Kann es etwas Perverseres geben als diese Holocaust-Phantasten? Mehr und mehr Menschen erfinden Memoiren über erlebte Nazi-Verbrechen

Guy Walters über Holocaustlügner.

Could there be anything more twisted than these Holocaust fantasists?

21. Juni 2013 — Es war nur vier Tage vor dem Ende des Krieges in Europa, als eine Einheit kanadischer Soldaten durch einen dichten Wald im Nordosten von Holland vorstieß. Begleitet wurde sie von einem Mann namens Joe Corry, ein Mitglied der streng geheimen britischen „Special Service Unit“.

Corry hatte in jeder Hinsicht einen ereignisreichen Krieg hinter sich. Er hatte einen Nazi-Wissenschaftler mit einer Armbrust ermordet, beobachtete die Landung am D-Day von einem Haus am Strand, rettete den Atomwissenschaftler J. Robert Oppenheimer, den Vater der Atombombe, aus Holland, befestigte an U-Booten Haftminen, erlitt vor Neufundland Schiffbruch und hatte sogar mit dem künftigen „James Bond“-Autor Ian Fleming gearbeitet, der selbst ein Nachrichtendienstoffizier war.

Doch trotz allem, was er gesehen hatte, konnte Corry nichts auf das vorbereiten, was er an diesem Tag erleben sollte. Denn tief verborgen im Wald war ein „experimentelles“ Nazi-Vernichtungslager, dessen Anblick ihm für immer in Erinnerung bleiben würde.

„Dort waren die lebenden und die toten Beweise von Grauen und Brutalität, die jenseits unserer Vorstellungskraft liegen“, schrieb Corry Jahre später. „Menschen lagen, krochen und schlurften in stinkendem knöcheltiefem Schlamm und in menschlichen Exkrementen.“

Ein junges Mädchen kam auf ihn zu und schrie um Hilfe, doch da war kaum etwas, das Corry tun konnte. Dann näherte sich ein Rabbi und küßte Corrys Hand; er murmelte etwas, das Corry nur für ein Gebet halten konnte.

Als Corry durch das Lager ging, präsentierten sich ihm immer schrecklichere Sehenswürdigkeiten, darunter jede Menge Leichen und Reihen „lebender Skelette“, die in Blockhäuser gestopft waren.

Ein paar Tage später kam er zurück und sah, wie zwei Lagerinsassen aus einem längst toten Pferd Fleisch rissen und „riesige Bissen schluckten“.

Was Corry an diesem Tag sah, vor fast sieben Jahrzehnten, war ein überzu lebhaftes Beispiel des Holocaust, in dem auf Befehl von Adolf Hitler sechs Millionen Juden ermordet wurden.

Kein Wunder, daß die Verleger Simon & Schuster Anfang dieses Jahres die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, seine außergewöhnlichen Memoiren neu aufzulegen, die 1990 erstmals veröffentlicht und kaum beachtet wurden.

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Die Neuausgabe, die 2014 erscheinen soll, beschrieb Corrys Herausgeber als „alles, was Sie in Memoiren über den Zweiten Weltkrieg lesen wollen — es ist eine packende Schilderung des extremen Mutes und Einfallsreichtums, eine kraftvolle und emotionale Achterbahnfahrt“.

Allerdings gibt es dabei ein Problem: es ist einfach nicht wahr.

Es gab in Holland keine solchen „experimentellen Vernichtungslager“, und die Konzentrationslager, die es auf niederländischem Boden gab, wurden lange vor dem 4. Mai entdeckt, dem Tag der deutschen Kapitulation in Holland.

In Wirklichkeit ist fast alles, was Corry über seine Kriegserlebnisse behauptet, fiktiv. Es gab keine „Special Service Unit“; Professor Oppenheimer war während des Krieges in den USA; es gab keine britischen Truppen, die sich am D-Day an den Stränden in Häusern versteckten.

Die Liste der Lügen ist erstaunlich und offensichtlich. Kein Wunder, daß Mike Jones, leitender Redakteur (Editorial Director) von Simon & Schuster, jetzt sagt: „Wir veröffentlichen eine breite Palette an Sachliteratur und wir erwarben das Buch basierend auf dem, was uns erzählt wird.

Es würden für nichts auf der Welt ein Buch veröffentlichen wollen, das ungenau und erfunden ist. Ein Experte hat uns jetzt darauf Aufmerksamkeit gemacht, also werden wir diese Behauptungen untersuchen, und den Autor und Agenten sprechen.“

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Leider ist Corrys Erzählung Teil eines zunehmenden Problems innerhalb der Verlagsbranche, die der Öffentlichkeit zunehmend „Memoiren“ über den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg verkauft, die eigentlich in die Regale mit der Aufschrift „Fiktion“ gehören sollten.

