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Sean Penn: Ehrengast von Hugo Chavez

2012/02/24

Humberto Fontova über die Helden der Arbeit Sean Penn, Hugo Chavez, Fidel Castro und Che Guevara.

(Anmerkungen in Klammern)

Sean Penn war letzte Woche Hugo Chavez‘ Ehrengast — wieder einmal — und Hauptredner bei den Abschlußfeiern auf der ‚Salvador Allende Medical School’ in Venezuela. „Gestatten Sie mir eine kleine Anekdote“, strahlte der zweifache Oscar-Gewinner vor dem verzauberten Publikum. „Ich hatte das Privileg, meine Kinder Comandante Fidel Castro vorstellen und, als er sich für ein Foto zwischen sie stellte, sagte ich ihm, ‚Präsident, jetzt werde ich in den USA angeprangert werden, meine Kinder als Sozialrevolutionäre zu erziehen’.“

Worauf Castro antwortete: „Das ist eines der besten Dinge, das ihnen passieren kann.“

Neben seinem Ruhm als Baseballschläger-schwingender Frauen-Prügler gebührt Sean Penn auch der Ruhm als Anwalt gegen die Todesstrafe. Seine Oscar-prämierte Rolle in ‚Dead Man Walking’, wo er einen verurteilten Vergewaltiger und Mörder spielt, der durch eine tödliche Injektion in Louisiana dahinscheidet, scheint einen tiefen Eindruck auf Penn gemacht zu haben.

Im Gegensatz zu Louisianas Strafvollzug benutzte das Vorbild für Penns Kinder jedoch Erschießungskommandos, Zwangsarbeit und Schlägertruppen im Gefängnis, um Tausende von wehrlosen Opfer zu ermorden. Und deren „Überzeugungen“ erklärte Castros Chef-Henker, Che Guevara, einst so: „Juristische Beweise sind ein archaisches bourgeouises Detail. Dies ist eine Revolution! Wir exekutieren aus revolutionärer Überzeugung.“

Castro selbst bestätigte: „Es ist unmöglich, gegen Kriegsverbrecher rechtliche Beweise bereitzustellen. Also bestrafen wir sie basierend auf moralischer Überzeugung.“

Unter diesen „Kriegsverbrechern“ waren Kinder von Landwirten, die jünger waren als Penns Kinder. Carlos Machado war 15 Jahre alt, als im Jahr 1963 eine Salve von Castros Erschießungskommando seinen Körper traf. Sein Zwillingsbruder und Vater gingen nach der gleichen Salve neben Carlos nieder und stürzten in das gleiche Massengrab. Alle hatten sich dem Diebstahl ihres bescheidenen Familienhofes durch Castro und Che widersetzt, alle lehnten Augenbinden ab und alle starben spottend über ihre kommunistischen Mörder, so wie Tausende ihrer tapferen Landsleute.

Diese „moralische Überzeugung“ erlaubte dem Vorbild für Sean Penns Kinder, gemessen am Prozentsatz der Bevölkerung, mehr politische Gefangene ins Gefängnis zu sperren, als Stalin und, bezogen auf eine Bevölkerung von 6,5 Millionen, in seinen ersten drei Jahren an der Macht mehr Menschen zu ermorden, als Hitler in seinen ersten sechs Jahren ermordete, bezogen auf eine Bevölkerung von 65 Millionen.

Die Vertreter einer aufgeklärten Meinung (die vor lauter Illumination im 18. Jahrhundert hängengeblieben zu sein scheinen und wie die Motten vor lauter Erleuchtung auf der Stelle treten), darunter die meisten „liberalen Linken“, „Friedensbewegten“ und „Menschenrechtler“, gähnten entweder oder waren über das Blutbad erfreut. In Bezug auf Letzteres verdient die Juristische Fakultät Harvard (Harvard Law School) besondere Aufmerksamkeit.

Bis April 1959 waren fast tausend Kubaner wie oben beschrieben „verurteilt“ und von Castros und Ches Erschießungskommandos ermordet worden. In Kubas Gefängnissen waren zehnmal mehr politische Gefangene wie während der Herrschaft des „Tyrannen“ Batista. Unter Castros und Che Guevaras Gefangenen waren Hunderte von Frauen, ein stalinistischer Schrecken, der in unserer Hemisphäre völlig unbekannt war, bis er vom „Führer“ eingeführt wurde, über den die Star-Journalistinnen Barbara Walters, Andrea Mitchell und Diane Sawyer ins Schwärmen gerieten. (Werden Journalisten auch in den USA geklont?)

Darüber hinaus wurde die Todesstrafe rückwirkend angewandt — unter dem unsäglichen Batista-Regime existierte sie nicht. Habeas Corpus Gesetze zum Schutz der persönlichen Freiheit wurden abgeschafft. Kubanische Verteidiger, die versuchten, die Angeklagten zu verteidigen, landeten selbst im Gefängnis.

