Das Foto vom »Riesen-Skelett« ist eine Internet-Ente

James Owen über Wunschkonzertnachrichten.
"Skeleton of Giant" Is Internet Photo Hoax

14. Dezember 2007 — Die »National Geographic Society« hat keine riesigen uralten Menschen entdeckt, auch wenn Sie noch so viele Berichte und Bilder dazu finden.
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Die Ente begann mit einem frisierten Foto und fand im Internet später ein aufnahmebereites Publikum, vielleicht dank der unbeabsichtigten religiösen Assoziationen.
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Ein digital verändertes Foto, das im Jahr 2002 entstand, zeigt einen von einer Holzplattform umgebenen liegenden Riesen mit einem schaufelschwingenden Archäologen, der als Maßstab hinzugefügt wurde.

»Riesenskelett ausgegraben!«

Im Jahr 2004 tauchte die »Entdeckung« auf Blogseiten auf und ging per E-Mail um die Welt und im Jahr 2007 gibt es eine Wiederbelebung.
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Die Fotofälschung dürfte für die meisten Menschen offensichtlich sein. Doch wenn ein beständiger Fluß von E-Mails an NATIONAL GEOGRAPHIC NEWS, die der »National Geographic Society« gehören, ein Indikator sind, ist die Lügengeschichte auch fünf Jahre später nicht bereit, ein Nickerchen zu machen.
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Die Nachrichten kommen aus der ganzen Welt — Portugal, Indien, El Salvador, Malaysia, Afrika, der Dominikanischen Republik, Griechenland, Ägypten, Südafrika, Kenia. Aber alle stellen die gleiche Frage: Ist es wahr?

Der Mythos rollt

Was dem jüngsten Wiederaufleben der Geschichte Rückenwind gibt, sind Medienunternehmen, die den Fund als Tatsache berichteten.
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Ein zum Beispiel häufig zitierter Artikel der indischen Monatszeitschrift HINDU VOICE vom März 2007 behauptet, daß ein Team der »National Geographic Society« in Indien in Zusammenarbeit mit der indischen Armee ein riesiges menschliches Skelett ausgegraben hätte.
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»Die jüngsten Schürfaktivitäten in der nördlichen Region von Indien legten einen Skelettfund eines Menschen von phänomenaler Größe frei«, war in dem Bericht zu lesen.
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Die Entdeckung machte ein »Team von NATIONAL GEOGRAPHIC (Abteilung Indien) mit Unterstützung der indischen Armee, da der Bereich unter die Zuständigkeit der Armee fällt«, hieß es in der Geschichte weiter.
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Der Bericht fügte hinzu, daß das Team auch Tafeln mit Inschriften fand, die darauf hindeuten, daß der Riese zu einer Rasse von Supermenschen gehörte, die in der Mahabharata erwähnt werden, einem Hindu-Epos von etwa 200 v. Chr.
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»Sie waren sehr groß und sehr mächtig, so daß sie ihre Arme um einen Baumstamm legen und ihn entwurzeln konnten«, so der Bericht, der Behauptungen wiederholt, die ursprünglich im Jahr 2004 auftauchten.
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VOICE-Herausgeber P. Deivamuthu gestand gegenüber NATIONAL GEOGRAPHIC NEWS ein, daß seine Veröffentlichung durch die Falschmeldungen getäuscht wurde.
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Die Monatszeitschrift mit Sitz in Mumbai veröffentlichte einen Widerruf, nachdem Leser Deivamuthu auf die Ente hinwiesen, sagte er.
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»Wir sind gegen die Verbreitung von Lügen und Falschmeldungen«, fügte Deivamuthu hinzu. »Darüber hinaus sind unsere Leser eine höchst intellektuelle Klasse und werden keinen Unsinn dulden.«
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Einträge auf Blogseiten wie im Mai 2007 auf SRINI’S WEBLOG zitieren angeblich einen Bericht in der TIMES OF INDIA vom 22. April 2004. Doch eine Suche im Archiv dieser Zeitung fand keinen solchen Artikel.

Arabische Riesen

Variationen des Fotomärchens des Riesen beinhalten die angebliche Entdeckung eines 18 bis 24 Meter (60 bis 80 Fuß) langen menschlichen Skeletts in Saudi-Arabien. In einer beliebten Version, die ebenfalls 2004 zum ersten Mal auftauchte, soll eine Ölsuchmannschaft die Entdeckung gemacht haben.
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Hier gilt das Skelett als Beweis für Riesen, die in islamischen statt in Hindu-Schriften erwähnt werden.

