Die jüdische Seite von James Gandolfini

Nathan Abrams über die jüdische Seite der organisierten Kriminalität.

(Was wohl los wäre, wenn anstelle der organisierten Sprachrohre FORWARD/HAARETZ/REUTERS unsere Medien so frei wären, so einen Artikel zu schreiben? Mit größter anzunehmender Wahrscheinlich eine psychologische Operation wie diese.)

The Jewish Side of James Gandolfini

20. Juni 2013 — Der italoamerikanische Schauspieler James Gandolfini, der mit 51 starb, zeigte eine tiefe Verbundenheit mit den Juden — obwohl er kein Jude war. Seine berühmteste Rolle, Tony Soprano, in der preisgekrönten Mafia-Fernsehserie „Die Sopranos“, war in einem sehr jüdischen Geschäft. Sowohl im Film als auch in der Realität gab es sehr viele jüdische Gangster und Kriminelle. Dazu gehörte der von Lee Strasberg in „Der Pate: Teil 2“ von 1974 gespielte Verbrecherkönig (crime czar) Hyman Roth — ein fiktiver Charakter, der stark auf dem aus dem wahren Leben stammende Gangster Meyer Lansky basiert.

Einer der engsten Vertrauten von Tony war Herman „Hesh“ Rabkin, ein Musikproduzent-Industrieller im Ruhestand, der Tonys verstorbenen Vater kannte. Tony baute oft auf Heshs Rat — gelegentlich auch Geld — und war im Gegenzug eine der wenigen Figuren, die kein vorzeitiger Tod treffen sollte.

Brutal aber zerbrechlich kämpfte Tony mit den emotionalen Anforderungen, das Oberhaupt einer Familie zu sein — in beiden Bedeutungen dieses Begriffes. Folglich besuchte er regelmäßig eine Psychoanalytikerin. Obwohl er als Therapeutin eine Italoamerikanerin wählt, Dr. Jennifer Melfi, gespielt von Lorraine Bracco, ist er sich der jüdischen Herkunft der Tätigkeit sehr bewußt. Wie seine angewiderte Mutter Livia, gespielt von Nancy Marchand, unverblümt formulierte: „That’s nothing but a racket for the Jews.“ (Anm.: Ich weiß nicht, in welcher Form die Dialogzeile „That’s nothing but a racket for the Jews.“ in der deutschsprachigen Synchronisation der Episode „Vater und Sohn“ / „Down Neck“ auftaucht.)

Tonys Tochter, Meadow, wurde von der jüdischen Schauspielerin Jamie-Lynn Sigler gespielt. Als Meadow eine Beziehung mit einem halbschwarzen und halbjüdischen Kommilitonen der Universität Columbia beginnt, hat Tony zwar viel dazu zu sagen, bringt aber keinen Ärger über dessen Judentum zum Ausdruck.

Außerhalb von „Die Sopranos“ spielte Gandolfini die Rolle des Tony Baldessari in Sidney Lumets „Strangers“ von 1992, ein Polizeidrama, das sich innerhalb der jüdisch-frommen New Yorker Gemeinde entwirrt. In „Nacht über Manhattan“ von 1996 arbeitete er wieder mit dem jüdischen Regisseur zusammen. Zwischen diesen beiden Filmen tauchte er 1995 in Barry Sonnenfelds „Schnappt Shorty“ auf.

Doch seine vielleicht jüdischste Rolle folgte 2009 in Spike Jonzes „Wo die wilden Kerle wohnen“, eine Adaption der klassischen illustrierten Kindergeschichte von Maurice Sendak.

Lesen Sie dazu auf HAARETZ den Artikel: „James Gandolfinis jüdische Verbindungen: Seelenklempner, Gangster und Maurice Sendak

(Anm.: Lesen Sie dazu lieber Debbie Schlussel: „Als Kind dachte ich immer, daß Maurice Sendaks Buch ‚Wo die wilden Kerle wohnen‘ überbewertet wäre. Als Erwachsene weiß ich das ganz sicher. Doch mit dieser langweiligen Zeitverschwendung wird das Buch zu einem Meisterwerk. Wollen Sie Ihre Kinder wirklich in eine langweilige melodramatische Seifenoper mit Figuren in Pelztierkostümen nehmen? Ich haßte diesen Film. Ich wollte losgehen, um Besorgungen zu machen und ich wünsche, ich hätte es getan. Obwohl dies als Kinderfilm vermarktet wird, ist es keiner. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob Kinder das mögen werden, oder verstehen, was los ist. Ich jedenfalls nicht, in beiderlei Hinsicht.

