Archive for the ‘Che Guevara’ Category

Was würde Che Guevara mit „Occupy Wall Street“ machen?

2012/07/09

Humberto Fontova über die Kinder der Revolution.

(Anmerkungen in Klammern)

Guevara würde „Occupy Wall Street“ in Nanosekunden beenden. Seine Kollegen erinnern sich an einen jubelnden Che, als die sowjetischen Panzer in den Straßen von Budapest den Protest der ungarischen Freiheitskämpfer niederwalzten. Die Jugendlichen, auf die sie mit Maschinengewehren schossen, waren alle „Faschisten und CIA-Agenten!“, schwärmte er.

„Ich bin ein Stalinist“, rühmte sich Che Guevara 1957 gegenüber dem kubanischen Kollegen Carlos Franqui. Die wehleidige Verurteilung von Stalins Verbrechen in der Rede von Chruschtschow waren nichts weiter als „imperialistische Lügen“. Doch Chruschtschows mutige Entscheidung, im Anschluß daran Panzer und kampferprobte sibirische Truppen zu entsenden, um die ungarischen Demonstranten niederzumetzeln, trug laut Che dazu bei, die Irrlehren seiner Rede zu mildern.

Am 9. Oktober 1967 bekam Ernesto „Che“ Guevara eine große Dosis von seiner eigenen Medizin. Ohne Gerichtsverfahren wurde er zum Mörder erklärt, vor eine Wand gestellt und erschossen. Wenn der Spruch „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“ irgendwo paßt, dann hier.

Vor zwei Jahren interviewte der Guardian Oscar-Preisträger Benicio del Toro über seine Rolle als Che Guevara in Stephen Soderberghs Film „Che“, wofür er in Cannes ausgezeichnet wurde. „Verdammt, dieser Kerl ist cool!“ lautete der Titel des Interviews. „Ich höre von diesem Kerl, und er hat einen coolen Namen, Che Guevara!“, sagt del Toro. „Toller Name, toller Mann, tolle Politik! Ich fand also ein Bild von Che, lächelnd, im Kampfanzug, und ich dachte, ‚Verdammt noch mal, dieser Kerl sieht cool aus!‘“

Da haben wir es. Benicio del Toro zeigt, was Millionen von Che-Fans inspiriert, darunter Hunderte, die derzeit Wall Street „besetzen“ — und wozu sie geistig in der Lage sind.

Als Che-Guevara-verehrender Szenepromi ist del Toro in guter Gesellschaft. Johnny Depp trägt oft ein Che-Kettchen und in einem Interview im Magazin VIBE verkündete er seinen tiefen Respekt für Che Guevara. Wären die Rebellen del Toro und Depp schon früher und in Kuba auf die Welt gekommen, dann wäre ihr tiefer Respekt für Castros Kuba wörtlicher ausgefallen. Sie hätten sich in echten Ketten in einem Knast-Regime wiedergefunden und in tiefem Respekt für ihren Rebell Gräben und Massengräber ausgehoben. Wären sie zu langsam gewesen, dann hätte ihnen ein „cooler“ kommunistischer Schütze vielleicht ihre Zähne mit einem „coolen“ tschechischen Maschinengewehr-Kolben ausgeschlagen oder ihre Pobacken mit einem „coolen“ sowjetischen Bajonett aufgeschlitzt.

Den „Geist der Rebellion“ verurteilte Che Guevara 1961 in einer berühmten Rede als „verwerflich“. Guevara befahl: „Die Jugend hat die undankbare Hinterfragung von staatlichen Aufträgen zu unterlassen. Stattdessen haben sie sich dem Studium, der Arbeit und dem Militärdienst zu widmen, und sollten lernen, als Masse zu denken und zu handeln.“

Der erste, der militanteste, und der verbreitetste Widerstand gegen den Stalinismus, den Ernesto „Che“ Guevara — der oft frech mit „Stalin II“ unterzeichnete — auf Kuba verhängte, kam von den kubanischen Gewerkschaftsorganisationen.

Und wer kann es ihnen verdenken? Die UNESCO (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) beginnt einen Bericht über das Kuba von 1957 folgendermaßen: „Ein Merkmal der sozialen Struktur Kubas ist eine breite Mittelschicht.“ Weiter heißt es:

Kubanische Arbeiter sind gewerkschaftlich stärker organisiert als US-Arbeiter. Im Jahr 1957 ist der Durchschnittslohn für einen 8-Stunden-Tag in Kuba höher als für Arbeitnehmer in Belgien, Dänemark, Frankreich und Deutschland. Kubanische Arbeiter verdienen 66,6 Prozent des Bruttonationaleinkommens. In den USA sind es 70 Prozent, in der Schweiz 64 Prozent. 44 Prozent der Kubaner unterliegen der Sozialgesetzgebung, ein höherer Anteil als in den USA.

