Schwedens Ärztekammer: »Religiöse Beschneidung nur nach Zustimmung«

Die anonymen Journalisten des SVENSKA DAGBLADET über Schwedens Vorschlag eines Beschneidungsverbots.
Aus medizinischen Gründen würde die Ärztekammer (Läkarförbundet) in Schweden die Vorschriften für die kulturelle und religiöse Beschneidung von Knaben verschärfen. Sie sollte nur nach Zustimmung des Knaben erlaubt werden. Der Minister für Integration Erik Ullenhag der »Volkspartei Die Liberalen« (»Folkpartiet liberalerna«, FP) würde die derzeitigen Regeln jedoch nicht ändern.

Läkarförbundet: ”Kräv samtycke för religiös omskärelse”

25. Januar 2014 — Der »Ethik- und Verantwortungsrat« (»etik- och ansvarsråd«) der Ärztekammer steht jetzt einstimmig hinter einer Erklärung, die männliche Beschneidung ohne vorherige Zustimmung zu beenden. Sie sollte in einem Krankenhaus erfolgen, wenn der Knabe 12 oder 13 Jahre alt ist und nach einer Information über den Schmerz und die Risiken, die die Operation mit sich bringt.

So weit zu gehen, die Prozedur vollständig zu verbieten, wie es in Finnland diskutiert wird, sei in der aktuellen Situation nicht realistisch. Aber im Grunde ist die Ärztekammer der Auffassung, daß die chirurgische Beschneidung durch eine symbolische Beschneidung ersetzt wird, zum Beispiel durch eine Feier. Die Ärztekammer will dies mit jüdischen und muslimischen Vertretern diskutieren.

— Wir sind keine religiösen Experten, aber aus medizinischen Gründen können wir eine Prozedur, die Gewebe an den Genitalien entfernt, wo das Risiko für schwere Komplikationen so hoch ist, nicht bejahen. Die Forschung aus Dänemark zeigt, daß es bei etwa fünf Prozent zu Komplikationen kommt, selbst wenn der Eingriff im Gesundheitswesen (sjukvården) erfolgt. Daß eine von 20 Personen unter einer Infektion oder Blutung leidet, ist ein zu großes Risiko, vor allem, wenn es nicht aus medizinischen Gründen geschieht, sagte Thomas Flodin vom »Ethik- und Verantwortungsrat«.

Omid Aghajari, Praktikant am Karolinska-Hospital in Solna, denkt, es ist offensichtlich, daß es geht darum, was die Ärztekammer kulturell als falsch oder unzivilisiert erachtet. (Anm.: Verwechselt Omid Aghajari die Ärztekammer mit dem Kulturbereicherungsministerium?)

— Sie sollten sich wichtiger Gesundheitsfragen annehmen und nicht als Moralpolizei tätig werden. Darüber hinaus sind sie widersprüchlich. Sie behaupten, die Autonomie des Kindes zu schützen, aber sie zögern bei der Frage, die Abtreibung zu diskutieren, die einen Fötus ohne dessen Zustimmung tötet oder bei der Frage der passiven und aktiven Euthanasie. (Anm.: Und weil zwei Übel praktiziert werden, soll ein weiteres ebenfalls heilig sein?)

Er glaubt zudem, daß es grundsätzlich falsch ist, daß das Risiko für Komplikationen für den Knaben so ernst sein sollte.

— Es ist in der Regel eine sehr kurze Komplikation, die mit Antibiotika und Bandagen behandelt wird, aber kein dauerhafter Schaden. Im Teenageralter ist ein Eingriff schwieriger, als für ein Kind, sagt Omid Aghajari.

Der Minister für Integration, Erik Ullenhag von der »Volkspartei Die Liberalen« glaubt, daß die vorhandene Gesetzgebung ausreichend sei. Ein Verbot würde nur dazu führen, daß es außerhalb des Gesundheitssystems gemacht wird. (Anm.: Was strafrechtlich verfolgt werden könnte.)

— Ich bin noch nie irgendeinem erwachsenen Mann begegnet, der die Beschneidung als Angriff erlebt hätte. (Anm.: Ich bin noch nie irgendeinem erwachsenen Mann begegnet, der mir seinen Penis gezeigt hätte.) Die Prozedur ist nicht sehr umfangreich und Eltern haben das Recht, ihre Kinder nach dem Glauben und der Tradition zu erziehen, der sie angehören. (Anm.: Zwangsehen mit Minderjährigen verfolgen auch einen Glauben und eine Tradition.) Wenn wir es verbieten, müssen wir auch die Frage des christlichen Rituals der Taufe ansprechen, sagt Erik Ullenhag. (Anm.: Und die Frage des Betens und der Beichte und des Vergebens und und und.)

Er ist auch skeptisch, daß die Ärztekammer will, daß Juden und Muslime einen religiösen Brauch ändern.

— Die Mehrheitsgesellschaft (Majoritetssamhället) muß zuhören und das Recht der Minderheiten auf ihre eigenen Traditionen akzeptieren. (Anm.: Ja. Sicher. Ganz bestimmt.)

Hier finden Sie den Originalartikel, Läkarförbundet: ”Kräv samtycke för religiös omskärelse”

Siehe auch:

Beschneidung von Männern verschlechtert das Sexualleben


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