Das Purimfest im jüdisch-frommen Williamsburg, Brooklyn, New York

Baruch Herzfeld über orthodoxe Freiheit.
Purim in Hasidic Williamsburg

18. März 2014 — Baruch Herzfeld ist ein Brooklyner, der die jüdisch-fromme Gemeinschaft vor langer Zeit verließ. Dies ist, was er über Purim in Williamsburg zu sagen hat:

Purim, der wenig bekannte Feiertag, der die jüdische Alternative zum katholischen Bacchusfest ist, ist für die frommen Juden in Williamsburg der beste Tag des Jahres. Der Feiertag, der dieses Wochenende stattfand, ist die einzige Zeit des Jahres, wo ihnen wirklich erlaubt ist, zu lächeln und Spaß zu haben, wenn es warm genug ist, um nach draußen zu gehen, aber immer noch kalt genug, damit sie wegen ihrer vielschichtigen Oberkleidung und Unterwäsche aus dem 18. Jahrhundert keinen Juckreiz bekommen und nicht schwitzen und aus allen Körperöffnungen stinken.

Stellen Sie sich vor, sie sind ein Kind, 12 Jahre alt. Sie sind jeden Tag bis 19.00 Uhr in der Schule — kein Fernsehen, keine Videospiele, kein Fahrrad, und vielleicht eine Stunde am Tag, um herumzulaufen, höchstens. Das Leben ist ziemlich besch***en (sh***y). Wenn Sie dem Lehrer widersprechen, werden Sie geschlagen. Wenn Sie zu hübsch sind, werden Sie befummelt.

Sie verbringen Ihren Tag, ohne den Sinn Ihrer Talmudstudien zu verstehen, verwirrt darüber, wer bezahlt, wenn die Kuh Ihres Freundes in eine Grube auf dem Hof Ihres Nachbarn fällt. Purim ist Ihre Pause von all dem. Sie kriegen 24 Stunden frei. Selbst wenn Sie nur 12 Jahre alt sind, läßt Ihr Vater Sie betrunken werden, weil er betrunken ist. Sie kriegen alle Ihre Eltern und Großeltern in albernen Kostümen zu sehen. Sie stopfen sich mit Süßigkeiten voll. Sie sehen tatsächlich Menschen, die auf der Straße lächeln.

Das Leben ist wirklich, wirklich, wirklich gut. Zumindest für 24 Stunden.

Hier finden Sie den Originalartikel, Purim in Hasidic Williamsburg.

Der Satzteil »läßt Ihr Vater Sie betrunken werden« ist jüdisches Gesetz und wird sogar vom basisdemokratischen Informationsdachverband Wikipedia zitiert.

»Jeder muß so viel Wein trinken, bis er nicht mehr unterscheiden kann zwischen ›Verflucht sei Haman‹ und ›Gelobt sei Mordechai‹.«

Wird Haman, der böse Perser, tagesaktuell der böse Iran, ausgeklammert, sieht das kulturelle Endergebnis annähernd orthodox-grenzdebil aus.

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