Im Jahr 1958 hatte Kuba ein höheres Pro-Kopf-Einkommen als Österreich oder Japan. Kubanische Industriearbeiter hatte die achthöchsten Löhne der Welt. In den 1950er Jahren verdienten kubanische Hafenarbeiter pro Stunde mehr als ihre Kollegen in New Orleans und San Francisco.

Tausende von ihnen griffen gegen Che Guevara zu den Waffen. Die „Revolutionäre Volksbewegung“ („Movimiento Revolucionario del Pueblo“, MRP) war eine dieser kubanischen Widerstandsgruppen, die größtenteils aus Arbeitern bestand. FBI und CIA beschrieben sie folgendermaßen:

Starke Gewichtung der Gewerkschaftsmitgliedschaft, mit sozialistischen Neigungen. Beabsichtigt Castros Sturz von innen; befürwortet Verstaatlichung der Wirtschaft, Agrarreformen, utopische Sozialreformen.

Als Che Guevara Kubas „Industrieminister“ war, verkündete er am 26. Juni 1961 in einer Fernsehansprache: „Die kubanischen Arbeiter müssen sich daran gewöhnen, in einem kollektivistischen Regime zu leben, und sie können auf gar keinen Fall streiken!“

Che Guevara prangerte auch diejenigen an, die „ihren eigenen Weg wählen“ — und etwa die Haare lang wachsen lassen und „Yankee-Imperialistischen“ Rock & Roll hören. Sie wurden als wertlose „Rocker“, „Lumpen“ und „Missetäter“ verunglimpft. In seiner berühmten Rede schwor Che Guevara sogar, „den Individualismus aus Kuba verschwinden zu lassen! Es ist kriminell, von Individuen zu denken!“

Zehntausende kubanische Jugendliche machten die Erfahrung, daß Che Guevaras Ermahnungen mehr als ein leerer Wortschwall wurden. Hunderte von „Beratern“ des sowjetischen KGB und der ostdeutschen Stasi, die Kuba in den frühen 1960er Jahren überfluteten, fanden in Guevara einen äußerst eifrigen Gefolgsmann. Für das Verbrechen eines „Rocker“-Lebens — Blue Jeans, lange Haare, Vorliebe für die Beatles und Stones — oder weibischen Verhaltens beförderte die Geheimpolizei Mitte der 60er Jahre Tausende von Jugendlichen von Kubas Straßen und Parks in Gefängnislager, über deren Toren in fetten Buchstaben „Die Arbeit wird Männer aus euch machen“ prangte und auf deren Wachtürmen MG-Schützen postiert waren. Das Kürzel für diese Lager lautete UMAP (Unidades Militares para la Ayuda de Producción, Militäreinheiten zur Unterstützung der Produktion), nicht GULAG, aber die Bedingungen waren ähnlich.

Das weltgrößte Bild des Mannes, dessen Konterfei so viele Szenemenschen auf ihren T-Shirts tragen, ziert heute das Hauptquartier und die Folterkammern der vom KGB ausgebildeten kubanischen Geheimpolizei. Nichts könnte passender sein.

Einen Tag vor seinem Tod in Bolivien sah sich Che Guevara — zum ersten Mal in seinem Leben — endlich mit etwas konfrontiert, das ein richtiger Kampf genannt werden kann. Also befahl er seinen Guerilla-Posten, kein Pardon zu geben, und bis zum letzten Atemzug und bis zur letzten Kugel zu kämpfen. Während seine Männer genau das taten, was er ihnen befohlen hatte, bis zur letzten Kugel zu kämpfen und zu sterben, schlich sich ein leicht verwundeter Che vom Feuergefecht davon und übergab sich mit voll geladenen Waffen seinen Häschern — wobei er winselte: „Nicht schießen! Ich bin Che und ich bin für euch lebend wertvoller als tot!“ (Obwohl dieses Zitat in der offiziellen, im Suhrkamp-Verlag erschienenen Biografie zu finden ist, hat es der basisdemokratische Informationsdachverband Wikipedia nicht entdeckt.) Seine bolivianischen Verfolger sahen die Sache anders. Am folgenden Tag, dem 9 Oktober 1967, wurde der Gerechtigkeit Genüge getan.

