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Der KGB-Brief über Ted Kennedy

2012/02/28

Deutschlandpremiere für ein historisches Dokument, unter dem die Medien vor Erschöpfung zusammenbrachen, bevor sie darüber berichteten. Der KGB-Brief über Edward „Ted“ Kennedy.

Dieser Brief wurde 1991 von dem Reporter Tim Sebastian von der Londoner ‚Times’ entdeckt, als die Sowjetunion zum wiederholten Male das Scheitern des Kommunismus vortäuschte und dafür dieses Mal sogar die KGB-Archive öffnete — Besichtigungstouren der Konzentrationslager des kommunistischen Schreckensregimes oder bewegende Bilder über die Freilassung politischer Gefangener gab es leider keine.

Der Brief findet sich als Anlage auf Seite 317 in Paul Kengors Buch ‚The Crusader: Ronald Reagan and the Fall of Communism’ aus dem Jahr 2006.

Besondere Wichtigkeit

Ausschuß zur Staatssicherheit der UdSSR 14.05.1983 No. 1029 Ch/OV

Moskau

Betrifft Senator Kennedys Anfrage an den Generalsekretär der Kommunistischen Partei Genosse J. W. Andropow

Genosse J. W. Andropow

Am 9. und 10. Mai dieses Jahres war Senator Edward Kennedys enger Freund und Vertrauter J. Tunney in Moskau. Der Senator beauftragte Tunney, über vertrauliche Kontakte die folgende Meldung an den Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, J. Andropow, zu übermitteln:

Senator Kennedy ist wie andere vernünftige Menschen sehr besorgt über den aktuellen Stand der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen. Durch die Entwicklung der Ereignisse werden diese Beziehungen, gekoppelt mit dem allgemeinen Zustand der globalen Angelegenheiten, die Situation noch gefährlicher machen. Der Hauptgrund dafür ist Reagans Kriegslust, und seine feste Entschlossenheit, in Westeuropa neue amerikanische atomare Mittelstreckenwaffen zu stationieren.

Laut Kennedy ist die aktuelle Bedrohung auf die Weigerung des Präsidenten zurückzuführen, sich für irgendwelche Modifikationen seiner Politik zu verpflichten. Er fühlt, daß sein inländischer Status wegen der gut publizierten wirtschaftlichen Verbesserungen gestärkt wurde: die Inflation ist stark reduziert worden, und die Produktion steigt wie die allgemeine Geschäftstätigkeit. Aus diesen Gründen werden die Zinsen weiterhin sinken. Das Weiße Haus porträtierte dies in den Medien als „Erfolg der Reaganomics“.

Natürlich ist auf wirtschaftlichem Gebiet nicht alles nach Reagans Plan verlaufen. Einige bekannte Ökonomen und Mitglieder aus Finanzkreisen, insbesondere aus den nordöstlichen Bundesstaaten, sehen bestimmte verborgene Tendenzen voraus, die in den USA eine neue Wirtschaftskrise hervorbringen kann. Dies könnte im Präsidentschaftswahlkampf von 1984 zum Fall führen, wovon die Demokratische Partei profitieren würde. Dennoch gibt es für diese Entwicklung keine sicheren Zusagen.

Die einzigen wirklichen potenziellen Bedrohungen für Reagan sind Probleme, die Krieg und Frieden und die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen betreffen. Diese Fragen werden laut dem Senator ohne Zweifel das Wichtigste im Wahlkampf werden. Die Bewegung, die ein Einfrieren der nuklearen Arsenale beider Länder befürwortet, gewinnt in den Vereinigten Staaten weiterhin an Stärke. Die Bewegung ist auch bereit, Vorbereitungen für ihr anhaltendes Wachstum zu akzeptieren, vor allem von Kennedy. In politischen und einflußreichen Kreisen des Landes, auch innerhalb des Kongresses, gewinnt der Widerstand gegen die wachsenden Militärausgaben an Stärke.

Doch laut Kennedy ist die Opposition gegen Reagan noch sehr schwach. Reagans Gegner sind gespalten und die Präsentationen, die sie machen, sind nicht voll leistungsfähig. Unterdessen ist Reagan in der Lage, jede Propaganda effektiv zu bekämpfen. Um Kritik zu neutralisieren, daß die Gespräche zwischen den USA und der UdSSR unkonstruktiv sind, wird Reagan pompös, aber subjektiv propagandistisch. Zur gleichen Zeit werden sowjetische Vertreter, die über Abrüstung sprechen, aus dem Kontext zitiert, zum Schweigen gebracht oder grundlos und skurril abgewertet. Obwohl die Argumente und Aussagen von Vertretern der UdSSR in der Presse erscheinen, ist es wichtig zu beachten, daß Zeitungen oder Zeitschriften von der Mehrheit der Amerikaner nicht ernsthaft gelesen werden.

Kennedy glaubt, daß, in Anbetracht der gegenwärtigen Lage, und im Interesse des Friedens, es klug und zeitgemäß wäre, die folgenden Schritte gegen Reagans militaristische Politik und seine Kampagne zu unternehmen, um die amerikanische Bevölkerung psychologisch zu belasten. In dieser Hinsicht bietet er dem Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion J. W. Andropow die folgenden Vorschläge an.

