Die erste Generation von Transgenderrabbinern

Naomi Zeveloff über die neue sexuelle Religiosität.

First Generation of Transgender Rabbis Claims Place at Bimah

15. Juli 2013/19. Juli 2013 — Wenn es um die Akzeptanz von transgeschlechtlichen Juden geht, ist selbst die jüdisch-amerikanische Gemeinschaft in einem Moment der Transition.

Im Jahr 2008 wurde Joy Ladin zum öffentlichen Gesicht des Transgenderjudentums, als sie nach dem Erhalt der Anstellung am »Stern College for Women« an der »Yeshiva University« vom Mann zur Frau transitionierte. Fünf Jahre später gibt es in den Vereinigten Staaten sechs Transgenderrabbiner und Transgenderrabbiner in Ausbildung. Sowohl die Reform- als auch die Rekonstruktionistenbewegungen (Anm.: Rekonstruktionisten sind buchstäblich konservative 68er) haben in den Synagogen und Seminaren Programme zur transgenderellen Eingliederung.

Dennoch sagt die kleine Gemeinschaft von Transgenderjuden und ihrer Verfechter, daß die Welt der jüdischen Masse ihnen nur langsam die Hand reicht. Selbst wenn das nichtorthodoxe Judentum Lesben und schwule Männer (lesbians and gay men) erreicht hat, stellen transgeschlechtliche Personen in einem alten auf strengen Geschlechterrollen errichteten Glauben eine einzigartige Herausforderung dar. »Eltern, die perfekt liberal sind, wollen in den meisten anderen Beziehungen nicht unbedingt, daß eine Transperson (trans person) der Bar- oder Bat-Mizwa-Tutor ihrer Kinder ist oder die Teenager-Jugendgruppe unterrichtet oder als Rabbiner angestellt wird«, sagte Rabbi Jacob Staub, Professor am »Rabbinischen Rekonstruktionistenkolleg« (»Reconstructionist Rabbinical College«), der eine Studierenden- und Dozentengruppe zu Transgenderfragen mitgründete. »Inklusion braucht Zeit.«

Fragen zur transgeschlechtlichen Inklusion werden sogar noch komplexer, wenn das jüdische Gesetz ins Spiel kommt. Im Jahr 2003 erachtete die konservative Bewegung eine Geschlechtsumwandlung als einen wesentlichen Bestandteil der Geschlechtertransition. Doch viele Transmenschen (trans people) werden nie operiert und ihre Transitionen werden von der Bewegung somit nicht erkannt. Rabbi Leonard Sharzer, ein Bioethiker am »Jüdischen Theologieseminar« (»Jewish Theological Seminary«), hat ein jüdisch-juristisches Gutachten geschrieben, das dem konservativen Urteil entgegensteht und besagt, daß das jüdische Gesetz Transjuden (trans Jews) nach dem Geschlecht ansehen sollte, mit dem sie sich identifizieren, unabhängig vom chirurgischen Status. Er plant, seine Meinung dem »Komitee für jüdische Gesetze und Normen« (»Committee on Jewish Law and Standards«) vorzulegen, dem Gesetzgeber der Konservativen Bewegung.

Die überwiegende Mehrheit orthodoxer Rabbiner glaubt inzwischen, daß Geschlechtsumwandlungen nicht das Geschlecht ändern. Doch einige jüdisch-orthodoxe Transleute (trans folk) besuchen die Synagoge und führen ruhige und andächtige Leben.

Zeiten des Wandels liefern oft die spannendsten Geschichten. Die Serie des FORWARD über das Leben von Transgenderjuden zeigt, wie Transmenschen sowohl ihre eigenen Gemeinden schaffen und auf dem Erfolg der Bewegung für die Rechte von Schwulen und Lesben aufbauen, um in der jüdischen Masse Anerkennung zu finden.

