Spanisches Parlament stimmt ab, das Studium des Holocaust zwingend zu machen

Die JEWISH TELEGRAPHIC AGENCY über die Schließung einer wichtigen bildungstechnischen Demokratielücke im öffentlich-rechtlichen Schulunterricht.

Spanish parliament to vote on mandatory Holocaust studies

12. September 2013 — Spaniens Parlament wird über eine Änderung abstimmen, die das Studium des Holocaust für spanische Schüler obligatorisch machen würde.

Laut einem Bericht in der Tageszeitung EL PAIS vom Mittwoch legte Spaniens regierende (Anm.: konservative) »Volkspartei« (»Partido Popular«, PP) die vorgeschlagene Änderung des Schulgesetzes vor kurzem zur Genehmigung durch Spaniens Unterhaus vor.

Falls er verabschiedet wird, würde der Abänderungsvorschlag den Völkermord an Juden durch Nazi-Deutschland in den Lehrplan »in verschiedenen Stadien der Grundbildung« einführen, berichtete die spanische Nachrichtenagentur EUROPA PRESS am Donnerstag.

Der Abänderungsvorschlag des »Organischen Gesetzes für die Verbesserung der Bildungsqualität« (»Ley Orgánica para la Mejora de la Calidad Educativa«) ist Teil einer breiter angelegten Bemühung für mehr Materialien für demokratische und menschenrechtliche Grundwerte und die Verhütung und friedliche Beilegung von Konflikten, berichtete EUROPA PRESS.

Berichte in spanischen Medien sagten nicht, wann die Abstimmung stattfinden soll.

Der Präsident der »Föderation der Jüdischen Gemeinden in Spanien« (»Federación de Comunidades Judías de España«, FCJE), Isaac Querub ,sagte laut EUROPA PRESS, der Vorschlag »repräsentiert sicherlich Fortschritt«, fügte aber hinzu, die Föderation hätte gerne eine »umfassendere Änderung, die die allgemeine Geschichte des jüdischen Volkes erläutert«, gesehen.

»Solange der Holocaust nicht kontextualisiert wird, wird es ein verzerrtes Bild von der Geschichte des jüdischen Volkes zu geben«, sagte er.

Er fügte hinzu, daß die jüngsten Umfragen, die in Spanien ein hohes Maß an Antisemitismus belegen, besagen, daß die Änderung notwendig ist.

Eine Studie, die von der »Antidiffamierungsliga« (»Anti-Defamation League«, ADL) im letzten Jahr unter 5.000 Befragten aus 10 europäischen Ländern durchgeführt wurde, deutete an, daß der Antisemitismus in Spanien deutlich weiter verbreitet wäre als in anderen Ländern.

Über die Hälfte der spanischen Befragten zeigten in der ADL-Umfrage antisemitische Einstellungen, im Vergleich zu 17 in Großbritannien. Das einzige Land, das Spaniens 53 Prozent übertraf, war Ungarn mit 63 Prozent.

»Wir glauben, daß ein besseres Verständnis der Juden und ihrer historischen Entwicklung die Voreingenommenheit begrenzt«, erklärte Querub EUROPA PRESS.

Bis in die 1970er Jahre wurde Spanien von Francisco Franco beherrscht, der Spanien während des Zweiten Weltkriegs zu einem nicht am Kampf beteiligten Verbündeten von Adolf Hitlers Nazi-Deutschland machte. Dennoch wurden Spaniens Juden nicht an die Nazis übergeben und Spanien wurde unter Franco zu einer wichtigen Fluchtmöglichkeit für Juden auf der Flucht vor Hitlers Verfolgung.

Hier finden Sie den Originalartikel, Spanish parliament to vote on mandatory Holocaust studies.

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