Unangenehme Nachbarn: Prominente jüdisch-fromme Führer bringen Montrealer Blogger wegen Verleumdung vor Gericht

Graeme Hamilton über über die jüdische Gemeinschaft der kanadischen Welt.
Nasty neighbours: Prominent Hasidic leaders take Montreal blogger to court over libel claims

16. Januar 2013 — Jeder Leser von Pierre Lacertes Blog würde schnell folgern, daß er kein großer Fan von seinen jüdisch-ultraorthodoxen Nachbarn ist. In den fünf Jahren ihrer Existenz hat die Internetseite umfassend angebliche Verstößen der frommen Juden in Montréals Stadtteil Outremont dokumentiert, von zweispurigem Parken auf Wohnstraßen bis hin zu Synagogen, die nicht den Flächennutzungsplan einhalten.

Im Jahr 2008 schrieb er zum einjährigen Blog-Jubiläum: »Wir haben Fragen gestellt, Steine umgedreht und fragwürdige und abstoßende Praktiken aufgedeckt. Es ist irre, wie viele Käfer herausrannten, als wir unsere Taschenlampen in schattige Ecken richteten.«

Pierre Lacerte, ein ehemaliger Magazinautor, beharrt darauf, daß sein Blog aufgeschlossen bürgerlichen Journalismus produziert, doch die Ziele seines Werkes widersprechen vehement. Diese Woche sind drei prominente jüdisch-fromme Führer vor Gericht und klagen auf 375.000 Dollar Schadenersatz wegen Verleumdung; sie sagen, sein Schreiben sei antisemitisch und schädlich für ihren Ruf.

In seiner Aussage am Mittwoch nahm Pierre Lacerte am Vorwurf des Antisemitismus Anstoß. »Seit dem Zweiten Weltkrieg gibt es nicht viele Dinge, die für den eigenen Ruf so schädlich sind, wie als antisemitisch bezeichnet zu werden«, sagte er. »Nicht einmal Pädophilie.« Sein Blog, sagte er, greife nicht die Juden an, sondern spreche von »einer sehr kleinen Minderheit von Fundamentalisten«.

Wäre sein Schreiben antisemitisch, fügte er hinzu, hätte er darüber von »B’nai Brith« gehört, eine jüdische Organisation, die diskriminierende Taten überwacht.

Pierre Lacerte wohnt gegenüber einer jüdisch-frommen Synagoge und er verläßt sein Haus nur selten ohne Kamera, für den Fall, daß er auf einen in zweiter Reihe geparkten Lexus stolpert, der zu einem der jüdisch-frommen Führer gehört, die er im Visier hat. Er sagte, die drei Männer, die ihn verklagen, die Immobilienentwickler Michael und Martin Rosenberg — Vater und Sohn — und Gemeindesprecher Alex Werzberger, tragen zu 15% zum Inhalt seiner Blog-Veröffentlichungen bei.

»Ich bin nicht jemand, der besessen ist. Ich bin jemand, der etwas zu Ende bringt, wenn er es anfängt«, sagte er.

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Michael Rosenberg, der Präsident und Geschäftsführer der »Rosdev Group«, eine große Quebecer Immobiliengesellschaft, sagte am Montag aus, daß Pierre Lacertes Artikel auftauchen, wenn Personen über Google seinen Namen suchen, was schädigend für seinen Ruf sei.

In einem Interview sagte er am Mittwoch, Pierre Lacerte sei »besessen von den frommen Juden in Outremont«. Die Blogseite konzentriert sich ausschließlich auf Verstöße von Juden und ignoriert alle anderen, sagte er.

»Er ist definitiv ein Antisemit, und es ist bedauerlich, daß wir uns mit solchen Personen auseinandersetzen müssen. Seit er mit seinem Blog auftauchte und er alles verfolgt, was die Juden in Outremont tun, ist die Harmonie in Outremont enorm heruntergegangen«, sagte Rosenberg. »Leute wie er und ein paar seiner Kumpane schüren eine Menge Probleme.«

In der letzten von Pierre Lacertes rohen Karikaturen — viele davon zeigen jüdisch-fromme Führer — stellt er sich als Liliputaner dar, der Godzilla in der Person von Michael Rosenberg entgegentritt. Er sagte aus, er sei wegen der rechtlichen Schritte gegen ihn nicht in der Lage, Arbeit zu finden, und klagt in einer Gegenklage auf 725.000 Dollar.

Er beschrieb die drei Kläger als »extrem einflußreich« unter Politikern auf allen Ebenen der Regierung. »Wenn ich die Macht hätte, die er hat«, sagte er mit Bezug auf Michael Rosenberg, »würde ich eine Arbeit haben«.

Michael Rosenberg entgegnete, daß Pierre Lacerte selber schuld sei, wenn er Probleme hat, Arbeit zu finden. »Es bedeutet nicht, weil ich mehr Geld habe als er und weil ich härter arbeite als er und weil ich erfolgreicher bin, daß er das Recht hat, meinen Namen oder den Namen meiner Kinder zu beschmutzen«, sagte er außerhalb des Gerichtssaals. »Wenn er vielleicht arbeiten und nicht sechs, sieben oder 10 Stunden am Tag auf seiner Blogseite verbringen würde, hätte er auch eine Menge Geld.«

Er bestritt Pierre Lacertes Behauptung, daß die Rosenbergs nur zu einem kleinen Prozentsatz Gegenstand der Veröffentlichungen auf dem Blog seien. Er sagte, der Name Rosenberg tauche in einem Drittel der Artikel auf dem Blog auf. »Alles, worüber er spricht, bezieht sich auf die eine oder andere Art und Weise auf fromme Juden und die Probleme von Outremont.«

Der Prozeß vor Richter Claude Dallaire ist nicht Pierre Lacertes erste rechtliche Begegnung mit Michael Rosenberg. Der Entwickler ersuchte zuvor eine Anordnung nach dem Strafgesetzbuch, die Pierre Lacerte abverlangte, den Frieden zu bewahren und ihn in Ruhe zu lassen. Der Richter bezeichnete Pierre Lacerte als eine »besondere Persönlichkeit«, die »übertrieben, akribisch und leidenschaftlich« wäre, entschied aber, das wäre nicht genug, um einen Gerichtsbeschluß zu verlangen.

Hier finden Sie den Originalartikel, Nasty neighbours: Prominent Hasidic leaders take Montreal blogger to court over libel claims.


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