finden Sie hier.

Für eine Neuauflage von Aldous Huxleys ernstgemeintem Klassiker habe ich folgenden Covervorschlag mit Bildern von Matthew Liao, Anders Sandberg und Rebecca Roache:

Experten: Töten von Babys unterscheidet sich nicht von Abtreibung

2012/03/03

Stephen Adams über die aktuelle humanitäre Abtreibungsarbeit im Dienst für eine ausgelesene und glückliche Menschheit.

Termini technici
after-birth abortion: nachgeburtliche Abtreibung

(Sollte die nachgeburtliche Abtreibung in naher Zukunft von unseren EU-Familienpolitikern umgesetzt werden, lautet die entsprechende Passage unbestätigten Gerüchten zufolge „nachgeburtliche Abtreibung bis zum Alter von ſt Jahren“.)

(weitere Anmerkungen in Klammern)


Eine Gruppe von Ethikern argumentiert, daß sich das Töten von Säuglingen von einer Abtreibung nicht unterscheidet

Medizinische Ethiker, die mit der Universität Oxford in Verbindung stehen, argumentieren, daß Eltern die Möglichkeit haben sollten, ihre neugeborenen Babys töten zu lassen, weil sie „moralisch irrelevant“ sind und die Beendigung ihres Lebens einer Abtreibung gleicht.

Der im ‚Journal of Medical Ethics‘ veröffentlichte Artikel sagt, Neugeborene sind keine „tatsächlichen Personen“ und haben kein „moralisches Recht auf Leben“. Die Wissenschaftler argumentieren außerdem, daß Eltern in der Lage sein sollten, ihr Baby töten zu lassen, wenn sich herausstellt, daß es behindert ist, wenn es geboren wird. (Ratsam wäre auch ein IQ-Mindestwert von 127 für Journalisten und 135 für Professoren und Politiker, so daß diejenigen, die ihn nicht erreichen, ein Anrecht auf einen Behinderten-Ausweis haben — der Vorschlag hat höchste Dringlichkeit, um sicherzustellen, daß für den Dienst an der gesellschaftlichen Aufklärungs-, Bildungs- und Politikfront nur die intelligentesten Journalisten, Professoren und Politiker ausgewählt werden, weil wir, das Volk, verdienen, nur von den Besten aufgeklärt, unterrichtet und regiert zu werden.)

Der Redakteur der Zeitschrift, Prof. Julian Savulescu, Direktor am ‚Oxford Uehiro Zentrum für Angewandte Ethik‘ (‚Oxford Uehiro Centre for Practical Ethics‘) sagte, die Autoren des Artikels hätten seit der Veröffentlichung des Artikels Morddrohungen erhalten. (Wäre es Mord, wenn die Autoren unter dem IQ-Mindestwert liegen?) Er sagte, diejenigen, die über die Studie beleidigende und bedrohliche Kommentare machten, wären „Fanatiker, die sich den Werten einer liberalen Gesellschaft widersetzen“.

Der Artikel mit dem Titel ‚Nachgeburtliche Abtreibung: Warum sollte das Baby leben‘ (‚After-birth abortion: Why should the baby live?‘), wurde von zwei ehemaligen Mitarbeitern von Prof. Savulescu geschrieben, Alberto Giubilini und Francesca Minerva.

Sie argumentierten: „Der moralische Status eines Säuglings entspricht in dem Sinne dem eines Fötus, daß beiden jene Eigenschaften fehlen, die rechtfertigen, daß einem Individuum ein Recht zu leben zugeschrieben wird.“

Statt „tatsächliche Personen“ wären Neugeborene „potenzielle Personen“. Sie erklärten: „Sowohl ein Fötus als auch ein Neugeborenes sind sicherlich menschliche Wesen und potenzielle Personen, aber keine ‚Person‘ im Sinne eines ‚Gegenstands eines moralischen Rechts zu leben‘.“

„Mit ‚Person‘ meinen wir eine Person, die in der Lage ist, ihrer eigenen Existenz [mindestens] einen Grundwert zuzuschreiben, so daß der Entzug dieser Existenz einen Verlust für sie bedeutet.“

Sie argumentierten, als solche wäre es „nicht möglich, ein Neugeborenes zu schädigen, indem die Entwicklung der Potentialität verhindert wird, eine Person im moralisch relevanten Sinn zu werden“.

Die Autoren kommen daher zu dem Schluß, daß das, „was wir ‚nachgeburtliche Abtreibung‘ [Tötung eines Neugeborenen] nennen, in allen Fällen zulässig sein sollte, in denen Abtreibung zulässig ist, einschließlich der Fälle, in denen das Neugeborene behindert ist“.

Sie erklärten auch, daß Eltern in der Lage sein sollten, das Baby töten zu lassen, wenn sich herausstellt, daß es behindert ist, ohne daß vor der Geburt davon wußten, und zitierten zum Beispiel, daß in Europa „nur 64 Prozent der Fälle des Down-Syndroms“ durch pränatale Tests diagnostiziert werden.

Sobald solche Kinder geboren wären, gäbe es „für die Eltern keine andere Wahl, als das Kind zu behalten“, schrieben sie.

