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Der Ober-Heuler

2012/01/17

Ben Shapiro über „Die Obamas“.

(Anmerkungen in Klammern)

In dieser Woche machte Matt Drudge „Die Obamas“ von New York Times-Kolumnistin Jodi Kantor schlagartig zu einem Bestseller, als er eine Meldung verlinkte, in der eine Anekdote aus dem Buch zitiert wird, die behauptet, daß die Obamas keine Kosten scheuten, um im Weißen Haus eine Halloween-Party zu veranstalten. Kantor berichtet: „Für die erste Feier der Obamas im Weißen Haus verwandelten Desiree Rogers und ihr Team das Gebäude in ein gespenstisches Wunderland, mit orangefarbenen Scheinwerfern, Tausend-Pfund-Kürbissen und Musikern in Skelett-Kostümen.“ Im Weißen Haus, auf der VIP-Party, konnten Kinder mit George Lucas‘ echten Wookies spielen. Auffälliger war der Speisesaal, „dekoriert von Regisseur Tim Burton in seinem typisch schaurigen Comic-Stil“, basierend auf seinen neuen Film Alice im Wunderland. Johnny Depp trat als der verrückte Hutmacher auf.

Das Weiße Haus versteckte die Party vor der Öffentlichkeit. Sie wollten nicht, daß der Rest der Nation weiß, wie sie unsere hart verdienten Steuergelder für eine Episode von MTVs (Teenager-Lifestyle-Serie) „My Super Sweet 16“ ausgeben. (Ich hätte nicht gedacht, daß sich DSDS noch steigern läßt.) Also tauchten weder Burton noch Depp auf der Besucherliste des Weißen Hauses auf. (Die NYPost erwähnt noch, daß sichergestellt wurde, daß die Presse artig über die Kinder aus dem gemeinen Volk berichtet: „However, the White House made certain that more humble Halloween festivities earlier that day — for thousands of Washington-area schoolkids — were well reported by the press corps.“)

Diese Enthüllung in Kantors Buch ist zwar erschreckend, doch wirklich schockierend ist ihre Darstellung unseres Oberbefehlshabers. Barack Obama steht da wie ein Mensch mit tiefen persönlichen Problemen, die in einer extremen Ichbezogenheit und Unsicherheit zum Ausdruck kommen. Er ist emotional zerbrechlich, unfähig, Kritik auszuhalten und verwirrt durch Meinungsverschiedenheiten.

Nehmen wir zum Beispiel Obamas Neigung, zu weinen. In Kantors Buch ist Obama immer wieder den Tränen nahe. „Während der Wahlkampagne“, schreibt Kantor, „sagte Obama Freunden, daß er bei Reden nicht auf [Valerie] Jarrett sehen durfte (seine langjährige Beraterin), damit er nicht zu emotional wird und zu weinen anfängt“. Kantor begründet dies damit, daß Jarrett für Obama die Schwester und Mutter spielte. Über die Party zum Buchstart seiner schlecht geschriebenen zweiten Autobiographie, „Hoffnung wagen“, schreibt Kantor: „er stand allein an der Vorderseite des Zeltes, von Tränen überwunden.“ Nur ein paar Seiten später hat Obama wieder „Tränen in den Augen“, als seine Tochter „Tanzbewegungen übt“, da er sie so selten sieht. Die Obamas „fühlten sich besser verstanden als in Washington“, als sie in Oslo waren, zum Erhalt des Friedensnobelpreises — und noch einmal: während seiner Rede mußte Obama „gegen Tränen ankämpfen“.

Sensibilität ist schön und gut, aber allzu oft geht sie mit schwerwiegenden narzisstischen Unsicherheiten einher. (Was für ein Glück haben die Russen, daß Obama nicht  die Sowjetunion  die Russische Föderation anführt.) Das trifft eindeutig auf Obama zu, der sich anscheinend mit Frauen umgibt, die ihn überwältigen — Michelle, Valerie Jarrett — und dann alle anderen schikaniert. Diese Selbstbezogenheit führt zu einem obsessiven Machtdenken, auch wenn es nur in absolute Belanglosigkeiten ausartet. Ein besonders aufschlußreiches Beispiel stammt aus Obamas früher Amtszeit. „Selbst inmitten der verwirrenden Krisen während seiner ersten Monate im Amt“, schreibt Kantor,

„fand Barack Obama Befriedigung in einer einfachen, herrlichen neuen Wahrheit: Er war der Präsident der Vereinigten Staaten. Eines Tages ging er von einer Besprechung ins Büro seines Stabschefs und begann, auf dem Schreibtisch einer jungen Assistentin von [Rahm] Emanuel in einem Zeitschriftenstapel zu blättern. ‚Wem gehören die?‘, fragte er die Assistentin. Nun, sie sind gerade erst angekommen, addressiert an den Stabschef, antwortete sie. Dann hielt sie inne und überdachte ihre Antwort. ‚Aber alles im Weißen Haus gehört ihnen … im Prinzip sind es also Ihre‘, sagte sie. Der Präsident warf ihr einen zufriedenen Blick zu. Am folgenden Tag ging er wieder zu ihrem Schreibtisch und den Magazinen. ‚Wessen Zeitschriften sind das?‘, fragte er. Diesmal hatte sie die Antwort parat. ‚Es sind Ihre Zeitschriften, Mr. President‘, sagte sie. Obama grinste und setzte seinen Weg fort.“