In den nächsten zwei Tagen wird der FORWARD die Profile von sechs Transgenderrabbinern und Transgenderrabbinern in Ausbildung veröffentlichen. Obwohl abzuwarten bleibt, ob diese kleine Kohorte langfristig eine Anstellung als jüdische Führer finden werden, sind diese Individuen zu begehrten Referenten und Diskussionsteilnehmern in Synagogen und Gemeindezentren geworden. Viele von ihnen bekennen sich zu radikalen Vorstellungen über das Geschlecht und zwingen (pushing) ihre jeweiligen jüdischen Gemeinden, es statt einer von Geburt an festgelegten Charakteristik eher als einen veränderlichen Teil von Identität zu sehen. Alle sechs haben zu einem wachsenden Ritualsbestand (body of ritual) beigetragen, der zum Ziel hat, die Geschlechtertransition im Leben einer jüdischen Person als ein heiliges Ereignis zu markieren.

Zunächst folgen Elliott Kukla und Reuben Zellman, die ersten Transgenderrabbiner, die 2006 bzw. 2010 von der Reformbewegung geweiht wurden. Und Emily Aviva Kapor, eine Transgenderrabbinerin. Morgen finden Sie weitere Profile.

Hier finden Sie den Originalartikel, First Generation of Transgender Rabbis Claims Place at Bimah.

Und hier sind sie, die 6 spannenden Geschichten der Transmenschen.

Für Elliot Kukla ging die Geschlechtertransition Hand in Hand mit der Ordination

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15. Juli 2013/19. Juli 2013 — »Ich glaube nicht, daß es ein Zufall war, daß ich mein Coming-out als Transe (trans) zur gleichen Zeit hatte, zu der ich geweiht wurde«, sagte Rabbi Elliot Kukla, der erste Transgenderrabbiner, der im Jahr 2006 in Los Angeles am Campus des »HUC-JIR« (»Hebrew Union College – Jewish Institute of Religion«) ordiniert wurde. »Für mich gibt es dabei eine gewisse Identitätstransition, ein Rabbiner zu werden, es tauchten Gefühle auf, wie: ‚Wer bin ich im tiefsten Sinne, und wie sehen mich die Menschen?’« (Anm.: Sind in der jüdischen Religion vor Gott nicht alle Menschen gleich?)

Kukla, 38, ursprünglich aus Toronto, bekannte sich im Jahr 2005 als transgeschlechtlich, zwei Jahre nach Zellmans Zulassung am HUC-JIR. Zellman »ebnete den Weg« für ihn, sagte Kukla: »Als ich zu einem Rabbiner ausgebildet wurde, wurde auf einer bestimmten Ebene auch die Institution ausgebildet, in Hinblick darauf, was es bedeuten würde, Transstudenten (trans students) zu haben.«

Aufgrund der Berichterstattung in den Medien rund um Zellmans Eingeständnis, wurden Zellman und Kukla schnell zu Anlaufstellen zum Thema Geschlechtertransition und Judentum. Personen aus dem ganzen Land sprachen sie um Hilfe an (Anm.: Zahlen? Jeweils einer im Norden, Osten, Süden und Westen?); ein Rabbiner wollte zum Beispiel Erfahrungsberichte über die Konversion eines transgeschlechtlichen Gemeindemitglieds zum Judentum, und viele Transjuden (trans Jews) in ländlichen Gebieten reichten ihre Hände (reached out), um die Isolation zu bezwingen. Zellman und Kukla, die den Bedarf an Ressourcen erkannten, schufen TransTorah.org. Die Seite ist eine Clearingstelle für Informationen über Geschlechtervielfalt im Judentum; es finden sich mehrere Rituale, wie ein transgeschlechtlicher und geschlechternonkonformer Hochzeitsservice, ein Segen für die Geschlechtertransition und ein Gebet zum Verbinden der Brust (binding the chest).

Heute ist Kukla ein Kaplan (chaplain) am »Jüdischen Heilungszentrum Bay Area« (»Bay Area Jewish Healing Center«), eine pastorale (pastoral) Organisation für die Hinterbliebenen, Kranken und Sterbenden. Es wird von Eric Weiss geleitet, der erste offen schwule Mann, der 1983 am HUC-JIR zugelassen wurde. Kukla sagte, daß viele Menschen, die er trifft, überrascht sind, zu erfahren, daß er nicht in der professionellen LGBT-Welt arbeitet. (Anm.: Welche Berufsbilder gibt es in der professionellen LGBT-Welt laut LGBT-Berufsberatung?) Aber die Verbindung ist da: »Es war die Erfahrung, für die jüdische Gemeindschaft ein Außenseiter gewesen zu sein, was mich dazu führte, mit Menschen in einem pastoralen Kontext zusammen sein zu wollen.«

