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SAUL ALINSKY

2012/02/02

John Perazzo auf DISCOVER THE NETWORKS über den Erfinder der Bürgerinitiative, Stadtteilarbeit und Gemeinwesenentwicklung, in Nebelsprech „Community Organizing“ genannt.

(Folgende Widmung in Saul Alinskys Buch ‚Rules for Radicals‚ hat es nicht in die deutsche Übersetzung ‚Die Stunde der Radikalen‚ geschafft: „Wie könnten wir eine kleine Würdigung des allerersten Radikalen vergessen: Aus all unseren Legenden, Mythen und der Geschichte — und wer weiß genau, wo Mythen enden und die Geschichte beginnt, oder was davon was ist — ist uns der erste Radikale bekannt, der gegen das Establishment rebellierte, und das so erfolgreich, daß er immerhin sein eigenes Königreich erkämpfte — Luzifer.“)

(weitere Anmerkungen in Klammern)

Saul Alinsky

— Legte eine Reihe zielgerichteter Regeln und Taktiken fest, die ordinäre Bürger als ein Mittel zur Erlangung öffentlicher Macht befolgen und einsetzen können

— Schuf einen Plan für Revolutionen unter dem Banner der ’sozialen Veränderung‘ (’social change‘)

— Zwei seiner bekanntesten heutigen Jünger sind Hillary Clinton und Barack Obama.

— Siehe auch: Cloward-Piven Strategy, Industrial Areas Foundation

Saul Alinsky, im Jahre 1909 als Sohn russisch-jüdischer Eltern in Chicago geboren, war ein kommunistischer und marxistischer Sympathiesant, der half, die Taktik der mit der Konfrontation gekoppelten Infiltration zu etablieren, die bei den revolutionären politischen Bewegungen in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahrzehnten im Mittelpunkt steht. Er trat nie der Kommunistischen Partei bei, wurde aber, wie David Horowitz es formuliert, ein Avatar der post-modernen Linken.

Alinsky wird zu Recht als Linker verstanden, sein Vermächtnis ist allerdings mehr methodisch als ideologisch. Er legte eine Reihe zielgerischteter Regeln und Taktiken fest, die ordinäre Bürger als ein Mittel zur Erlangung öffentlicher Macht befolgen und einsetzen können. Sein Motto war: „Was auch immer das gewünschte Ergebnis erzielt, ist das wirksamste Mittel.“

Während der Zeit seines Kriminologiestudiums als Student im Aufbaustudium an der Universität von Chicago freundete sich Alinsky mit Al Capone und dessen Gangstern an. Ryan Lizza, leitender Redakteur von The New Republic, vermittelt einen Einblick in Alinskys Persönlichkeit: „Charmant und egozentrisch pflegte Alinsky Jahrzehnte danach Freunde mit Geschichten aus seinen Mafia-Tagen zu unterhalten — einige wahr, viele verschönert. Er war profan, freimütig und narzißtisch, und stand trotz seines tweedigen, akademischen Aussehens und seiner dicken Hornbrille immer im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.“

Ryan Lizza schreibt:

„Alinsky war von den großen sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen seiner Zeit stark beeinflußt, eine davon stammt von seinen Professoren an der Universität von Chicago: daß die Krankheiten der armen Städter nicht erblich, sondern durch die Umwelt bedingt waren. Diese Idee, daß die Menschen durch die Veränderung ihrer Umgebung ihr Leben verändern könnten, führte ihn dazu, daß er eine obskure sozialwissenschaftliche Phrase — ‚die Gemeinwesenentwicklung‘ (‚the community organization‘) — wählte, und sie, in den Worten von Alinsky-Biograph Sanford Horwitt, in ‚etwas Kontroverseses, Wichtiges, sogar Romantisches‘ umwandelte. Sein Ausgangspunkt war eine Beinahe-Faszination für John L. Lewis, den großen Arbeiterführer und Gründer der (radikalen) Industriearbeitergewerkschaft CIO (Congress of Industrial Organizations). Was wäre, fragte sich Alinsky, wenn die gleiche eigensinnige Taktik der Gewerkschaften auf die Beziehung zwischen Bürgern und öffentlichen Vertretern angewandt werden könnte?“

Nach Abschluß seiner Diplom-Arbeit in der Kriminologie machte sich Alinsky daran, das zu entwickeln, was heute als das ‚Alinsky-Konzept der Massenorganisation für Macht‘ (‚Alinsky concepts of mass organization for power‘) bekannt ist. In den späten 1930er Jahren verdiente er sich einen Ruf als Organisator der Armen, als er die Chicagoer Gegend organisierte, die ‚Back of the Yards‘ genannt wird, eine Industrie- und Wohngegend mit einer ethnischen Nachbarschaft auf der südwestlichen Seite der Stadt, und so genannt, weil sie in der Nähe des Geländes der ehemaligen (Fleischverarbeitungsmetropole) Union Stock Yards liegt; diese Gegend wurde durch Upton Sinclairs Roman ‚The Jungle‘ (‚Der Sumpf‘) aus dem Jahr 1906 berühmt. Im Jahr 1940 gründete Alinsky die IAF (Industrial Areas Foundation), durch die er und seine Mitarbeiter nicht nur in Chicago halfen, Stadtteile zu ‚organisieren‘ (helped ‚organize‘ communities), sondern in den gesamten Vereinigten Staaten. Die IAF ist bis zum heutigen Tag aktiv. Der Hauptsitz liegt in Chicago, Zweigniederlassungen gibt es im District of Columbia, in 21 Bundesstaaten, und je eine in Kanada, Deutschland und dem Vereinigten Königreich. (Die bekannteste deutsche Organisation ist das ‚Deutsche Institut für Community Organizing‚, DICO, unter Leitung des amerikanischen Geistlichen Leo J. Penta aus East Brooklyn.)

In den späten 1960er Jahren würde die Black Power Bewegung Alinsky und seine Organisier-Kreuzzüge aus den Projekten der afroamerikanischen Nachbarschaften verdrängen, so daß ihm keine andere Wahl blieb, als sich auf weiße Stadtteile zu spezialisieren. Zu diesem Zweck gründete er im Jahr 1970 das CAP (Citizens Action Program). Stanley Kurtz schreibt in seinem Buch ‚Der Oberradikale‘ (‚Radical in Chief)‘ aus dem Jahr 2010: „Alinsky war … davon überzeugt, daß eine groß angelegte sozialistische Transformation eine Allianz zwischen der kämpfenden Mittelschicht und den Armen erforderlich machen würde. Der Schlüssel zur radikalen sozialen Veränderung war nach Alinskys Vorstellung, den Zorn der Mittelklasse gegen Amerikas große Konzerne zu richten.“

‚Organisieren‘ ist im Alinsky-Modell ein Euphemismus für ‚Revolution‘ — eine umfassende Revolution, deren oberstes Ziel der systematische Machtgewinn durch einen angeblich unterdrückten Teil der Bevölkerung ist, sowie die radikale Veränderung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Struktur Amerikas. Das Ziel ist, genügend Chaos, moralische Verwirrung und öffentliche Unzufriedenheit zu schüren, um die gesellschaftlichen Umwälzungen einzuleiten, die Marx, Engels und Lenin vorausgesagt hatten — eine Revolution, deren Fußvolk den Status quo als totale Fehlkonstruktion betrachtet und der es nicht wert ist, gerettet zu werden. Laut Theorie werden sich die Menschen also für nichts Geringeres als den völligen Zusammenbruch des Status quo entscheiden — gefolgt durch die Errichtung eines völlig neuen Systems auf dessen Trümmern. Für dieses Ziel werden sie der Führung charismatischer radikaler Organisatoren folgen, die eine visionäre Aura des Vertrauens schaffen, und die eindeutig verstehen, welche gesellschaftlichen ‚Veränderungen‘ notwendig sind.

Alinsky drückte es so aus: „Eine Reformation bedeutet, daß eine Menge Menschen unseres Volkes (masses of our people) den Punkt erreicht haben, an dem sie desillusioniert sind hinsichtlich der bisherigen Wege und Werte (past ways and values). Sie wissen nicht, was funktionieren wird, aber sie wissen, daß das herrschende System selbstzerstörend, frustrierend und hoffnungslos ist. Sie werden sich zwar nicht für Veränderungen einsetzen, aber sie werden sich denjenigen, die es tun, nicht entschieden widersetzen. Die Zeit ist dann reif für eine Revolution.“ [1]

„[W]ir befassen uns damit“, führte Alinsky aus, „Massenorganisationen zu schaffen, um die Macht zu ergreifen und sie dem Volk zu geben; um den demokratischen Traum verwirklichen — Gleichheit, Gerechtigkeit, Frieden, Zusammenarbeit, volle Chancengleichheit auf Bildung, Vollbeschäftigung und nützliche Beschäftigung (useful employment — fehlt in der deutschen Ausgabe ‚Die Stunde der Radikalen), Gesundheit, und die Schaffung von Umständen, unter denen Männer die Möglichkeit haben, nach den Werten zu leben, die dem Leben einen Sinn geben. Wir sprechen über eine massenhafte Machtorganisation (a mass power organization), die die Welt so verändern wird, daß alle Männer und Frauen aufrecht gehen werden, nach dem Motto des Spanischen Bürgerkriegs: ‚Es ist besser auf den Füßen zu sterben, als auf den Knien zu leben.‘ Das bedeutet Revolution“. [2]

Alinskys Revolution zeichnet sich jedoch nicht durch dramatische Transformationen aus, die die gesellschaftlichen Institutionen über Nacht wegfegen. Richard Poe drückt es so aus: „Alinsky sah Revolution als einen langsamen, geduldigen Prozess. Der Trick bestand darin, bestehende Institutionen wie Kirchen, Gewerkschaften und politische Parteien zu durchdringen.“ Er wies die Organisatoren und ihre Schüler an, unter den Entscheidungsträgern dieser Institutionen leise und subtil an Einfluß zu gewinnen, und von dieser Plattform aus die Veränderungen vorzustellen. Das war genau die Taktik der ‚Infiltration‘, die Lenin und Stalin befürworteten. [3] Georgi Dimitroff, der Generalsekretär der Kommunistischen Internationale, riet dem VII. Weltkongreß der Komintern im Jahre 1935:

„Genossen, ihr erinnert euch der alten Sage von der Einnahme Trojas. Troja hatte sich vor dem angreifenden Heer durch unbezwingbare Mauern geschützt. Und das angreifende Heer, das nicht wenig Verluste erlitten hatte, konnte den Sieg nicht erringen, bis es ihm nicht gelang, mit Hilfe des trojanischen Pferdes in das Innere, in das Herz des Feindes einzudringen.“ [4]

Alinskys Revolution versprach, daß die Welt durch die Veränderung der Struktur der gesellschaftlichen Institutionen von Lastern wie Sozialpathologie (socio-pathology) und Kriminalität befreit werden würde. Durch die Argumentation, daß diese Laster nicht durch persönliche Charakterschwächen, sondern durch externe gesellschaftliche Einflüsse verursacht werden, war Alinskys Weltsicht gründlich mit der kollektivistischen Klassenlehre des ökonomischen Determinismus der sozialistischen Linken durchdrungen. „Die Zuneigung des Radikalen für die Menschen wird nicht geringer“, sagte Alinsky, „… wenn sie in Massen zeigen, daß sie zu Grausamkeit, Egoismus, Haß, Gier, Geiz und Untreue fähig sind. Es sind nicht die Menschen, die beurteilt werden müssen, sondern die Umstände, die sie so gemacht haben.“ [5] Der wichtigste von diesen Umständen war seiner Ansicht nach „der diebische Druck einer materialistischen Gesellschaft“. [6]

Um dem Materialismus entgegenzuwirken, befürwortet Alinsky eine sozialistische Alternative. Er beschreibt seinen edlen Radikalen — sprich: ‚Revolutionär‘ — als einen Sozialreformer, der „die Menschenrechte weit über die Eigentumsrechte stellt“; der „universelle, kostenlose öffentliche Bildung“ anstrebt; der „Vollbeschäftigung für die wirtschaftliche Sicherheit“ wünscht, aber auch erklärt, die Aufgaben sollten „so sein, die kreativen Wünsche aller Menschen zu befriedigen“; der überall „die Konservativen bekämpfen wird“; und der „Begünstigung und Macht bekämpfen wird, ob sie vererbt oder erworben sind“ und „ob sie ein politisches oder finanzielles oder organisiertes Credo sind“. [7] Alinsky behauptete, daß Radikale, die sich „hilflos in der stürmischen See des Kapitalismus“ [8] wiederfinden, versuchen „müssen, aus dem Dschungel des Laissez-faire-Kapitalismus in eine Welt zu schreiten, die den Namen der menschlichen Zivilisation verdient“. [9] Er schrieb: „Sie hoffen auf eine Zukunft, in der die Produktionsmittel von allen Menschen besessen werden und nicht nur von vergleichsweise wenigen (a comparative handful)“. [10] Kurz, sie wollten Sozialismus.

1946 schrieb Alinsky ‚Reveille for Radicals‘ (1973 als ‚Leidenschaft für den Nächsten‘ übersetzt), sein erstes großes Buch über die Prinzipien und Taktiken der ‚Gemeinwesenentwicklung‘ (‚Community Organizing‘), die sonst schlicht als Agitation zur Revolution bekannt sind. 1971, fünfundzwanzig Jahre später, verfaßte er die Schrift ‚Rules for Radicals‘ (1974 als ‚Die Stunde der Radikalen‘ übersetzt), die auf seiner früheren Arbeit aufbaute. Seine Schriften und die darin skizzierten Taktiken haben einen großen Einfluß auf alle Bewegungen der letzten Jahrzehnte, die ’soziale Veränderung‘ (’social change‘) und ’soziale Gerechtigkeit‘ (’social justice‘) zum Thema haben.

Alinksys Ziel, das er in ‚Rules for Radicals‘ klar erwähnt, war es „eine Bestandsaufnahme bestimmter Fakten und allgemeiner Konzepte der Veränderung zu präsentieren, ein Schritt hin zu einer Wissenschaft der Revolution“. [11] Der Prinz, erklärt er, „wurde von Macchiavelli für die Habenden (Haves) geschrieben und handelt davon, wie sie an der Macht bleiben. Die Stunde der Radikalen ist für die Nicht-Habenden (Have-Nots) geschrieben und handelt davon, wie man sie wegnimmt“. [12] (Die ‚Haves‘ und ‚Have-Nots‘ übersetzt ‚Die Stunde der Radikalen‘ als ‚Besitzende‘ und ‚Besitzlose‘.)

Wenn Radikale die Vorhut der Bewegung darstellen, die die Macht von den Habenden auf die Nicht-Habenden übertragen sollen, bestand Alinskys erster Auftrag darin, genau zu definieren, was ein Radikaler wäre. Er näherte sich dieser Aufgabe, indem er zunächst zwischen Liberalen und Radikalen unterschied. Alinsky hatte keine Geduld für diejenigen, die er die Liberalen seiner Zeit nannte (the liberals of his day) — Menschen, die zufrieden waren, über die Veränderungen zu reden, die sie wollten, die aber nicht bereit waren, aktiv für diese Veränderungen zu arbeiten. Er favorisierte vielmehr ‚Radikale‘, die zu entschlossenen Taten bereit waren, um die Gesellschaft zu transformieren, selbst wenn diese Transformation nur langsam und schrittweise erreicht werden könnte. Alinsky schrieb:

„Liberale haben vor Macht oder deren Anwendung Angst … Sie reden leichtfertig von Menschen, die sich selbst helfen, aber sie erkennen nicht, daß ohne Macht nichts erreicht werden kann … Radikale führen die sozialen Krise herbei, indem sie handeln — indem sie Macht nutzen. … Liberale protestieren; Radikale rebellieren; Liberale sind empört; Radikale werden tollwütig (become fighting mad) und treten in Aktion. Liberale ändern nicht ihr persönliches Leben[,] und was sie für eine Sache opfern, ist ein kleiner Teil ihres Lebens; Radikale opfern sich für die Sache ganz; Liberale bieten und haben mit Diskussionen mit Worten; Radikale bieten und haben den harten, schmutzigen, verbitterten Lebensstil (way of life).“ [13]

Wenn Radikalismus den Zweck hat, eine gesellschaftliche Umwandlung herbeizuführen, dann muß der Radikale bereit sein, überzeugende Argumente vorzubringen, warum eine solche Veränderung dringend erforderlich ist. Alinskys Überzeugung, daß die amerikanische Gesellschaft gründlich revidiert werden muß, beruhte auf seiner Überzeugung, daß der Status quo für die meisten Menschen unerträglich elend wäre. Alinsky sah die Vereinigten Staaten als eine Nation voller wirtschaftlicher Ungerechtigkeit. „Die Menschen in Amerika leben so, wie sie können“, schrieb er. „Viele von ihnen leiden in Ein-Zimmer-Bruchbuden und ein paar von ihnen leben in Penthäusern. … Die Habenden riechen nach Eau de Toilette, die Nicht-Habenden riechen schlicht nach Toilette.“ [14] Alinsky beklagte das „große Gefälle in Wohlstand, Privilegien, und Möglichkeiten“, die er in Amerika sah, und verurteilte die „materialistischen Werte und Normen“ des Landes. [15] Er schrieb: „Wir wissen, daß man aufhören muß, den Gott des Goldes und das Monster des Materialismus zu verehren.“ [16]

Wie Alinsky die Dinge sah, war ökonomische Ungerechtigkeit keineswegs Amerikas einziges Manko. Er beklagte die „eher konfuse und demoralisierte Ideologie“ der Nation, [17] und identifizierte als unvermeidliche Nebenprodukte des Lebens im kapitalistischen Amerika „Arbeitslosigkeit“, „Verfall“, „Krankheit“, „Verbrechen“, „Mißtrauen“, „Bigotterie“, „Desorganisation“ und „Demoralisierung“. [18] Ein solcher Stand der Dinge machte seiner Ansicht nach das Leben für die Mehrheit der Amerikaner zu nichts weiterem als einer Strapaze. „Am Ende der Woche“, schrieb Alinsky über den durchschnittliche Amerikaner, „kommt er mit einem Gehaltsscheck aus der Hölle der Monotonie und geht nach Hause, in eine zweite Runde der Monotonie. … Am Montagmorgen ist er wieder am Fließband. … Das ist im Großen und Ganzen sein Leben. Eine Routine, in der er verrottet. Die traurigste, düsterste, graueste Aussicht, die man haben kann. Einfach eine Zukunft der völligen Verzweiflung.“ [19] „Die Menschen hungern nach Drama und Abenteuer, nach einem Hauch von Leben in einer tristen, grauen Existenz“, führte er weiter aus. [20] (Die Kunst der sozialrevolutionären Prosa aus ‚Rules for Radicals‘: „People hunger for drama and adventure, for a breath of life in a dreary, drab existence.“ Die Kunst der sozialrevolutionären Prosa aus ‚Die Stunde der Radikalen‘: Die Menschen hungern nach Abenteuer, Spannung und Leben in ihrer öden und eintönigen Existenz.“)

Diese unglückliche Existenz hatte nach Alinsky auf den amerikanischen Charakter einen zutiefst negativen Einfluß. Alinsky hielt die meisten Amerikaner für Menschen, die von ihren Vorurteilen regiert wurden und die für die Mehrheit ihrer Landsleute daher eine starke Antipathie empfanden — vor allem für diejenigen mit einem anderen rassischen, ethnischen oder religiösen Hintergrund. Er schrieb, „die meisten Menschen mögen nur wenige Menschen, und kümmern sich entweder nicht aktiv um die meisten ‚anderen‘ Menschen oder lehnen sie aktiv ab“. [21]

Nachdem er wortreich das Porträt einer durch und durch korrupten und melancholischen amerikanischen Gesellschaft gezeichnet hatte, konnte Alinsky jetzt argumentieren, daß eine Veränderung angezeigt war. Was benötigt wurde, war seiner Ansicht nach eine Revolution, in der Radikale als Vorreiter die Verpflichtung hätten, die „fundamentalen Ursachen“ der Probleme der Nation zu eliminieren, [22] und sich nicht bloß mit den „aktuellen Erscheinungsformen“ [23] oder „Endprodukten“ [24] dieser Probleme zu beschäftigen. Das Ziel des Radikalen, erklärte er, ist „die Zerstörung der Wurzeln aller Ängste und Frustrationen sowie der Unsicherheit des Menschen, ob materiell oder spirituell“; [25] die Säuberung (purge) des Landes von „den großen zerstörerischen Kräften, die die gesamte gesellschaftliche Szene durchdringen“; [26] und die Beseitigung „der zerstörerischen Kräfte, aus denen sich Kriege ergeben“, Kräfte wie „wirtschaftliche Ungerechtigkeit, Unsicherheit, ungleiche Chancen, Vorurteile, Bigotterie, Imperialismus, … und andere nationalistische Neurosen“. [27]

Das Ziel der Befreiung des Landes von den oben genannten Lastern paßt perfekt zu Alinskys Überzeugung, daß alle gesellschaftlichen Probleme miteinander verbunden wären. Wenn Teile der Bevölkerung Alinsky zufolge unter Kriminalität, Arbeitslosigkeit, schlechten Wohnverhältnissen, Unterernährung, Krankheit, Demoralisierung, Rassismus, Diskriminierung oder religiöser Intoleranz leiden, machte es unmöglich Sinn, ein bestimmtes dieser Probleme isoliert zu thematisieren. Sie „sind schlicht Teile des Gesamtbildes“, sagte er. „Sie sind keine getrennten Probleme.“ [28]

„[A]lle Probleme stehen in Beziehung zueinander und sie sind alle Nachkommen von bestimmten fundamentalen Ursachen“, erklärte Alinsky. [29] „Viele anscheinend lokale Probleme sind in Wirklichkeit bösartige Mikrokosmen aus Konflikten, Druck, Streß und Belastungen durch die gesamte soziale Ordnung.“ [30] Alinsky folgerte, daß „ultimativer Erfolg bei der Bezwingung dieser Übel (evils) nur durch den Sieg über alle Übel erreicht werden kann“. [31] Mit anderen Worten, was man brauchte, war eine von Radikalen angeführte Revolution, um die Gesellschaft buchstäblich auf den Kopf zu stellen und ihr Innenleben nach Außen zu kehren.