Hier finden Sie den Originalartikel, Occupation of Wall Street—What Would Che Guevara Do?

Che Guevara auf dem iPhone

2012/03/29

Humberto Fontova unterstützt „Guevara“ — die app für Apples iPhone.

Fehlendes iPhone-Zitat: „Nicht schießen! Ich bin Che und ich bin für euch lebend wertvoller als tot!“

Das war klar. Jetzt gibt es Che-Guevara-Zitate für das iPhone.

Viele von uns, die kein Kunde dieses zweifellos hippen Produkts sind, fürchten aber, daß Che Guevaras allerhippste Zitate fehlen werden — darunter die folgenden:

„[I]ch, der eklektische Sezierer von Doktrinen und Psychoanalytiker von Dogmen, werde mit dem Geheul eines Besessenen die Barrikaden oder Schützengräben stürmen, meine Waffe in Blut tauchen und, rasend vor Wut, jeden Besiegten, der mir in die Hände fällt, niedermetzeln. … Schon spüre ich, wie sich meine Nüstern blähen und den bitteren Geruch von Pulver und Blut, von feindlichem Tod einsaugen; schon spannt sich mein Leib, bereit zu dieser Schlacht, und ich mache mein Sein zu einem Tempel, damit in ihm mit neuen Erschütterungen und neuen Hoffnungen das Wolfsgeheul des siegreichen Proletariats widerhallt.“ Aus Che Guevaras eigenem Tagebuch, das 2004 als „Die Reise des jungen Che“ verewigt wurde, wobei Produzent Robert Redford „übersah“, dieses zweifellos dramatische Zitat in seinen Film zu übernehmen.

„Der Haß als Faktor des Kampfes, der unbeugsame Haß dem Feinde gegenüber, der den Menschen über seine physischen Grenzen hinaus antreibt und ihn in eine wirksame, gewaltsame, selektive und kalte Tötungsmaschine verwandelt. … Wir lehnen jede friedliche Annäherung ab. Gewalt ist unvermeidlich. Um den Sozialismus zu verwirklichen, müssen Ströme von Blut fließen! … Der imperialistische Feind muß sich wie ein gehetztes Tier fühlen, wo immer er sich bewegt. So werden wir ihn zerstören! Diese Hyänen (Amerikaner) sind nur für die Ausrottung geeignet. Wir müssen unseren Haß lebendig erhalten, und zu einem Anfall steigern! Der Sieg des Sozialismus ist Millionen von atomaren Opfern wert!“ So sprach die Ikone der Blumenkinder.

„Nicht schießen! Ich bin Che und ich bin für euch lebend wertvoller als tot!“ Die Bitte mit dem aufgesetzten Politikerlächeln wurde am 8. Oktober 1967 in Quebrada de Yuro, Bolivien, gewimmert, als Che seine voll geladen Waffen senkte. Zu dieser Zeit schleppte sich Che mit seinem Guerilla-Befehlshaber Willy durch das Grün und versuchte, sich von einem Feuergefecht davonzumachen, als sie sich zwei bolivianischen Soldaten gegenüber sahen.

Zwei kommunistische Guerilla-Pfeifenköpfe gegen zwei bolivianische Soldaten — und Ches blutrünstiges Getöse war wie weggeblasen. Wie immer, wenn ihm Männer — oder Knaben — gegenüber traten, die sich verteidigen können. Sein Repertoire bestand darin, ihnen aus fünf Fuß Entfernung die Schädel wegzupusten, während sie gefesselt und geknebelt waren. Erstaunlicherweise ließen sich Steven Soderbergh und Benicio del Toro jede Möglichkeit entgehen, ein solches Drama in ihrem jüngsten Film bildlich darzustellen.

„Der Neger ist träge und gibt sein ganzes Geld für Frivolitäten und Alkohol aus, wohingegen der Europäer zukunftsweisend, organisiert und intelligent ist.“

„Was wird unsere Revolution für die Schwarzen tun? Warum, wir werden für die Schwarzen genau das tun, was Schwarze für die kubanische Revolution taten. Damit meine ich: nichts!“

„Der Neger erhielt seine rassische Reinheit durch seine bekannte Gewohnheit, Bäder zu meiden.“ Als ob Che hier mitreden könnte.

