Historiker schenkt der Ritualmordbehauptung Glauben

Lisa Palmieri-Billig über Ariel Toaffs verhindertes Buch.
Historian gives credence to blood libel

7. Februar 2007 — In einer historischen Studie, die am Donnerstag in italienischen Buchhandlungen erscheinen soll, hat ein israelischer Historiker italienischer Herkunft die »Ritualmordbehauptung« wiederbelebt. Ariel Toaff, der Sohn von Rabbi Elio Toaff, behauptet, daß in dem Vorwurf, der in ganz Europa seit Jahrhunderten Anreize für Pogrome gegen Juden lieferte, eine historische Wahrheit liegt.

In einem Artikel der Tageszeitung CORRIERE DELLA SERA mit dem Titel »Jene blutigen Pessachfeste« (»Quelle Pasque di Sangue«) erhielt Toaffs Wälzer, »Blutige Pessachfeste: Die Juden in Europa und Ritualmorde« (»Pasque di Sangue. Ebrei d’Europa e Omicidi Rituali«) großes Lob von Sergio Luzzatto, einem anderen jüdischen Historiker aus Italien.

Luzzatto beschreibt Toaffs Arbeit als »großartiges Buch der Geschichte … Toaff stellt fest, daß von 1100 bis etwa 1500 … wirklich mehrere Kreuzigungen von christlichen Kindern vorfielen, was zu Vergeltungsmaßnahmen gegen ganze jüdische Gemeinden führte — strafende Massaker an Männern, Frauen und Kindern. Weder in Trient im Jahre 1475 noch in anderen Gebieten Europas im späten Mittelalter waren Juden immer unschuldige Opfer.

Eine Minderheit jüdisch-aschkenasischer Fundamentalisten … führte Menschenopfer durch«, fuhr Luzzatto fort.

Toaff bietet als Beispiel den Fall des Heiligen Simon von Trient. Im März 1475, kurz nach dem Fund der Leiche eines Kindes in einem Kanal in der Nähe der jüdischen Gegend von Trient, wurde den Juden der Stadt vorgeworfen, Simon ermordet und sein Blut verwendet zu haben, um ungesäuertes Brot (Matzen) zu machen. (Anm.: Das Kind verschwand am Gründonnerstag 1475 und Ostern und Pessach fielen in diesem Jahr zusammen.)

Nach einem mittelalterlichen Verfahren, das Geständnisse durch Folter erzwang, wurden 16 Mitglieder der jüdischen Gemeinde von Trent gehängt.

Toaff zeigt, daß die Anschuldigungen gegen die Juden von Trient »wahr gewesen sein könnten«.

Toaff bezieht sich auf kabbalistische Beschreibungen der therapeutischen Verwendung von Blut und behauptet, daß »auf beiden Seiten der Alpen ein Schwarzmarkt blühte, mit jüdischen Händlern, die menschliches Blut verkauften, komplett mit rabbinischer Zertifizierung des Produkts — koscheres Blut«.

Dr. Amos Luzzatto, der ehemalige Präsident der »Union der Jüdischen Gemeinden Italiens« (»Unione delle comunità ebraiche italiane«) sagte: »Ich würde eine seriösere Aussage erwarten als ›es hätte wahr gewesen sein können.‹« Er drückte auch Bestürzung über die Sensationsgier aus, mit der CORRIERE DELLA SERA, Italiens führende Tageszeitung, das Thema behandelte. (Anm.: Würde er Luther akzeptieren?)

»Es ist völlig unangebracht, Erklärungen zu nutzen, die vor Jahrhunderten durch Folter erpreßt wurden, um bizarre und hinterhältige historische Thesen zu rekonstruieren«, erklärten 12 von Italiens Oberrabbinern in einer Pressemitteilung, die Toaffs Behauptungen entkräfteten. (Anm.: Durch die koschere Zahl 12 und kabbalistisches Voodoo?)

»Das einzige in diesen Geschichten verschüttete Blut war das von so vielen unschuldigen Juden, die aufgrund von ungerechtfertigten und infamen Anschuldigungen massakriert wurden«, so die Erklärung weiter.

Die Stadt Trient nahe der österreichischen Grenze gedachte Simons »Martyrium« fünf Jahrhunderte, bis der Vatikan 1965 die Erklärung »In unserer Zeit« (»Nostra Aetate«) veröffentlichte, die darauf abzielte, die katholische Lehre antisemitismusrein zu machen (extirpating anti-Semitsm). Der Bischof von Trient unterzeichnete ein Dekret, das verkündete, daß die Ritualmordbehauptung gegen die Juden dieser Stadt unbegründet wäre.

Alessandro Martinelli, der Delegierte der katholischen Kirche für den interreligiösen Dialog in der Diözese Trient, erinnert sich an eine gut dokumentierte DVD und historische Monographie von dem Historiker Diego Quaglioni, der die jüdische Verantwortung für Simons Tod widerlegte. (Anm.: Mithilfe einer politischen Agenda oder durch städtische Chroniken?) Eine Gedenktafel, die die Gemeinde errichtet hatte, um an die Tragödie der jüdischen Märtyrer zu erinnern, rief zu Sühne und Versöhnung zwischen Katholiken und Juden auf, basierend auf der Einhaltung der historischen Wahrheit.

Dr. Amos Luzzatto kommentiert: »Selbst wenn es der Autor beweisen sollte, daß seit Jahrhunderten eine abweichende Sekte existierte … könnte sie eindeutig nie als jüdische Gruppe oder als Teil einer jüdischen Gemeinde identifiziert werden. (Anm.: Historische Stiche sind also so etwas wie mittelalterliche Hollywoodfilme?) Dies wäre damit vergleichbar, zu sagen, daß die Rabbiner, die in Teheran auf [Präsident Mahmud] Ahmadinedschads Holocaustleugnungskonferenz zugegen waren, die Hauptströmung des Judentums vertreten.« (Anm.: Wenn sie eine doppelte Staatsangehörigkeit haben, würden sie immerhin eine Schnittmenge der Hauptströmung darstellen.)

Hier und hier finden Sie den Originalartikel, Historian gives credence to blood libel, hier nicht mehr.

Hier und hier finden Sie Ariel Toaffs ins Englische übersetzte Buch.


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