Alinsky plante dann die Methode, durch die Radikale dieses Ziel erreichen könnten, indem er eine Vielzahl von „Volks-Organisationen“ („People’s Organizations“) schuf — von denen jede ihren ganz eigenen Namen und Auftrag hat, und von denen jede „im Sinne sozialer operativer Eingriffe und nicht kosmetischer Verschleierungen denkt und handelt“. [32]

Diese Volks-Organisationen setzten sich weitgehend aus unzufriedenen Individuen zusammen, die glaubten, daß die Gesellschaft voller Ungerechtigkeiten war, die sie davon abhielten, in der Lage zu sein, zufriedenstellende Leben zu leben. Alinsky riet dazu an, daß solche Organisationen nicht von außen in eine nachbarschaftliche Gemeinde (community) importiert werden sollten, sondern personalmäßig vielmehr mit Einheimischen ausgestattet werden sollten, die — unter Anleitung ausgebildeter radikaler Organisatoren — ihre eigenen Ziele aufstellen konnten. [33]

Die Volks-Organisationen mit lokalen Führern als Spitzenfunktionäre zu besetzen, half, den Organisationen in den Augen der nachbarschaftlichen Gemeinde Glaubwürdigkeit und Authentizität zu verleihen. Diese Taktik entsprach der langjährigen Strategie, die von der Kommunistischen Partei bei der Schaffung von Fassadenorganisationen angewandt wurde, die angeblich von nicht-kommunistischen Sympathisanten geführt wurden, die aber in Wirklichkeit durch die Parteimitglieder hinter den Kulissen gesteuert wurden. Wie J. Edgar Hoover 1958 in seinem Buch ‚Masters of Deceit‘ erklärte: „Ein bekanntes Parteimitglied zum Präsidenten einer Fassadenorganisation zu machen, würde sie sofort als ‚kommunistisch‘ kennzeichnen. Wenn aber ein Sympathisant eingesetzt werden kann, vor allem ein Mann von Bedeutung, beispielsweise ein Erzieher, Pfarrer oder Wissenschaftler, kann die Gruppe als ‚unabhängige‘ Organisation operieren.“ [34]

Alinsky lehrte, daß die erste Aufgabe des Organisators darin bestand, den Menschen das Gefühl zu geben, daß sie klug genug waren, um ihre eigenen Probleme zu diagnostizieren, ihre eigene Lösungen zu finden und ihr eigenes Schicksal zu bestimmen. Alinsky schrieb, der Organisator muß sich die Tatsache zunutze machen, daß „Millionen von Menschen tief in ihrem Herzen fühlen, daß es für sie keinen Platz gibt — daß sie nicht ‚zählen'“. [35] Um diesen Zustand effektiv zu nutzen, erklärte Alinsky, muß der Organisator Techniken einsetzen, wie die kunstvolle Anwendung von „Fangfragen (loaded questions), die geschaffen sind, um besondere Reaktionen auszulösen und die Entscheidungsprozesse der Organisation in der Richtung zu steuern, die der Organisator bevorzugt. [36]

„Ist das Manipulation?“, fragte Alinsky. „Sicherlich“, antwortete er sofort. [37] Aber es war Manipulation zugunsten eines wünschenswerten Ziels: „Wenn der gemeine Mann eine Chance hätte, zu spüren, daß er seine eigenen Anstrengungen steuern könnte … daß es zu einem gewissen Grad ein Schicksal gab, für das er etwas tun könnte, daß es einen Traum gab, für den er weiter kämpfen könnte, dann wären die Lebensbedingungen lebenswert (life would be wonderful living).“ [38] Diese neue Vitalität des Geistes könnte der gemeine Mann laut Alinskys Rechnung durch seine Mitgliedschaft und aktive Mitarbeit in der Volks-Organisation erlangen.

Die Rolle des Organisators, oder Meister-Manipulators, dessen Führung dafür verantwortlich war, die Agenda der Volks-Organisation festzulegen, erachtete Alinsky als äußerst wichtig. „Der Organisator“, schrieb Alinsky, „greift im eigentlichen Sinne nach der höchsten Stufe, die der Mensch erreichen kann — zu erschaffen, ein ‚großer Schöpfer‘ zu sein, Gott zu spielen“. [39] (Der Absatz aus ‚Rules for Radicals‘: „The ego of the organizer is stronger and more monumental than the ego of the leader. The leader is driven by the desire for power, while the organizer is driven by the desire to create. The organizer is in a true sense reaching for the highest level of which many can reach — to create, to be a ‚great creator,‘ to play God.“ Der Absatz aus ‚Die Stunde der Radikalen‘: „Das Ego eines Praxisberaters ist stärker ausgeprägt als das einer Führerpersönlichkeit. Die Führerpersönlichkeit wird vom Willen zur Macht angetrieben, während der Praxisberater den Wunsch hat, etwas zu schaffen. Er strebt damit die höchste Stufe an, die der Mensch erreichen kann — das Schöpferische, das Kreative und damit das Gottgleiche.“)

Alinsky stellte eine Reihe von Grundprinzipien auf, um die Handlungen und Entscheidungen der radikalen Organisatoren und der Volks-Organisationen, die sie gründeten, zu führen. Der Organisator, sagte er, „muß zuerst die Ressentiments der Bevölkerung wundreiben (rub raw); die latenten Feindseligkeiten bis zu dem Punkt anfachen, an dem sie offen ausgesprochen werden. Er muß Kontroversen und Probleme ausfindig machen, anstatt sie zu vermeiden, denn solange es keine Kontroverse gibt, sind die Menschen nicht ausreichend beunruhigt, um zu handeln“. [40] Er fügte hinzu, die Funktion des Organisators wäre es, „bis zum Punkt des Konflikts“ zu agitieren [41] und „das Establishment zu manövrieren und zu ködern, so daß es ihn öffentlich als einen ‚gefährlichen Feind‘ angreifen wird“. [42] Alinsky erklärte: „Das Wort ‚Feind‘ reicht aus, um den Organisator auf die Seite des Volkes zu stellen“; das heißt, um die Mitglieder der nachbarschaftlichen Gemeinde (community) zu überzeugen, daß er so darauf erpicht ist, Fürsprache anzubieten, daß er sich bereitwillig der Verurteilung und Verspottung aussetzt. [43]

Mit den Menschen solidarisch zu sein, reicht dem Organisator aber nicht aus. Alinsky erklärte, er muß auch die Einheit gegen einen klar erkennbaren Feind kultivieren; dieser Feind muß speziell benannt werden, als Ziel „ausgesondert“ werden („singled out“) [44], um für irgendein „einzelnes Übel“ („for any particular evil“) verantwortlich gemacht werden, das die Quelle der Angst der Menschen darstellt. [45] Mit anderen Worten: die Unzufriedenheit des Volkes muß mit einem Gesicht verbunden sein. Das Gesicht, lehrte Alinsky, „muß eine Personifikation sein, nicht etwas Allgemeines und Abstraktes wie eine Kapitalgesellschaft oder ein Rathaus“. [46] Vielmehr sollte es eine Einzelperson sein, wie zum Beispiel ein Firmenchef, ein Bürgermeister oder ein Präsident.

Alinsky faßte es so zusammen: „Wählen Sie das Ziel, stellen Sie es, personifizieren Sie es, und polarisieren Sie es. … [E]s macht keinen Sinn, Taktiken einzusetzen, außer, man hat ein Ziel, auf das sich die Angriffe konzentrieren“. [47] Er behauptete, daß der Organisator die Aufgabe hat, auf das Gesicht des Feindes in den Herzen der Menschen eine tiefe negative emotionale Reaktion zu kultivieren. „Der Organisator, der die Bedeutung der persönlichen Identifikation vergißt“, erklärte Alinsky, „wird versuchen, alle Einwände auf der Grundlage von Logik und Verdienst zu beantworten. Bis auf wenige Ausnahmen ist dies ein aussichtsloses Verfahren“. [48] (Der erste Satz laut ‚Rules for Radicals‘: „The thirteenth rule: Pick the target, freeze it, personalize it, and polarize it.“ Der erste Satz laut ‚Die Stunde der Radikalen‘: „Die zwölfte Regel lautet: Suche dir eine Zielscheibe, personalisiere sie und schieß dich auf sie ein.“ In ‚Die Stunde der Radikalen‘ fehlt an dieser Stelle eine Regel aus ‚Rules for Radicals‘: „The twelfth rule: The price of a successful attack is a constructive alternative. You cannot risk being trapped by the enemy in his sudden agreement with your demand and saying ‚You’re right‘ we don’t know what to do about this issue. Now you tell us.'“)

Alinsky wies die Organisatoren auch an, ihre Aufmerksamkeit auf eine kleine Anzahl von ausgewählten strategischen Zielen zu konzentrieren. Die Leidenschaften (passions) einer Organisation zu dünn aufzutragen, warnte er, wäre ein Rezept für einen sicheren Mißerfolg. [49] (Der Ausdruck ‚passion‘ bzw. ‚passions‘ findet sich in ‚Rules for Radicals‘ insgesamt 6 bzw. 3 mal.)

Alinsky riet dem radikalen Aktivisten, die Versuchung zu meiden, einzuräumen, daß sein Gegner nicht „100 Prozent Teufel“ („100 per cent devil“) wäre oder daß er einige bewundernswerte Qualitäten besäße, wie zum Beispiel „ein guter Kirchgänger zu sein, großzügig bei wohltätigen Zwecken, und ein guter Ehemann“. Alinsky erklärte, solche qualifizierenden Bemerkungen „schwächen den Einschlag des Angriffs“ und laufen auf pure „politische Dummheit“ hinaus. [50] (Den Ausdruck ‚devil‘ bzw. devils‘ gibt es in ‚Rules for Radicals‘ insgesamt 7 bzw. 2 mal — ein ‚Devil‘ muß aber als Zitat von Churchill abgezogen werden.)

Alinsky betonte für die Organisatoren die Notwendigkeit, ihre Anhänger zu überzeugen, daß die Kluft zwischen dem Feind und den Mitgliedern der Volks-Organisation groß und unüberbrückbar war. „Bevor die Menschen handeln können“, erklärte er, „muß ein Thema polarisiert werden. Die Menschen werden handeln, wenn sie davon überzeugt sind, daß ihre Sache zu 100 Prozent auf der Seite der Engel ist, und daß die Opposition zu 100 Prozent auf der Seite des Teufels ist“. [51] Alinsky riet zu diesem Vorgehen, obwohl er gut verstand, daß der Organisator „weiß, daß es in Wahrheit nur ein 10 Prozent Unterschied ist, wenn der andere Teil zu Verhandlungen bereit ist“. [52] Doch in Alinskys Modell der sozialen Kriegsführung heiligt der Zweck — in diesem Fall der Transfer von Macht — praktisch was auch immer an Mitteln erforderlich ist — in diesem Fall, zu lügen. [53]

Gewinnen war alles, was in Alinskys strategischem Kalkül zählte: „Die Moral von einem Mittel hängt davon ab, ob das Mittel in einer Zeit der bevorstehenden Niederlage oder des bevorstehenden Sieges eingesetzt wird.“ [54] „Der Mann der Tat … denkt nur an seine eigentlichen Ressourcen und an die verschiedenen Möglichkeiten des Handelns“, fügte Alinsky hinzu. „Er fragt nur, ob sie machbar sind und ob sich die Kosten lohnen; nur, ob die Mittel funktionieren werden.“ [55] Für Alinsky war alle Moral relativ: „Das Urteil über die Ethik der Mittel ist abhängig von der politischen Position derjenigen, die das Urteil treffen.“ [56]

(Der komplette Absatz aus ‚Die Stunde der Radikalen‘: „Die zweite Faustregel besagt, daß die Beurteilung der ethischen Prinzipien von Mittel und Zweck von dem politischen Standort der Beurteilenden abhängt: Sich dem im Untergrund operierenden Widerstand gegen die Nazis anzuschließen, hieß Mord, Terror, Zerstörung von Eigentum, Bombenlegen, Entführung und die Bereitschaft zur Opferung unschuldiger Geiseln als politische Mittel zu akzeptieren, um die Niederlage der Nazis als Ziel zu erreichen. Unter den Nazi-Gegenern wurde der Widerstand als eine geheime Armee selbstloser, patriotischer Idealisten angesehen, die jederzeit bereit waren, in äußerster Tapferkeit ihr Leben ihrer sittlichen Überzeugung zu opfern. Für die nationalsozialistische Besatzungsmacht waren sie gesetzlose Terroristen, Mörder, Saboteure und Totschläger, für die der Zweck die Mittel heiligte und die in unsittlicher Weise die mystischen Regeln des Krieges verletzten. Jede feindliche Besatzungsmacht würde den Gegner auf diese Art moralisch richten. In einem solchen Konflikt gelten für keine Partei irgendwelche Werte außer dem Sieg. Es geht um Leben und Tod.“ Klingt zwar, als würde mein alter Sozialkunde-Lehrer sprechen, erklärt aber die Saat der Gewaltbereitschaft, die daraus hervorging und weiter hervorgeht, wobei PR-technisch natürlich behauptet wird, daß niemals unschuldige Geiseln geopfert werden dürfen.)

Da der Feind als die Verkörperung des Bösen dargestellt werden mußte, gegen den sämtliche Methoden erlaubt waren, lehrte Alinsky, daß ein effektiver Organisator sich niemals den Anschein geben sollte, als Folge, einen bestimmten Konflikt über einen Kompromiß gelöst zu haben, voll zufrieden zu sein. Jeder Kompromiß mit dem „Teufel“ ist per definitionem moralisch verdorben und damit unangemessen. Während der Organisator bestätigen mag, daß er über den Kompromiß als einen kleinen Schritt in die richtige Richtung erfreut ist, muß er infolgedessen unmißverständlich klar machen, daß es noch ein langer Weg ist, und daß viele Beschwerden (grievances) noch unangesprochen bleiben. Das ultimative Ziel besteht laut Alinsky nicht darin, zu einem Kompromiß oder einer friedlichen Koexistenz zu gelangen, sondern vielmehr, „die Opposition zu zerquetschen“ (crush), Stück für Stück. [57] „Eine Volks-Organisation ist zum ewigen Krieg (eternal war) bestimmt“, erklärte Alinsky. „… Ein Krieg ist keine intellektuelle Debatte, und im Krieg gegen soziale Übel gibt es keine fairen Regeln. … Krieg zu haben bedeutet, daß sich keine der beiden Seiten auf irgendetwas einigen kann …. In unserem Krieg gegen die sozialen Bedrohungen der Menschheit kann es keine Kompromisse geben. Es heißt Leben oder Tod.“ [58]

Alinsky warnte den Organisator, sich vor der Möglichkeit zu hüten, daß der Feind ihm „eine konstruktive Alternative“ anbieten könnte, um eine Lösung des Konflikts anzustreben: „Man darf nicht riskieren, durch den Feind in seiner plötzlichen Übereinkunft mit der Forderung gefangen zu werden und zu sagen: ‚Sie haben Recht — wir wissen nicht, was bezüglich dieser Frage zu tun ist. Jetzt erklären Sie es uns'“. [59] Eine durch den Feind herbeigeführte Kapitulation würde den Effekt haben, die gerechte Empörung der Volks-Organisation, deren bloße Identität untrennbar mit dem Kampf für die lang verweigerte Gerechtigkeit verwoben ist, zu diffundieren; das heißt, der Kampf und die Identität der Organisation sind synonym. Wenn der wahrgenommene Unterdrücker in dem Bemühen, den Konflikt zu beenden, aufgibt oder eine Hand der Freundschaft reicht, wird der Kreuzzug der Volks-Organisation gefährdet. Dies kann nicht zugelassen werden. Ewiger Krieg darf per definitionem niemals enden.