„Viva Che!“ brüllte Jesse Jackson, als er sich in Havanna im Jahr 1984 Arm in Arm mit Fidel Castro zeigte.

„Ich bin wie Che mit Glitzerkram!“ singt Rapper Jay Z.

„Die Lösungen für die Probleme der Welt liegen hinter dem Eisernen Vorhang … . Wären die Atomraketen hier geblieben, hätten wir sie auf das Herz der USA gerichtet, sogar auf New York City. Der Sieg des Sozialismus ist Millionen von atomaren Opfern wert!“ Halten Sie auf „Friedens“-Demonstrationen Ausschau nach Che T-Shirts.

„Mexikaner sind ein Haufen von analphabetischen Indianern.“ Man beachte die zahlreichen Che-Banner und T-Shirts auf Mai-Demonstrationen mexikanischer Immigranten.

„Bolivianische Campesinos sind einfach Tiere.“ Man beachte die häufigen Kniefälle des bolivianischen Präsidenten Evo Morales gegenüber dem Geist von Che Guevara und seinem Puppenspieler Fidel Castro.

„Die Jugend hat die undankbare Hinterfragung von staatlichen Aufträgen zu unterlassen. Stattdessen hat sie sich dem Studium, der Arbeit und dem Militärdienst zu widmen, und sollte lernen, als Masse zu denken und zu handeln. Der Geist der Rebellion ist verwerflich.“

„Che ist unser fünftes Bandmitglied!“ sagte Tom Morello von Rage Against the Machine.

Ches ist wahres Vermächtnis ist einfach nur Terror, Mord und wehleidige Feigheit

Che Löwenherz gehört wirklich auf die Universitäten. In der Regel findet man sein Bild aber an den falschen Stellen. Es gehört an die Fachbereiche Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Werbung und vor allem Psychologie. Seine Geschichte und seine Lehren sind faszinierend und wertvoll, aber nur im Licht von Sigmund Freud oder P.T. Barnum. „Jede Minute wird ein Mensch geboren, den man ausnehmen kann“, sagte P.T. Barnum. Ach, wären Sie doch noch am Leben, um das Che-Phänomen zu sehen. In Wirklichkeit werden jede Sekunde 10 geboren.

Che ist ein „Guerilla-Held“, der im wirklichen Leben nie in einen Guerilla-Krieg kämpfte. Als er schließlich kurz einen berührte, wurde er geschlagen und kapitulierte wie ein wehleidiges, wimmerndes Wrack.

Che ist ein kaltblütiger Mörder, der Tausende ohne Gerichtsverfahren hinrichtete, für den gerichtliche Beweise ein „unnötiges bürgerliches Detail“ waren, der betonte, „Revolutionäre müssen kalte, durch puren Haß motivierte Tötungsmaschinen werden“, der monatelang bis zum Morgengrauen aufblieb, um Todesurteile für unschuldige und ehrenhafte Männer zu unterzeichnen, dessen Büro in La Cabana ein Fenster hatte, von dem aus er die Hinrichtungen beobachten konnte — und heute schmücken seine T-Shirts Menschen, die die Todesstrafe ablehnen!

Che ist ein humorloser Abstinenzler, ein altmodischer Bürohengst, ein notorischer Spielverderber — und Sie sehen sein T-Shirt auf MTV! Kompetente Psychologen, falls vorhanden, werden das eines Tages vielleicht erklären.

Che zeichnete sich in einer Sache aus: Massenmord an wehrlosen Männern. Er war ein Stalinist bis ins Mark, ein altmodischer Bürokrat und ein ruhiger, kaltblütiger — aber niemals wirklich kämpfender — Killer. Ches wahres Vermächtnis besteht einfach nur aus Terror, Mord und wehleidiger Feigheit.

Hier finden Sie den Originalartikel, Che Guevara on IPhone.

Sean Penn: Ehrengast von Hugo Chavez

2012/02/24

Humberto Fontova über die Helden der Arbeit Sean Penn, Hugo Chavez, Fidel Castro und Che Guevara.