In den Pflegeheimen, wo er arbeitet, neigen ältere Menschen dazu, »Vielfalt in Kauf zu nehmen«, sagte er. »Ich sage als Witz, daß ich für viele Ältere nicht überraschender bin als ein iPhone. Er geht etwa so, daß ein Handy jetzt so aussieht und daß ein Rabbiner jetzt vermutlich so aussieht.«

Hier finden Sie den Originalartikel, For Elliot Kukla, Gender Transition and Ordination Went Hand in Hand.

Die vom lateinischen »ordinatio« abstammende Ordination lasse ich für die hebräische Religion gerade noch durchgehen, schließlich rufen Zionisten für die Medien ab und an auch mal »Allahu Akbar«. Aber haben Sie sich kurz gefragt, seit wann die glitzernde Zauberwelt des Judentums von Kaplanen und Pastoren bevölkert wird?

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Reuben Zellmans rabbinische Klassenkameraden waren »unermüdlich unterstützend«

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15. Juli 2013/19. Juli 2013 — Transgeschlechtliche Fragen wurden zu der Zeit in der Masse der jüdischen Gemeinschaft kaum registriert. Obwohl die »Kommission für soziale Aktionen« (»Commission on Social Action«) der Reformbewegung vor kurzem eine Resolution zugunsten transgeschlechtlicher und bisexueller Inklusion verabschiedet hatte, betrat das Seminar mit Zellmans Zulassung Neuland. Die Schule machte »keine Vorbereitung im Vorfeld, keine Ausbildung bei der Schaffung einer kulturell kompetenten Umwelt«, sagte Joel Kushner, Leiter des »Instituts für Judentum, Sexualorientierung und Geschlechteridentität« (»Institute for Judaism, Sexual Orientation and Gender Identity«) am HUC-JIR (»Hebrew Union College – Jewish Institute of Religion«).

Obwohl Zellman nicht ins Detail gehen wollte, sagte er, daß es eine Herausforderung war, am HUC-JIR ein Praktikum zu sichern, eine Voraussetzung für den Studienabschluß. Seine Kommilitonen waren »unermüdlich unterstützend«, sagte er, aber »es kam in den sieben Jahren, die ich am HUC war, viele Male vor, daß es wirklich nicht klar war, ob ich jemals ordiniert werden würde«.

Für seine letzten drei Jahre der rabbinischen Schule wechselte Zellman vom Campus in New York City nach Los Angeles, seine Heimatstadt. Er machte ein Praktikom in der Kongregation Sha’ar Zahav, eine lesbisch-schwul-bisexuell-transgenderelle Synagoge in San Francisco, die er Jahre zuvor besuchte und wo er zum ersten Mal ermutigt wurde, zur rabbinischen Schule zu gehen. Er wurde 2010 ordiniert. Heute ist Zellman, 34, ein Assistenzrabbiner (assistant rabbi) und Musiklehrer in der Kongregation Beth El, eine Reformsynagoge in Berkeley.

Zellman hat viel über das Thema Geschlecht und Judentum geschrieben. Seine Diplomarbeit am HUC-JIR konzentrierte sich auf jüdisch-mittelalterliche Gesetzespersonen, die weder männlich noch weiblich sind, wie der »tumtum«, eine Person in der rabbinischen Literatur, deren Geschlecht unbekannt ist. Im Jahr 2007 schrieben er und Elliot Kukla, ein weiterer Transgenderrabbiner, die kurze Anleitung »Deine jüdische Gemeinschaft wird transenfreundlich gemacht« (»Making Your Jewish Community Trans Friendly«) mit praktischen Ratschlägen wie »schaffe eine nichtgeschlechtsspezifische Toilette, die für jedermann zugänglich ist« und auch einen philosophischen Ratgeber: »Sei offen für Veränderungen … auch wenn es nicht wie üblich ist.«

Zellman sagt, daß viele Synagogen enorme Fortschritte gemacht haben, transgeschlechtliche Gemeindemitglieder zu begrüßen. Aber er befürchtet, daß bestimmte Gesten — eine jährliche »Pride Shabbat« oder der Slogan »Wir begrüßen alle« — bei Rabbis und Laien den Anschein von Gastfreundschaft ohne echte Änderung der Einstellung schaffen. »Ich glaube, einer der Fehler, den wir in unseren Integrationsbemühungen manchmal machen, ist, daß wir nicht unbedingt erkennen, daß einladend zu sein ein Prozeß ist, der Stunde für Stunde geschieht«, sagte er.