Während Alinsky Rücksichtslosigkeit im Krieg gegen den Feind befürwortete, war er sich doch bewußt, daß es bestimmte Ansätze gab, die eher die Herzen und Köpfe der Menschen gewinnen, deren Unterstützung für den ultimativen Sieg der Organisatoren von entscheidender Bedeutung war. Er lehrte, daß der Organisator und seine Volks-Organisation vor allem den Mittelstand zum Ziel für ihre Botschaft machen müssen, um erfolgreich zu sein. „Die Menschheit“, so Alinsky, „war und ist in drei Teile gegliedert: die Habenden, die Nicht-Habenden, und die Wenig-Habenden-Mehr-Wollenden (the Haves, the Have-Nots, and the Have-a-Little, Want Mores)“. [60] (In ‚Die Stunde der Radikalen‘ heißt es ‚in die Besitzenden, die Satten, in die Besitzlosen oder Habenichtse und jene, die wenig besitzen, jedoch mehr haben wollen‘.) Er erklärte, daß die Wenig-Habenden-Mehr-Wollenden — das heißt die Mittelschicht — in Amerika am zahlreichsten sind und daher von größter Wichtigkeit. [61] Alinsky erklärte: „Hin- und hergerissen zwischen der Aufrechterhaltung des Status quo, um das Wenige, das sie haben, zu schützen, aber dennoch nach Veränderung suchend (wanting change), damit sie mehr bekommen können, werden sie [die Mitglieder der Mittelschicht] zu gespaltenen Persönlichkeiten … Thermopolitisch (thermopolitically) sind sie lau und in der Trägheit verwurzelt. In der westlichen Gesellschaft und besonders in den Vereinigten Staaten stellen sie heute die Mehrheit unserer Bevölkerung dar.“ [62]

Alinsky betonte, daß sich die Organisatoren und ihre Anhänger, wenn sie ihren besonderen Kreuzzug für „Wandel“ zum ersten Mal enthüllen, in Acht nehmen müssen, die Mittelklasse nicht vor den Kopf zu stoßen (not to alienate) — durch jegliche Art von roher Sprache, trotziger Haltung oder bedrohlicher Aufmachung, die Radikalismus oder eine Mißachtung der Sitten und Traditionen der Mittelklasse erkennen läßt. Aus diesem Grund mochte er die Hippies und Gegenkultur-Aktivisten der 1960er Jahre nicht. Richard Poe drückt es so aus: „Alinsky schimpfte über die Sechziger-Jahre-Linken, weil sie potentielle Konvertiten in Mittelamerika vergraulten. Wahre Revolutionäre stellen ihre Radikalität nicht zur Schau, lehrte Alinsky. Sie schneiden sich die Haare, tragen Anzüge und infiltrieren das System von innen.“

In seinem Buch ‚Der Ober-Radikale‘ (‚Radical in Chief‘), beschreibt Stanley Kurtz Alinsky als „eine Kreuzung zwischen einem demokratischen Sozialisten und einem kommunistischen Mitläufer“. Alinsky vermied jedoch sorgfältig, auf diese Tatsache irgendwelche Aufmerksamkeit zu lenken. Kurtz schreibt:

„Er war intelligent genug, um die marxistische Sprache in der Öffentlichkeit zu vermeiden. … Anstatt zum Sturz der Bourgeoisie aufzurufen, reden Alinsky und seine Anhänger davon, die ‚Macht herauszufordern‘ (‚confronting power‘). Anstatt die sozialistische Revolution zu befürworten, fordern sie ‚radikale soziale Veränderung‘. Anstatt Angriffe auf Kapitalisten zu fordern, verfolgen sie ‚Ziele‘ oder ‚Feinde‘.“

Während Alinskys ultimatives Ziel nichts Geringeres als die „Radikalisierung des Mittelschicht“ war, betonte er die Bedeutung, zu „lernen, die Sprache derer zu sprechen, mit denen man versucht, sich zu unterhalten“. [63] „Die Taktik muß mit der Erfahrung der Mittelschicht beginnen, deren Aversion gegen Grobheit, Vulgarität und Konflikte zu akzeptieren. Gehen Sie sie gemütlich an, vergraulen Sie sie nicht.“ [64] (Der Doppelsatz aus ‚Rules for Radicals‘: Tactics must begin within the experience of the middle class, accepting their aversion to rudeness, vulgarity, and conflict. Start them easy, don’t scare them off.“ Der Doppelsatz aus‘ Die Stunde der Radikalen‘: „Die Strategien müssen dem Charakter der Mittelklasse genau entsprechen und ihren Aversionen gegen das Gemeine und Konfliktgeladene Rechnung tragen. Man darf da nichts überstürzen.“)

Um die Mittelschicht anzusprechen, erklärte Alinsky weiter, „müssen die Ziele in allgemeinen Begriffen formuliert werden, wie: ‚Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit‘; ‚Zum Wohle der Allgemeinheit‘; ‚Das allgemeine Streben nach Glück‘ oder ‚Brot und Frieden‘.“ [65] (Heute würde es wohl heißen: ‚Soziale Gerechtigkei‘, ‚Die Würde des Menschen‘ oder ‚Frieden‘.) Er machte zum Beispiel den Vorschlag, daß ein effektiver Organisator „entdeckt, wie sie [die Mittelschicht] Polizei definiert, und wie sie spricht — [und] er verwirft die Rhetorik, die [in Bezug auf die Polizei] immer ‚Bulle‘ (‚pig‘) sagt. Statt feindlicher Ablehnung sucht er eine Brücke der Kommunikation und der Einheit über die Gräben … . Mit strategischer Sensibilität betrachtet er die Natur des Verhaltens der Mittelschicht, mit ihren Macken und Komplexen (hang-ups) gegenüber unhöflichem Verhalten oder aggressiven, beleidigenden oder profanen Handlungen. All dies und mehr muß verstanden und genutzt werden, um Teile der Mittelschicht zu radikalisieren.“ [66]

Ein verwandtes Prinzip, das Alinsky lehrte, war, daß radikale Organisatoren nicht nur die Sprache der Mittelschicht sprechen müssen, sondern daß sie auch ihre Kreuzzüge in die Gewänder der Moral kleiden müssen. „Moralische Rationalisierung“, erklärte er, „ist für alle Maßnahmen unverzichtbar, egal ob die Wahl oder ab der Gebrauch von Zwecken oder Mitteln geheiligt wird.“ [67] „Alle großen Führer“, fügte er hinzu, „machten ‚moralische Prinzipien‘ geltend, um das nackte Eigeninteresse zu verhüllen — in den Gewändern von ‚Freiheit‘, ‚Gleichheit der Menschen‘, ‚einem höheren Gesetz‘ (‚a law higher than man-made law‘ in ‚Rules for Radicals‘ bzw. ‚universaler Gerechtigkeit‘ in ‚Die Stunde der Radikalen‘), und so weiter“. Kurz gesagt: „Für alle effektiven Aktionen ist der Passierschein (pass) der Moral erforderlich.“ [68]

Doch Alinsky war sich einer Kehrseite seiner Strategie bewußt, in der schmackhaften Sprache der Mittelschicht und dem beruhigenden Jargon der Moral zu sprechen. Er sagte, daß die Organisatoren — zum Wohle der moralischen Prinzipien, in deren Namen sie angeblich handeln — völlig unberechenbar und unverwechselbar bereit sein müssen, zu beobachten, wie die Gesellschaft in Chaos und Anarchie versinkt. Er erklärte, daß sie darauf vorbereitet sein müssen, wenn nötig „einen Zustand völliger Verwirrung zu wählen und [ihren] Widersacher (opponent) in den gleichen Strudel der Verwirrung zu ziehen“. [69]

Ein Weg, auf dem die Organisatoren und ihre Schüler ihre Bereitschaft für diese Möglichkeit verbreiten können, ist die Inszenierung massiver, lauter, herausfordernder Protestkundgebungen, die ihre tiefe Wut und Unzufriedenheit über die eine oder andere Ungerechtigkeit zum Ausdruck bringt. Solche Demonstrationen können Zuschauern den Eindruck vermitteln, daß sich eine Massenbewegung darauf vorbereitet, einen Gang höher zu schalten, und daß ihre gegenwärtige — ohnehin schon beeindruckende — Größe nur einen Bruchteil dessen beträgt, was letztlich aus ihr entstehen wird. „Der Eindruck einer Masse“, erklärte Alinsky, „kann dauerhaft und einschüchternd sein. [70 als Quellenangabe falsch] … Macht ist nicht nur das, was man hat, sondern das, was man nach Meinung des Feindes (enemy) hat“. [70] „Die Bedrohung“, fügte er hinzu, „ist in der Regel noch furchteinflößender als die Sache selbst“. [71] „Wenn Ihre Organisation zahlenmäßig klein ist“, erklärte Alinsky, “ … lassen Sie die Zahl der Mitglieder im Dunkeln, aber veranstalten Sie ein solches Gedröhne und Geschrei, daß die Zuhörer glauben, daß die Zahl Ihrer Organisation viel größer ist, als es der Fall ist.“ [72]

„Wo immer möglich,“ riet Alinsky, „suchen Sie die Erfahrung des Gegners von außen. Hier wollen Sie Verwirrung, Angst und den Rückzug auslösen.“ [73] Marschierende Mobs aus Demonstranten mit Sprechchören erreichen dieses Ziel. Die Reaktion des durchschnittlichen Beobachters auf ein solches Schauspiel (display) ist doppelter Natur: Erstens hat er Angst. Doch er erinnert auch an die bürgerlichen Ideale und Moralvorstellungen der Mittelschicht, die der Organisator ursprünglich zum Ausdruck brachte. Auf diese Weise versichert er sich, daß die Volks-Organisation aus vernünftigen Menschen besteht, die eigentlich Werte vertreten, die seinen ähneln und die Beschlüsse anstreben, die beiden Seiten Vorteile bringen werden. Dieser Denkprozeß veranlaßt ihn, Schuldeingeständnisse und Entgegenkommen anzubieten — in der Hoffnung, den wütenden Mob zu beschwichtigen –, die der Organisator wiederum ausnutzt, um noch größeren moralischen Einfluß zu gewinnen und um weitere Zugeständnisse zu erpressen.

Handlungen waren nach Alinskys Ansicht häufiger der Auslöser für revolutionären Eifer als umgekehrt. Er erachtete es für den Organisator als wichtig, die Menschen erst zu Handlungen zu bewegen — zum Beispiel zur Teilnahme an einer Demonstration — und ihre Handlungen später zu rationalisieren. „Kriegen Sie sie erst dazu, in die richtige Richtung zu gehen“, sagte Alinsky. „Später werden sie es sich selbst erklären, warum sie in diese Richtung gingen.“ [74]

Zu den wichtigsten Grundsätzen von Alinskys Methode zählen die folgenden:

— „Sorgen Sie dafür, daß die Feinde nach ihrem eigenen Regelwerk (book of rules) leben. Sie können sie damit töten (kill), denn sie können ihren Regeln nicht gerechter werden als die christliche Kirche dem Christentum gerecht werden kann.“ [75]

— „Keine Organisation, die organisierte Religion eingeschlossen, kann den Schriften im eigenen Buch gerecht werden. Sie können sie mit ihrem eigenen ‚Buch‘ aus Regeln und Vorschriften erschlagen (club them to death).“ [76]

— „Praktisch alle Menschen leben in einer Welt der Widersprüche. Sie haben sich einer Moral verschrieben, die sie nicht praktizieren. … Dieses Dilemma kann und soll vom Organisator durch die Beteiligung von Individuen und Gruppen in einer Volks-Organisation vollständig genutzt werden. Dies ist selbst für die materialistischste Person eine definitive Achillesferse. Gefangen in der Falle seiner eigenen Widersprüche, wird es diese Person schwierig finden, sowohl dem Organisator als auch sich selbst befriedigende Gründe vorzubringen, warum er der Organisation nicht beitreten und darin mitmachen sollte. Er wird entweder zur Teilnahme getrieben werden oder aber zu einem öffentlichen und privaten Zugeständnis seines eigenen Mangels an Vertrauen in die Demokratie und den Menschen.“ [77]

Alinsky lehrte, daß die Organisatoren — um sich am effektivsten als Verteidiger der moralischen Prinzipien und des menschlichen Anstandes darzustellen — mit „Erschütterung, Entsetzen und moralischer Entrüstung“ reagieren müssen, wenn ihr anvisierter Feind sein „Regelwerk“ auf irgendeine Weise falsch aufsagt oder ihm nicht gerecht wird. [78]

Darüber hinaus muß der Organisator seinen Feind laut Alinsky wann immer möglich verspotten und ihn als jemanden ablehnen, der es nicht wert ist, ernst genommen zu werden, weil es ihm entweder an Intellekt mangelt oder weil er moralisch bankrott ist. „Der Feind richtig angestachelt und in seiner Reaktion richtig geführt, das wird Ihre größte Stärke sein“, erklärte Alinsky. [79] Organisatoren sollen, so sein Rat, „über den Feind lachen“, um „eine irrationale Wut“ zu provozieren. [80] „Spott“, erklärte Alinsky, „ist die mächtigste Waffe des Menschen. Es ist im Gegenzug fast unmöglich, Spott anzugreifen. Außerdem ärgert es den Gegenspieler, der dann zu Ihrem Vorteil reagiert“. [81]

Alinsky zufolge war es wichtig, daß sich die Organisatoren auf mehrere Kreuzzüge und mehrere Ansätze konzentrieren. „Eine Taktik, die sich zu lange hinzieht wird ein Langweiler (becomes a drag)“, schrieb er. „Der Mensch kann ein militantes Interesse an einem Thema nur für eine begrenzte Zeit aufrecht erhalten … Es entwickeln sich immer neue Aspekte und Krisen …“ [82] „Halten Sie den Druck mit unterschiedlichen Taktiken und Aktionen aufrecht“, fuhr er fort, „und nutzen Sie alle Vorkommnisse der Zeit für Ihre Zwecke“. [83]

Zu diesem Zweck riet Alinksy den Organisatoren, immer mehr als einen „Kampf in der Bank“ („fight in the bank“) zu führen. Mit anderen Worten, die Organisatoren sollten sich einen Vorrat von vergleichsweise kleinen Kreuzzügen anlegen, für die sie stets einsatzbereit sind, und auf die sie sofort ihre Aufmerksamkeit richten können, nachdem sie eine Art von großem Sieg errungen haben. Diese „Kämpfe in der Bank“ dienen dem doppelten Zweck, den Schwung der Organisation am Laufen zu halten, während gleichzeitig ihr großer Kreuzzug durch übermäßige öffentliche Exposition nicht „schal“ wird. [84]

Eine Volks-Organisation kann eine breite Mitgliederbasis laut Alinsky nur anlegen, wenn sie sich auf mehrere Pprobleme konzentriert — zum Beispiel, Bürgerrechte, Bürgerfreiheiten, Wohlfahrt, Miete, Stadterneuerung, Umwelt, etc. „Mehrere Probleme bedeuten ständiges Handeln und Leben“, schrieb Alinsky. [85] (Denken Sie jetzt nicht an Stuttgart 21 und den Juchtenkäfer.)

Alinsky riet den Organisatoren, sich mit Umsicht nur für die Initiierung solcher Schlachten zu entscheiden, bei denen eine sehr gute Chance auf den Sieg bestand. „Die Aufgabe des Organisators“, erklärte er, „ist, damit anzufangen, in die Idee der Organisation, und somit in die Menschen selbst, Vertrauen und Hoffnung einzubauen: limitierte Siege zu erringen, von denen jeder Vertrauen schaffen wird, und das Gefühl: ‚(W)enn wir mit dem, was wir jetzt haben, so viel tun können, denken Sie nur, was wir tun können, wenn wir groß und stark sind.‘ Es ist fast, wie einen Berufsboxer auf dem Weg zur Meisterschaft zu begleiten — Sie müssen seine Gegner sehr vorsichtig und selektiv auslesen, wohl wissend, daß bestimmte Niederlagen demoralisierend wären und seine Karriere beenden würden.“ [86]

Alinsky lehrte auch, daß der Mission der Volks-Organisation in einigen Fällen geholfen werden könnte, wenn sich der Organisator selbst verhaften und danach die Publicity ausnutzen könnte, die er aus der Verhaftung zog. „Die revolutionären Führer und ihre Anhänger einzusperren“, erklärte Alinsky, „… stärkt unermesslich die Position der Führer mit ihren Menschen, indem die eingesperrte Führung mit einer Aura des Martyriums umgeben wird; es vertieft die Identifikation der Führung mit ihren Menschen“. Es zeigt, „daß sich ihre Führung so sehr um sie kümmert, und dem Problem so ehrlich verpflichtet ist, daß sie bereit ist, für die Sache eine Freiheitsstrafe zu erdulden“. [87] Alinsky legte jedoch fest, daß die Organisatoren bemüht sein sollten, nur für eine kurze Zeitdauer eingesperrt zu werden — von einem Tag bis zu zwei Monaten; längere Inhaftierungszeiten, erklärte er, haben die Tendenz, aus dem öffentlichen Bewußtsein zu fallen und vergessen zu werden. [88]

In den 1960er Jahren war Alinsky im amerikanischen Leben eine besonders einflußreiche Kraft. Richard Poe berichtet: „Als Präsident Johnson im Jahr 1964 seinen Krieg gegen die Armut (War on Poverty) ins Leben rief, infiltrierten Alinskys Verbündete das Programm und leiteten Staatsgelder in Alinsky-Projekte. Im Jahr 1966 verbündete sich Senator Robert Kennedy mit Gewerkschaftsführer Cesar Chavez, einem Alinsky-Schüler. Chavez hatte ab 1952 zehn Jahre für Alinsky gearbeitet. Bald darauf driftete Kennedy in Alinskys Kreis. Nach den Rassenunruhen in Rochester, New York, kam Alinsky in die Stadt und fing an, Eastman-Kodak unter Druck zu setzen, mehr Schwarze einzustellen. Kennedy unterstützte Alinskys Erpressung.“

Alinsky starb 1972, doch in der linken Methode lebt sein Vermächtnis als Blaupause für Revolutione weiter — von ihm und seinen Jüngern euphemistisch ‚Veränderung‘ (‚change‘) genannt. Zwei seiner bekanntesten heutigen Jünger sind Hillary Clinton und Barack Obama.

Im Jahr 1969 schrieb Hillary Clinton ihre 92-seitige Diplomarbeit (senior thesis) über Alinskys Theorien. Hillary ist eine große Verehrerin von Alinskys skrupellosen Tarnkappen-Taktiken und interviewte den berühmten Autor persönlich für ihr Projekt. Sie schloß ihre Diplomarbeit mit der Feststellung:

„Alinsky wird von vielen als Befürworter einer gefährlichen sozio-politischen Philosophie betrachtet. Als solcher wurde er gefürchtet wie Eugene Debs [der fünfmalige US-Präsidentschaftskandidat der Sozialistischen Partei] oder Walt Whitman oder Martin Luther King — weil jeder die radikalste politische Glaubensrichtung vertrat: Demokratie.“

Im Laufe ihres Erwachsenenlebens würde Hillary ihre Zugehörigkeit zu Alinskys Lehren beibehalten. Die Washington Post berichtete im März 2007:

„Als First Lady lieh Clinton ihren Namen gelegentlich für Projekte, die von Alinskys IAF (Industrial Areas Foundation) gebilligt wurden, der Gruppe, die ihr 1968 einen Arbeitsplatz anbot. Sie nahm an zwei Veranstaltungen teil, die von der IAF-Tochterorganisation ‚Washington Interfaith Network‘ organisiert wurden und beschaffte Geld.“

Hillarys Untersuchung von Alinskys Methoden und Idealen führte sie schließlich zu dem Schluß, daß die Anti-Armuts-Programme der Ära Lyndon Johnson bei der Umverteilung von Reichtum in der amerikanischen Bevölkerung nicht weit genug gingen, und den Armen nicht genügend Macht gaben.

Als Hillary im Jahr 1969 in Wellesley ihren Abschluß machte, wurde ihr ein Job in Alinskys neuem Ausbildungs-Institut in Chicago angeboten. Sie wählte stattdessen ein Studium an der Universität Yale.