Die Märchenjäger (The Debunkers)

Seiten für urbane Legenden und »Internetgeschichten« (»netlore«) griffen verschiedene Riesenmärchen auf, kurz nachdem sie zum ersten Mal erschienen.
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SNOPES mit Sitz in Kalifornien wies zum Beispiel darauf hin, daß das Skelettbild von der Internetseite WORTH1000 genommen wurde, die Wettbewerbe für Fotomanipulationen macht.
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Im Jahr 2002 hatte das Bild mit dem Skelett und dem schaufelnden Forscher mit dem Titel »Giants« in einem Wettbewerb mit dem Titel »Archaeological Anomalies 2« den dritten Platz gewonnen.
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Der Schöpfer des Bildes, ein Illustrator aus Kanada mit dem Internetnamen IronKite erklärte NATIONAL GEOGRAPHIC NEWS per E-Mail, daß er mit der nachfolgenden Ente nichts zu tun hatte.
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Er fügte hinzu, daß er anonym bleiben möchte, weil in einigen Foren, die darüber diskutierten, ob der Riese echt wäre oder nicht, »ihre gesamte Argumentation religiös wurde«. Es wurde zum Beispiel argumentiert, daß der saudi-arabische Fund mit den Lehren des Koran im Einklang wäre.
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»Das war etwa zur gleichen Zeit, als gegen Karikaturisten und andere Professionelle Todesdrohungen und Geldprämien ausgesetzt wurden, weil sie Dinge taten wie den Propheten Mohammed darzustellen«, schrieb IronKite. (Anm.: Wer möchte schon staatlich inszeniertem Terror zum Opfer fallen?)

Wie das Bild gemacht wurde

IronKite begann mit einer Luftaufnahme einer Mastodon-Ausgrabung in Hyde Park, New York, im Jahr 2000. Dann überlagerte er über die Überreste des Tieres ein menschliches Skelett.
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Das spätere Hinzufügen eines grabenden Mannes war die größte technische Herausforderung.
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»Wenn Sie hinsehen, hält er eine Schaufel mit gelbem Griff, an deren Ende es aber nichts gibt«, sagte IronKite.
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»Ursprünglich war dort das Ende des Spatens. Aber [es] sah aus, als wäre es genau an der gleichen Stelle wie die Schläfe des Skeletts, wodurch die ganze Sache wie eine Fälschung aussah.
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Jetzt sieht es aus, als würde er nur einem Stock halten, und die Leute bemerken es nicht. Es ist lustig.«
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IronKite veränderte auch die Farbe der Kleidung des Mannes, um eine »Einheitlichkeit« mit dem Beobachter im weißen Shirt zu schaffen, der von den hölzernen Plattform aus zusieht.
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Die beiden Gestalten dienen dazu, das Skelett größer wirken zu lassen, fügte er hinzu.
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IronKite sagte er sei hocherfreut, daß das Bild, das er in etwa anderthalb Stunden schuf, im Internet so viel Aufmerksamkeit gefunden hat.
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»Ich lache mich schlapp, wenn ein Typ behauptet, jemand zu kennen, der dort war oder sogar so weit geht zu behaupten, daß er oder sie dort war, als sie das Skelett fanden und das Foto machten«, sagte IronKite.
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»Manchmal scheinen die Leute so verzweifelt an etwas glauben zu wollen, daß sie sich selbst belügen oder übertreiben, um ihr Argument glaubwürdiger zu machen.«

Märchen, die gerne geglaubt werden

David Mikkelson von SNOPES sagte, solche Falschmeldungen haben Erfolg, wenn sie etwas zu bestätigen scheinen, was die Leute gerne glauben werden, wie Vorurteile, politische Ansichten oder religiöse Überzeugung en.
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Eine Falschmeldung muß außerdem »in einem Rahmen dargestellt werden, der glaubwürdig ist«, sagte er in einer E-Mail.
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Der »antike Riese« hat laut Mikkelson beide Elemente.
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»Es schmeichelt sowohl einem religiösen als such einem säkularen Weltbild, wenn es phantastischer ist, als uns die bloße Wissenschaft glauben machen würde«, sagte er.
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»Beweise«, fügt Mikkelson hinzu, »kommen in Form von überzeugenden Bildern.«
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Für alle, die den Mythos wissentlich verbreitet haben, so Mikkelson, war die Motivation »wahrscheinlich nicht anders als bei einem Spiel, bei jemandem an der Tür zu klingeln und wegzulaufen — weil es ein einfacher Weg ist, auf Kosten von jemand anderem zu lachen.«
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Alex Boese, »Kurator« des virtuellen »Museum of Hoaxes«, sagte, falsche Riesen haben eine lange Geschichte, die mindestens ins 18. Jahrhundert zurückgehen.
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Die jüngste Falschmeldung erinnert an den einst berühmten Mythos vom Cardiff-Riesen mit einer drei Meter (zehn Fuß) hohen Steinfigur, die 1869 in Cardiff, New York, ausgegraben wurde, sagte Boese.
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Viele Menschen glaubten, die Figur wäre ein versteinerter Mann und behaupteten, er wäre einer der Riesen, den die Bibel im Buch Genesis erwähnt: »In jenen Tagen waren die Riesen auf der Erde.«
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Boese sagte, auch die jüngste Falschmeldung über einen Riesen »bedient den Wunsch der Menschen nach Geheimnissen und ihrem Wunsch, religiöse Legenden konkret bestätigt zu sehen«.

Hier finden Sie den Originalartikel, „Skeleton of Giant“ Is Internet Photo Hoax.


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