Hier finden Sie den Originalartikel, Reuben Zellman’s Rabbinical Classmates Were ‚Unfailingly Supportive‘.

Wissenschaftler wie Angela Merkel würden angesichts der nichtgeschlechtsspezifischen Toilette vor Neid sicher erblassen.

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Emily Aviva Kapor schafft eine jüdische Gemeinschaft für Transfrauen

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15. Juli 2013/19. Juli 2013 — Die Tatsache, daß sie die einzige bekennende Transgenderrabbinerin ist, überrascht die 28jährige Emily Aviva Kapor nicht. Es ist ein Spiegelbild des Sexismus in der breiteren Gesellschaft, sagte sie, gepaart mit der Tatsache, daß die jüdisch-feministische Bewegung Transfrauen (trans women) weitgehend übersehen hat. »Wenn ich ein bejahendes Judentum für alle Frauen haben will, einschließlich Transfrauen«, sagte sie, »muß ich es selbst machen«.

Kapor, die in Boston lebt, wurde vor acht Jahren privat von einem »konservadoxen« Rabbiner (a »Conservadox« rabbi) ordiniert, bevor er sich als transgeschlechtliche Person bekannte. Als sie im vergangenen Frühjahr begann, als Frau zu leben, war es für sie »angenehm, eine Führerin in der jüdischen Welt zu sein«.

Kapors Aktivismus findet zu einem großen Teil auf ihrer Blogseite PLANTING RAINBOWS statt, wo sie über ihre jüngste Geschlechtertransition und darüber, autistisch zu sein, schreibt. Im Februar berichtete sie, wie sie als 11jährige zu Purim zum ersten Mal ein Kleid in der Öffentlichkeit trug. Während einige Transmenschen (trans people) den Feiertag als Chance sehen, mit Geschlechterpräsentationen zu experimentieren, ist Purim für Kapor voller Fallstricke. »Vor der Transition konnte ich zu Purim Frauenkleider tragen und die Menschen sahen einen Mann in einem Kleid«, schrieb sie. »Es hätte ihre Idee verstärkt, daß ich tatsächlich ein Mann war, der eine Frau spielt, weil eine Frau zu sein, etwas ist, womit gespielt wird.«

Kapor sagte, ihre Transition ist ein Brunnen der Kreativität. Im vergangenen Jahr, bevor sie alle ihre Papiere auf ihren weiblichen Namen geändert hatte, sagte sie in einem Telefonat bei einer Amtrak-Reservierung ihren alten Namen. »Ich war überkommen mit diesem intensiven Gefühl von Schmutzigkeit«, sagte sie. »Ich fühlte mich, als müßte ich mich duschen, in diesem sehr physischen Sinne. Und das brachte mich dazu, über die Mikwe (Anm.: das jüdische Bad) nachzudenken.«

Kapor kontaktierte Mayyim Hayyim, eine Mikwe der Gemeinschaft in Newton, Massachusetts, und arrangierte, in den Wassern (in the waters) ein Geschlechtertransitionsritual abzuhalten. Im Mai, zum ersten Jahrestag ihrer Hormonersatztherapie, ging sie wieder hin. Seitdem hat sie ein 20seitiges Papier verfaßt, das die theoretischen und halachischen (Anm.: rechtlichen) Fragen untersucht, als transgeschlechtliche Person die Mikwe zu nutzen.

Kapor sagt, daß sich ihre Generation von Transgenderrabbis in »unerforschten Gewässern« befindet, wenn es darum geht, ein Ritual für die Transition zu schaffen: »Es ist ein aufregender Ort.«

Hier finden Sie den Originalartikel, Emily Aviva Kapor: Creating a Jewish Community for Trans Women.