Im Gegensatz zu Hillary Clinton traf Barack Obama Saul Alinsky nie persönlich. Als Alinsky 1972 starb, war Obama erst 11 Jahre alt. Als junger Mann würde er die Alinsky-Methoden jedoch meisterhaft ausüben. Eine kleine Gruppe aus etwa 20 Chicagoer Kirchen bot Obama 1985 einen Job an, um Bewohnern in den armen, überwiegend schwarzen Vierteln im Süden zu helfen. Obama ergriff diese Gelegenheit und wurde Direktor vom ‚Developing Communities Project‘, wo er die nächsten drei Jahre an Initiativen arbeitete, die von beruflicher Ausbildung über Schulreform bis hin zu Giftmüllbeseitigung reichten. David Freddoso, Autor des 2008 erschienenen Buches ‚Argumente gegen Barack Obama‘ (‚The Case Against Barack Obama‘), faßt Obamas Gemeinwesenentwicklung wie folgt zusammen:

„Er verfolgte offensichtlich ehrenwerte Ziele; Menschen in staatlichen Wohnprojekten vor Asbest zu schützen ist natürlich eine gute Sache und etwas, wofür die Regierung als Bauherr verantwortlich ist — die vorgeschlagene Lösung für jedes Problem in der South Side war aber [in jedem Fall bis auf eine Ausnahme] eine Verteilung der staatlichen Mittel …“

Drei von Obamas Mentoren in Chicago wurden an der von Alinsky gegrüdeten ‚Industrial Areas Foundation‘ ausgebildet. Das ‚Developing Communities Project‘ selbst war eine Tochterorganisation der Gamaliel Foundation, deren modus operandi für die Schaffung „einer gerechten und demokratischen Gesellschaft“ fest in der Alinsky Methode verwurzelt ist.

Einer von Obamas frühen Mentoren in der Alinsky Methode, Mike Kruglik, würde später folgendes über Obama sagen:

„Er war ein natürlicher, der unbestrittene Meister der Agitation, der einen Raum voller Zielgruppen (recruiting targets) mit einem sokratischen Schnellfeuer-Dialog beschäftigen konnte und sie dazu anstieß, zuzugeben, daß sie ihren eigenen Maßstäben nicht gerecht wurden. Er konnte aggressiv und konfrontativ sein, wie es bei einem Bettler der Fall ist. Mit sondierenden, manchmal persönlichen Fragen, würde er in ihrem Leben die Quelle des Schmerzes lokalisieren, ihr Ego gerade weit genug niederreißen, bevor er verlockend eine Karotte in Aussicht stellt — die Hoffnung, daß sie die Dinge besser machen könnten.“

Obama unterrichtete selbst mehrere Jahre Workshops über die Alinsky-Methode. Seit Mitte der 1980er Jahre arbeitete Obama außerdem mit ACORN, die Alinskyitische Polit-Organisation, die aus George Wileys Aktivistengruppe NWRO (National Welfare Rights Organization) entstand. (ACORN wurde wegen Wahlbetrug verurteilt und organisierte sich im April 2010 nach ihrer vorgetäuschten Auflösung neu.)

Dieses Profil wurde von John Perazzo im April 2008 geschrieben.

Anhang:

[1] Saul Alinsky, Rules for Radicals (New York: Vintage Books), March 1972 edition, S. xxii. (Originalveröffentlichung im Jahr 1971.)

[2] Ebd., S.3.

[3] J. Edgar Hoover, Masters of Deceit (New York: Henry Holt and Company, 1958), S. 213.

[4] Ebd.

[5] Saul Alinsky, Reveille for Radicals (New York: Vintage Books), 1989, S. 90. (Originalveröffentlichung im Jahr 1946.)

[6] Ebd., S.91.

[7] Ebd., S. 16-17.

[8] Ebd., S. 26.

[9] Ebd., S. 25.

[10] Ebd.

[11] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 7.

[12] Ebd., S. 3.

[13] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 21-22.

[14] Ebd., S. 4.

[15] Ebd., S. 92.

[16] Ebd., S. 40.

[17] Ebd., S. 92.

[18] Ebd., S. 45.

[19] Ebd., S. 43.

[20] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 120-121.

[21] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 6-7.

[22] Ebd., S. 15.

[23] Ebd.

[24] Ebd., S. 40.

[25] Ebd., S. 16.

[26] Ebd., S. 60.

[27] Ebd., S. 25.

[28] Ebd., S. 57.

[29] Ebd., S. 59.

[30] Ebd., S. 60.

[31] Ebd., S. 59-60.

[32] Ebd., S. 133.

[33] Ebd., S. 48, 64.

[34] J. Edgar Hoover, Masters of Deceit, S. 90.

[35] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 44.

[36] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 91. Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 104.

[37] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 92.

[38] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 43.

[39] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 61.

[40] Ebd., S. 116-117.

[41] Ebd., S. 117.

[42] Ebd., S. 100.

[43] Ebd.

[44] Ebd., S. 130.

[45] Ebd.

[46] Ebd., S. 133.

[47] Ebd., S. 130-131.

[48] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 125.

[49] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 151.

[50] Ebd., S. 134.

[51] Ebd., S. 78.

[52] Ebd.

[53] Ebd., S. 29.

[54] Ebd., S. 34.

[55] Ebd., S. 24.

[56] Ebd., S. 26.

[57] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 150.

[58] Ebd., S. 133-134.

[59] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 130.

[60] Ebd., S. 18.

[61] Ebd., S. 18-20.

[62] Ebd., S. 19.

[63] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 93.

[64] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 195.

[65] Ebd., S. 45.

[66] Ebd., S. 186.

[67] Ebd., S. 43.

[68] Ebd., S. 43-44.

[69] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 150-151.

[70] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 127.

[71] Ebd., S. 129.

[72] Ebd., S. 126.

[73] Ebd., S. 127.

[74] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 169-170.

[75] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 128.

[76] Ebd., S. 152.

[77] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 93-94.

[78] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 130.

[79] Ebd., S. 136.

[80] Ebd., S. 138.

[81] Ebd., S. 128.

[82] Ebd.

[83] Ebd.

[84] Saul Alinsky, Reveille for Radicals, S. 151-152.

[85] Saul Alinsky, Rules for Radicals, S. 76-78, 120.

[86] Ebd., S. 114.

[87] Ebd., S. 155.

[88] Ebd., S. 156.

Hier finden Sie den Originalartikel, Saul Alinsky.

Die Widmung aus meinem Flohmarktkauf von ‚Die Stunde der Radikalen‘:

Hätte ich gewußt, daß auf BLU-NEWS sieben Monate später der Artikel Anweisungen für Radikale erscheint, hätte ich mir die Arbeit, John Perazzos Artikel zu übersetzen, definitiv erspart.

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Das wahre Gesicht von Occupy Wall Street

2012/02/01

Rick Moran über die neuesten Schäden durch Occupy Wall Street.

(Anmerkungen in Klammern)

Anmerkung der Redaktion: Im Leitartikel ‚Communism Reborn‚ in der gestrigen Ausgabe finden Sie David Horowitz‘ Sicht der OWS-Bewegung. Die Broschüre ‚Occupy Wall Street: The Communist Movement Reborn‚ von David Horowitz und John Perazzo zeigt die ganze Geschichte hinter Occupy Wall Street und wie diese Bewegung eine neue Phase der Wiedergeburt der kommunistischen Linken verkörpert. Diese wichtige Broschüre enthüllt die Wurzeln, Führer und versteckten Ziele der radikalen Bewegung und ihren Krieg gegen Kapitalismus und Freiheit.

Nach einer wilden Nacht aus Gewalt, Vandalismus und Auseinandersetzungen mit der Polizei wurden in Oakland mehr als 400 Occupy Wall Street Demonstranten verhaftet. Die New York Times berichtete: „Polizisten wurden mit Flaschen, Metallrohren, Steinen, Spraydosen, unkonventionellen Sprengsätzen und brennenden Fackeln beworfen.“ Die Randalierer brachen auch in das historische Rathaus von Oakland ein, zertrümmerten Vitrinen, sprühten Graffiti an die Wände, zerschnitten elektrische Leitungen und entzündeten unter ‚Verbrennt sie! Verbrennt sie!‘ Sprechchören eine amerikanische Flagge. Die Stadt schätzt die Schäden seit Beginn der Proteste im vergangenen Oktober auf 5.000.000 Dollar.

Ein Bericht von CNN über die Unruhen trägt die Überschrift: „Occupy Oakland Proteste — Verhaftungen injizieren neues Leben in die Bewegung.“ Vielleicht. Aber auf Kosten randalierender Demonstranten, die öffentliches Eigentum zerstören? Welche Art von Bewegung braucht diese Art von Impuls, um „neues Leben“ zu erhalten?

Der Aufruhr in Oakland ist der sichere Beweis dafür, daß jeglicher Anspruch auf Unschuld und Idealismus, den die Bewegung in den frühen Tagen angeblich im ganzen Land hatte, an die revolutionären Linken mit den stechenden Augen verloren ging, die jetzt die offen gewalttätige Konfrontation mit den Behörden suchen und dabei über die Leichen der Naiven und Törichten gehen, die immer noch glauben, daß OWS ein Protest gegen Einkommensungleichheit und Korporatismus ist. Die Kader der organisierten Linken besuchten die Demonstration in Oakland vorbereitet mit hausgemachten Gasmasken und Schilden — ein klares Indiz dafür, daß sie erwarteten, eine Reaktion der Polizei zu provozieren. Friedliche Demonstranten bewaffnen sich nicht mit „Flaschen, Metallrohren, Steinen, Spraydosen, unkonventionellen Sprengsätzen und brennenden Fackeln“. Die Transformation der Occupy-Bewegung vom Protest zur ‚direkten Aktion‚ — seit Generationen die bevorzugte Taktik der kommunistischen Linken in Europa — ist nahezu abgeschlossen. (Der Begriff ‚direct action‘ tauchte vor 99 Jahren bei der Anarchistin Voltarine de Claire auf und beinhaltet auch Sabotage.) Die wehleidigen Dementis der Apologeten und Verharmloser von OWS haben fertig: Die Revolution und der Sturz des Kapitalismus sind die treibende Kraft hinter der OWS-Bewegung — das Ziel derer, die die Straßen kontrollieren.

Der Mob trat in Oakland in Aktion, nachdem sich die Behörden weigerten, den OWS-Protestlern das Kaiser Convention Center als Hauptquartier zu überlassen. Angesichts der ungezwungenen und nachlässigen Haltung gegenüber Gesundheit, Sicherheit und Hygiene an OWS-Standorten im ganzen Land sollte es logisch erscheinen, daß die Behörden spürten, daß sie keine andere Wahl hatten, als die OWS-Nutzung jedweden öffentlichen Raumes, der sich in eine Jauchegrube aus Krankheit und Kriminalität ausarten könnte, abzulehnen.

Die Demonstranten weigerten sich, die Aufrufe der Polizei, zurückzuweichen, zu befolgen und fingen an, Absperrungen niederzureißen und Baumaschinen und Einfriedungen zu zerstören. Mehrere hundert Demonstranten marschierten dann zum Oakland Museum von Kalifornien, wo es weitere Festnahmen gab, als die Polizei versuchte, die wertvollen Artefakte vor möglichem Vandalismus zu schützen.

In Anbetracht dessen, was als nächstes geschah, handelten sie richtig.

Der Mob zog zum Rathaus, wo die Demonstranten eine offene Tür fanden — was phantastisch klingt — und laut Polizei einbrachen. Ein Video zeigt angeblich, wie ein OWS-Demonstrant die Tür mit einer Brechstange öffnet.

Was passierte, nachdem die Demonstranten im Inneren des Gebäudes waren, ist unstrittig.

Ein mehr als einhundert Jahre altes architektonisches Modell des Rathauses wurde in seiner Vitrine beschädigt, elektrische Leitungen wurden zerschnitten, Getränkeautomaten auf den Boden geworfen, Graffiti auf die Wände gesprüht, andere Vitrinen wurden zertrümmert, Fensterscheiben eingeschlagen — eine Demonstration der Gesetzlosigkeit und des Mangels an Respekt vor Eigentum, die sogar einige OWS-Führer veranlaßte, zu sagen, daß sie wahrscheinlich keine gute Idee war.

Andere OWS-Sympathisanten gingen aus „Solidarität“ mit denen, die während der Oakland-Unruhen verhaftet wurden, auf die Straße. CNN berichtet:

Die Massenverhaftungen, die von der Polizei als die größten in der Geschichte der Stadt beschrieben wurden, scheinen in die Occupy-Bewegung neues Leben injiziert zu haben, als am Sonntag in einer Reihe von amerikanischen und europäischen Städten Demonstranten auf die Straße gingen, um ihre Solidarität mit der Occupy Oakland Gruppe auszudrücken.

Solidarisch mit Aufständischen zu marschieren, die an etwas teilnahmen, was ein Vertreter aus Oakland als „inländischen Terrorismus“ bezeichnete, ist eine merkwürdige Art und Weise, seine friedlichen Absichten zu demonstrieren.

Der Mob zog dann in Richtung YMCA, wo es zu den meisten Verhaftungen kam. Wie erwartet, gab OWS der Polizei an allem die Schuld. Nach den Unruhen und während die Mitarbeiter der Stadt die Graffiti von den Wänden wischten und die Scherben vom Boden fegten, behauptete OWS Oakland in einer Erklärung:

„Im Gegensatz zu ihrer eigenen Politik ließ die Polizei von Oakland weder eine Option zum Verlassen noch eine Anleitung zum Entfernen“, erklärte die Gruppe in einer Pressemitteilung. (Es grenzt an ein Wunder, daß sich liberale Linke ohne staatliche Anleitung jeden Tag den Hintern abwischen können, ohne daß es in urbanen Gegenden überall stinkt.) „Diese Festnahmen sind absolut illegal, und dies wird wahrscheinlich zu einer weitern Sammelklage gegen die Polizei von Oakland führen, die Oakland über die letzten 10 Jahre bereits 58.000.000 Dollar an Klagen gekostet haben.“

Man könnte spekulieren, wie schwierig es wäre, sich von einem Gebiet zu „entfernen“, auf dem die Demonstranten von der Polizei zum Verlassen angewiesen wurden. (Ohne vorherigem Einschreiben mit Rückschein wahrscheinlich unmöglich.) Dem Gesetz zu folgen, sich umzudrehen und nach Hause zu gehen, würde eine Verhaftung wahrscheinlich verhindert haben — etwas, das laut OWS die Fähigkeiten von 400 Demonstranten oder so anscheinend übersteigt.

Die Occupy-Bewegung in Oakland wurde von den städtischen Behörden ursprünglich herzlich erwartet, darunter Bürgermeisterin Jean Quan, die begeistert von den Zielen der Bewegung sprach und den Mitarbeitern der Stadt sogar frei gab, um an den Protesten teilzunehmen, die im letzten Herbst den Hafen von Oakland lahmlegten, nachdem die Demonstranten Gewalt gegen die Hafenmitarbeiter androhten. Aber als die Wochen vergingen und das Lager vor dem Rathaus zu einem Paradies für Kriminalität und Ratten wurde, das den städtischen Haushalt verdunsten ließ und die Polizei bindete, versuchte Quan, sich von der zunehmend gewaltsamen Besetzung davonzumachen, indem sie die Schließung der Zeltstadt erzwang. Dies führte zu weiteren Unruhen und harscher Kritik von anderen Vertretern und den lokalen Medien.

Nun hat Quan in vollem Umfang geerntet, was sie gesät hat. Wie die meisten Demokraten im ganzen Land, die die OWS-Bewegung zunächst in den Himmel lobten und sich nun dabei wiederfinden, eine Revolution zu unterstützen, hat sich Quan in eine schwierige politische Situation begeben. Sie reagierte mit harter Kritik an der Gruppe und sagte, daß sie versuchen wird, von der Organisation Schadenersatz zu verlangen und daß die Demonstranten, die verurteilt werden, an „restaurativer Gerechtigkeit“ („restorative justice“) teilnehmen werden, indem in einem nahe gelegenen Slum Müll sammeln. (Was macht das umgerechnet? Eine Sozialstunde für je hunderttausend / zehntausend / tausend Dollar Schaden? Die humanistischen Absichten der Demonstranten, die nur auf ungerechte Zustände hinweisen wollen, wirken sich bestimmt strafmildernd aus.) Sie verurteilte die Taktiken von OWS und sagte, sie wären „eine ständige Provokation der Polizei mit viel Gewalt gegen sie“ — eine ironische Aussage angesichts der Tatsache, daß Oaklands Polizeigewerkschaft der Bürgermeisterin einen Brief schickte, der sie kritisierte, weil sie für den Umgang mit den OWS-Demonstranten „gemischte Botschaften“ verschickte.

Was hat die OWS-Bewegung die Stadt gekostet? In Dollar gerechnet, seit Oktober (2011) mindestens 2.000.000 Dollar an Aufräumarbeiten und mindestens so viel an Überstunden für die Polizei und sonstige Kosten. Und während die Polizei damit beschäftigt war, das Eigentum vor den modernen Vandalen zu schützen, die versuchten, das Rathaus zu brandschatzen, gab es laut Polizei über das Wochenende 5 Morde und verzögerte Antworten auf Anrufe bei der Polizei. Polizeichef Howard Jordan sagte der Los Angeles Times, daß „Personal und Ressourcen, die für Occupy gebraucht werden, unsere Fähigkeit reduzieren, uns auf die öffentliche Sicherheit zu konzentrieren“.

All dies verheißt nichts Gutes für die Städte im OWS-Fadenkreuz. Matthew Vadum schrieb in FPM über die geplante Demonstration in Chicago während des G8-Gipfels, wo die Organisatoren, darunter OWS-Gründer Adbusters, praktisch alle offen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit den Behörden aufgerufen haben. Ihre gewalttätige Rhetorik verbirgt kaum ihren Wunsch, die Polizei zu zwingen, auf ihre provokativen Taktiken zu reagieren:

Und wenn sie nicht hören — wenn sie uns ignorieren und unsere Forderungen auf Sparflamme stellen, so wie sie es viele Male zuvor getan haben — dann werden wir mit Gandhis Wildheit durch die Straßen flashmobben, Börsen lahmlegen, Unis, Konzernzentralen und Städte auf der ganzen Welt — wir machen die Preis, daß alles wie gewohnt weitergeht, unbezahlbar.

Obwohl es keine offenen Aufrufe zur Gewalt gibt, versteht jeder vernünftige Mensch, was sie beabsichtigen.

Demokratische Politiker wie Quan und Präsident Obama werden versuchen, die Rhetorik der OWS-Bewegung zu nutzen, ohne die Demonstranten offen zu umarmen. Wenn die Republikaner klug sind, werden sie nicht zulassen, daß die liberalen Linken mit diesem Trick davonkommen. Es sollte den Wählern zwischen jetzt und den Wahlen (im November 2012) eingehämmert werden, daß die Gewalt der OWS-Bewegungen im ganzen Land das Ergebnis eines berechneten Versuchs sind, die bestehende Ordnung zu stürzen. Und diejenigen, die die Sprache der Revolution nachahmen — indem sie die gewalttätige Rhetorik in ‚Fairness‘ oder ‚Einkommensungleichheit‘ kleiden — sollten für ihre Unterstützung derer zur Rechenschaft gezogen werden, die den wesentlichen Charakter der Vereinigten Staaten zerstören und durch schlecht durchdachte Ideen von ‚Gerechtigkeit‘ und Revolution ersetzen wollen.

Hier finden Sie den Originalartikel, The True Face of Occupy Wall Street.

Psychologe: Pädophilie ist eine sexuelle Orientierung wie Homosexualität

2012/01/12

Jack Minor über die Zukunft von Unzucht und Kindesmißbrauch.

Termini technici
homosexual activist groups: Homosexuellenorganisationen
gay rights groups: Schwulenrechtsorganisationen
gay community centers: Schwulenzentren

(Anmerkungen in Klammern)

Einige Homosexuellenorganisationen sind für Pädophile ein „Traum“

Vor einer Parlamentssitzung über ein Gesetz im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen auf Kinder sagten zwei Psychologen aus, daß Pädophilie eine „sexuelle Orientierung“ wie Homosexualität oder Heterosexualität ist.

