Montreal: Blogger, der fromme Juden scharf kritisiert, gewinnt Verleumdungsklage

Graeme Hamilton über Tsunamis in schwarz.
Montreal blogger harshly critical of Hasidic Jews wins libel suit brought against him by three prominent leaders

9. Dezember 2013 — Ein Blogger, der sich rühmt, daß seine Kritiken an jüdisch-frommen Führern in Outremont »empörende« Praktiken aufgedeckt und »Käfer« aus dunklen Ecken herausgespült haben, hat erfolgreich eine Verleumdungsklage gewonnen, die drei prominente Gemeindeführer gegen ihn anstrengten.

Eine Richterin des Obersten Gerichts von Quebec wies den Antrag der Kläger auf ein 375.000 Dollar Schadenersatz ab und kam zu dem Schluß, daß Pierre Lacertes Kommentar herb war, aber auf Tatsachen beruhte.

Die Entscheidung von Richterin Claude Dallaire vom 4. Dezember ist das neueste Kapitel in einem sechsjährigen Rechtsstreit, der das manchmal gespannte Verhältnis zwischen Outremonts wachsender jüdisch-frommen Gemeinde und seinen nichtjüdischen Nachbarn betont hat.

Pierre Lacerte, der gegenüber einer jüdisch-ultraorthodoxen Synagoge wohnt, startete seinen Blog im Jahr 2007 und nutzt ihn, um das anzuprangern, was er als Gesetzesbruch und politische Einflußnahme von jüdisch-frommen Führern erachtet.

Worte sind seine einzige Waffe

Der Blog berichtet häufig über Vergehen wie in zweiter Reihe geparkte Autos vor der Synagoge, Renovierungen ohne Genehmigungen und gemietete Busse, die auf Wohnstraßen Fahrgäste aufnehmen. Pierre Lacerte behauptet, daß Outremonts Stadtrat mit den frommen Juden im Bunde ist und beim Gesetzesbruch ein Auge zudrückt.

Den Immobilienentwicklern Michael und Martin Rosenberg — Vater und Sohn — und dem jüdisch-frommen Sprecher Alex Werzberger wurden die Angriffe zu viel. Michael Rosenberg, Präsident und Geschäftsführer von (Anm.: dem Immobilienunternehmen) »Rosdev Group«, sagte im vergangenen Januar aus, daß Pierre Lacertes Artikel sein Ansehen beschädigt haben. Und er behauptete in einem Interview, daß der Blog antisemitisch ist und beschuldigte Lacerte, in Outremont »eine Menge Probleme zu schüren«.

Pierre Lacerte erklärte dem Gericht, daß Worte seine einzige Waffe sind, und das Urteil führt Beispiele für die Artillerie auf, mit denen er Michael Rosenberg in der Frage des Falschparkens planierte. Er sagte, dem Entwickler »gefällt es, das Gesetz zu brechen«, nannte ihn einen »Fanatiker«, einen »ultrareligiösen Extremisten«, »einen jüdisch-frommen Krösus« und den »Rechten des Unrechts des Ghettos« (»righter of wrongs of the ghetto«).

Richterin Dallaire kam zu dem Schluß, daß die Sprache akzeptabel war, weil Pierre Lacerte die behaupteten Übertretungen dokumentierte. Sie verwarf Michael Rosenbergs Argument, daß er das Gesetz respektierte, weil er seine Strafzettel immer bezahlte.

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Pierre Lacerte macht häufigen Gebrauch von veränderten Fotos, um die jüdisch-frommen Führer zu verspotten. Eines über den jüdischen Feiertag Purim stellt einen sprechenden Michael Werzberger dar, der seine Worte undeutlich spricht, als er erklärt, daß die Busse, die von der Gemeinde während der Ferien verwendet werden, das Äquivalent von nach-Hause-Fahrdiensten (drive-home programs) für betrunkene Autofahrer sind. Richterin Dallaire fand, daß es ein fairer Kommentar war, da nicht klar ist, ob die Busse in der Stadt zugelassen sind.

Die Kläger hatten sich über einen Artikel beschwert, in dem Pierre Lacerte eine Gruppe frommer Juden wegen ihrer unverwechselbaren Kleidung als »Tsunami von Männern in schwarz« (»tsunami of men in black«) bezeichnete. Richterin Dallaire entschied, daß es kein Hinweis auf Haß oder Spott sei, sich über die unverwechselbare Kleidung der Gemeinschaft zu äußern.

»Fromme Juden haben ein Aussehen, das sich von den anderen Bürgern von Outremont unterscheidet, da sie aufgrund ihrer Religion bestimmte Erkennungszeichen zeigen, wie den langen schwarzen Mantel«, schrieb sie. (Anm.: Welche Torarolle soll das bitte sein?) »Wir sind der Meinung, daß sie diesen Unterschied nicht zeigen und geltend machen können und sich dann beschweren, daß sich bestimmte Personen auf diese charakteristischen Symbole beziehen, wenn sie über sie sprechen.«

Sie zog den Schluß, daß die drei Kläger aufgrund ihrer Rolle als Wortführer und ^ihrer Beteiligung an einem interkulturellen Stadtteilkomitee alle Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind.

Pierre Lacertes Sprache »kann stechen«, schrieb sie, seine Bemerkungen können als »aggressiv« erachtet werden, und sie sind manchmal nahe an der Grenze dessen, was akzeptabel ist. »Aber wir sind der Meinung, daß diese Grenze im spezifischen Kontext dieses Falls nicht überschritten wurde«.

Pierre Lacerte klagte seinerseits mit dem Argument, daß die Verleumdungsklage ein unbegründeter Versuch war, ihn mundtot zu machen. Neben Schadenersatz hatten die drei Kläger verlangt, daß der Blog abgeschaltet werden soll. Doch Richterin Dallaire entschied, daß die Verleumdungsklage, die Michael Rosenbergs erfolglosem Antrag auf eine Verfügung nach dem Strafgesetzbuch, die Pierre Lacerte abverlangt, ihn in Ruhe zu lassen, nicht mißbräuchlich oder von böser Absicht war. Sie lehnte Pierre Lacertes Gegenklage ab, die 765.000 Dollar Schadenersatz gefordert hatte.

Michael Werzberger sagte am Montag, er muß seinen Anwalt konsultieren, bevor er sich zu dem Urteil äußert. Pierre Lacerte gab seine Reaktion in einem triumphalen Blog-Artikel bekannt. »Die ehrenwerte Richterin des Obersten Gerichts kaufte keines der Argumente meiner drei Gegner ab«, schrieb er. »Meine Bemerkungen waren weder haßerfüllt noch erniedrigend oder demütigend oder beleidigend.« Der Artikel war von einer Fotomontage begleitet, der die drei gekreuzigten Kläger darstellte.

Hier finden Sie den Originalartikel, Montreal blogger harshly critical of Hasidic Jews wins libel suit brought against him by three prominent leaders.


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