Neue Details über illegalen Organhandelring zwischen Israel und Costa Rica

Shlomo Papirblat über den Fallstrick Organspende.

Israeli MDs harvesting organs for international trafficking ring

22. Juni 2013 — Costaricanische Beamte sagten über das Wochenende, daß Grenzschutzbeamte an Israels Flughafen Ben Gurion maßgeblich daran beteiligt waren, letzte Woche den zwischen Israel und Costa Rica operierenden illegalen Organhandelring aufzudecken.

Costa Rica bat Israel am Freitag um seine Zusammenarbeit bei der Untersuchung eines internationalen illegalen Organhandelrings, der mit israelischen Ärzten arbeitete und sich auf den Verkauf von Nieren an Patienten in Israel und Osteuropa spezialisierte. Costa Rica nannte keinen der israelischen Ärzte, die angeblich in den Ring involviert sein sollen.

Offizielle Quellen in San Jose, Costa Ricas Hauptstadt, sagten am Freitag, daß im März ein Ehepaar aus Costa Rica am Flughafen Ben Gurion angekommen wäre. Als ein Beamter der Paßkontrolle nach dem Grund für ihren Besuch in Israel fragte, sagte die Frau, sie wäre gekommen, um einem israelischen Patienten eine ihrer Nieren zu spenden. Das Paar durfte nicht einreisen und wurde nach kurzer Zeit an Bord eines Flugzeugs zurück nach Costa Rica geschickt.

Israels Grenzkontrolle benachrichtigte Interpol, die die Details über das Paar an die Polizei von Costa Rica reichte, die eine sofortige Untersuchung eröffnete und gegen den Organschmuggelring vorging, bevor der örtlichen Mitglieder wußten, daß sie bloßgestellt wurden.

Das Paar wurde bei seiner Rückkehr nach Costa Rica verhört und informierte die Polizei über die Zahlungen, die ihne versprochen wurden. Die Informationen, die sie enthüllten, führten zu Dr. Francisco Mora Palma, dem Leiter der Nephrologie (Anm.: die Abteilung für Nierenkrankheiten) an San Joses größtem Krankenhaus, Calderon Guardia.

Nach einer verdeckten Ermittlung von mehreren Wochen wurde der Arzt letzte Woche zusammen mit einem seiner Mitarbeiter verhaftet. Am vergangenen Donnerstag wurde die Untersuchungshaft der beiden Verdächtigen um sechs Monate verlängert.

Die beiden werden verdächtigt, medizinische Eignungstests koordiniert zu haben, die mit Ärzten aus Israel an „Spendern“ von Nieren durchgeführt wurden, ihre Flüge arrangiert zu haben und ihnen für jede Niere 16.000 bis 20.000 Dollar gezahlt zu haben.

Die Privatklink „Clinica Biblica“ in San Jose sagte am Freitag, daß Dr. Mora Palma vor etwa zwei Jahren begann, in den OP-Sälen des Krankenhauses Nierentransplantationen für Patienten durchzuführen, die nach Costa Rica geflogen wurden, offenbar vor allem aus Israel.

„Wir ahnten nicht, daß die Genehmigungen dieser Organspenden auf gefälschten Vereinbarungen und falschen Aussagen von Spendern basierten“, heißt es in einer Erklärung des Krankenhauses. Als das Krankenhaus von der Untersuchung hörte, heißt es, hielt es Mora Palma davon ab, in seinen Einrichtungen private Operationen durchzuführen.

Das Gesetz in Costa Rica verbietet es, eine Person für ihre Organe zu bezahlen. Die Polizei in Costa Rica untersucht nun, ob sich das OP-Team des Arztes des illegalen Organhandels bewußt war.

In den letzten Jahren diente Costa Rica israelischen Patienten als Reiseziel, die eine Nierentransplantationen benötigen. Der Preis für eine Nierentransplantation auf dem schwarzen Markt wird auf rund 700.000 NIS (rund 150.000 Euro) pro Niere geschätzt.

Hier finden Sie den Originalartikel, New details emerge on organ trafficking ring between Israel and Costa Rica.

Zwei Tage zuvor …

Israelische Ärzte ernten für illegalen internationalen Organhandelring

20. Juni 2013 — Costa Ricas Behörden teilten am Mittwoch mit, daß sie einen internationalen illegalen Organhandelring auflösten, der mit israelischen Ärzten arbeitete und sich auf den Verkauf von Nieren an Patienten in Israel und Osteuropa (Anm.: Christen? Muslime?) spezialisierte.