(Anmerkungen in Klammern)

Sean Penn war letzte Woche Hugo Chavez‘ Ehrengast — wieder einmal — und Hauptredner bei den Abschlußfeiern auf der ‚Salvador Allende Medical School’ in Venezuela. „Gestatten Sie mir eine kleine Anekdote“, strahlte der zweifache Oscar-Gewinner vor dem verzauberten Publikum. „Ich hatte das Privileg, meine Kinder Comandante Fidel Castro vorstellen und, als er sich für ein Foto zwischen sie stellte, sagte ich ihm, ‚Präsident, jetzt werde ich in den USA angeprangert werden, meine Kinder als Sozialrevolutionäre zu erziehen’.“

Worauf Castro antwortete: „Das ist eines der besten Dinge, das ihnen passieren kann.“

Neben seinem Ruhm als Baseballschläger-schwingender Frauen-Prügler gebührt Sean Penn auch der Ruhm als Anwalt gegen die Todesstrafe. Seine Oscar-prämierte Rolle in ‚Dead Man Walking’, wo er einen verurteilten Vergewaltiger und Mörder spielt, der durch eine tödliche Injektion in Louisiana dahinscheidet, scheint einen tiefen Eindruck auf Penn gemacht zu haben.

Im Gegensatz zu Louisianas Strafvollzug benutzte das Vorbild für Penns Kinder jedoch Erschießungskommandos, Zwangsarbeit und Schlägertruppen im Gefängnis, um Tausende von wehrlosen Opfer zu ermorden. Und deren „Überzeugungen“ erklärte Castros Chef-Henker, Che Guevara, einst so: „Juristische Beweise sind ein archaisches bourgeouises Detail. Dies ist eine Revolution! Wir exekutieren aus revolutionärer Überzeugung.“

Castro selbst bestätigte: „Es ist unmöglich, gegen Kriegsverbrecher rechtliche Beweise bereitzustellen. Also bestrafen wir sie basierend auf moralischer Überzeugung.“

Unter diesen „Kriegsverbrechern“ waren Kinder von Landwirten, die jünger waren als Penns Kinder. Carlos Machado war 15 Jahre alt, als im Jahr 1963 eine Salve von Castros Erschießungskommando seinen Körper traf. Sein Zwillingsbruder und Vater gingen nach der gleichen Salve neben Carlos nieder und stürzten in das gleiche Massengrab. Alle hatten sich dem Diebstahl ihres bescheidenen Familienhofes durch Castro und Che widersetzt, alle lehnten Augenbinden ab und alle starben spottend über ihre kommunistischen Mörder, so wie Tausende ihrer tapferen Landsleute.

Diese „moralische Überzeugung“ erlaubte dem Vorbild für Sean Penns Kinder, gemessen am Prozentsatz der Bevölkerung, mehr politische Gefangene ins Gefängnis zu sperren, als Stalin und, bezogen auf eine Bevölkerung von 6,5 Millionen, in seinen ersten drei Jahren an der Macht mehr Menschen zu ermorden, als Hitler in seinen ersten sechs Jahren ermordete, bezogen auf eine Bevölkerung von 65 Millionen.

Die Vertreter einer aufgeklärten Meinung (die vor lauter Illumination im 18. Jahrhundert hängengeblieben zu sein scheinen und wie die Motten vor lauter Erleuchtung auf der Stelle treten), darunter die meisten „liberalen Linken“, „Friedensbewegten“ und „Menschenrechtler“, gähnten entweder oder waren über das Blutbad erfreut. In Bezug auf Letzteres verdient die Juristische Fakultät Harvard (Harvard Law School) besondere Aufmerksamkeit.

Bis April 1959 waren fast tausend Kubaner wie oben beschrieben „verurteilt“ und von Castros und Ches Erschießungskommandos ermordet worden. In Kubas Gefängnissen waren zehnmal mehr politische Gefangene wie während der Herrschaft des „Tyrannen“ Batista. Unter Castros und Che Guevaras Gefangenen waren Hunderte von Frauen, ein stalinistischer Schrecken, der in unserer Hemisphäre völlig unbekannt war, bis er vom „Führer“ eingeführt wurde, über den die Star-Journalistinnen Barbara Walters, Andrea Mitchell und Diane Sawyer ins Schwärmen gerieten. (Werden Journalisten auch in den USA geklont?)

Darüber hinaus wurde die Todesstrafe rückwirkend angewandt — unter dem unsäglichen Batista-Regime existierte sie nicht. Habeas Corpus Gesetze zum Schutz der persönlichen Freiheit wurden abgeschafft. Kubanische Verteidiger, die versuchten, die Angeklagten zu verteidigen, landeten selbst im Gefängnis.