Wäre diese Art Hormonersatztherapie nicht ein Thema für den Religions- UND Ethikunterricht?

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Jacob Lieberman will die jüdische Welt verändern

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16. Juli 2013/19. Juli 2013 — »Ich bin nicht gekommen, um Rabbi zu werden, weil ich in transgeschlechtlichen Fragen die jüdische Welt verändern wollte«, sagte Jacob Lieberman, 34, Student im viertes Jahr am »Rekonstruktionistischen Rabbinischen Kolleg« in Wyncote, Pennsylvania. »Ich bin gekommen, weil ich jüdische Ideen habe, denen ich helfen möchte, unsere Gesellschaft zu durchdringen.«

Liebermans Ziel, das Judentum »sinnvoll, zugänglich und bedeutend« zu machen, wurde durch einen High-School-Trip nach Wilna, Litauen, ausgelöst, wo er Teenager kontaktierte, die nach dem Judentum hungrig waren, aber wenig Erfahrung mit ihm hatten. Bei einem Besuch einer Synagoge in der Altstadt von Wilna mit mehreren Dutzend jungen litauischen Juden erkannte er, wie unzugänglich der Dienst für Menschen war, die mit Hebräisch oder sogar Anbetung nicht vertraut waren. »Ich fühlte, daß die Synagoge ein Ort sein sollte, wo die Menschen einen Weg zum Judentum finden, und nicht eine Tür, für die sie einen Schlüssel zum Aufsperren haben müssen, um die Reichtümer dahinten zu sehen«, erzählt er.

Als Lieberman nach neun Jahren in Arbeiter- und Schwulenrechtsbewegungen in die rabbinischen Schule eintrat, konzentrierte er sich wieder auf Fragen des Zugangs, diesmal für seine eigene Gemeinschaft aus Transgenderjuden. In seinem ersten Jahr am RRC (Rekonstruktionistischen Rabbinischen Kolleg) starteten Lieberman und sein Berater, Rabbi Jacob Staub, das »Transgeschlechtliche / Geschlechtertuntige Komitee«, eine inoffizielle Gruppe aus fünf Studenten und fünf Fakultätsmitgliedern. »Geschlechtertuntig« ist ein Überbegriff für Menschen, die sich nicht ausschließlich als männlich oder weiblich identifizieren. Für das Personal schuf die Gruppe das Training »Transgeschlechtliche Grundlagen« (»Transgender 101«). Mit dem »Rekonstruktionistischen Rabbinischen Verband« (»Reconstructionist Rabbinical Association«, RRA) erarbeitete es außerdem eine im März veröffentlichte Resolution zur Unterstützung von Transgenderrabbinern und Transgenderpartnern von Rabbinern. »Es wird ziemlich schnell gehen, daß Leute wie ich Beschäftigung erreichen werden«, sagte Lieberman. »Der RRA sagt, transgeschlechtliche und geschlechtertuntige Leute sollen eine ebensogroße Chance auf Beschäftigung haben, wie wir.«

Im Herbst werden sich Lieberman und eine weitere transgeschlechtliche Studentin im Komitee, Leiah Moser, mit örtlichen Rekonstruktionistischen Synagogen treffen, um über ihren Weg zum Rabbinat zu sprechen.

Lieberman freut sich auf den Tag, wenn die jüdische Gemeinschaft das erreicht, was er die »Version 2.0 von transgeschlechtlicher Inklusion« (»2.0 version of transgender inclusion«) nennt, wenn Transmenschen (trans people) wie alle anderen behandelt werden. »Es ist ein Zeichen, daß wir Fortschritte gemacht haben, wenn wir nicht länger sagen: «Transmenschen sind in meiner Gemeinschaft willkommen«, sondern sagen: »Natürlich sind Sie in meiner Gemeinschaft herzlich willkommen; Sie sind herzlich eingeladen, Rabbiner zu werden, und Sie werden das Beste geben, genau wie alle anderen auch.«

Hier finden Sie den Originalartikel, Jacob Lieberman Wants To Change the Jewish World.

Haben Sie verstanden, warum Religion für religionshungrige Juden »unzugänglich« sein soll?

