Rabbi gegen Rabbi in rätselhaftem Erpressungsfall

Jeremy Gordin über die Rabbiner der jüdischen Gemeinschaft von Südafrika.
Rabbi versus rabbi in baffling blackmail plot

8. Juni 2014 — Eines Tages Ende April nahm ein besonderer Bote (special emissary) von Debra Suiza, der Frau eines Kapstädter Rabbiners, eine Tasche entgegen.

Die Tasche enthielt zwei oder drei längliche Schachteln mit »Pro Vita«-Keksen, eingewickelt in schwarzen Kunststoff.

Die Pakete sollten aussehen, als wären sie Banknotenbündel — genau gesagt 3.300 Euro (48.000 Rand) — und der Abgesandte war der Vertreter von jemandem, der Suiza und ihren Mann seit etwa zwei Monaten erpreßt hatte.

Die Person hatte an Suiza nicht zu verfolgende E-Mails über ihren Mann Ruben Suiza gesendet, seit 34 Jahren ein Rabbiner in Kapstadt und der Leiter der jüdisch-sephardischer Gemeinde.

In den E-Mails drohte der Erpresser, der sagte, sie wäre eine Frau, den Leuten zu sagen, daß Rabbi Suiza (61) in Saus und Braus mit Prostituierten lebte.

Sie würde nur schweigen, sagte der Erpresser, wenn Frau Suiza 48.000 Rand bezahlt, die von einer »Mittelsperson« in einer Tasche an den Erpresser geliefert werden sollte.

Was der Erpresser nicht wußte, war, daß die Suizas der Polizei von den Drohungen erzählt hatten.

Am Tag der Abnahme schnappte die Polizei den Erpresser — und entdeckte, daß »sie« ein anderer Stadtrabbiner (city rabbi) war.

Rabbi Bryan Opert, der Führer der »Hebräischen Gemeinschaft Milnerton« (»Milnerton Hebrew Congregation«), Verwaltungsleiter für Glaubensübertritte bei der »Union der orthodoxen Synagogen« (»Union of Orthodox Synagogues«) und ein Mitglied der Rabbinervereinigung »Western Cape«, wurde für mehr als 48 Stunden inhaftiert.

Er wurde erst freigelassen, nachdem die Suizas vereinbarten, die Anklage gegen ihn aufzuheben, was weitere Beratungen mit den Behörden anhängig machte. (Anm.: Erlaubt das jüdische Gesetz nicht, ihn wie jeden anderen Erpresser zu behandeln?)

Opert, der sieben Kinder hat, trat zurück und schickte seiner Milnertoner Gemeinschaft und der sephardischen Synagoge einen Brief.

Er bat alle, die den Brief lesen, ihm zu »verzeihen« und sagte, er würde an einem »sehr dunklen Ort« gewesen sein, mit Depressionen kämpfen und über »den Tod meiner Mutter« hinwegkommen.

Opert schrieb: »Ich weiß, daß viele Menschen enttäuscht und schockiert sind, daß ein Rabbiner dies tun könnte, und ich bedauere die Verleumdungen, die auf das Rabbinat geworfen werden könnten.

Die Rabbiner in unserem Land sind feine Personen und großartige Führer. Ich bin durch ihre Führungskraft ermutigt worden …, diesen Brief zu schreiben.«

Opert sagte nicht, warum er Suiza erpressen wollte oder warum er genau 48.000 Rand gefordert hatte.

Er erklärte CITY PRESS, seine »wirkliche Motivation« wäre eine »intrakommunale Angelegenheit« und verwies die Zeitung dann an den Oberrabbiner von Südafrika.

Oberrabbiner Warren Goldstein weigerte sich, sich über Operts Verhalten zu äußern und sagte nur, »es gibt eine moralische Pflicht, sich mit Korruption oder Fehlverhalten von Beamten (public officials) auf eine kompromißlose und grundsätzliche Weise zu befassen«. (Anm.: Ist ein Rabbi ein Beamter?)

Goldstein sagte, er wollte auch betonen, die Gerüchte über Rabbi Suizas Verkehr mit Prostituierten »basierten auf Erfindungen und sind ohne irgendeine Grundlage.

Und«, so Goldstein, »zu keinem Zeitpunkt habe der Oberrabbiner oder der Leiter des rabbinischen Gerichts (Beth Din) irgendeinen Kontakt mit den nationalen Strafverfolgungsbehörden oder des ›Südafrikanischen Polizeidienstes‹ (SA Police Service) gehabt oder mit diesen kommuniziert. Der Strafjustiz wurde überlassen, unter der Leitung der Staatsanwaltschaft ihren eigenen unabhängigen Kurs zu nehmen.«

Rabbi Suiza sagte, daß seine Frau von dem Vorfall »traumatisiert« wäre und daß es ein sehr »trauriges Ereignis für alle Beteiligten« gewesen wäre.

Hier finden Sie den Originalartikel, Rabbi versus rabbi in baffling blackmail plot.


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