Das geschah, als Fidel Castro eine kriecherische Einladung der Juristischen Fakultät Harvard erhielt, die anfragte, ob er sie mit einer Ansprache beehren würde. Scheint, daß die Studentenschaft ebenso wie der Lehrkörper vom leuchtenden Strafregister der kubanischen Revolution erschlagen wurden. Castro war auf der Stelle einverstanden, sodaß der letzte Auftritt während seiner USA-Reise 1959 in Harvard stattfand.

„Castro Besuch ein voller Erfolg“, titelte am 30. April 1959 das ‚Harvard Law School Forum’. „Das Publikum bekam, was es wollte: die Chance, den kubanischen HELDEN [Hervorhebung Fontova] persönlich zu sehen!“

„Viva Fidel“, brüllten diese glühenden Gegner von Todesstrafe und Doppelbestrafung, als sie ihren Helden erblickten. Obwohl die Menschenmenge, die ihn bewunderte, zu groß war, um in irgendeine Sporthalle (campus arena) zu passen, blieben sie bei Laune, „auch wenn wir Castro nicht von so nahe sehen konnten, wie wir es gewünscht hätten“, wurde ein Teilnehmer zitiert.

Interessanterweise hatte sich Fidel Castro im Jahr 1948 tatsächlich an der Juristischen Fakultät Harvard beworben. Dies wurde von McGeorge Bundy ans Licht gebracht, Harvards Dekan für Kunst und Wissenschaft — der später als JFKs nationaler Sicherheitsberater diente. Weiter im Text des ‚Harvard Law Forum’: „Gefangen in der Ausgelassenheit des Ereignisses, erklärte Harvards Dekan McGeorge Bundy, daß Harvard zur Wiedergutmachung seiner Fehler von 1948 bereit war. ‚Ich habe beschlossen, ihn eintreten zu lassen!’ erklärte Dekan Bundy.“

„Viva Fidel!“ Das Bonmot des Dekans sorgte für stürmischen Beifall wie beim arabischen Frühling. (Ich gestehe — der Frühling kommt im Original nicht vor: brought the house down and shook the very roof.) „Viva Fidel“ brüllte und jubelte die Creme der amerikanischen Jurastudenten — und ihre Lehrerschaft.

Doch nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit mußte ein unabhängiger Denker auftauchen — selbst unter den Studenten und Dozenten von Harvard, die zu Tausenden erschienen waren. Ein solcher Besserwisser brachte die fragwürdigen rechtlichen Verfahren, die den Hunderten von Hinrichtungen in Kuba vorausgegangen waren, zur Sprache.

„Wenn der Beklagte ein Recht auf Berufung hat“, antwortete Castro, „dann hat es auch das Volk! Und vergessen Sie nicht, Kuba hat die einzige Volksrevolution in Lateinamerika hervorgebracht!“

Diese Versammlung der begabtesten verbalen Gladiatoren Amerikas war von Castros brillantem Gegenschlag absolut begeistert. Sie brach über die unanfechtbare Gegenerwiderung des Massenmörders erneut in brüllende Jubelschreie aus. Diese Creme de la Creme der schlauesten Rechnungsführer (ratiocinators) Amerikas fand die stalinistische Logik nicht nur perfekt luftdicht abgesichert sondern in ihrer Genialität geradezu blendend und in ihrem Prinzip der Gerechtigkeit vollkommen fehlerfrei. Ein intellektueller Höllenlärm fegte durch die Halle, als Amerikas genialste und am besten unterrichtete Jura-Studenten — zusammen mit ihren Tutoren — aus Freude über diese Lektion über castroitische Gerechtigkeit aus nächster Nähe ehrfurchtsvoll ausflippten.

Ähnliche Empfänge folgten im National Press Club, Overseas Press Club, bei den Vereinte Nationen und auf Meet the Press.

Nicht ein Zwischenruf von Amerikas hellsten und frechsten Studenten. Nicht eine Widerlegung durch Amerikas Journalisten-Verbände. Nicht ein Kichern oder Stirnrunzeln in Amerikas konfrontativer Presse. Nicht eine hochgezogene Augenbraue unter den hartgekochten Investigativ-Reportern. (Na ja, um in die Instanzen zu marschieren, mußte man früh anfangen, schließlich war die Russische Revolution schon ein paar Jahre her und Jimmy Carter, Bill Clinton oder Barack Obama noch weit weg.)

Also seien wir fair: warum auf Sean Penn herumhacken?

Hier finden Sie den Originalartikel, Sean Penn, Hugo Chavez’s Honored Guest.