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Für Ari Lev Fornari sind das Geschlecht und die Befreiung der Palästinenser verbunden

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16. Juli 2013/19. Juli 2013 — »Ich bin einer jener Menschen, die ein Rabbi sein wollten, seit ich ein kleines Kind war«, sagte Ari Lev Fornari, ein Rabbinerstudent im fünften Jahr am »Hebrew College«, eine pluralistische Hochschule für jüdische Forschung (Jewish studies) in Newton Centre, Massachusetts. Seine beruflichen Ambitionen waren »von meiner eigenen tuntigen (queer) Neigung nicht getrennt«. Die einzige bekennende schwule Person (gay person), die er als Kind kannte, war sein Rabbi, Karen Bender, am »Tempel Beth El« (»Temple Beth El«) in Great Neck. Sie ist jetzt eine Rabbinerin am »Tempel Judäa« (»Temple Judea«), in Tarzana, Kalifornien.

Doch 2006 hatte Fornari eine »Glaubenskrise«, die ihn beinahe vom Judentum insgesamt abbrachte. Damals reiste er mit zwei transgeschlechtlichen Freunden nach Israel und in die palästinensischen Gebiete. Nach der Teilnahme an gewaltfreien Protesten im Westjordanland war er dabei, den »Zionismus zu verlernen«. Auf dem gleichen Trip, mehr als 7.000 Meilen von zu Hause, in sicherer Entfernung, um zu experimentieren, bekannte er sich als transgeschlechtlich und fing an, männliche Pronomen zu verwenden.

Das Erlebnis zeigte ihm den »Zusammenhang zwischen der Befreiung des Geschlechts und der Befreiung Palästinas«: Beide bringen »Heilung und Selbstbestimmung«. Aber da die Behandlung der Palästinenser durch die Israelischen Verteidigungskräfte zu sehen, erschütterte seinen Glauben. »Ich entschied, ich könnte mich vom Judentum abwenden oder dem Judentum zuwenden und sehen, ob es eine Quelle der Heilung und Ganzheit und des gelebten Weges sein könnte«, sagte er.

Fornari entschied sich für Letzteres, und schrieb sich im Jahr 2008 am »Hebrew College« ein. Als Rabbinerstudent hat er versucht, die Geschlechtertransition als einen Grund zum Feiern in der jüdischen Tradition auszuarbeiten, nicht als etwas, das verschwiegen oder versteckt werden muß. »Bekenne, weil es eine heilige Sache ist«, sagte er. Transgeschlechtliche Juden sollen spüren, daß »ich das nicht nur mache, weil ich überleben muß, sondern weil es das ist, was Gott für uns will. Es ist ein Teil dessen, der Welt Gottes Willen zu bringen.«

Fornari hat seinen Aktivismus für die Rechte der Palästinenser fortgesetzt und dient im rabbinischen Rat »Jüdische Stimme für den Frieden« (»Jewish Voice for Peace«). (Anm.: Wie wäre es mit »Zionistische Stimme für den Frieden«?) Er veröffentlichte auch Essays über Geschlechtertransition und Judentum. In einem Artikel des Jahres 2007 im jüdischen Ideenjournal (Jewish journal of ideas) SH’MA, beschreibt er den Gebrauch einer Binde mit Zizijot (Anm.: die vier Fransen am an der Seite offenen jüdischen Unterhemd) zum Komprimieren der Brust, um einen modifizierten Tallit Katan (Anm.: das jüdische Unterhemd) zu schaffen, eine jüdisch-traditionelle Unterwäsche mit Fransen für Männer. Er und Kukla verfaßten ein Gebet, das während des Bindens der Brust rezitiert wird: »Für die Mizwa (Anm.: ein Gebot im Judentum) der rituellen Fransen und die Mizwa der Selbstformung.«

Hier finden Sie den Originalartikel, For Ari Lev Fornari, Gender and Palestinian Liberation Are Linked.

Eine »Jüdische Stimme für den Frieden«? Wie wäre eine »Zionistische Stimme für den Frieden«?