Alles gehört Ihnen, Mr. President. Das sind die Worte, die Obama sehnlichst hören will — und das sind die Worte, die er in seiner gesamtem Karriere sehnlichst hören wollte. Kantor folgt knapp seinem politischen Aufstieg — vermeidet dabei sorgfältig die Erwähnung seiner zweifelhaften Beziehungen zu Jeremiah Wright oder Tony Rezko oder Bill Ayers — und porträtiert ihn als einen Idealisten unter Idealisten, einen naiven Typ wie „Mr. Smith geht nach Washington“ (von Frank Capra aus dem Jahr 1939), der ein nicht-politischer Politiker werden wollte.

Die Wahrheit ist natürlich etwas weniger edel. Obama wirkt in dem Buch als zutiefst machthungrig — als Politiker eines Bundesstaates (State Senator) konnte er nie etwas zustande bringen, also wechselte er in den Senat, im Senat konnte er nie etwas zustande bringen, also wechselte er zur Präsidentschaft.

Die Präsidentschaft frustriert ihn auch. „Als Obama diesen Herbst im Privaten über die Präsidentschaft nachdachte, sprach er häufig über die Grenzen des Amtes“, berichtet Kantor über Obamas ersten Herbst im Weißen Haus. Er litt unter einer „heraufdämmernden politischen Machtlosigkeit“. Dies ist die höchste Form der Ichbezogenheit, die der Mensch kennt. Der Präsident der Vereinigten Staaten ist die mächtigste Person auf der Welt. Er beschwert sich über seinen Mangel an Macht. Kein Wunder, daß Obama öffentlich über die Schönheiten des chinesischen Systems sinnierte — die einzige Stufe, die über der Präsidentschaft liegt, ist die Monarchie oder die Diktatur.

In China müssen die Diktatoren keine Kritik dulden. Und Obama kann Kritik nicht ertragen. Ein weiterer faszinierender Leckerbissen: Obamas Freund Christopher Edley, Dekan an der juristischen Fakultät der Universität Berkeley in Kalifornien, empfahl am Tag nach der Wahl per E-Mail, daß sich Obama nicht Rahm Emanuel als Stabschef nimmt. „Kurz nachdem er die Nachricht sendete“, sagt Kantor, „klingelte das Telefon. Es war Jarrett, die Edley vor einem sehr wütenden Anruf warnte. ‚Warum mußt du dir von allen Tagen ausgerechnet heute aussuchen?‘, stellte Obama Edley zur Rede. Er wollte seinen Augenblick des Sieges frei von aller Kritik genießen, schloß Edley; dafür, zu sehen, daß sein Urteil angezweifelt wird, hatte er nicht viel Toleranz. Die alten Freunde sprachen sich nie wieder.“

Obama hat dieses gereizte Verhalten fortgesetzt. Wir haben ihn nun Tag für Tag auf der öffentlichen Bühne gesehen — ein Mann, der seine persönlichen Dämonen durch Mobbing austreibt und sich durch seine Präsidentschaft jammert, und seinen politischen Gegnern und der amerikanischen Öffentlichkeit für all seine Leiden die Schuld gibt. Es ist nicht schön. Und noch häßlicher ist es, wenn man mit Jodi Kantor hinter die Kulissen blickt.

Hier finden Sie den Originalartikel, The Cry-Baby in Chief.

Die taz-Presseerklärung zu dem Buch gibt Entwarnung, weil Jodi Kantor „bloss mit Dutzenden von Weisse-Haus-Mitarbeitern und Freunden der Obamas gesprochen“ hat:

Auch die Pressestelle des Weißen Hauses distanziert sich von dem Buch. Nennt es eine „Überdramatisierung von alten Nachrichten“. Geschrieben von einer „Autorin, die zwei Jahre lang nicht mit den beiden Personen gesprochen hat, deren Beziehung sie beschreibt“. Denn Jodi Kantor hat die beiden Obamas zuletzt im Jahr 2009 interviewt. Für ihr Buch hat die Reporterin der New York Times bloss mit Dutzenden von Weisse-Haus-Mitarbeitern und Freunden der Obamas gesprochen.

Ob die taz für Artikel über Obama wohl lieber Quellen mag, die mit Obama gaaanz intime Beziehungen hatten?

Zum Beispiel Obamas Freunde aus dem Badehaus, in dem er Ehrenmitglied ist: „Obama and Emanuel: Members of same gay bath house in Chicago

Nicht witzig, sagen Sie als liberale(r) linke(r) taz-LeserIn? Dann vielleicht das Halloween-Familienfoto auf Chicks on the Right?

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