Die jüngste Veröffentlichung von Felix Weinbergs bewegenden — und echten — Holocaust-Memoiren „Boy 30529: A Memoir“ zeigt dieses Problem erneut.

Leider starb Professor Weinberg, der viele Jahre am Londoner „Imperial College“ unterrichtete, bevor im April sein Buch erschien, doch er hat nicht nur eine kraftvolle Dokumentationn hinterlassen, sondern auch eine gezielten Schlag gegen skrupellose „Überlebende“ und ihre Herausgeber. „Ich habe immer dazu tendiert, Holocaust-Literatur zu vermeiden“, schrieb er, „und finde einige der jüngsten fiktiven Schilderungen, die sich als wahre Geschichten tarnen, zutiefst beunruhigend.

Es ist gleichbedeutend mit der Entweihung von Kriegsgräbern. Wir sollten [den Toten] zumindest genug Respekt zeigen, um falsche Geschichten darüber zu unterlassen, wie ihr Leben endete.“

Eines der frühesten Beispiele für eine falsche Geschichte über den Holocaust war ein Buch mit dem Titel „Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939-1948“ von einem Musiker namens Binjamin Wilkomirski, das im Jahr 1995 in Deutschland veröffentlicht wurde.

Wie so viele seiner Erfinderkollegen, hielt Wilkomirski seinen Bericht über das Leben in Lagern wie Auschwitz und Majdanek vage und präsentierte seine Erfahrungen — wie es der Titel des Buches schon sagt — sehr bruchstückhaft.

Schockierend und kraftvoll, wie die Tendenz von Holocaust-Memoiren ist, wurde das Buch von Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit gleichermaßen gefeiert und in mindestens 11 Ländern verkauft.

Doch im Jahr 1998 wurde Wilkomirski von einer Schweizer Journalistin als Lügner enttarnt, die aufdeckte, daß der Autor nicht einmal in der Nähe der Lager gewesen war — und daß er in Wirklichkeit Bruno Grosjean hieß und in einem Waisenhaus aufgewachsen war.

Nach der Aufdeckung der „Bruchstücke“ sollte man hoffen, daß sich Verleger bei der Prüfung der Manuskripte mehr in Acht genommen hätten, es hat sich aber nicht gezeigt, daß dies der Fall wäre.

Immerhin waren die Neunziger Jahre das Jahrzehnt, in dem „Memoiren über das Elend“ („misery memoirs“) in Mode kamen, und Holocaust-Geschichten sind die ultimativen Memoiren über das Elend.

Im Jahr 1996 erschien Herman Rosenblat in der „Oprah Winfrey Show“ und erzählte eine unglaubliche Geschichte. Als Junge war Rosenblat in einem Konzentrationslager namens Schlieben inhaftiert, das ein Nebenlager des berüchtigten KZ Buchenwald war.

Jeden Tag, sieben Monate lang, wurden Rosenblat von einem jungen jüdischen Mädchen namens Roma Äpfel und Brot über den Zaun des Lagers geworfen — Nahrung, die ihn am Leben hielt.

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Dann wurde Rosenblat in ein anderes Lager verlegt und er dachte, er würde Roma nie wiedersehen. In den Fünfziger Jahren lebte Rosenblat in Brooklyn in den Vereinigten Staaten, und eines Tages im Jahr 1957 ging er mit einer attraktiven jungen Frau zu einem Blind Date. Erstaunlicherweise war das „Date“ niemand anderes als Roma, und sie heirateten — wie im echten Hollywood.

Seltsamerweise dauerte es eine lange Zeit, bis die Verlage auf Rosenblats Geschichte aufmerksam wurden, aber schließlich, im Jahr 2008, wurde sie für eine ungenannte Summe an „Berkley Books“ verkauft, ein Abdruck von „Penguin“, und sollte im folgenden Jahr als „Engel am Zaun“ („Angel At The Fence“) veröffentlicht werden.

Darüber hinaus sollten im März die Dreharbeiten für einen 17 Millionen Pfund teuren Spielfilm beginnen. Rosenblat stand davor, ungeheuer reich zu werden.

Doch dann erregte das Buch die Aufmerksamkeit von Holocaust-Gelehrten und denjenigen, die Schlieben überlebt hatten.

Sie wollten nicht glauben, daß es Roma und Rosenblat möglich war, sich am Zaun des Lagers getroffen zu haben.