Lifesitenews berichtete über eine Parlamentssitzung in Kanada zu einer Gesetzesvorlage (Bill C-54: Protecting Children from Sexual Predators Act. Publication No. 40-3-C54-E. 22 December 2010), die bei bestimmten Verbrechen die Mindeststrafen für Sexualstraftäter erhöhen soll. Dr. Vernon Quinsey und Dr. Hubert Van Gijseghem erklärten, wie Täter auf die Behandlung ansprachen.

Van Gijseghem, Psychologe und emeritierter Professor der Universität von Montreal, sagte: „Pädophile sind nicht einfach Leute, die von Zeit zu Zeit eine kleine Straftat begehen, sondern kämpfen mit etwas, das einer sexuellen Orientierung gleichkommt, ebenso wie andere Personen mit Heterosexualität oder Homosexualität kämpfen können.“

Er fuhr fort: „Wahre Pädophile haben eine exklusive Präferenz für Kinder, was das gleiche ist wie eine sexuelle Orientierung. Die sexuelle Orientierung dieser Person können sie nicht ändern. Die Person kann aber abstinent bleiben.“

Auf die Frage, ob er Pädophile mit Homosexuellen vergleichen würde, antwortete Van Gijseghem: „Wenn Sie zum Beispiel in einer Gesellschaft leben, die Heterosexualität ächtet oder verbietet, und Ihnen wird gesagt, daß Sie therapiert werden müssen, damit sich Ihre sexuelle Orientierung ändert, würden Sie wahrscheinlich sagen, daß das ein bißchen verrückt ist. Mit anderen Worten, Sie würden das überhaupt nicht akzeptieren. Ich greife auf diese Analogie zurück, um zu sagen, daß Pädophile ihre sexuelle Orientierung nicht ändern.“

Dr. Quinsey, emeritierter Professor für Psychologie an der Queens Universität in Kingston, Ontario, was der gleichen Meinung wie Van Gijseghem. Quinsey sagte, die sexuellen Interessen von Pädophilen bevorzugen Kinder (und durch diese geschickte Formulierung wird der Tonne, in die der menschliche Wille gerade gekloppt wurde, der Deckel aufgesetzt) und: „Es gibt keinen Beweis, daß diese Art von Präferenz durch Behandlung oder durch sonst etwas geändert werden kann.“

Van Gijseghem und Quinsey Ansichten sind nicht einzigartig. Die Verlagssparte von Harvard, „Harvard Health Publications“, erklärte im Juli 2010: „Pädophilie ist eine sexuelle Orientierung und wahrscheinlich nicht zu ändern. Behandlung zielt darauf ab, daß jemand seinen sexuellen Bedürfnissen widersteht.“

Linda Harvey von Mission America (Fighting the Gay Agenda in Schools) sagte: „In den letzten zehn Jahren gab es darüber in den Vereinigten Staaten Schwankungen.“ Sie warnte: „Wir werden sehen, wie sich dieser Trend beschleunigt, da sich die Rechte von Homosexuellen und Transgenderellen mit den ‚Rechten von Kindern‘ überschneiden.“

Harvey erklärte, daß dem Konzept der Kinderrechtsbewegung (Google findet für diese Pest in 0,07 Sekunden 6190 Ergebnisse, Stand Januar 2012) die Vorstellung zugrunde liegt, daß Kinder, was Gesundheit und Lebensstil betrifft, in immer jüngerem Alter ihre eigene Wahl treffen.

Milton Diamond, Professor von der Universität Hawaii und Direktor des „Pacific Center for Sex and Society“, erklärte, daß Kinderpornografie für die Gesellschaft von Vorteil sein könnte: „Potenzielle Sexualstraftäter benutzen Kinderpornografie als Ersatz für Sex mit Kindern.“ (Wenn Sie das beruhigend finden, dürfen Sie weiter Sozialsozialisten und Grüne Freibeuter wählen.)

Milton Diamond ist ein angesehener Dozent für das „Institut für fortgeschrittene Forschung der menschlichen Sexualität“ („Institute for the Advanced Study of Human Sexuality“, IASHS) in San Francisco. Das IASHS befürwortete offen die Aufhebung von George Washingtons Verbot für Homosexuelle, im Revolutionskrieg zu dienen (Revolutionary war ban on homosexuals).

Das IASHS führt auf seiner Internetseite eine Liste von „sexuellen Grundrechten“ auf, darunter auch „das Recht auf sexuelle Handlungen oder Aktivitäten jeglicher Art, vorausgesetzt sie beinhalten nicht ungesetzliche Handlungen (nonconsensual acts), Gewalt, Zwang, Nötigung oder Betrug.“ Ein weiteres Recht ist „frei zu sein von Verfolgung, Verurteilung, Diskriminierung oder gesellschaftlicher Intervention in das private Sexualverhalten“ und „die Freiheit jeglicher sexueller Gedanken, Phantasien oder Wünsche“. Die Organisation sagt auch, daß niemand „aufgrund seines Alters benachteiligt werden“ sollte.

„Was ist die Definition von Konsens?“, ist laut Harvey dabei das Problem: „Wenn eine Person sagt, es besteht Konsens, und die Tendenz geht dahin, diese Definition in sexuellen Dingen auf Kinder zu erweitern.“ Sie sagte, daß Pädophilen damit eine Tür geöffnet wird.

„Schwulenrechtsorganisationen versuchen, Sexualität für Kinder in jüngeren Jahren zu eröffnen. Es gibt außerdem landesweit Schwulenzentren, die Kinder akzeptieren, die erst 10 oder 11 Jahre alt sind, ohne Zustimmung der Eltern.“ Sie erwähnte ein Elternteil in Ohio, das fragte, ob ihr 11 Jahre alter Neffe in der Lage wäre, eines der Zentren zu besuchen. Die Mutter fragte, was die Altersgrenze ist und erfuhr, daß das Zentrum versucht, die 22jährige Altersgrenze abzuwürgen. „Das ist der Traum eines Pädophilen“, sagte Harvey.

Hier finden Sie den Originalartikel, Psychologist says pedophilia is sexual orientation similar to homosexuality.

Besetzer terrorisieren Schnäppchenjäger

2011/12/21

Matthew Vadum über Occupy Wall Street zu Weihnachten.

(Anmerkungen in Klammern)

Die Nihilisten von Occupy Wall Street setzen zu ihrem größten taktischen Fehler an.

Der Pöbel der Occupy Bewegung, der Kriminelle und Unkraut anzieht wie ein natürlicher Magnet, will am Tag nach Thanksgiving, dem sogenannten Black Friday (dessen Name nichts mit dem Börsencrash zu tun hat), die Geschäfte am einkaufsstärksten Tag des Jahres stören. Der Black Friday fällt auf den gleichen Tag wie der vom anti-kapitalistischen Magazin Adbusters angeriesene Buy Nothing Day.

„Die Idee ist einfach, bekämpfen Sie die Unternehmen, die die amerikanische Politik korrumpieren und kontrollieren, dort, wo es weh tut, bekämpfen Sie ihre Gewinne“, predigt Occupy Black Friday auf seiner Facebook-Seite. Die organisierten ökonomischen Analphabeten nennen diesen Tag „einen Tag, an dem die Mega-Konzerne ganz offen unser Handeln diktieren“, als ob die Supermärkte die Konsumenten mit vorgehaltener Waffe aus ihren Häusern zerren und sie zwingen, Produkte zu kaufen, die sie nicht wollen — wie die staatliche Krankenversicherung Obamacare (die von der taz über den SPIEGEL bis hin zur BILD-Zeitung sicher kollektiv geschätzt wird).

Die Demonstranten wollen überall im Land die Verbraucher mit einem politisches Theaterstück schikanieren und ärgern, damit ihnen endlich klar wird, daß Märkte und der Kapitalismus etwas Schlechtes sind.

Aktivisten in Boise, Idaho, wollen zu großen Einzelhändlern „Verbraucher Zombies“ schicken, um gegen unsinniges Geldausgeben zu protestieren. In Des Moines, Iowa, wollen Flashmobs den Verbrauchern Vorträge über Konsumismus halten (mein Protestplakatvorschlag: „Kommunismus gegen Konsumismus“). In Eugene, Oregon, wollen Aktivisten umformulierte Weihnachtslieder singen, um die Amerikaner zu erinnern, wie dumm sie sind, wenn sie Produkte kaufen wollen, um ihr Leben zu verbessern.

In Seattle, Washington, und nahe gelegenen Städten wollen die Occupy Anhänger auf Geheiß der Gewerkschaft gegen Wal-Mart demonstrieren. Das Unternehmen wird von den Gewerkschaften und Organisationen wie ACORN (die wegen Wahlbetrug verurteilt wurde und sich im April 2010 nach ihrer vorgetäuschten Auflösung neu organisierte) schon seit langem ins Visier genommen, weil es sich so erfolgreich gegen die gewerkschaftliche Organisierung wehrt.

In einem Propaganda-Kommuniqué erklärte Occupy Seattle: „Mit seiner langen Geschichte von Arbeitern und Lieferanten, die schlecht behandelt werden, seiner jüngsten Ankündigung über erhebliche Kürzungen der Krankenversicherung der Mitarbeiter, und seinen obszönen Gewinnen, ist Wal-Mart ein Paradebeispiel dafür, wie die 99% in den Händen der 1% leiden.“

Mit der Logik hapert es bei den liberalen Linken ständig. Amerikaner daran zu hindern, für Weihnachten Produkte zu stark herabgesetzten Preisen einzukaufen oder sie zu verspotten, weil sie Geschenke für diejenigen kaufen, die sie lieben, wird die Bewegung nicht gerade bei den Leuten beliebt machen, die sie zu erreichen versucht.

Dann ist da noch die liberale linke Gewaltfrage. Jeder darf mal raten. John Nolte hat dokumentiert, daß die Occupy Anhänger Brandstiftung, Körperverletzung, Vergewaltigungen und Hunderte anderer Verbrechen und Gewalttaten begingen und auf Polizeiautos ihre Notdurft verrichteten.

Es ist aber wahrscheinlicher, daß sich die asozialen Besetzer, die unter den begeisterten Käufern nur eine kleine Minderzahl darstellen, mehr oder weniger benehmen werden.

Die Occupy Black Friday Aktivisten werden wahrscheinlich eher von Millionen von Schnäppchen-Jägern, die sich nicht für anarchistische und sozialistische Fachvorträge interessieren, plattgewalzt.

Liberale Linke hoffen, daß aus diesen Demonstrationen eine neue Bewegung entsteht. Adbusters (vorher im Browser eine kleinere Schrift einstellen, die Internetseite ist für Kurzsichtige) schreibt:

Der diesjährige Black Friday ist die erste Aktion, die zur Ferienzeit stattfindet, in der wir die Grundrichtung für einen neuen Typus von Feiertag festlegen, der in #OCCUPYXMAS seinen Höhepunkt finden wird. Während die weltweiten Proteste der 99 Prozent gegen Profitgier und Casino-Kapitalismus fortgesetzt werden, nutzen wir die Gelegenheit, um das Imperium dort anzugreifen, wo es wirklich weh tut: an der Brieftasche.

Am 25. und 26. November entkommen wir dem Chaos und der Unruhe des größten Einkaufstages in Nordamerika und setzten dem tollwütigen Konsum für 24 Stunden eine Pause. Flash-Mobs, Konsumstreik (consumer fasts), Sitzblockaden mit Fachvorträgen (sit-ins), Bürgerorganisationen (community events), Aufrufen zum Zerschneiden von Kreditkarten (credit card-ups), Kassenstaus mit vollgepackten Einkaufswagen (whirly-marts) und Staus, Staus, Staus (jams, jams, jams)! Für reduzierte Flachbild-Ferneher oder Video-Spiele zelten wir nicht auf dem Bürgersteig. Stattdessen besetzen wir das Paradigma, das unseren ökologischen, sozialen und politischen Niedergang antreibt (und laufen außerdem statt mit Guy-Fawkes-Masken zur Abwechslung mit Christkind-Masken durch die Gegend, um die Leute ganz doll zu erschrecken, diese Aktion nennt sich dann „Jesus-Walk“).

Einige Tea Party Gruppen organisieren inzwischen eine Gegen-Aktion namens „BUYcott Black Friday“, um die Verbraucher zu ermutigen, Geld auszugeben, um das Wirtschaftswachstum zu fördern.

„In einer Zeit, in der unsere Wirtschaft äußerst empfindlich ist und die Rating-Agenturen über eine weitere Herabstufung der Kreditfähigkeit sprechen, ist es von Occupy Wall Street völlig unverantwortlich, zu versuchen, die US-Wirtschaft am einkaufsstärksten Tag des Jahres zum Erliegen zu bringen“, sagte John Sullivan von Liberate Philadelphia/Liberate Amerika.

Erledigen wir unsere Einkäufe!

Hier finden Sie den Originalartikel, Occupiers to Terrorize Bargain Shoppers.

Das Ende von Occupy Wall Street

2011/12/21

Jacob Laksin über das Scheitern der OWS-Bewegung.

Die liberale linke Protest-Aktion, die vor zwei Monaten mit einem großen Medien-Feuerwerk begann, endete gestern früh, als die New Yorker Polizei den letzten Auftritt der Demonstranten in Lower Manhattan beendete. Nachdem Occupy Wall Street Anfang der Woche aus ihrer Operationsbasis im Zuccotti Park vertrieben wurde, versuchte die Bewegung oder das, was von ihr übriggeblieben war, nun, ihren vorherigen Auftritt zu vervollkommnen und die New Yorker Börse zu besetzen, um sie abstürzen zu lassen. Stattdessen führte der so genannte „Aktionstag“ („Day of Action“) der Demonstranten kaum zu Beeinträchtigungen, da die Polizei ihn leicht abwehren konnte. Es war lediglich der nächste Rückschlag für eine selbsternannte Bewegung, die in den letzten Wochen im Sande verlief, während die Geduld der Bevölkerung und der Behörden immer dünner wurde.

Die gestrigen Ereignisse haben zwar gezeigt, wie wirkungslos die Aktion ist, doch Oocupy Wall Street ist schon seit längerem eine reine Parodie auf politische Ahnungslosigkeit. Die Klagen der Demonstranten, die von den Medien gepriesen wurden, reichten von verwirrt bis widersprüchlich. Sie tobten über Steuererleichterungen für die reichen „1 Prozent“, obwohl dieses eine Prozent den größten Anteil der Steuerbelastung des Landes trägt. Sie verurteilten staatliche Rettungspakete für Banken, obwohl sie staatliche Rettungspakete für Studentendarlehen verlangten und sie forderten, daß die Amerikaner „Widerstand gegen die Sparpolitik“ leisten. Sie klagten, daß „Banken Häuser stehlen“, scheinbar blind gegenüber der Rolle, die die größten Banken des Landes spielten, als sie unzählige riskante Hypotheken subventionierten, die mehr „Gleichheit“ schufen und den Immobilienmarkt schließlich kollabieren ließen. Occupy Wall Street hat Amerikas politische und wirtschaftliche Realitäten eher erfunden als beklagt, mit dem Ergebnis, daß sogar ihre vernünftigeren Aspekte — wie die Beendigung der staatlichen Rettungspakete für die Banken — nicht mehr ernst zu nehmen waren.

Ohne Bedrohung für die Öffentlichkeit wäre Occupy Wall Street bedeutunglos. Vor allem in den letzten Wochen nahm die Militanz unter den Demonstranten zu. Meinungsforscher stellten fest, daß die Demonstranten Gewalt zu über einem Drittel unterstützen, eine Tatsache, die durch die zunehmende Gewalt, die ihren Ursprung in den Occupy Wall Street Zeltlagern hat, bestätigt wurde. In Oakland verwüsteten Demonstranten Unternehmen, legten Feuer, bewarfen die Polizisten mit Gegenständen und legten den Hafen still. In New York stießen sie mit der Polizei zusammen und drohten, „New York City bis auf den verf—ten Boden niederzubrennen“. In Washington DC belagerten Demonstranten eine Konferenz der konservativen Gruppe „Americans for Prosperity“ und stießen dabei eine 78-jährige Frau von einer Treppe. Angesichts der Vorliebe der Demonstranten für Gewalt ist es vielleicht nicht ganz überraschend, daß der gestörte Amokläufer, der in dieser Woche mit einem Sturmgewehr auf das Weiße Haus schoß, der Polizei zunächst entkommen konnte, indem er sich unter die Occupy DC Demonstranten mischte. Wenn in der Menge so viele gewaltbereite Radikale sind, kann es schwierig sein, sie auseinanderzuhalten.

Das ist nicht natürlich ganz so, wie es berichtet wurde. Laut der New York Times und anderen befreundeten Medien hat Occupy Wall Street in ihrer kurzen Existenz dem Land einen wertvollen Beitrag für die politische Debatte geleistet. Die Lehrbuchmeinung unter den liberalen linken Journalisten beinhaltet, daß die Demonstranten dem Land irgendwie halfen, sich auf die Thematik der Einkommensungleichheit zu konzentrieren. Das liberale progressive Monatsmagazin „American Prospect“ versuchte diese Behauptung sogar durch den Hinweis auf die Verbreitung des Begriffs „Einkommensungleichheit“ in den Nachrichten der letzten Monate zu beweisen — als ob dies etwas anderes als die politische Voreingenommenheit der Journalisten demonstrieren würde. Diese Behauptung war nicht nur einfach banal, sie war absurd. Die amerikanischen Steuerzahler haben kaum Nachhilfestunden von unterbeschäftigten Hochschulabsolventen nötig, um zu sehen, daß es ungerecht ist, den Banken Rettungspakete zu schicken, die der Steuerzahler finanziert. Ebenso wenig brauchen sie wirtschaftlichen Rat von Radikalen, die zur Abschaffung des Kapitals drängen, um zu sehen, daß die Wirtschaft in diesem Land schon bessere Tage erlebt hat. Kein Wunder, daß 45 Prozent der Amerikaner jetzt sagen, daß sie gegen die Bewegung sind und wofür sie steht.

Noch unglaubwürdiger als der angebliche politische Beitrag war die Behauptung, daß Occupy Wall Street „99 Prozent“ aller Amerikaner repräsentiert. Wer Bilder von den überwiegend weißen Mittelschicht-Twens gesehen hatte, die in öffentlichen Parks campen, weiß, daß die Demonstranten nicht gerade ein besonders vielfältiger Haufen sind — jetzt gibt es jedoch empirische Beweise, die das bestätigen. Eine aktuelle Umfrage unter Occupy Wall Street-Mitgliedern durch die School of Public Affairs vom New Yorker Baruch College entdeckte das Offensichtliche: Die Demonstranten sind überwiegend jung (62 Prozent), gut ausgebildet (81 Prozent) und männlich (67 Prozent). Daß nur die Hälfte von ihnen beschäftigt ist, schockiert noch weniger. Und mit der Information, daß die Demonstranten von den Gewerkschaftskonzernen UAW, SEIU, AFL-CIO und den Teamsters unterstützt wurden, stürzt ihre Behauptung, das „echte“ Amerika zu repräsentieren, wie ein Zelt in sich zusammen.