Das geschah, als Fidel Castro eine kriecherische Einladung der Juristischen Fakultät Harvard erhielt, die anfragte, ob er sie mit einer Ansprache beehren würde. Scheint, daß die Studentenschaft ebenso wie der Lehrkörper vom leuchtenden Strafregister der kubanischen Revolution erschlagen wurden. Castro war auf der Stelle einverstanden, sodaß der letzte Auftritt während seiner USA-Reise 1959 in Harvard stattfand.

„Castro Besuch ein voller Erfolg“, titelte am 30. April 1959 das ‚Harvard Law School Forum’. „Das Publikum bekam, was es wollte: die Chance, den kubanischen HELDEN [Hervorhebung Fontova] persönlich zu sehen!“

„Viva Fidel“, brüllten diese glühenden Gegner von Todesstrafe und Doppelbestrafung, als sie ihren Helden erblickten. Obwohl die Menschenmenge, die ihn bewunderte, zu groß war, um in irgendeine Sporthalle (campus arena) zu passen, blieben sie bei Laune, „auch wenn wir Castro nicht von so nahe sehen konnten, wie wir es gewünscht hätten“, wurde ein Teilnehmer zitiert.

Interessanterweise hatte sich Fidel Castro im Jahr 1948 tatsächlich an der Juristischen Fakultät Harvard beworben. Dies wurde von McGeorge Bundy ans Licht gebracht, Harvards Dekan für Kunst und Wissenschaft — der später als JFKs nationaler Sicherheitsberater diente. Weiter im Text des ‚Harvard Law Forum’: „Gefangen in der Ausgelassenheit des Ereignisses, erklärte Harvards Dekan McGeorge Bundy, daß Harvard zur Wiedergutmachung seiner Fehler von 1948 bereit war. ‚Ich habe beschlossen, ihn eintreten zu lassen!’ erklärte Dekan Bundy.“

„Viva Fidel!“ Das Bonmot des Dekans sorgte für stürmischen Beifall wie beim arabischen Frühling. (Ich gestehe — der Frühling kommt im Original nicht vor: brought the house down and shook the very roof.) „Viva Fidel“ brüllte und jubelte die Creme der amerikanischen Jurastudenten — und ihre Lehrerschaft.

Doch nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit mußte ein unabhängiger Denker auftauchen — selbst unter den Studenten und Dozenten von Harvard, die zu Tausenden erschienen waren. Ein solcher Besserwisser brachte die fragwürdigen rechtlichen Verfahren, die den Hunderten von Hinrichtungen in Kuba vorausgegangen waren, zur Sprache.

„Wenn der Beklagte ein Recht auf Berufung hat“, antwortete Castro, „dann hat es auch das Volk! Und vergessen Sie nicht, Kuba hat die einzige Volksrevolution in Lateinamerika hervorgebracht!“

Diese Versammlung der begabtesten verbalen Gladiatoren Amerikas war von Castros brillantem Gegenschlag absolut begeistert. Sie brach über die unanfechtbare Gegenerwiderung des Massenmörders erneut in brüllende Jubelschreie aus. Diese Creme de la Creme der schlauesten Rechnungsführer (ratiocinators) Amerikas fand die stalinistische Logik nicht nur perfekt luftdicht abgesichert sondern in ihrer Genialität geradezu blendend und in ihrem Prinzip der Gerechtigkeit vollkommen fehlerfrei. Ein intellektueller Höllenlärm fegte durch die Halle, als Amerikas genialste und am besten unterrichtete Jura-Studenten — zusammen mit ihren Tutoren — aus Freude über diese Lektion über castroitische Gerechtigkeit aus nächster Nähe ehrfurchtsvoll ausflippten.

Ähnliche Empfänge folgten im National Press Club, Overseas Press Club, bei den Vereinte Nationen und auf Meet the Press.

Nicht ein Zwischenruf von Amerikas hellsten und frechsten Studenten. Nicht eine Widerlegung durch Amerikas Journalisten-Verbände. Nicht ein Kichern oder Stirnrunzeln in Amerikas konfrontativer Presse. Nicht eine hochgezogene Augenbraue unter den hartgekochten Investigativ-Reportern. (Na ja, um in die Instanzen zu marschieren, mußte man früh anfangen, schließlich war die Russische Revolution schon ein paar Jahre her und Jimmy Carter, Bill Clinton oder Barack Obama noch weit weg.)

Also seien wir fair: warum auf Sean Penn herumhacken?

Hier finden Sie den Originalartikel, Sean Penn, Hugo Chavez’s Honored Guest.