Die öffentliche Straße in der Nähe des Zauns war gesperrt und die Gefangenen konnten ihn nur unter Todesgefahr erreichen. Es gab einfach keine Möglichkeit, daß die Geschichte vom „Engel“ hätte passieren können.

Im Dezember 2008 wurde das Buch von der Veröffentlichung zurückgezogen.

„Ich wollte den Menschen Glück bringen“, sagte Rosenblat wenig überzeugend. „Ich gab einer Menge Menschen Hoffnung. Meine Motivation war, in dieser Welt Gutes zu machen.“

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Leider ist es alles andere als gut, Holocaust-Memoiren zu fälschen, um Geld zu verdienen. (Anm.: Womöglich täten einigen Verlegern und Regisseuren Geld- und Gefängnisstrafen gut.)

Bereits im Dezember 2007 erklärte die renommierte amerikanische HistorikerIn Deborah Lipstadt, Dorot-ProfessorIn für moderne jüdische und Holocaust-Forschung (Dorot Professor of Modern Jewish and Holocaust Studies at Emory University) an der Universität Emory in Atlanta, daß Rosenblats Geschichte „so viele Mängel hat, daß man kaum weiß, wo man anfangen soll“.

daß solche Memoiren durch Verzerrung der historischen Aufzeichnung eine sehr schädliche Nebenwirkung haben. „Nicht nur, daß wir einfach der Geschichte wegen historisch korrekt sein müssen“, sagte sie, „aber darüber hinaus sind derartige Sachen Futter für Holocaust-Leugner“. (Anm.: Satzanfang fehlt im Original)

Dies ist ein wichtiger Punkt. Holocaust-Leugner lieben falsche Memoiren, da sie verwendet werden können, um zu „beweisen“, daß in der Tat die meisten Holocaust-Memoiren unwahr sind.

Als Misha Defonseca 1997 ihr völlig falsches Buch „Misha: Memoiren der Holocaust-Jahre“ („Misha: A Memoir Of The Holocaust Years“) veröffentlichte, in dem sie behauptete, das Warschauer Ghetto überlebte zu haben und von Wölfen aufgezogen worden zu sein, hatten die Leugner einen großen Tag.

„Es ist gleichbedeutend mit der Entweihung von Kriegsgräbern“

Es half kaum, als Defonseca für ihr Handeln die lächerliche Rechtfertigung aussprach, „es ist nicht die wahre Realität, aber es ist meine Realität“.

Leider, trotz all dieser Beispiele, verkaufen die Verlage weiterhin mutwillig verdächtige Memoiren über den Holocaust und den Krieg.

Im Jahr 2011 zeigte ich, daß Denis Aveys Behauptungen in seinem Buch „The Man Who Broke Into Auschwitz“, in Auschwitz eingebrochen zu sein, mit so vielen Diskrepanzen gespickt sind, daß seine Geschichte ernste Fragen aufwarf.

Was sie besonders verdächtig machte, war ein Interview, das er gegeben hatte, in dem er sich daran erinnerte, versucht zu haben, einenn Australier zu treffen, der das Krematorium schürte, wo die Leichen der toten Juden entsorgt (disposed) wurden. Diese Erinnerung scheint falsch zu sein, da der Australier Donald Watt hieß und im Jahre 1995 Memoiren über seine Holocaust-Erlebnisse veröffentlicht hatte, die als völliger Quatsch nachgewiesen wurden.

Für Historiker sind Bücher von Leuten wie Avey und Watt „Junk-Geschichte“ — mit Seiten, die den Appetit stillen, aber historisch keine Nahrung bieten.

Jedes Mal, wenn ich zu Memoiren greife, die ein Brite (Tommy) an seinem Lebensabend schrieb, finde ich Passagen, bei denen ich eine Augenbraue hochziehe.

Nehmen wir das Beispiel von Charles Waite: „Überlebender des Langen Marsches: Fünf Jahre als Kriegsgefangener 1940-1945“ („Survivor Of The Long March: Five Years as a PoW 1940-1945“). An einem Punkt erinnert sich Waite an ein jüdisches Baby, das eine Wache seiner Mutter wegschnappte. „Das Baby fing an zu weinen“, schreibt Waite, „und er warf es auf den Boden und fing an, es wie einen Fußball das Gleis entlang (along the track) zu kicken“. Der schreienden Mutter wurde dann von hinten in den Kopf geschossen und das Baby tot am Boden zurückgelassen.

Kann diese Geschichte wahr sein? Es ist möglich, doch wir haben für sie nur Waites Wort, und er starb im vergangenen Jahr.