Die große Frage ist nun, ob die Besetzer der Wall Street, nachdem sie vertrieben wurden, tatsächlich bestehen können, ohne Wall Street zu besetzen. Die Protestler antworten mit einem klaren ja und weisen auf die sozialen Netzwerke, über die sie ihre frohe Botschaft nun verbreiten wollen. Doch das ist eher ein Zeichen für das Ende des Protestes als für einen Neuanfang. Der Umstieg von Plakaten zu Pixeln ist kaum ein Zeichen für eine Massenbewegung. Dennoch ist das Internet der perfekte Platz für eine verstimmte Splittergruppe, die ihre Beschwerden in heiße Luft transformieren will. Wäre den Demonstranten das nur von Anfang an klar gewesen, dann hätten sie den echten „99 Prozent“ etwas von dem Geld sparen können, das für die Polizei und die Reinigungsarbeiten erforderlich ist, um die Unordnung, die sie hinterlassen haben, aufzuräumen.

Hier finden Sie den Originalartikel, The End of Occupy Wall Street.

Die Zwangsräumung von Occupy Wall Street

2011/12/20

Joseph Klein über die Räumung des Zuccotti Park.

Endlich, nach fast zwei Monaten, in denen sich das Epizentrum der Occupy Wall Street Bewegung in ein Förderprogramm für Krankheiten, Diebstähle, Drogenhandel, Vergewaltigungen und andere Übergriffe verwandelt hat, wurde New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg aktiv. Am Dienstagmorgen, dem 15. November, nahm die New Yorker Polizei den Zuccotti Park von den Besetzern zurück, indem sie ihnen eine Auflage zur Entrümpelung erteilte, damit eine längst überfällige Reinigung stattfinden kann.

„Sie werden gebeten, umgehend alle Sachen, einschließlich Zelte, Schlafsäcke und Planen, aus dem Zuccotti Park zu entfernen. Das heißt, Sie müssen die Sachen jetzt entfernen“, lautete die Auflage der Polizei. „Sie dürfen in einigen Stunden in den Park zurückkehren, wenn diese Arbeiten abgeschlossen sind. Wenn Sie sich zur Rückkehr entscheiden, ist es Ihnen nicht gestattet, Ihre Zelte, Schlafsäcke, Planen und ähnliche Materialien mitzubringen.“

Kurze Zeit später hielt die Polizei Einzug. Die meisten Demonstranten leisten der Polizei offenbar Folge. Wer Widerstand leistete, wurde verhaftet. Laut Associated Press gab es mindestens siebzig Verhaftungen.

Aber die Geschichte hatte gerade erst begonnen. Ptotestler, die meinten, sie würden wirklich eine so wichtige Sache wie die Bürgerrechtsbewegung vertreten, sangen „We Shall Overcome“, während andere, die meinten, sie wären so tapfer und aufgeschlossen wie die ägyptischen Dissidenten, die sich gegen die brutale Diktatur ihres Landes auflehnten, trommelten ihre Trommeln und schrien: „New York, Cairo, Wisconsin, schlagt uns nieder, wir erheben uns wieder!“ („… push us down we’ll rise again!“)

In der Zwischenzeit zogen die Anwälte der Demonstranten vor Gericht, um ihre imaginäre „Meinungsfreiheit“ zu verteidigen — um auf fremdem Eigentum zu zelten, zu trommeln, den Darm zu entleeren, die Blase zu entleeren, Drogen zu nehmen, und zu quatschen. Am 15. November, gegen 06.30 Uhr, gelang es Rechtsanwälten vom New Yorker Ortsverband der liberalen linken „Nationalen Anwaltsinnung“ („National Lawyers Guild“), die als „Rechtsarbeitsgemeinschaft Freiheitspark“ („Liberty Park Legal Working Group“, LPLWG) operiert, an Manhattans Oberstem Gerichtshof eine sympathisierende Richterin zu finden, die gegen die Stadt New York, gegen verschiedene städtische Einrichtungen und gegen Brookfield Properties, den Besitzer des Zuccotti Parks, eine einstweilige Verfügung ausstellte, die anordnete, daß die Besatzer wieder auf das Gelände dürfen — mit ihren Habseligkeiten. Den Antragsgegnern wurde untersagt, „Demonstranten aus dem Zuccotti Park zu vertreiben“ sowie „die ‚Richtlinien‘ durchzusetzen, die veröffentlicht wurden, nachdem die Besetzung begann, oder die Demonstranten anderweitig zu hindern, den Park mit Zelten und anderem zuvor genutztem Eigentum wieder zu betreten“.

Wie erklärt man den Irrsinn einer Verfügung, die dem Besitzer von privatem Eigentum, das der öffentlichen Nutzung gewidmet ist, verbietet, angemessene Gesundheits- und Sicherheitsrichtlinien auszustellen und das Herumhocken in Zelten zu untersagen, die andere Mitglieder der Öffentlichkeit, die mit den Besatzern nicht einer Meinung sind, effektiv an ihrem Recht hindern, den Park zu nutzen? Die Richterin, die die einstweilige Verfügung unterzeichnete, Lucy Billings, war 25 Jahre lang Anwältin für die „Amerikanische Bürgerrechtsunion“ („American Civil Liberties Union“) — bevor sie im Jahr 1997 Richterin wurde.

Zu den Anwälten gehörten Michael Ratner, Präsident des „Zentrums für Verfassungsrechte“ („Center for Constitutional Rights“) und ehemaliger Präsident der „Nationalen Anwaltsinnung“ („National Lawyers Guild“); Margaret Ratner Kunstler, ehemalige Bildungs-Direktorin am „Zentrum für Verfassungsrechte“; und Bina Ahmad, eine ehemalige Praktikantin im „Zentrum für Verfassungsrechte“ und derzeit Kanzleiassistentin (legal program assistant) für das palästinensische „Badil Resource Center for Palestinian Residency and Refugee Rights“ und juristische Beraterin für das Büro des „Norwegischen Flüchtlingsrates der besetzten Palästinensischen Gebiete“ („Norwegian Refugee Council’s Occupied Palestinian Territories“).

Rechtsanwältin Jetta Kurland, auch eine der Anwälte, lobte Richter Billings‘ Entscheidung in den höchsten Tönen: „Dies ist ein Sieg für jeden, der an die Meinungsfreiheit glaubt. Wir werden auch weiterhin dafür kämpfen, daß jeder das Recht hat, die Besatzung fortzusetzen.“ Daniel Alterman, auch ein Anwalt der LPLWG, sagte über die Verfügung: „Dies ist ein Sieg für alle Amerikaner, für die Verfassung und für die 99%.“ Gideon Oliver, ein weiterer Anwalt der LPLWG, sagte: „Die LPLWG hat ab dem ersten Tag der Besetzung für ihr Recht auf freie Meinungsäußerung gekämpft. Das Recht der Besetzer auf freie Meinungsäußerung basiert auf unseren innersten rechtlichen Prinzipien, und wir werden bis zum Ende hier sein, um für diese Rechte zu kämpfen.“

Ellenbogenansprüche sind die „innersten rechtlichen Prinzipien“, für die die 99er Anwälte kämpfen. Weil sie arrogant behaupten, die „99%“ zu repräsentieren, glauben die Demonstranten/Besetzer, daß sie aufgrund der Meinungsfreiheit einen speziellen Status haben, der ihnen erlaubt, ihre Präsenz über einen ganzen Park auszudehnen, der dem öffentlichen Gebrauch gewidmet ist — unter Ausschluß aller anderen. Menschen, die versuchen, eine ideologisch entgegengesetzte Sichtweise zu vertreten oder den Park einfach nur zum Zwecke der Erholung genießen wollen, wofür er ursprünglich bestimmt war, werden seit fast zwei Monaten ausgeschlossen. Bürgerinnen und Bürger, die in der Gegend leben und arbeiten, werden durch den ständigen Lärm und Schmutz beeinträchtigt. Inhaber von kleinen Unternehmen wurden schikaniert.

Die Gerichte haben lange entschieden, daß die Meinungsfreiheit nicht absolut ist. Die 99er haben keine Meinungsfreiheit, um den Zuccotti Park, wann immer, wo immer, und wie immer es ihnen beliebt, zu besetzen. Die Meinungsfreiheit unterliegt angemessenen, neutralen Einschränkungen, einschließlich Beschränkungen über die Zeit, die Art und den Ort der Proteste, die vernünftigerweise notwendig sind, um die Gesundheit und Sicherheit der Bürger zu schützen. Die Errichtung einer ungebetenen Zeltstadt, um auf unbestimmte Zeit herumzuhocken, geht über die Grenzen des Rechts auf Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung hinaus. Wie es Bürgermeister Bloomberg in Bezug auf die Besetzer formulierte: „Meinungsfreiheit schützt keine Zelte und Schlafsäcke. Jetzt müssen sie den Park mit ihren Argumenten besetzen.“

Glücklicherweise hatte die Saga ein relativ glückliches Ende. Einem vernünftigen Richter wurde die Verantwortung zugewiesen, den Fall der ehemaligen ACLU-Anwältin, Richterin Billings, zu übernehmen.

Am späten Dienstag nachmittag ordnete Michael Stallman vom Obersten Bundesgericht in Manhatten an, daß die Occupy Wall Street Demonstranten in den Zuccotti Park zurück können, um zu protestieren, aber nicht, um ihre Zelte und andere Campingausrüstung mitzubringen. „Das Gericht ist sich bewußt, daß die Meinungsfreiheit der Bewegung das Recht auf freie Meinungsäußerung und friedliche Versammlungen gibt“, schrieb Richter Stallman. Richter Stallman fügte hinzu, daß die Occupy Wall Street Demonstranten „nicht nachgewiesen haben, daß es sich bei den Richtlinien der Grundstückseigentümer, die zugestandenermaßen nach den Demonstrationen zustandekamen, unter der Meinungsfreiheit um nicht zulässige unangemessene Einschränkungen der Zeit, des Ortes und der Art handelt“. Die Demonstranten „haben nicht nachgewiesen, daß ihnen die Meinungsfreiheit das Recht gibt, im Zuccotti Park zu bleiben und ihre Zelte, Bauten, Generatoren und andere Einrichtungen mitzubringen“.

Die 99er, ihre Anwälte und die von einer ACLU Anwältin in eine Richterin umgewandelte Lucy Billings traten die Rechte anderer mit den Füßen, als sie die Meinungsfreiheit zugunsten der egoistischen Zwecke der Besetzer verdrehten. Die Besetzer werden zurückkehren und im Zuccotti Park oder anderswo in New York City wieder Schwierigkeiten machen, garantiert. Aber wenigstens wurde ihnen schließlich die klare Botschaft gegeben, daß wir in einer auf einem Rechtsstaat basierenden Gesellschaft leben — wo es neben Rechten und Freiheiten auch noch so etwas wie Pflichten und Verantwortlichkeiten gibt.

Hier finden Sie den Originalartikel, Evicting Occupy Wall Street.

Occupy Los Angeles: Ein Foto-Essay

2011/12/20

Ben Shapiro über die Wiedertäufer der Wohlstandsgesellschaft.

Es war ein seltsames Nebeneinander. Während meine Frau, eine Israelin mit Green-Card, an diesem Montag ihren Einbürgerungstest machte, fand ich mich in der Innenstadt von Los Angeles. Bevor sie zur Ausländerbehörde ging sagte sie: „Es ist ein Privileg, ein Bürger dieses Landes zu werden.“ Auf der anderen Straßenseite, bei den Occupy Los Angeles Protesten, protestierten Hunderte von US-Bürgern gegen den US-Kapitalismus. Ihre Zeltstadt erstreckte sich über mehrere Blöcke. Zum Glück für mich hatte ich jetzt ein paar Stunden totzuschlagen und eine Kamera in meinem Auto. So begann meine Reise ins moralische und intellektuelle Herz der Leere.


Ein Mitglied der 53 Prozent fährt an den Mitgliedern der in Zelten lebenden 47 Prozent vorbei.


Der romantische Spazierweg von Occupy Los Angeles. Nur nicht nachts und zu Fuß.


Yogi Bärs Herzfrequenz steigt exponentiell.


Der selbstbewußte Teil von OLA nennt sich zu Recht „Pennerviertel“ („Skid Row“).

Es war ein schöner Tag. Die Sonne schien hell vom Himmel hinab. Niemand verhungerte auf den Straßen. Duschen waren in der Gesellschaft weit verbreitet.

Dennoch bot sich bei den Occupy Los Angeles Protesten ein Bild des Ekels, ein Geruch nach Marihuana, und eine Atmosphäre der pathetischen Verzweiflung — durchzogen von einer Spur utopischer Unwirklichkeit.

Ich begann meine Reise an der Ecke Main Street und Temple. Die Lichtmasten waren anläßlich dieser spirituell erhebenden Bewegung feierlich geschmückt:


Trotz der Prahlerei sind 99 Prozent von Los Angeles an Occupy Wall Street nicht interessiert.

Wer sind also diese angeblichen 99 Prozent? Wir werden sehen, daß es sich in der Regel um Studenten handelt, die ihre Professoren und deren Rhetorik über „sichere Räume“ zu ernst nehmen, und um Obdachlose und/oder Verlierer, die einen Vorwand suchen, um in Zelten im Freien zu leben, ohne von der Polizei belästigt zu werden. Es handelt sich nicht um ehemalige Mitarbeiter der Hypothekenbank Countrywide oder ehemalige Hypothekenschuldner von Countrywide. Es sind Menschen, die danach hungern, unter der südkalifornischen Sonne herumzuhängen — mit Zustimmung der kommunalen Verwaltung und dem patriarchalischen Segen des Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Was die Vorstellung betrifft, irgendwelche Organisationen hätten mit diesen Protesten irgendetwas zu tun: lesen Sie die Plakate. Falls Sie die Plakate nicht lesen können, sie stammen von der Facharbeitergewerkschaft AFL-CIO (American Federation of Labor and Congress of Industrial Organizations), der Brieftägergewerkschaft NALC (National Association of Letter Carriers), und der Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes AFSCME (American Federation of State, County and Municipal Employees). Das bedeutet, daß die Occupy Bewegung durch die Hintertür mit Steuergeldern subventioniert wird, da diese Gewerkschaften ihre Tarifverhandlungen mit der Regierung führen.


Die Basisdemokraten haben Verträge mit der Regierung.

Das Motto, das von Occupy Los Angeles am offensichtlichsten vertreten wird, ist, daß es kein Motto gibt. Präsident Obama verkündet zwar, daß Occupy Wall Street eine konzertierte Bewegung für soziale Veränderung ist, und die Medien versuchen, sie mit der aus nur einer einzigen Botschaft bestehenden Tea Party zu vergleichen, doch die Occupy Bewegung ist wirklich nur ein zufälliger Mischmasch aus linksradikalem Mischmasch, die unter dem Banner des Anti-Establishment-Denkens die Weltrevolution erklärt. Die Schilder bringen sowohl diese ideologische Schizophrenie zum Ausdruck, als auch die künstlerische und sprachliche Inkompetenz:


Das Revier der lesbisch-schwul-bisexuell-transgenderellen Teilnehmer.


Die Kompostierer wohnen hier.


Genau so die Klassenkämpfer, deren wahrscheinlich öffentliche Schulbildung ihnen gerade genug auf den Weg ins Leben mitgab, um „Milliardäre“ falsch zu schreiben und um um Geld für ihre unsauberen Gasgeneratoren zu betteln.


Was hat der Jemen damit zu tun?


Demnächst in diesem Theater: Indiana Jones and the Protest of Doom.


Erinnern Sie sich an den Burschen, der Geld für den Gasgenerator sammelte? Er sollte mal mit diesem Kollegen eine kleine Diskussion führen.


Die Tierrechte nicht vergessen.


Hinweis: Entscheiden Sie sich für die Fahrradreparatur.


Bill Clintons Zelt.


Korrektur: Hier ist Bill Clintons Zelt.

Die meisten der Zelte schienen leer zu sein. Zumindest hatte sich das Leben der Eingeborenen noch nicht bemerkbar gemacht. Diejenigen, die draußen saßen, sahen nicht viel anders aus als die unglücklichen Obdachlosen, die man hier und da auf den Straßen von Los Angeles sehen konnte. Sie sind gerade umgezogen. Doch als ich mich der Keimzelle des Fortschritts näherte, wurde der Geruch von Marihuana stärker. Die meisten Aktivitäten fanden in größeren Zelten statt, in denen sich kleine Gruppen jüngerer Menschen zusammendrängten, um zu rauchen. Ich hörte, wie ein Mann in Drogen-induzierter Ekstase zufällig schrie: „Motherf—er! Ich liebe dich, Motherf—er!“ Die Einheit war spürbar.


Liberale Linke würden dies als „Stadterneuerung“ bezeichnen.

Ich hatte wirklich nicht erwartet, daß die Proteste von Hippies geprägt sein würden — ich dachte, das wäre eine Beschimpfung von Konservativen. Wie sich herausstellte, war das keine Beschimpfung, sondern journalistische Sorgfalt. Viele von denen, die herumliefen, waren schmutzig, mit seit Wochen ungewaschenen Haaren, und lebten auf dem Erdboden. Wenn diese die Setzlinge für Obamas sozialistische Revolution sind, dann wird er sie erst einmal Entlausen müssen.


So sieht Gleichheit aus.


Die Armee der Nutzlosen und Fehlgeleiteten.


Ihre Eltern müssen so stolz sein.


Die Welt wird gerettet. Morgen die nächste.


Sanitäre Einrichtungen.


Nach der Erfindung der Zeitmaschine im Jahr 1969 landete dieser Mann im Westen von Woodstock.

Wenn es ein Element gab, das die Demonstranten vereinte, dann war es ihre Liebe für Marihuana. Die Stärke des Drogenkonsums kann nicht überbewertet werden. Der Gestank hing schwer in der Luft. Auf Schildern wurde der straffreie Gebrauch von Marihuana unterstützt.


Die wirklichen Ziele der Occupy Bewegung.


Quatschen und Kiffen.

Doch nicht alles bei Occupy Los Angeles war Spiel und Spaß. Es war eine stille unterschwellige Gewalt zu spüren, trotz der Bemühungen der Organisatoren, sie zu ersticken. Es wimmelte von Vorschlägen, „die Reichen“ und die „Banker“ zu schlachten und die US-Regierung zugunsten eines marxistischen Gewaltfriedens zu stürzen.


Anarchismus, mit freundlicher Unterstützung des Sponsoring-Konzerns Coleman Zelte (siehe das Etikett in der Ecke).


Kommunismus in der Überflußgesellschaft.


Die grün-rote Achse der Gutmenschen: Vegetarier, Kommunisten, Anti-Amerikaner und Anti-Israel-Rhetoriker.


Suchbild: „Wo ist Che?“

Ein Pärchen informierte mich, daß „mein Land“ — ich trug eine Kippa, also bezogen sie sich auf Israel, natürlich — Menschen tötet. Als ich fragte, was Israel mit der Occupy Bewegung zu tun hatte, sagten sie mir, daß die Banken für die israelische Aggression zahlen. Als ich Beweise verlangte, daß Israel aggressiv wäre, und daß irgendeine der fraglichen Banken das israelische Militär finanziert, waren sie verwirrt. Sie erzählten mir auch, daß der Militärhaushalt die US-Wirtschaft zerstören würde. Als ich sie darüber informierte, daß die überwiegende Mehrheit des US-Haushalts in soziale Leistungen und andere inländische Ausgaben fließt, forderten sie mich auf, zu gehen.