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Leiah Moser fordert den jüdisch-progressiven Feminismus heraus

0606

16. Juli 2013/19. Juli 2013 — Als Leiah Moser im letzten Jahr ihre Geschlechtertransition begann, erfuhr sie in der rabbinischen Schule, wo viele ihrer Kommilitonen neue Identitäten und sogar neue Namen ausprobierten, einen unerwarteten Dämpfer. »Alle meine Klassenkameraden durchlaufen diesen extrem intensiven Transformationsprozeß, und die meisten von ihnen fühlen sich dabei ebenso herausgefordert und verwirrt wie ich bei meiner Geschlechtertransition«, sagte sie.

Moser, eine Studentin am RRC im dritten Jahr, beschloß, Rabbinerin zu werden, nachdem sie begann, in ihrer Synagoge in Tulsa, Oklahoma, Führungspositionen zu übernehmen. Sie und ihre Frau, die seit 2006 verheiratet sind, konvertierten im Jahr 2009 zum Judentum, nachdem sie die Lehren von Irwin Kula entdeckten, ein Rabbiner und Autor.

Vor Mosers Transition hatte das Paar die typischen jüdischen Geschlechterrollen angenommen: Am Sabbat rezitierte Moser den Segensspruch (Kiddusch), während ihre Frau die Kerzen anzündete. »Ich denke, in gewisser Weise versuchen wir, eine idealisierte Form einer jüdisch-heteronormativen Familie nachzuahmen«, sagte sie. Aber sich wie eine »bärtige, fransentragende männliche Person« zu kleiden, fühlte sich wie eine Vorstellung an; nachdem sie am RRC anderen transgeschlechtlichen und geschlechternonkonformen Menschen begegnete — darunter Jacob Lieberman — begab sich Moser auf den »erschreckenden Weg, herauszuarbeiten, was mein Geschlecht tatsächlich war«.

Heute taucht Moser, 31, in der jüdisch-feministischen Lehre und schreibt auf ihrer Blogseite DAG GADOL — wörtlich »großer Fisch« — über ihre Erfahrungen. Ihre Entscheidung, eine Perücke und ein Kopftuch zu tragen, teils aus der Not heraus, um ihr ausgedünntes Haar zu verdecken, ist eine überraschende Quelle für Gespräche mit Feministinnen, die den orthodoxen Kleidungsstil selbst ablehnten. Viele Frauen am RRC beten (dawnen) mit Gebetsriemen (Tefillin), aber Moser nicht. (Anm.: Siehe »The Origin of Satur’Day Worship« für die Verbindung zum Satanismus.)

Moser hofft, eine Kanzelrabbinerin zu werden, aber sie räumt ein, daß es für einige Gemeinden, in die sie perfekt als Mann passen würde, vielleicht schwer wäre, sie heute zu akzeptieren. Dennoch sagte sie, »es ist unsere Pflicht, draußen zu sein, an vorderster Front in der jüdischen Gemeinschaft, als Vorbilder für andere Transmenschen (trans people) und besonders Transfrauen (trans women)«.

Hier finden Sie den Originalartikel, Leiah Moser Challenges Progressive Jewish Feminism.

Mit immer mehr Menschen, die ihre Sexualität aus dem Privaten ins Öffentliche katapultieren, wie könnte da die Zukunft aussehen?

Wir schalten um zu FAILED MESSIAH:

Ex-jüdisch-orthodoxe Transsexuelle kandidiert für Australiens Parlament

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1. September 2013 — Melissa Starr kandidiert unter der »Sexpartei« (»Sex Party«) für Australiens Parlament. Sie ist jüdisch, eine ehemalige Baal Teschuwa (Anm.: streng religiöse Rückkehrerin) — und eine Transsexuelle.

Hier sind ihre Wahlversprechen. (Anm.: Mehr reden über Sexfragen. Mehr reden über Sexerziehung. Mehr reden über Drogen. Mehr reden über die Sicherheit Israels. In einem ökonomisch verantwortlichen und sozial progressiven Rahmen. Und zur Krönung gibt es sogar das Thema sexueller Kindesmißbrauch — wollten sich mit dem Thema nicht auch die bundesdeutschen Grünen vor kurzem Gehör verschaffen?)

Hier finden Sie den Originalartikel, Ex-Orthodox Transsexual Woman Standing For Australian Federal Parliament.

Was mir dabei einfällt?

transgender rabbis

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