1. Kennedy bittet J. W. Andropow zu prüfen, den Senator im Juli dieses Jahres zu einem persönlichen Treffen nach Moskau einzuladen. Der Hauptzweck des Treffens wäre nach dem Senator, die sowjetischen Vertreter bezüglich des Problems der nuklearen Abrüstung mit Erklärungen zu bewaffnen, so daß sie bei Auftritten in den USA besser vorbereitet und überzeugender sein können. Er möchte Sie auch darüber informieren, daß er eine Reise durch Westeuropa geplant hat, wo er damit rechnet, Englands Premierministerin Margaret Thatcher und Frankreichs Präsident Mitterrand zu treffen, wobei er bezüglich des gleichen Problems ähnliche Vorstellungen austauschen wird.

Sollten seine Vorschläge im Grundsatz akzeptiert werden, würde Kennedy seinen Vertreter nach Moskau entsenden, um Fragen bezüglich der Organisation eines solchen Besuchs zu lösen.

Kennedy meint, der Nutzen eines Treffens mit J. W. Andropow wird verbessert, wenn er außerdem einen der bekanntesten Republikanischen Senatoren einladen könnte, zum Beispiel Mark Hatfield. Ein solches Treffen wird auf die amerikanischen und politischen Kreise in den USA einen starken Einfluß haben. (Im März 1982 schlugen Hatfield und Kennedy einen Lösungsentwurf vor, um die nuklearen Arsenale der USA und der UdSSR einzufrieren und veröffentlichten zu diesem Thema auch ein Buch.)

2. Kennedy glaubt, daß es wichtig wäre, im August-September dieses Jahres im Fernsehen übertragene Interviews mit J. W. Andropow in den USA zu organisieren, um die Amerikaner zu beeinflussen. Ein direkter Appell an das amerikanische Volk durch den Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion wird im Land ohne Zweifel ein großes Maß an Aufmerksamkeit und Interesse auf sich ziehen. Der Senator ist überzeugt, dies würde insofern die maximale Resonanz erhalten, da die effektivste Methode an Massenmedien und -information das Fernsehen ist.

Wenn der Vorschlag als würdig anerkannt wird, werden Kennedy und seine Freunde geeignete Schritte veranlassen, damit die Repräsentanten der größten Fernsehanstalten in den USA für die Interviews J. W. Andropow wegen einer Einladung nach Moskau kontaktieren. Insbesondere der Präsident vom Vorstand von ABC Elton Raul und die Fernseh-Journalisten Walter Cronkite oder Barbara Walters könnten Moskau besuchen. Der Senator betonte die Bedeutung, daß diese Initiative als von der amerikanischen Seite kommend gesehen werden sollte.

Mit dem gleichen Ziel vor Augen würden in den USA ferner eine Reihe von Fernseh-Interviews mit niedrigeren Sowjet-Vertretern organisiert werden, insbesondere aus dem Militär. Sie würden außerdem eine Möglichkeit haben, sich wegen den friedlichen Absichten der UdSSR direkt an das amerikanische Volk zu wenden, mit ihren eigenen Argumenten, in militärischer Hinsicht ein echtes Kräftegleichgewicht zwischen der UdSSR und den Vereinigten Staaten zu erhalten. Dieses Problem wird von der Reagan-Administration schnell verzerrt.

Kennedy bat, zu vermitteln, daß dieser Appell an den Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion seine Bemühung darstellt, einen starken Vorschlag beizusteuern, der die Gefahr eines Atomkriegs ausrotten würde, und die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen zu verbessern, so daß sie die Sicherheit der Welt bestimmen. Kennedy ist von den Aktivitäten von J. W. Andropow und anderen sowjetischen Führern, die ihr Bekenntnis ausdrückten, die internationalen Angelegenheiten zu heilen und das gegenseitige Verständnis zwischen den Völkern zu verbessern, sehr beeindruckt.

Der Senator unterstrich, daß er sehnsüchtig auf eine Antwort auf seinen Appell wartet, die Antwort, die möglicherweise Tunney überbringen könnte.

Nachdem er Kennedys Appell an den Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion vermittelte, erklärte Tunney außerdem, daß Senator Kennedy in den letzten Jahren aktiv aufgetreten ist, um die Gefahr eines Krieges zu reduzieren. Weil er sich formell weigerte, am Wahlkampf des Jahres 1984 teilzunehmen, würden seine Reden ohne Vorurteile aufgenommen werden, da sie an kein Wahlversprechen gebunden sind. Tunney bemerkte, daß sich der Senator im Jahr 1988 für das Präsidentenamt bewerben will. Zu dieser Zeit wird er 56 sein und seine persönlichen Probleme, die sein Ansehen hindern könnten, werden beigelegt sein (Kennedy hat gerade eine Scheidung hinter sich und plant, in naher Zukunft wieder zu heiraten). Zusammengenommen läßt Kennedy nicht unberücksichtigt, daß sich die Demokratische Partei während der Wahlkampagne 1984 offiziell an ihn wendet, um den Kampf gegen die Republikaner anzuführen und ihren Präsidentschaftskandidaten zu wählen. Dies würde erklären, warum er überzeugt ist, daß keiner der heutigen Kandidaten eine echte Chance auf einen Sieg über Reagan hat.

Wir warten auf Anweisungen.

Präsident des Komitees V. Tschebrikow

Sie finden den englischen ‚Text of KGB Letter on Senator Ted Kennedy’ auch im Internet.

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