Derjenige, der sich am deutlichsten ausdrücken konnte, war ein Jura-Student namens Colin von der Pacific Coast University. Colin lag das Wohl des Landes am Herzen. Er war mit der Zustimmung seines Professors hier, was kaum überrascht. Begleitet wurde er von einem Hippie mit einem Bart, einem Batik-Shirt und einer Strickmütze. Beide erklärten mir, daß vieles im Land nicht stimmt — und daß sich eine Diskussion nicht lohnt, wenn ich es nicht kapiere. Als ich zustimmte, daß vieles im Land nicht stimmt, und fragte, was ihre Ziele wären, hatten sie keine direkte Antwort. „Haben Sie 3 Stunden Zeit?“, fragte Colin lachend. Ich erklärte ihnen, daß die Occupy Bewegung von vielen wegen ihrer fehlenden Kohärenz kritisiert wird. Das, sagte Colin, wäre ihre Stärke — sie wollten tausend Blumen blühen lassen. Sie wollten einen „sicheren Raum für Gespräche“ schaffen.

Das war alles ziemlich vage. Ich fragte nach Vorschlägen, wie sie ihre Probleme mit dem Land lösen wollen. Als sie nicht antworteten, stieß ich nach, „Sie sitzen hier den ganzen Tag im Park, und das soll Amerikas Probleme lösen?“

Worauf Colin antwortete: „Ich sitze hier nicht nur den ganzen Tag im Park. So hart habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gearbeitet.“

Das bezweifle ich nicht. Das, dachte ich mir, ist das Problem. Wir brauchen weniger Gemeinwesenarbeiter/Stadtteilarbeiter/Bürgerplattformen/Bürgerinitiativen/Bürgervereine (community organizers) und mehr Menschen, die tatsächlich für ihren Lebensunterhalt arbeiten.

Dies faßt die Occupy Bewegung zusammen:


Lärm und Wut ohne Bedeutung.

Hier gibt es keine Lösungen. Hier gibt nur Angst und Wut. Keiner in der Occupy Bewegung hat einen wirklichen Plan. Stattdessen konzentrieren sie sich auf Besetzungen. In der Occupy Agenda gibt es Punkte, die nicht einmal halbgar sind: Konzerne zerstören die Wirtschaft, die Regierung ignoriert die Wähler, und der Staat herrscht über das Individuum. Die Occupy Bewegung ist so zusammenhanglos, daß sie sich nicht einmal auf eine singuläre Botschaft einigen kann. Statt irgend etwas zu tun, um die Maschine zu reparieren, kriegen diese Jugendlichen lieber einen Wutanfall.

Sie weisen jedoch auf etwas sehr wichtiges hin, das auf diesem Schild gut zusammenfaßt wird:

Die Kinder der Hippie-Generation kriegen endlich ihre Chance, zu glänzen, und sie bringen ihre Hunderttausend-Dollar-Ausbildungen gut in den Prozeß ein. Ihre Eltern können auf die Giftsporen, die sie auf die Vereinigten Staaten losgelassen haben, stolz sein.

Am Ende des Tages ging ich los, um meine Frau abzuholen. Sie hatte den Einbürgerungstest bestanden. Eine weitere Stimme für ein Amerika, das es wert ist, gerettet zu werden. Um die wirren Gedanken der Occupy Bewegung und ihrer Strippenzieher zu besiegen, werden aber viel mehr davon brauchen.

Hier finden Sie den Originalartikel, Inside Occupy Los Angeles: A Photo Essay.

Occupy Wall Street und George Soros‘ Fingerabdrücke

2011/12/19

Matthew Vadum über die finanziellen OWS-Strippenzieher.

(Anmerkungen in Klammern)

Die anti-amerikanische „Occupy Wall Street“-Bewegung ist übersät mit den Fingerabdrücken von George Soros, dem größten Unterstützer linker Aktivisten.

George Soros, die siebtreichste Person Amerikas mit einem Reinvermögen von 22.000.000.000 Dollar hat sich öffentlich zu Occupy Wall Street bekannt und er finanziert eine linke Gruppe, die Geld in die Bewegung schleust.

Dieser Sympathisant der Kommunisten war ein Mitbegründer vom undurchsichtigen „Demokratie-Bündnis“ („Democracy Alliance“), einem Milliardärs Club, der Amerika radikal umwandeln möchte, was in meinem neuen Buch Subversion Inc. beschrieben wird. Er sagte über eine europäische Form des Sozialismus „Genau das brauchen wir jetzt“ und wünscht Amerikas Niedergang. Soros, ein wegen Insiderhandel verurteilter Währungsmanipulator, lobte das totalitäre Rot-China und sagte, die Nation hat „eine besser funktionierende Regierung als die Vereinigten Staaten“.

Die gemeinnützige Organisation, die Soros‘ Geld annahm, heißt „Bündnis für globale Gerechtigkeit“ („Alliance for Global Justice“) und verwaltet Spenden an die Anarchisten, Sozialisten, Kommunisten, Hippies und hohlköpfigen Naomi Klein Anhängern, die jetzt den Zuccotti Park in Lower Manhattan besetzen. Die Spenden für Occupy Wall Street erreichten laut dem Bündnis zum 2. November 2011 eine Höhe von 206.000 Dollar. Das Wall Street Journal schätzt, daß Occupy Wall Street bisher eine Gesamtsumme von 500.000 Dollar eingenommen hat, doch es scheint, daß nicht-monetäre Zuwendungen wie Nahrung, Stromgeneratoren, Kleidung, Schuhe, Campingausrüstung und Schlafsäcke dabei nicht berücksichtigt werden.

Das Bündnis für globale Gerechtigkeit ist ein „steuerrechtlicher Förderer“ („fiscal Sponsor“), das heißt es dient Nicht-NGOs als finanzielle Clearingstelle. Förderer stellen der Allianz einen Scheck aus und sind dann in der Lage, die Spenden von ihrer Einkommensteuer abzuziehen. Steuerrechtliche Förderer behalten einen Teil der Spenden als Verwaltungsgebühren ein und leiten den Rest dann, wie vom Spender gewünscht, weiter.

Seit 2004 hat das Bündnis für globale Gerechtigkeit von Soros‘ Wohltätigkeitsorgansation Stiftung Offene Gesellschaft (Open Society Institute) 100.000 Dollar an Zuwendungen angenommen, und 60.000 Dollar von der radikalen Tides Stiftung (Tides Foundation), die Großspendern (high-profile donors) ermöglicht, radikale Gruppen heimlich zu unterstützen.

Das Bündnis ist eine Brutstätte anti-amerikanischer Aktivitäten und nimmt Geld von Wohltätigkeitsorganisationen, die zu den linkslastigsten gehören, die es heute in Amerika gibt. Seit 2001 gab die Pro-Fidel-Castro-Organisation „Arca Foundation“ dem Bündnis 185.000 Dollar und die „General Service Foundation“ 165.000 Dollar; die „Foundation for Deep Ecology“, eine Gruppe von Umwelt-Fundamentalisten, die den Menschen als Bedrohung Nummer eins für den Planeten Erde ansehen, gab seit dem Jahr 2000 erwa 30.000 Dollar.

Das 1998 mit Hauptsitz in Washington gegründete Bündnis hat eine lange Historie anti-amerikanischer Aktivitäten. Das Bündnis und seine Präsidentin Katherine Hoyt sind langjährige Unterstützer der Guerilla-Bewegung der marxistisch-leninistischen Zapatisten in Mexiko und der kommunistischen Sandinisten in Nicaragua.

Das Bündnis finanziert auch die friedensbewegte Anti-Kriegs-Gruppe „World Can’t Wait“, ein Ableger der „Revolutionären Kommunistischen Partei“ („Revolutionary Communist Party“, RCP) sowie die Organisation „Mut zu Widerstehen“ („Courage to Resist“), die US-Soldaten zur Fahnenflucht ermutigt und den angeklagten Wikileaks-Verräter Bradley Manning unterstützt. Außerdem finanziert es anti-israelische Gruppen wie die „Israelischen Anarchisten gegen den Krieg“ („Israeli Anarchists Against the War“) und das „Bil’in Zentrum für gemeinsamen Kampf“ („Bil’in Center for Joint Struggle“).

Möglicherweise sind Soros‘ Gelder für das Tides Netzwerk der menschenfreundlichen Sozialarbeit ebenfalls zu Occupy Wall Street gelangt.

Laut Datenbanken gab die Stiftung Offene Gesellschaft dem Tides Netzwerk seit 1999 Gelder in Höhe von 24.600.000 Dollar. Davon gingen 18.200.000 Dollar an die Tides Stiftung und die restlichen 6.400.000 Dollar gingen an das Tides Center, das ebenso als steuerrechtlicher Förderer („fiscal Sponsor“) für kleine oder neue Aktivistengruppen dient wie das Bündnis für globale Gerechtigkeit.

Es ist möglich, daß Soros durch Tides heimlich Geld an Occupy Wall Street gab. Seit dem Jahr 2001 gab die Tides Stiftung dem kanadischen Magazin gegen Konzernherrschaft „Adbusters“ fast 310.000 Dollar. Möglicherweise kam das Geld von Soros. Die Adbusters Media Foundation organisierte für den 17. September 2011 den friedliebenden „Tag der Wut“ („US-Day of Rage“), der zum Auftakt der Proteste wurde, die als Occupy Wall Street bekannt sind.

Einer von Soros‘ Kollegen vom „Demokratie-Bündnis“ („Democracy Alliance“), Rob Glaser, Firmenchef von RealNetworks, gab der Adbusters Media Foundation 2001 über seine „Glaser Fortschritts-Stiftung“ („Glaser Progress Foundation“) 176.500 Dollar. 2002 gab die „RealNetworks-Stiftung“ („RealNetworks Foundation“) Adbusters 250 Dollar.

Die Reste des Netzwerkes der Bürgerplattform ACORN (die wegen Wahlbetrug verurteilt wurde und sich im April 2010 nach ihrer vorgetäuschten Auflösung neu organisierte) sind ebenfalls an Occupy Wall Street beteiligt.

Die „Partei der Arbeiterfamilien“ („Working Families Party“), eine Fassadenorganisation von Acorn, beschafft, wie ich kürzlich berichtete, für die Proteste Geld und zahlt für organisierte Mobs (rent-a-Mobs).

Basierend auf Beweisen, die ich vor einigen Wochen aufdeckte, meldete FoxNews.com, daß die Bürgerplattform „New Yorker für Veränderung“ („New York Communities for Change“, NYCC) — die neue ACORN-Fassadenorganisation, die im vergangenen Jahr, als ACORN Konkurs anmeldete, die New Yorker ACORN-Niederlassung ersetzte — Geld für Occupy Wall Street beschafft. NYCC-Direktor Jon Kest, ein langjähriger ACORN-Aktivist, bestreitet, daß seine Gruppe mit Occupy Wall Street verbunden ist.

Die (Demokraten-Internet-Wahlkampf-)Organisation MoveOn.org, die von Soros persönlich Millionen von Dollar bekam, sammelt Gelder und hilft den OWS-Demonstranten in Lower Manhattan und im ganzen Land.

Die Gruppe erstellte die Internetseite „OccupyWishList.org“, wo Demonstranten auflisten, was sie brauchen und Spender zusagen, es ihnen zu geben.

Angesichts der wachsenden Zahl von Vergewaltigungen und anderer Gewalttaten, die auf Occupy-Veranstaltungen von Küste zu Küste gemeldet werden, sollten in die Liste chemische Keulen und Elektroschockpistolen aufgenommen werden.

Hier finden Sie den Originalartikel, Occupy Wall Street and Soros‘ Fingerprints.

Occupy Oakland: Chaos und Zerstörung

2011/12/17

Rick Moran über die siebste Woche von Occupy Wall Street.

Die Occupy Oakland Proteste, die sich am Mittwoch abend und am frühen Donnerstag morgen in einen gewalttätigen Mob verwandelten, waren vollkommen vorhersehbar. Der Vandalismus, die Graffiti und die Gewalt bei einem Angriff auf Polizisten, die versuchten, mindestens 200 Demonstranten zu verscheuchen, die ein verlassenes Gebäude besetzt hatten, war das Ergebnis der Hetze sogenannter „friedlicher“ Demonstranten, die die Gewalt jetzt verurteilen, als ob sie nichts damit zu tun hatten.

Zu den schlimmsten Ausschreitungen kam es am späten Mittwoch abend als etwa 200 Demonstranten das leerstehende Travel’s Aid Gebäude besetzten und es im Namen des Volkes beanspruchten. Die Polizei befürchtete, daß die Demonstranten das Gebäude in Brand setzten würden, so daß sie sich ein paar Blocks entfernt formierten und auf den Protest zu bewegten. Als sie von den bevorstehenden polizeilichen Maßnahmen hörten, verbarrikadierten die Demonstranten die Straße. Die Obrigkeit sah sich dann mit Demonstranten konfrontiert, die laut New York Times „Fenster zertrümmerten, Steine warfen, einen 15-Meter hohen Scheiterhaufen aus Müll entzündeten und die Schaufenster der Innenstadt mit Graffiti überzogen“.

Oakland — gewerkschaftlich stark organisiert und mit einer weitgehend liberalen linken Bevölkerung — zahlte den Preis für das Tolerieren der Occupy Demonstranten, die den Hafen von Oakland stillegten, indem sie Arbeiter einschüchterten und ihnen Gewalt androhten. Die Stillegung des Hafens wurde von fast allen großen Medien des Landes als „friedlich“ beschrieben. Der Hafen wurde aber nicht aus Solidarität mit den Demonstranten stillgelegt, sondern weil die Polizei und die Hafenbehörde um das Leben der Arbeiter fürchtete, als ein johlender Mob aus 3.000 Demonstranten einige Engpässe fand und die Straßen, die in den Hafen führten, sperrte.

Dort stoppten sie Lastwagen auf dem Weg in den Hafen, bedrohten die Autofahrer oder schüchterten sie ein, legten Brände, blockierten Straßen, und fingen an, Betonbrocken auf die Polizei zu werfen, die offenbar den Befehl hatte, sie machen zu lassen, was sie wollten. Schließlich beschloß die Obrigkeit, den Hafen stillzulegen, und ihn wieder zu öffnen, „wenn es sicher ist, dies zu tun“, erklärte ein Sprecher. Er fügte hinzu: „(Bitte) erlaubt euren 99% an Kollegen, sicher nach Hause zu ihren Familien zu kommen.“ Das klingt gewiß nicht besonders „friedlich“. Es ist offensichtlich, daß die Demonstranten, die den Hafen stillegten, dies erreichten, indem sie die Obrigkeit durch die Androhung von Gewalt einschüchterten.

Trotz der Versprechungen von einigen Demonstranten, das Gelände auf unbestimmte Zeit geschlossen zu halten, waren die meisten der Demonstranten am späten Mittwoch abend nach Hause gegangen und der Hafen wurde am Donnerstag morgen wieder geöffnet.

Bestimmt war der Hafenbehörde der Marsch aus der Innenstadt bekannt, wo mehrere Dutzend Fenster eingeschlagen wurden, Ladenfronten mit Graffiti beschmiert wurden, und sowohl öffentliche als auch private Anwesen verunstaltet und zerstört wurden. Noch konnte der Obrigkeit die bedrohliche Natur vieler der Schilder entgangen sein, die die Demonstranten trugen, darunter ein großes Banner an der Spitze der Parade mit der Aufschrift „Tod dem Kapitalismus“ sowie mehrere Schilder, die den Tod der Polizei forderten.

Der „Generalstreik“, zu dem die Demonstranten für Mittwoch aufriefen, scheiterte laut dem Wall Street Journal so gut wie kläglich. Am Dienstag kündigte Organisator Tim Simons an, „Zehntausende“ würden „beim Generalstreik am Mittwoch ausfallen“. Er irrte sich gewaltig, denn die Polizei schätzte die Menge auf rund 4.500 Marschierer, mit etwa 3.000 im Hafen — viele von ihnen wurden von den Gewerkschaften in Bussen hergekarrt.

Obwohl Jean Quan, die Bürgermeisterin von Oakland, den städtischen Arbeitern erlaubte, sich dem Protest anzuschließen, wenn sie es wünschten, nahmen nur wenige ihr Angebot an. Die Hafenarbeiter-Gewerkschaft meldete kaum Veränderungen in der Mitgliederzahl, die für die Arbeit zur Verfügung steht. Da sich 300 von 2000 Gewerkschaftsmitgliedern krank meldeten oder einen freien Tag nahmen, schienen Lehrer die größte Gruppe zu sein, die sich dem Streik anschloß. Und die Wirtschaft ignorierte den Anruf fast komplett, obwohl viele vorzeitig schlossen, weil sie Gewalt fürchteten. Die Demonstranten enttäuschten in dieser Hinsicht jedoch nicht.

Jean Quan war unentschlossen und rotierte zwischen dem Einsatz von Gewalt, um das erste Zeltlager gegenüber vom Rathaus zu schließen, während sie ihre Solidarität mit den Zielen der Demonstranten erklärte. Politikwissenschaftler Corey Koch von der Universität San Francisco beobachtete, daß sich Jean Quan zur gleichen Zeit von der Polizei und den Demonstranten entfremdete. „An diesem Punkt hat sie keine Freunde“, sagte er gegenüber Associated Press. Jean Qauns Ja-Nein-Haltung veranlaßte den Polizeiverband Oakland zu einem vernichtenden Brief, unter Hinweis auf Quans massive Widersprüchlichkeit, von den Protestlern an einem Tag zu verlangen, das Lager zu räumen und ihnen dann ein paar Tage später die Rückkehr zu erlauben.

Jean Quans Mangel an Führung und Unentschlossenheit haben etwas Herzergreifendes. Als am frühen Donnerstag morgen die Schlacht zwischen Polizei und Demonstranten in vollem Gange war, twitterte die Bürgermeisterin an das Abrißkommando, das ihre Stadt zerlegte: „Meldungen über brennende Reifen und Barrikaden in der 16. Straße. Demonstranten sollen jetzt mein Büro anrufen.“ Die Innenstadt von Oakland befindet sich im Chaos und alles, was ihr an Taten in den Sinn kommt, ist, die Randalierer zu bitten, sie anzurufen? Quan twitterte mehrere Male und bat die Demonstranten, sie anzurufen und zu reden. Wäre es irgendeine andere Stadt in den Vereinigten Staaten, würde für den Versuch, mit einheimischen Terroristen zu verhandeln, die Frage nach der Amtsenthebung gestellt werden. In Oakland aber sind die Verluste beim Privateigentum sowie eine gewaltige Rechnung für die Aufräumarbeiten der Preis, der für die „Meinungsfreiheit“ bezahlt werden muß. Doch auch Oakland hat seine Grenzen. Jean Quan sieht sich nun, als Ergebnis ihrer Schwäche angesichts der Gewalt, nicht mit einem Anruf, sondern mit einer möglichen Abberufung konfrontiert.

Hezergreifend sind auch die Beteuerungen vieler Protest-Organisatoren, daß sie sich von der Gewalt „distanzieren“. Ein Mitglied vom Occupy Oakland „Medienkomitee“ erklärte, die Gruppe „befürwortet keine Gewalt und hat kein Interesse, Maßnahmen zu unterstützen, die die Gemeinde und die Möglichkeiten, an deren Schaffung sie arbeitete, zu gefährden.“

Sie mögen diese Aussage glauben, die Realität deutet aber auf etwas viel Aufschlußreicheres: Sie weigern sich, die „Randgruppen“ unter ihnen zu überwachen, deren blutige Äußerungen über den „Tod“ der Banker und der Polizei zu der Art von Vorfällen aufhetzen, die sich in der Innenstadt von Oakland am späten Mittwoch Abend ereigneten. Die wahren „Führer“ dieser Proteste sind diejenigen, die die Idealisten als nützliche Idioten benutzen, um den Medien ein gutartiges, sogar bewundernswertes Bild der Occupy Oakland Bewegung zu geben.

