Ein Besuch in Deutschland weckt die Ängste meiner ultraorthodoxen Kindheit

Ein Auszug aus Lea Vincents Erinnerungen an den Holocaust.
A Visit To Germany Reawakens Fears of an Ultra-Orthodox Childhood

30. März 2014 — Auf meiner ersten Reise nach Deutschland, als ich zu der Stadt reiste, wo ein Freund von mir lebt, erinnerte mich alles an den Holocaust.

Die Reisenden mit den rosa Wangen in meinem Schienenfahrzeug (train car) schienen sich in Nazis zu verwandeln, T-Shirts schimmerten als graugrüne Uniformen, Handys sahen aus wie Waffen.

Als wir durch smaragdgrüne Felder rollten, ertappte ich mich dabei, die Landschaft abzutasten — ich fragte mich: Wäre mich das Wäldchen verstecken? Wie lange könnte ich in dieser verlassenen Hütte bleiben, bevor mich die Nazihunde wittern?

Das waren die Befürchtungen, die meine jiddisch-ultraorthodoxe (yeshivish ultra-Orthodox) Kindheit definierten, und ihr erneutes Auftauchen hat mich überrascht. Ich war nicht nach Deutschland gekommen, um nach der jüdischen Geschichte zu suchen, ich war im Urlaub, feierte die Vollendung meiner Memoiren, die meine turbulente Reise als Heranwachsende aus meiner Religionsgemeinschaft beschreiben. Ich hatte seit Jahren nicht viel an den Holocaust gedacht.

Der Holocaust hatte einst mein Leben definiert. Geschichten der Ghettos und Konzentrationslager prägten meine Existenz, als ich jung war, zusammen mit Geschichten jüdischer Märtyrer bis hin zu den Kosaken, der Inquisition, den Griechen und den Römern. Wir wohnten auf einem Fundament der Angst, als ob unser Haus auf einem schlafenden Monster ruhte, das durch einen einzigen Fehltritt geweckt werden könnte. »In jeder Generation erheben sie sich, um uns zu vernichten«, sangen wir jedes Pessachfest, eine Vorhersage der drohenden Tragödie, die uns das ganze Jahr über in eine defensive Frömmigkeit trieb.

Mein Großonkel, Rabbi Avigdor Miller, ein weithin respektierter jiddischer (yeshivish) Rabbi, schrieb: »Hitler wurde nicht nur vom Himmel geschickt, sondern wurde als eine Freundlichkeit vom Himmel geschickt. … Denn Assimilation und Mischehen sind schlimmer als der Tod.«

Hier finden Sie den Originalartikel, A Visit To Germany Reawakens Fears of an Ultra-Orthodox Childhood.

Leah Vincent wurde am 5. Februar 1982 geboren und ist heute 32 Jahre alt.


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