Israels Wohlfahrts-Holocaust

P. David Hornik über Israels abnibbelnde Milch-und-Honig-Industrie.

Termini technici
charedisch: ultraorthodox
Jeschiwa: Talmudschule

Israel’s Welfare Threat

14. Mai 2010 — Dan Ben-David, Wirtschaftsprofessor an der Universität Tel Aviv und Leiter des Jerusalemer „Taub-Zentrums für sozialpolitische Studien“ („Taub Center for Social Policy Studies“), schürt in Israel in letzter Zeit mit einem 350seitigen Bericht die Angst vor einer düsteren wirtschaftlichen Zukunft des Landes.

Laut Ben-David entstehen die Probleme in Israel durch zwei Gruppen: Araber und ultraorthodoxe Juden. Beide Gruppen haben eine hohe Arbeitslosigkeit und sind für den produktiven Teil der Gesellschaft ein zunehmend belastender Wohlfahrtsklotz. Wie Ben-David kürzlich in der Los Angeles Times erklärte, beträgt die Arbeitslosigkeit unter arabischen Männern nun 27 Prozent, und bei ultraorthodoxen jüdischen Männern nicht weniger als 65 Prozent.

Ben-David sagt, die Zahl der Arbeitslosen — oder genauer, der Nichtbeschäftigten, die keine Lust auf Arbeit haben — unter den ultraorthodoxen jüdischen Männern hat sich seit 1970 mehr als verdreifacht, da sich immer mehr von ihnen für ein staatlich subventioniertes Leben als Talmudschüler entscheiden. Die steuerliche Belastung der gewöhnlichen Israelis — durch Ausgaben für Immigrantenaufnahme und  friedenserhaltende Terrormaßnahmen  Verteidigung bereits übermäßig hoch — wird immer schlimmer, und einige geben den hohen Steuern die Schuld für die Abwanderung junger Akademiker ins Ausland.

Doch der demographische Aspekt in Ben-Davids Meldung bereitet selbst inmitten der iranischen Bedrohung die größte Sorge. (Anm.: Eiserne Journalistenregel Nummer 1: Erwähnen Sie mindestens das Märchen der iranischen Bedrohung.) Er stellt fest, daß — während Araber und ultraorthodoxe Juden zusammen derzeit weniger als 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen — auf sie fast 50 Prozent der Kinder im schulpflichtigen Alter entfallen. In der JERUSALEM POST erklärte Ben-David zuvor dem Redakteur David Horovitz, daß nach aktuellen Prognosen bis zum Jahr 2040 „78 Prozent der Grundschüler ultraorthodoxe Juden und Araber sein werden“. Dies wäre nicht länger der jüdisch-zionistisch-demokratische Staat Israel, nicht zuletzt deshalb, weil die große Mehrheit israelischer Araber und ultraorthodoxer Juden entweder Anti- oder Nichtzionisten sind, die nicht in der Armee dienen. (Anm.: Eiserne Journalistenregel Nummer 2: Erwähnen Sie mindestens einmal das Märchen der Demokratie Israel.)

Ben-David ist nicht die einzige Stimme, die diese Warnungen ausspricht. Ron Huldai, Bürgermeister von Tel Aviv, erklärte kürzlich, die Situation ruft nach einer „Rebellion“ durch Israels „stumme bürgerliche Mehrheit“, und daß „Israel heute wahrscheinlich das einzige Land auf der Welt ist, in dem private Bildung durch die Öffentlichkeit finanziert wird, ohne daß ein Mindestmaß an pädagogischen Anforderungen eingehalten werden muß“ — ein Verweis auf den Mangel an weltlichen Themen in jüdisch-ultraorthodoxen Schulen. Kolumnist und Fernsehmoderator Yair Lapid schrieb in einem „Brief an meinen jüdisch-ultraorthodoxen Freund“:

Ich kann nicht mehr zahlen. Das Geld ist weg. Es ist nichts mehr übrig. Ich habe nicht genug für meine Kinder, und ich habe nicht genug für deine.

Viele glauben, daß Huldai und Lapid nationale politische Bestrebungen verfolgen, und ihnen das Thema deshalb gelegen kommt. Falls dem so ist, unterstreicht dies nur die Besorgnis über die Situation.

Ben-David sagte Horovitz allerdings, daß eine Bildungsreform von entscheidender Bedeutung ist und daß alle Israelis im Alter von 29 bis 54 Jahren, die einen Universitätsabschluß haben, viel besser dran sind:

Unter arabischen Frauen ohne Abschluß der Sekundarschule haben in dieser Altersgruppe weniger als 10 Prozent eine Arbeit, doch unter arabischen Frauen mit Abschluss beträgt die Zahl 70 Prozent. Und für arabische Männer sowie jüdische nichtorthodoxe Männer und Frauen liegt die Zahl bei 90 Prozent.

Die Schwierigkeit besteht darin, daß die Bildungsreform in Israel ein zutiefst politisches Thema ist. Auf der einen Seite hat der jüdisch-ultraorthodoxe Sektor ein tiefes ideologisches Mißtrauen gegenüber dem weltlichen Unterricht und widersteht Forderungen, Themen wie Mathematik, Englisch und Computer in den Schulen einzuführen. Auf der anderen Seite halten die jüdisch-ultraorthodoxen Parteien in Israels fragmentiertem parlamentarischen System die entscheidende Kraft in Koalitionsregierungen.

Letztes Jahr zum Beispiel, hatte der marktwirtschaftliche Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der als Finanzminister die Kinderzulagen für jüdisch-ultraorthodoxe Familien deutlich reduzierte, einige davon fast verdoppelt — als Preis, zwei jüdisch-ultraorthodoxe Parteien in seine Koalition aufzunehmen. (Anm.: Eiserne Journalistenregel Nummer 3: Erwähnen Sie mindestens einmal das Märchen, daß das sozialistische Israel marktwirtschaftlich ist.)

Damals war die Rede von den zwei größten säkularen Parteien — Netanjahus Likud und die Opposition der ehemaligen Außenministerin Tzipi Livni — als Kern einer säkularen Regierung, die sowohl eine Wahl- und eine Bildungsreform einleiten und den jüdisch-ultraorthodoxen Widerstand gegen die letztere überwinden würde. Diese Idee scheiterte jedoch, sowohl durch Livnis persönliche Kränkung, nicht Ministerpräsidentin zu sein, und ihren erklärten Glauben an einen illusorischen Friedensprozeß. (Anm.: Eiserne Journalistenregel Nummer 4: Erwähnen Sie mindestens einmal das Märchen vom friedensbemühten Israel.)

Auch wenn einige sagen, daß Ben-Davids Vorhersagen übertrieben sind, muß das Problem angegangen werden, selbst wenn sie nur teilweise stimmen. Der Schlüssel dafür erfordert in der Tat die Einheit der säkularen Parteien, zumindest funktionell, wofür auf der nationalen Ebene wiederum Führer mit Visionen und Verantwortung nötig sind.

Hier finden Sie den Originalartikel, Israel’s Welfare Threat.

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