Während der Unruhen konnte beobachtet werden, daß der ganze Sinn der Aufmärsche und Demonstrationen nur darin besteht, eine Reaktion der Polizei zu provozieren, bei der nicht sie, sondern andere Menschen verletzt werden, und vielleicht sogar getötet. Sie machten einen jungen Irak-Kriegs-Veteran zum Märtyrer, der aus Versehen von einer Tränengaspatrone am Kopf getroffen wurde und eine schwere Kopfverletzung erlitt. Der Vorfall ist zu einem gemeinsamen Nenner geworden, nicht nur in Oakland, sondern auf Occupy Protestkundgebungen im ganzen Land. Trotz der Tatsache, daß es absolut keinen Beweis gibt, daß die Polizei tatsächlich mit einer Tränengaspistole auf den jungen Mann zielte, ist durch das ganze Land der Ruf gegangen, daß seine Verletzungen die Folge von „Polizeibrutalität“ seien.

Diejenigen, die behaupten, Gewalt zu vermeiden, unternehmen herzlich wenig, um die Aufhetzung in ihren eigenen Lagern zu verhindern, wo auf Schildern für Revolution und Tod geworben wird. Und die Publicity, die die Anarchisten und gewalttätigen Revolutionäre — vielleicht unbewußt, vielleicht auch nicht — als Folge der Unruhen und gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei der Bewegung bringen, dient den Bemühungen der Occupy Bewegung, zu wachsen und eine größere Folgschaft zu gewinnen.

Jüngste Umfragen zeigen überall die Akzeptanz der Occupy Bewegung. Eine von CNN gemeldete Umfrage von ORC International zeigt, daß 37% „den allgemeinen Positionen“ der Occupy Bewegung zustimmen, während 19% dagegen sind. Eine Mehrzahl von 44% sagte, sie seien sich nicht sicher.

Eine Umfrage von Quinnipiac im National Journal zeigt, daß die Occupy Bewegung von 39% ungünstig gesehen wird, und nur 30% eine positive Meinung haben. Weitere 30% haben keine Meinung oder sind sich nicht sicher.

Die Menschen mögen Rettungsaktionen hassen und Wall Street für zu gierig halten oder sich sogar über die Einkommensunterschiede in Amerika ärgern. Neid ist in diesem Land nicht unbekannt, und es ist leicht, die Empörung über „die Reichen“ und „die Banker“ anzusprechen — durch einen einfachen Appell an die niedrigsten und gemeinsten unserer Emotionen.

Direkt gefragt, ob sie den „Tod des Kapitalismus“ unterstützen, würden aber nur wenige Menschen „ja“ sagen. Und noch weniger würde die Kommunisten, Anarchisten, Nihilisten und Schläger unterstützen, die die wirklichen Führer der Occupy Bewegung sind und einen gewaltsamen Umsturz der Gesellschaft und unseres Wirtschaftssystems wünschen.

Hier finden Sie den Originalartikel, Occupy Oakland’s Mayhem and Destruction.

Eine historische Taktik der Linken: Nicht die Ideologie ist schuld, sondern der Vorgänger

2011/12/16

Ion Mihai Pacepa über Chruschtschow, Breschnew, Andropow, Ceausescu, Gorbatschow, Jelzin, Putin, Occupy Wall Street und die immer wieder neu aufgelegte Platte des Marxismus mit menschlichem Antlitz.

Termini technici
political necrophagy: politische Nekrophagie (neomarxistische Strategie der Vergangenheitsbewältigung)

(Generalleutnant Ion Mihai Pacepa ist der höchste Vertreter, der jemals aus dem Ostblock übergelaufen ist.

Zwischen 1957 und 1960 diente er als Chef der rumänischen Geheimdienststation in der BRD, zwischen 1972 und 1978 war er stellvertretender Chef des Auslandsgeheimdienstes.

Pacepa setzte sich im Juli 1978 im Zuge eines Aufenthaltes in der US-amerikanischen Botschaft in Bonn ab. Dorthin war er von Ceausescu mit einer Nachricht für Bundeskanzler Helmut Schmidt geschickt worden. Geheim wurde er in einer US-Militärmaschine auf die Andrews Air Force Base in der Nähe von Washington, D.C. ausgeflogen. Im September 1978 wurde Pacepa in Rumänien zum Tode verurteilt.

Ceausescu setzte eine Belohnung in Höhe von zwei Millionen Dollar auf seinen Kopf aus. Auch Yassir Arafat, über den Pacepa berichtet hatte, er sei homosexuell, und Muammar al-Gaddafi boten eine Million Dollar.

1989 wurde der rumänische Tyrann Nicolae Ceausescu nach einem Prozeß hingerichtet, dessen Haupt-Anklagepunkte Pacepas Buch „Red Horizons“ entnommen wurden, das anschließend in 27 Ländern wiederveröffentlicht wurde.)

Ich habe diese Strategie in der Sowjetunion erlebt, und jetzt sehe ich sie bei Occupy Wall Street. Sie schlägt immer fehl.

Die chaotische Occupy Wall Street Bewegung ist das Ergebnis der chaotischen Bemühungen der Demokratischen Partei, Bösewichte für ihre chaotische Wirtschaftspolitik zu finden, die 14 Millionen Amerikaner ihre Arbeit verlieren ließ. Die US-Verschuldung hat jetzt 15.000.000.000.000 Dollar erreicht, ein noch nie erreichtes Ausmaß, höher als die Gesamtverschuldung aller 41 Präsidenten von George Washington bis George H.W. Bush zusammen. Das bedeutet eine Schuld von 35.835 Dollar für jeden amerikanischen Haushalt. Das BIP fiel von einem Wachstum von 4,5% im ersten Quartal 2011 auf 1,3% im zweiten Quartal 2011.

Anstatt sich am Riemen zu reißen und die Produktion — nicht die Umverteilung — von Reichtum zu förden, machten die Demokratischen Führer im Weißen Haus und US-Senat den ehemaligen Präsidenten George W. Bush für die aktuelle wirtschaftliche Katastrophe verantwortlich. Kein Amerikaner hat es so richtig geglaubt. Also machten die Demokraten den japanischen Tsunami verantwortlich. Auch Pech. Den arabischen Frühling und die europäische Wirtschafts-Krise verantwortlich zu machen, führte auch nicht zum gewünschten Ergebnis. Jetzt machen die Demokraten Wall Street — was auch immer das heißt — und die Reichen verantwortlich. Sie sind das eigentliche Übel. Sie saugen den Menschen das Blut aus und zerstören Amerika.

Im Allerheiligsten des ehemaligen sowjetischen Imperiums, dem ich einst angehörte, wurde die Suche nach einem Sündenbock für die Fehler des Führers eines Landes als „politische Nekrophagie“ bezeichnet. Obwohl der Marxismus verkündet, daß „das Volk“ die entscheidende Rolle in der Geschichte spielen muß, glaubten die Marxisten, die auf dem Kreml-Thron saßen, daß nur der Führer zählt. Aus dem Munde von Chruschtschow selbst konnte ich immer und immer wieder hören: „Ändere das Bild des Führers in der Öffentlichkeit, und du änderst die Geschichte.“

Am 26. Februar 1956 erblickte die geheime „Wissenschaft“ der politischen Nekrophagie im Kreml das Licht der Welt. An diesem Tag enthüllte Chruschtschow in einer vierstündigen „Geheimrede“ „Stalins Verbrechen“ — um ihre Bedeutung zu betonen um Mitternacht unter einer geheimnisschwangeren Wolke während des öffentlichkeitswirksamen XX. Kongresses der Kommunistischen Partei der Sowjetunion.

New York Times Journalist Harry Schwartz schrieb: „Chruschtschow öffnete die Türen und Fenster einer versteinerten Struktur. Er ließ frische Luft und frische Ideen einströmen, die Änderungen hervorriefen, die, wie, wie sich bereits gezeigt hat, irreversibel und grundlegend sind.“

In Wirklichkeit war Chruschtschows „Geheimrede“ nur eine Show, die von der Brutalität des sowjetischen Marxismus und von seinem eigenen Bild als „Schlächter der Ukraine“ ablenken sollte. Nicht der Marxismus war Schuld, daß in der Sowjetunion 20 Millionen Menschen barbarisch getötet wurden, um den Marxismus zur einzigen Religion zu machen — es war alles Stalins Schuld. Nicht der Marxismus war Schuld, daß in den Jahren, als Chruschtschow der Vizekönig des Kremls in Kiew war, Hunderttausende von Ukrainern hingerichtet wurden — auch das war alles Stalins Schuld.

Ein paar Tage nach Chruschtschows „Geheimrede“ brachte sein brandneuer Geheimdienstchef, General Aleksandr Sakharovsky — der ehemalige Chefberater des sowjetischen Geheimdienstes für Rumänien — den Text meinem rumänischen Auslandsnachrichtendienst, dem DIE (Departamentul de Informatii Externe). „Dies ist das geheimste Dokument, das ich jemals in meiner Hand gehalten habe“, erzählte uns Sakharovsky — mit einem Augenzwinkern.

Er bat uns, die „Geheimrede“ an den israelischen Mossad weiterzuleiten, der gerade Diskussionen über ein geheimes Tauschgeschäft mit dem DIE begonnen hatte, um rumänischen Juden im Tausch gegen amerikanische Dollars die Auswanderung nach Israel zu ermöglichen. Das DIE spielte die Geheimrede gehorsam dem Mossad zu, der zu dieser Zeit eng mit der amerikanischen CIA zusammenarbeitete.

Im Juni 1956 wurde Chruschtschows „Geheimrede“ von der New York Times veröffentlicht, die einräumte, sie von der CIA bekommen zu haben. Darüber, wie diese Rede zur New York Times gelangte, gibt es viele öffentliche Versionen — der Mossad ist für die Verschleierung seiner Aktivitäten bekannt. Wie auch immer, Sakharovsky dankte dem DIE ein paar Monate später dafür, ihm geholfen zu haben, Chruschtschows neuen „Kommunismus mit menschlichem Antlitz“ der Welt vorzustellen.

Bald darauf wurde Chruschtschows „Geheimrede“ im gesamten Ostblock in allen Organisationen und Medien der Kommunistischen Partei diskutiert. Der Marxismus war rehabilitiert.

Rumäniens erster kommunistischer Herrscher, Gheorghe Gheorghiu-Dej, starb nur wenige Monate nachdem Chruschtschow gestürzt wurde, und die politische Nekrophagie erreichte nun auch Rumänien. Wie auf dem Balkan nicht anders zu erwarten, kam Rumäniens politische Nekrophagie in einer herrlich byzantinischen Färbung daher. „Wir brauchen keine Idole“, erklärte Nicolae Ceausescu, der neue Herrscher, dem Plebs. Dann „demaskierte“ Ceausescu den „beispiellosen“ Personenkult seines Vorgängers, und erlaubte dem Plebs, seine Augen auf den opulenten Palast von Gheorghiu-Dej zu werfen. Es dauerte nicht lange, bis sich Ceausescu selbst zum „Laien-Gott“ erklärte und rühmte, „ein Mensch wie ich wird alle 500 Jahre nur einmal geboren“. Ein paar Jahre später gründete Ceausescu die erste kommunistische Dynastie, und begann abwechselnd in 21 luxuriös eingerichteten Palästen, 41 „Wohn-Villen“ und 20 Jagdhütten zu residieren.

Nach Chruschtschow wurde die politische Nekrophagie im Kreml die Regel. Breschnew beschuldigte Chruschtschow, die Einheit der kommunistischen Welt zerstört zu haben. Als Gorbatschow kam, warf er Breschnew vor, die sowjetische Wirtschaft verwüstet zu haben. Gorbatschow hatte sogar einige von Breschnews Verwandten verhaften lassen — in einem offensichtlichen Versuch, zu beweisen, daß die sowjetische Wirtschaft durch korrupte Individuen verwüstet worden war und nicht durch den Marxismus. Jelzin beschuldigte Gorbatschows Perestroika, das „Land in den Ruin zu führen“ und dann gab Putin Jelzin die Schuld für den „Untergang der Sowjetunion, die größte Katastrophe des Jahrhunderts.“

Im Jahr 2004 — als unser Krieg im Irak auf die ersten Schwierigkeiten stieß — schmuggelte die Demokratische Partei die politische Nekrophagie des Kremls in die Vereinigten Staaten. Obwohl der Krieg von 296 Mitgliedern des Repräsentantenhauses und 76 Senatoren autorisiert war, bezeichneten ihn die Führer der Demokratischen Partei als Bushs Krieg. „Bush hat gelogen, Menschen sind gestorben“ („Bush lied, people died“) wurde zum Slogan der Demokratischen Partei, deren Führer plötzlich vergessen hatten, daß auch sie für diesen Krieg gestimmt hatten.

Die Fußmatte am Eingang zum Büro des Bundesvorsitzenden der Demokratischen Partei, Terry McAuliffe, stellte den US-Präsidenten dar und trug die Aufschrift „Gib Bush einen Tritt“ („Give Bush the Boot“). Der Demokratische Senator Tom Daschle, der Minderheitenführer, nannte Präsident Bush einen unglücklichen Störfall. Der pensionierte General Wesley Clark, ein ehemaliger NATO-Oberbefehlshaber, der ein Führer der Demokratischen Partei mit Blick auf das Weiße Haus wurde, forderte den Kongreß auf, zu „prüfen, ob Präsident Bush ein Verbrecher war, als er einen Krieg gegen Saddam Hussein befürwortete“. Im Jahr 2004 konzentrierte sich die Demokratische Nationalversammlung (Democratic National Convention) fast ausschließlich auf politische Nekrophagie. Mit Ausnahme von Senator Joe Lieberman verunglimpften alle anderen Sprecher den US-Präsidenten.

Zwei Tage nach Beendigung dieses Kongresses erklärte Teresa Heinz Kerry, die Ehefrau des demokratischen Kandidaten für das Weiße Haus, daß vier weitere Jahre der Bush-Regierung für Amerika vier weitere Jahre der Hölle bedeuten. Wie sie bin auch ich ein Einwanderer. Ich habe meine 33 Jahre in Amerika unter sechs Präsidenten verbracht — einige besser als andere –, aber ich habe immer das Gefühl gehabt, daß ich im besten Land der Welt lebe. Und in jenem Wahljahr hatte auch die überwältigende Mehrheit der Amerikaner dieses Gefühl.

Präsident Bush wurde wiedergewählt, aber die politische Nekrophagie der Demokratischen Partei hatte das internationale Ansehen der Vereinigten Staaten so unglaublich herabgesetzt, daß die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa dem Rest der Welt bescheinigen mußte, daß die Vereinigten Staaten im November 2004 freie Wahlen hatten.

Jetzt nähern wir uns wichtigen Neuwahlen, und die Demokratische Partei greift zu einer neuen Form der politischen Nekrophagie. „Zieht eure Pantoffeln aus und steigt in eure Schuhe zum Marschieren“ wurde der neue Slogan der Demokratischen Partei. Das Ergebnis: Occupy Wall Street Zeltlager.

Für Millionen von Menschen, die nach Freiheit strebten und in die Vereinigten Staaten kamen, war die amerikanische Staatsbürgerschaft der höchste Traum — wie für mich. Nun aber ersetzt die Demokratische Partei die amerikanische Staatsbürgerschaft durch ein „Ash-Sha’b yurid isqat an-nizam“ — „das Volk will den Sturz des Regimes“. „Bringt einen offenen Geist und einen Schlafsack“, schrieben die Organisatoren von Occupy Wall Street auf Facebook und Twitter. „Es wird eine große Sache und es wird global.“

Diese durch die politische Nekrophagie der Demokratischen Partei generierte Anarchistenbewegung hat sich in mehr als 200 Städten in den USA sowie 82 weiteren Ländern ausgebreitet.

Die politische Nekrophagie von Chruschtschow erschütterte das Bild der Sowjetunion als Arbeiter-Paradies. Die politische Nekrophagie und die Occupy Wall Street Zeltlager der Demokratischen Partei erschüttern das Bild der Vereinigten Staaten als Führer der freien Welt.

Ich könnte ein ganzes Buch über politische Nekrophagie schreiben, und vielleicht werde ich es eines Tages tun. Hier möchte ich nur sagen, daß, politische Nekrophagie — nach meiner Erfahrung — ein gefährliches Spiel ist. Sie verletzt den Nationalstolz der Menschen, und in der Regel wendet sie sich gegen den Verursacher.

Am 14. Oktober 1964 wurde Chruschtschow zum ersten sowjetischen Führer, der jemals entthront wurde. Das sowjetische Politbüro schätzte seine politische Nekrophagie als so unberechenbar und gefährlich ein, daß es ihn unter Hausarrest stellte — bewacht vom KGB, für den Rest seines Lebens. Als Chruschtschow starb, verfügte Breschnew, daß sein Vorgänger den historischen Respekt des Landes gegenüber dem Kreml schwer geschädigt hatte, und daß er unwürdig wäre, an der Kreml-Mauer neben den anderen ehemaligen Führern beigesetzt zu werden. Die sowjetische Regierung weigerte sich sogar, Chruschtschows Grabstein zu bezahlen. 1972, als ich Chruschtschows Grab auf dem Friedhof von Novodevichi besuchte, gab es darauf nur einen kleinen unbedeutenden Hinweis.

Leonid Breschnew, der Chruschtschow absetzte, endete dann aber so, daß er von den Russen und vom Rest der Welt als selbstverherrlichende Karikatur gesehen wurde. Seine politische Nekrophgie und sein Personenkult beschädigten das internationale Ansehen der Sowjetunion in einem solchen Maße, daß der KGB entschied, den Kreml zu übernehmen.

Yury Andropow, der erste Offizier des KGB, der im Kreml inthronisiert wurde, begann, die Sowjetunion in ein Land umzuwandeln, in dem, hinter einer Fassade des Marxismus, die politische Polizei des Herrschers den Vorrang über das ursprüngliche Werkzeug zur Führung des Landes einnahm — die Kommunistische Partei. Bereits todkrank, starb Andropow, bevor er seine Aufgabe erfüllen konnte.

Michail Gorbatschow, dessen Glasnost und Perestroika als ein Akt der politischen Nekrophagie geschildert wurden, die Rußlands historische Traditionen ändern sollten, endete im Exil.

Im Dezember 1989 wurde der rumänische Tyrannen Nicolae Ceausescu hingerichtet. Das außerordentliche Gericht, das ihn zum Tode verurteilte, entschied, daß seine politische Nekrophagie und sein anschließender Personenkult Rumäniens traditionellen Respekt gegenüber seinen Führern entehrt hatten, und daß er nicht einmal einen Sarg und ein Grab verdient. Ceausescus Leiche wurde deshalb in einen Beutel gepackt und in einem Fußball-Stadion in den Müll geworfen.

Die Sowjetunion und das kommunistische Rumänien waren extreme Fälle. Aber auch in den Vereinigten Staaten wird die politische Nekrophagie nicht funktionieren. Es gibt hier eine lange Tradition, die gewählten Führer zu respektieren. Während des Zweiten Weltkriegs gaben 405.399 Amerikaner ihr Leben, um den Nationalsozialismus und den Holocaust zu besiegen, aber die USA standen hinter ihrem Präsidenten. Die Vereinigten Staaten hielten während dieses Krieges Wahlen ab, aber kein Bewerber für ein Amt hatte auch nur daran gedacht, auf der Suche nach einem persönlichen Sieg die Einheit des Landes zu schädigen.

Die amerikanischen Traditionen können weder durch politische Nekrophagie noch durch demonstrierende Occupy Wall Street Mobs geändert werden.

Hier finden Sie den Originalartikel, Blame the Predecessor, Not the Ideology: A Historical Leftist Tactic.