Costa Ricas Generalstaatsanwaltschaft sagte, israelische Ärzte hatten an einigen „Spendern“ aus Costa Rica Operationen zur Entfernung der Nieren, durchgeführt, die ihre Organe verkauften. Die Behörden sagten auch, daß der Hauptverdächtige, der in Costa Rica verhaftet wurde, ein Arzt, mit israelischen Ärzten in Kontakt stand, um Nierenspender aus Costa Rica mit israelischen Empfänger zusammenzubringen.

Die Durchführung solcher Operationen ist eine schwere Straftat.

Costa Ricas Polizei untersucht nun zusammen mit Interpol den Fall einer jungen Frau, die nach Israel geschickt worden war, um eine Niere zu spenden, sich auf dem Rückflug schlecht fühlte, auf einem Zwischenstopp von Bord genommen wurde und starb.

Costa Ricas Behörden nannten keinen der israelischen Ärzte (Anm.: Wäre das nicht Aufgabe der israelischen Behörden oder des israelischen investigativen Journalisten, der diese Meldung schrieb?), die angeblich in den Ring involviert waren. Israels Gesundheitsministerium sagte, daß es von der Angelegenheit nichts wußte.

In den letzten Jahren diente Costa Rica israelischen Patienten als Reiseziel, die eine Nierentransplantationen benötigen. Der Preis für eine Nierentransplantation auf dem schwarzen Markt wird auf rund 700.000 NIS (rund 150.000 Euro) pro Niere geschätzt.

San Joses Polizei verhaftete am Mittwoch Dr. Francisco Mora Palma, den Leiter der Nephrologie (Anm.: die Abteilung für Nierenkrankheiten) am großen „Calderon Guardia Hospital“, und durchsuchte eine Reihe medizinischer Labors und Kliniken, die verdächtigt werden, für das Netzwerk der Ärzte Tests durchzuführen.

Staatsanwalt Jorge Chavarria sagte, die beiden verhafteten Personen — Mora Palma und ein Mitarbeiter an Costa Ricas Ministeriun für öffentliche Sicherheit — waren die „Spitze des Eisbergs“ des illegalen Organhandelnetzwerks.

Die Generalstaatsanwaltschaft sagte, Mora Palma stand in Kontakt mit israelischen Ärzten und testete die Eignung der Anwohner, deren Organe in Israel geerntet werden sollten (whose organs were to be harvested in Israel).

Chavarria sagte, die Ärzte des Netzwerks schickten einige der „Spender“ nach Israel, um sich der Operation zu unterziehen, eine Niere entfernen zu lassen, während andere sie in Costa Rica entfernen ließen.

In die Untersuchung involvierte Quellen sagten, daß sie von Fällen wissen, in denen israelische Patienten nach Costa Rica geflogen wurden, um sich einer Operation zu unterziehen, ohne die Gesundheitsbehörden zu informieren.

Israels Gesundheitsministerium merkte zum Bericht aus Costa Rica an, daß „die genannten Fälle nicht bekannt sind und das Gesundheitsministerium nichts von ihnen weiß“.

Er fügte hinzu: „Seit 2008, als das ‚Neue Organtransplantationsgesetz‘ (‚New Organ Transplant Law‘) erlassen wurde, beendeten die Versicherungsgesellschaften und ‚Health Maintenance Organizations‘ (Anm.: Krankenversicherungen, bei denen die Versicherungsmitglieder nur von Vertragsärzten behandelt werden) die Finanzierung von Organtransplantationen für Israelis im Ausland, da illegaler Organhandel vermutet werden konnte. Wenn Israelis Transplantationen hatten, wie Costa Ricas Medien berichteten, dann wurden sie privat finanziert — illegal und ohne Zustimmung des Ministeriums.“ (Anm.: Ach was — und damit ist die Stellungnahme erledigt?)

Vor etwa einem Jahr wurde in Israel ein illegales israelisches Organhandelnetzwerk aufgedeckt, dessen Mitglieder israelische Patienten für Transplantationen in den Kosovo und nach Sri Lanka flogen. Andere Staaten, die im Verdacht stehen, illegale Organhandelnetzwerke zu haben, sind Ecuador und Kasachstan.

Chavarria sagte auch, Mora Palma und seine Kollegen nutzten die Datenbank des Krankenhauses, um geeignete Nierenernte-Kandidaten zu finden. Dies waren in der Regel bedürftige Männer und Frauen, die für eine Niere 16.000 bis 20.000 Dollar erhielten. (Anm.: Warum muß ich jetzt an die schicke neue elektronische Gesundheitskarte und den vereinfachten Organspendeausweis denken?)