Es gibt viele Geschichten über Wachen, die Babys ermorden, in der Regel, wie es in Aveys Buch der Fall ist, werden ihre Köpfe eingeschlagen, und zweifellos sind einige wahr.

Leider sind wir jetzt in einer Situation, wo fast alle Holocaust-Memoiren eine solche Szene schildern. Es ist fast eine Pflicht, obwohl solche Ereignisse in Wahrheit unglaublich selten waren, aus dem einfachen Grund, daß das Töten von Babys vor ihren Eltern nicht der beste Weg ist, um einen Zug voller Häftlinge zu beruhigen.

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Außerdem hatten die meisten Wachen nicht den Wunsch, Kinder zu töten — einer der Gründe, warum Gaskammern geschaffen wurden, war, den Mördern zu ersparen, Zeuge der Grausamkeit des Mordes zu werden.

Doch die zunehmende Häufigkeit, mit der solche schrecklichen Geschichten von Kindestötung so viele Jahrzehnte nach dem Krieg erscheinen, legt nahe, daß einige der Berichte wahrscheinlich Fälschungen sind, oder falsche Erinnerungen derer, die übermäßig in die Holocaust-Literatur eingetaucht sind.

Ein weiterer fester Bestandteil von Holocaust-Memoiren ist jene finstere Gestalt, der SS-Arzt Josef Mengele. Auch hier werden sich fast alle Memoiren, die von Auschwitz-Überlebenden geschrieben wurden, an Mengele bei einer „Selektion“ erinnern, der bestimmt, wer in die Gaskammern geschickt wird. Mehr als oft pfeift er dabei eine Wagner-Arie und trägt einen makellos weißen Kittel.

In Wahrheit war Mengele nur einer von vielen „Ärzten“, die im Lager beschäftigt waren, und er war keineswegs bei jeder Selektion.

Erst im vergangenen Monat erschien eine weitere Denkschrift, die viele Fragen aufwirft. Das Buch, „Singen die Vögel in der Hölle noch immer?“ („Do The Birds Still Sing In Hell?“), erzählt die Geschichte eines britischen Soldaten namens Horace Greasley, der „über 200 mal aus einem berüchtigten deutschen Gefängnis entkam, um das Mädchen zu sehen, das er liebte“.

Wie bei so vielen von diesen Berichten soll das Buch Gerüchten zufolge verfilmt werden.

Geheimnisvollerweise erwähnt Greasleys Rekord als Kriegsgefangener, den er im Nationalarchiv hält, von diesen 200 nicht eine „Flucht“.

Arbeitslager für Unteroffiziere wie Greasley waren nicht die streng bewachten Orte, die sich unsere kollektive Phantasie zaubert — genährt durch Bilder aus „Colditz – Flucht in die Freiheit“ („Colditz“) oder „Gesprengte Ketten“ („The Great Escape“). Aus einem Lager auszureißen, um sich mit einheimischen Mädchen zu verbrüdern, war in der Tat kaum ungewöhnlich, und keinesfalls eine „Flucht“ in dem Sinne, wie es die meisten von uns verstehen.

Es wird ohne Zweifel mehr Bücher dieser Art geben. Mit Verlagen, die darum kämpfen, die neueste wagemutige Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg oder über das Elend des Holocaust zu verkaufen, scheint es unwahrscheinlich, daß dies ein Genre ist, das aussterben wird.

Dennoch hat dieses Verzerren und Melken von Erinnerungen alter Männer für den letzten Tropfen Geld etwas zutiefst Geschmackloses.

Alle, die diese Bücher lesen, sollten aufhören und sich fragen, ob das, was sie da in ihren Händen halten, tatsächlich wahr ist.

Wir sollten alle die Abneigung teilen, die der verstorbene Professor Weinberg empfand, und stattdessen sein Buch lesen.

„Boy 30529: A Memoir“ von Felix Weinberg wird von Verso Books veröffentlicht.

Hier finden Sie den Originalartikel, Could there be anything more twisted than these Holocaust fantasists? How more and more people are making up memoirs about witnessing Nazi crimes.

Wie schwierig der Drahtseilakt zwischen Holocaustopfern und Holocaustlügnern ist, zeigt die Geschichte von Moshe Peer, die Karen Seidman in der MONTREAL GAZETTE berichtete.