Riesige, imaginäre Tiere, die vorgeben, daß ein Kind in einem Tierkostüm ihr König ist, bauen ein Haus aus Zweigen, kämpfen dann und weinen? Was soll das? Fragen Sie mich nicht, weil ich nicht ganz sicher bin, außer, daß James Gandolfini — die Stimme von einem der Tiere — nach den ‚Sopranos‘ noch mehr Geld verdienen soll. Als mein kleiner Bruder drei Jahre alt war, hätte er eine viel unterhaltsamere Geschichte schreiben können als diese Schlaftablette.

Kaufen Sie Ihren Kindern stattdessen ‚Ein Jahr als Robinson‘, ein Film über die Abenteuer eines kleinen Jungen allein in der Wildnis, der weitaus bezaubernder, unterhaltsamer und kinderfreundlicher ist.“)

Gandolfini, dessen Auftritt als Tony Soprano ihn bekannt machte und eine neue Ära amerikanischer Fernsehdramen einleitete, sollte am Samstag in Sizilien den Abschluß des „Taormina Film Festivals“ zu besuchen.

Er erlitt womöglich einen Herzinfarkt, sagte Mara Mikialian, die Sprecherin der Senderkette HBO, die „Die Sopranos“ produzierte, gegenüber REUTERS.

Er wurde von seinem Hotel in Rom in die städtische „Poliklinik Umberto I.“ gebracht, wo das Personal feststellte, daß sein Herz bereits um etwa 23 Uhr Ortszeit (21:00 GMT) aufhörte zu schlagen, so ein Sprecher des Krankenhauses. (Anm.: 23 Uhr Ortszeit bedeutet israelische Ortszeit.)

Seit „Die Sopranos“ im Juni 2007 nach sechs Staffeln endete, erschien Gandolfini in einer Reihe großer Leinwandrollen, darunter (Anm.: das PropagandaGeschichtsmärchen) „Zero Dark Thirty“, ein Film über die Jagd nach Osama bin Laden, und das Krimidrama „Killing Them Softly“.

Zum Zeitpunkt seines Todes hatte er zwei Kinofilme, die nächstes Jahr erscheinen sollen und arbeitete an der kommenden HBO-Serie „Criminal Justice“.

„Wir sind alle zutiefst schockiert und empfinden unermeßliche Trauer, ein geliebtes Mitglied unserer Familie verloren zu haben“, sagte HBO in einer Erklärung. „Er war ein besonderer Mensch, ein großes Talent, und, noch wichtiger, eine sanfte und liebevolle Person, die alle mit dem gleichen Respekt behandelte, ganz gleich welchen Titel oder welche Position sie hatten.“

Gandolfini begann seine Karriere als Theaterschauspieler in New York und verdiente für seine Rolle in der ursprünglichen Besetzung der schwarzen Broadway-Komödie „Der Gott des Gemetzels“ („God of Carnage“) von 2009 eine Tony-Nominierung.

Er teilte Tony Sopranos italoamerikanisches Erbe und dessen Herkunft aus New Jersey. Der Schauspieler war für eine reservierte Haltung bekannt, wenn die Kamera aus war und scheute die Öffentlichkeit.

In der HBO-Serie schuf Gandolfini einen Gangster, der anders war als alle, die im amerikanischen Film und Fernsehen bisher zu sehen waren. Er war in der Lage, Feinde mit seinen eigenen Händen zu töten, war aber anfällig für Panikattacken. Er liebte seine von Edie Falco gespielte Frau Carmela und war ein liebender Vater, hatte aber eine Reihe von Affären.

Er ging regelmäßig zu einer Therapeutin, gespielt von Lorraine Bracco, um seine Probleme mit seinen Ängsten und seiner Mutter aufzuarbeiten.

Zu Beginn der letzten Sendestaffel erklärte Gandolfini, er wäre bereit, zu sanfteren Rollen zu wechseln, wenn seine Gangstertage im Fernsehen einmal vorbei wären.

„Ich bin zu müde, um weiter ein harter Kerl oder irgendetwas von diesem Zeug zu sein“, sagte er. „Wir haben in dieser Sendung so ziemlich alles davon verwendet.“ (Anm.: Übersetzung: Wir hätten es nie in die Liste der am längsten ausgestrahlten Fernsehsendungen geschafft.)

Kritikerlob

Die Sendung, die Gandolfini drei Emmy Awards als bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie einbrachte, wurde von vielen Kritikern als das beste Drama erachtet, das jemals im US-Fernsehen ausgestrahlt wurde. (Anm.: Wie oft wurde uns diese Schleichwerbung für jede einzelne Staffel an Serienschrott schon verkauft?)