„Solche Kinder aufzuziehen könnte für die Familie und die Gesellschaft als Ganzes (sprich Kinder gehören nicht Ihnen, sondern der Gesellschaft) eine unerträgliche Last sein, wenn der Staat wirtschaftlich ihre Pflege bereitstellt.“ (Wie gut wird diese Pflege sein? So gut wie eine gesetzliche Krankenkasse? So gut wie die Riesterrente?)

Allerdings argumentierten sie nicht, daß manche Baby-Tötungen vertretbarer wären als andere — ihr grundlegender Punkt war, daß es moralisch keinen Unterschied zur bereits praktizierten Abtreibung gäbe.

Sie zogen es vor, die Formulierung „nachgeburtliche Abtreibung“ statt „Kindestötung“ zu verwenden, um zu „betonen, daß der moralische Status des getöteten Individuums mit dem eines Fötus vergleichbar ist“.

Francesca Minerva und Alberto Giubilini kennen Prof. Savulescu durch Oxford. Minerva war eine wissenschaftliche Mitarbeiterin am ‚Oxford Uehiro Zentrum für Angewandte Ethik‘, bis im Juni letzten Jahres, als sie ans ‚Zentrum für Angewandte Philosophie und Öffentliche Ethik‘ (‚Centre for Applied Philosophy and Public Ethics‘) der Universität Melbourne ging.

Giubilini, ein ehemaliger Gaststudent an der Universität Cambridge, hielt im Januar an der ‚Oxford Martin School‘ — wo Prof. Savulescu auch ein Direktor ist — einen Vortrag mit dem Titel: ‚Was ist das Problem mit Euthanasie?‘ (‚What is the problem with euthanasia?‘)

Auch er ist nach Melbourne gegangen, wenn auch an die Monash Universität. Prof. Savulescu arbeitete an beiden Universitäten, bevor er im Jahr 2002 nach Oxford ging.

Prof. Savulescu verteidigte die Entscheidung zur Veröffentlichung auf einer Blogseite des ‚British Medical Journal‘ und sagte, die Argumente für die Tötung Neugeborener wären „weitgehend nicht neu“.

Was Minerva und Giubilini taten, war, diese Argumente „unter Berücksichtigung der Interessen von Mutter und Familie“ anzuwenden. (Hätte Eva Herman darüber und nicht über Autobahnen geredet, wäre sie für den Alice-Schwarzer-Preis nominiert worden.)

Er akzeptiert, daß viele Menschen mit ihren Argumenten nicht einverstanden sein würden und schrieb: „Das Ziel des ‚Journal of Medical Ethics‘ ist nicht, die Wahrheit zu präsentieren oder moralische Ansicht von jemandem zu fördern. Das Ziel ist, gut begründete Argumente zu präsentieren, die auf weithin anerkannten Prämissen basieren.“

Im Gespräch mit dem Daily Telegraph fügte er hinzu: „Diese ‚Debatte‘ ist ein Beispiel für ‚Hexen-Ethik‘ — eine Gruppe von Leuten weiß, wer die Hexe ist und versucht, sie zu verbrennen. Es ist eine der gefährlichsten menschlichen Tendenzen, die wir haben. Sie führt zu Lynchjustiz und Völkermord. Statt zu argumentieren und einzugreifen, gibt es einen Trieb zu knebeln und, im Extremfall, zu töten, basierend auf der eigenen moralischen Gewißheit. Das ist nicht die Art von Gesellschaft, in der wir leben sollen.“ (Wie pflegte man vor 50 Jahren zu Kommunisten zu sagen? „Dann geh doch nach drüben!“)

Er sagte, das Journal würde die Veröffentlichung eines Artikels erwägen, der postuliert, daß, wenn es zwischen Abtreibung und Tötung Neugeborener keinen moralischen Unterschied gibt, dann auch die Abtreibung illegal sein sollte. (Ich würde erwägen, die Mehrheit der Bevölkerung abstimmen zu lassen, ob dem ‚Journal of Medical Ethics‘ die Geldmittel entzogen werden sollen und zu prüfen, ob die Restbestände des Journals ausreichen, um einen Scheiterhaufen zu errichten.)

Dr. Trevor Stammers, Direktor der medizinischen Ethik am ‚St. Mary’s University College‘, sagte: „Wenn eine Mutter ihr Kind mit einer Decke erstickt, sagen wir dann ‚es spielt keine Rolle, sie kann ein neues bekommen‘, ist es das, was wir uns wünschen?“

„Was diese jungen Kollegen aussprechen, ist, was das unvermeidliche Ziel wäre und was die ethischen Philosophen in den Staaten und Australien seit langem sehen und es ist sicherlich nichts Neues.“

Zum Begriff „nachgeburtliche Abtreibung“ sagte Dr. Stammers: „Dies ist einfach nur verbale Manipulation, das hat nichts mit Philosophie zu tun. Ich könnte Abtreibung künftig als vorgeburtliche Kindestötung bezeichnen.“


(Mein Covervorschlag für das betreffende Journal.)

Hier finden Sie den Originalartikel, Killing babies no different from abortion, experts say.

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