Den Schrecken überleben

THE MONTREAL GAZETTE August 5, 1993

Autor erinnert sich an seine Erlebnisse im Nazi-Konzentrationslager

5. August 1993 — Als ein 11jähriger Knabe, der während des Zweiten Weltkriegs im Konzentrationslager Bergen-Belsen in Gefangenschaft war, wurde Moshe Peer mindestens sechs Mal in die Gaskammer geschickt. Er überlebte jedes Mal und beobachtete mit Schrecken, wie viele der Frauen und Kinder, die mit ihm vergast wurden, zusammenbrachen und starben. Bis zum heutigen Tag weiß Peer nicht, wie er überleben konnte. „Vielleicht können Kinder es besser widerstehen, ich weiß es nicht“, sagte er letzte Woche in einem Interview.

19 Jahre Arbeit am Buch

Peer, jetzt 60, hat die letzten 19 Jahre damit verbracht, über das Grauen, das er in Bergen Belsen erlebte, einen Bericht aus erster Hand zu schreiben. Am Sonntag sprach er in der jüdisch-sephardischen Gemeinde Petah Tikva in St. Laurent mit etwa 300 jungen Erwachsenen über sein Buch und seine Erlebnisse als Überlebender des Holocaust.

Das Treffen war Teil des „Shabbaton 93“ der Synagoge, die junge Erwachsene aus ganz Nordamerika für ein kulturell-soziales Erlebnis zusammenbrachte.

Peer schrieb das Buch mit dem Titel „Unvergeßliches Bergen-Belsen“ („Inoubliable Bergen-Belsen“), um dem Leser das Gefühl eines Augenzeugen am Tatort zu geben. Er räumt jedoch ein, daß er für niemanden die lebende Hölle wiedergeben kann, die er erlebte. „Die Zustände (conditions) in dem Lager ist (is) unbeschreiblich“, sagte Peer. „Man kann den Schrecken nicht nach Hause bringen.“

Im Jahre 1942, im Alter von 9, wurde Peer in seiner Heimat Frankreich, zusammen mit seinem Bruder und seiner Schwester, die beide jünger waren, von der Polizei verhaftet. Seine Mutter wurde nach Auschwitz geschickt und kam nie wieder zurück.

Peer und seine Geschwister wurden zwei Jahre später nach Bergen-Belsen geschickt. Die Trennung von seinen Eltern hat er als unerträglich in Erinnerung. Doch die Schrecken des Lagers zu überlebenden, wurde schnell zu einer Priorität.

„Es gab herumliegende Stücke von Leichen und es gab Körper, die dort lagen, einige lebendig und einige tot“, erinnerte sich Peer.

„Bergen-Belsen war schlimmer als Auschwitz, weil die Menschen dort sofort vergast wurden, so daß sie nicht lange litten.“

Peer sagte, daß russische Gefangene „wie Hengste“ in einem Open-Air-Lager gehalten wurden, und keine Nahrung oder Wasser erhielten. „Manche Menschen wurden vor Hunger verrückt und wandten sich dem Kannibalismus zu“, sagte Peer.

Peers Tag begann mit einem Appell der numerierten Häftlinge. Dies konnte bis zu fünf Stunden dauern, während ihre Fänger (captors) ausrechneten, wie viele Häftlinge gestorben waren. Wer während des Appells umfiel, wurde auf der Stelle geschlagen.

Nach dem Appell kehrten die Gefangenen in ihre Kasernen zurück, wo ihnen ein kleines Stück Brot und etwas gefärbtes Wasser (coloured water) gegeben wurden.

Peer und seine Geschwister — die alle überlebten — wurden im Lager von zwei Frauen betreut, die Peer ohne Erfolg zu finden versuchte.

Kinder sind Kinder, sie spielten, manchmal jagten sie einander um die Barracken. Es gab aber immer einige, die zu krank oder zu schwach waren, um aufzustehen.

Vereint mit dem Vater

Nach dem Krieg waren Peer und sein Vater wieder vereint in Paris und die Familie zog nach Israel. Peers vier Kinder wurden in Israel geboren, doch nachdem er in einer Reihe von Kriegen in der israelischen Armee diente, zog Peer im Jahr 1974 nach Montreal.

Seine KZ-Erlebnisse verfolgen Peer auch 49 Jahre später und er erlebt es immer noch, daß ihn seine Erinnerungen in der Nacht wach halten.

Doch was ihn am meisten verbittert, ist die Art und Weise, wie der Rest der Welt dabei stand und es geschehen ließ.

„Niemand befahl den Deutschen, es nicht zu tun. Sie hatten die Erlaubnis der Welt“, sagte er.

Hier finden Sie den Originalartikel, Surviving the horror.

Siehe auch:

256 Erwähnungen von 6.000.000 Juden vor Bekanntmachung durch die Nürnberger Prozesse

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