Die Serie war ein wichtiger Faktor, HBO — ein Bezahl-Kabelsender, der sich einst auf die Ausstrahlung von Spielfilmen konzentrierte — als eine Schmiede des originellen, dramatischen Fernsehkinos zu schaffen und die anspruchsvollen Geschichten, die einst der großen Leinwand vorbehalten waren, ins TV umzuschichten. (Anm.: Klar, und wenn HBO an der Börse einen neuen Markt starten würde, hätten bald darauf viele Menschen ein schlankes Konto.)

Die Sendung gewann im Jahr 2004 den Emmy als beste Dramaserie, und erneut im Jahr 2007 nach ihrer letzten Staffel. Die Serie endete mit einer letzten Folge, die stark andeutete, Tony würde ermordet werden, bevor sie abrupt mitten in einer Szene endet, die Gandolfinis Gesicht zeigt, und nach einem Schnitt einen leeren Bildschirm.

Seine Rolle ebnete den Weg für eine Hauptsendezeitparade populärer Sendungen rund um Figuren und Antihelden voller Makel und Fehler, von „Dexter“ über „Breaking Bad“ bis hin zu „Mad Men“ und „Nurse Jackie“. (Anm.: Wann kriegen wir als SuperheldIn endlich eine Frau der Öffentlichkeit, die in ihrem Keller Sex mit Leichen hat und überall auf der Welt Katastrophen auslöst, um die Welt zu retten?)

David Chase, Schöpfer von „Die Sopranos“, würdigte seinen ehemaligen Star in einer Erklärung und erinnerte an ihn als „ein Genie“ und „einen der größten Schauspieler dieser oder irgendeiner Zeit“.

„Ein großer Teil dieses Genie wohnte in diesen traurigen Augen. Ich erinnere mich, ihm viele Male gesagt zu haben: ‚Du verstehst es nicht. Du bist wie Mozart.‘ Am anderen Ende des Telefons war dann ein Schweigen“, erinnerte sich Chase.

Schauspielerin Marcia Gay Harden, sein Co-Star in „God of Carnage“, sagte über Gandolfini, er war ein „großartiger Partner, meisterhafter Schauspieler und ein liebevoller, großzügiger Mensch“. Susan Sarandon, die 2005 in der romantischen Komödie „Romance & Cigarettes“ seine Frau spielte, erinnerte sich an ihn in einer Mitteilung auf Twitter: „Einer der süßesten, lustigsten, großzügigsten Schauspieler, mit denen ich je gearbeitet habe.“ (Anm.: Trauerfeiern auf Twitter zu verrichten, ist ein interessanter Gedanke, um Geld zu sparen — vielleicht könnten ihn Politiker aufgreifen und ihre Debatten per Email oder Videokonferenz führen, anstatt dafür um die halbe Welt zu reisen und Ressourcen zu verbrauchen.)

New Jerseys Gouverneur Chris Christie jubelte „ein guter Schauspieler, ein Ex-Rutgers-Student und ein echter Kerl aus Jersey“.

Gandolfini ist im nächsten Jahr in dem Film „Enough Said“ als Schwarm von Comic-Schauspielerin Julia Louis-Dreyfus auf der großen Leinwand zu sehen, und in einer Rolle in dem New Yorker Krimidrama „Animal Rescue“. In den USA werden beide vom „News Corp“-Filmstudio „Fox Searchlight“ veröffentlicht.

Vor seiner Karriere als Darsteller arbeitete Gandolfini als ein LKW-Fahrer, Türsteher und Nachtclub-Manager in New York City, bevor er mit einem Freund auf eine Schauspielschule ging und danach süchtig wurde.

„Ich war davor außerdem nie unter Schauspielern“, sagte er TIME MAGAZINE, „und ich sagte zu mir selbst ‚Diese Leute sind verrückt, das ist irgendwie interessant.‘.“

Gandolfini wurde in Westwood, New Jersey, geboren und wuchs in einer italoamerikanischen Arbeiterfamilie auf, sein Vater war ein Maurer und Gymnasiumsaufseher (high school custodian), seine Mutter arbeitete in einer Schulcafeteria.

In einem Interview in der Fernsehsendung „Inside the Actors Studio“ sagte er, seine Eltern sprachen zu Hause italienisch, wenn sie nicht wollten, daß die Kinder sie nicht verstehen.

„Also brachten sie es meinen Schwestern und mir nicht bei“, sagte er.

Mit seiner ersten Frau, Marcy Wudarski, von der er sich im Jahr 2002 scheiden ließ, hatte Gandolfini einen Sohn, Michael. Im Jahr 2008 heiratete er das Model Deborah Lin, die im Jahr 2012 eine Tochter zur Welt brachte, Liliana.

Hier finden Sie den Originalartikel, The Jewish Side of James Gandolfini.

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