„Wir sehen diese Menschen als Opfer eines internationalen Verbrecherrings“, sagte der Staatsanwalt.

Israelische Genehmigungen erforderlich

Wenn von dem costaricanischen Netzwerk wie behauptet Organtransplantationen in Israel durchgeführt wurden, dann scheinen die „Spender“ aus Costa Rica für die Ernte in israelischen Krankenhäusern eine Genehmigung erhalten zu haben — mit Zustimmung des Komitees des Gesundheitsministeriums, das Organspenden von lebenden Spendern genehmigt.

Das Komitee genehmigt Spenden von lebenden Spendern, die nicht verwandt sind, und es ist zuständig für die Feststellung, daß der Spender aus humanitären Motiven handelte und für sein Organ keine Bezahlung erhielt.

Im September 2005 erlaubte das Komitee allerdings eine Organspende, die als humanitär präsentiert wurde, doch nach dem Tod des Spenders, ein 38jähriger Mann aus Ganei Tikva, stellte sich heraus, daß er seine Niere verkauft hatte.

Bis das „Neue Organtransplantationsgesetz“ in Kraft gesetzt wurde, klagten die HMO-Krankenversicherungen, damit für Israelis Organtransplantationen im Ausland finanziert werden, sowohl im Rahmen der Zusatzversicherung als auch im Rahmen der staatlichen Krankenversicherung. Dazu gehörten Staaten wie China und die Philippinen, in denen Patienten die Organspender bezahlen mußten.

Doch seitdem das Gesetz verabschiedet wurde, hat sich die Zahl israelischer Transplantationen, die von HMO-Krankenversicherungen im Ausland finanziert wurden, deutlich reduziert. Heute werden sie nur in Staaten durchgeführt, die Organspenden von Leichen ermöglichen, und nur dann, wenn das Krankenhaus, das die Operation durchführt, ein Formular unterzeichnet, das einwandfrei feststellt, daß es sich mit Organhandel nicht befaßt.

In der Folge haben die HMO-Krankenversicherungen die Finanzierung von Nierentransplantationen im Ausland nur von Leichen in den Vereinigten Staaten, Rußland und Lettland genehmigt.

Im Jahr 2007 erhielten noch 143 Israelis Nierentransplantationen im Ausland, doch laut Statistiken des Gesundheitsministeriums sank diese Zahl im Jahr 2011 auf 35. Während Transplantationen im Ausland abgenommen haben, hat das neue Organtransplantationsgesetz auch dazu geführt, daß die Zahl von Nierentransplantationen von lebenden Spendern in Israel um 50 Prozent stieg. Bis vor zwei Jahren führte Kolumbien in Medellin pro Jahr 35 bis 40 Leber- und Herztransplantationen an israelischen Patienten durch. Doch aufgrund der Beschränkungen, die Israels „Nationales Transplantations- und Organspendezentrum“ („National Transplant and Organ Donation Center“) verhängte, hatten dort im vergangenen Jahr nur vier Israelis Transplantationen.

Ein hochrangiger Beamter der HMO-Krankenversicherung „Clalit“ forderte Gesundheitsministeriums-Generaldirektor Ronni Gamzu vor kurzem auf, zwischen Israel und Kolumbien eine Absichtserklärung zu erzielen, um dort Organtransplantationen zu fördern. Der Antrag wurde letzte Woche gestellt, vor dem Besuch des kolumbianische Präsidenten Juan Manuel Santos in Israel.

Zur gleichen Zeit ersuchte eine Gruppe von Patienten, die auf Transplantationen in Kolumbien wartet, Gesundheitsminister Yael German, diese Initiative voranzutreiben.

Das Gesundheitsministerium hat in der Frage noch nicht entschieden.

Hier finden Sie den Originalartikel, Israeli MDs harvesting organs for international trafficking ring.

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Welcome to Israel -- לארשיל םיאבה םיכורב

Weitere Fälle:

12. Juli 2012: USA: Israeli wegen Handel mit Nieren zu 2,5 Jahren Gefängnis verurteilt

28. Mai 2012: Israelischer Verdächtiger wegen illegalem Organhandel im Kosovo festgenommen (Im Artikel findet sich ein Bild mit folgender Bildunterschrift: „Bild einer Sendung auf ISRAEL CHANNEL 2 über die Organernte in den 1950er Jahren“)

7. April 2010: Polizei zerschlägt illegalen israelischen Organhandelring

23. Juli 2009: Verdacht: US-Rabbis vermitteln Verkauf von menschlichen Nieren

4. Juni 2004: Israelische Organhändler verlegen ihre Aktivitäten nach China

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