Elektroautos sind nicht so grün wie Sie denken

Erik Palm über den politischen Erfolg des Jahrhunderts.

Study: Electric cars not as green as you think

21. Mai 2009 — Die ökologischen Vorteile von Elektroautos werden in Deutschland überraschend hinterfragt: durch die grüne Bewegung. Doch jene Risiken treffen nicht auf Amerika nicht zu, versichert die US-Lobby für Elektroautos.

Der deutsche Zweig der Umweltorganisation WWF hat zusammen mit dem „Institut für ZukunftsEnergieSysteme“ eine Studie über die Umweltauswirkungen von Elektrofahrzeugen in Deutschland durchgeführt. (Anm.: „Auswirkungen von Elektroautos auf den Kraftwerkspark und die CO2-Emissionen in Deutschland“)

Deutschland hat, genau wie die USA, das ehrgeizige Ziel der Einführung von Elektrofahrzeugen. Bis 2020 will Deutschland, das aktuell 41 Millionen Autos hat, 1 Million Elektroautos oder Plug-In Hybridfahrzeuge auf der Straße haben. Das Ergebnis der Studie lautet, daß diese Elektroautos die Treibhausgasemissionen nur marginal verringern.

Die Studie, die im März in deutscher Sprache erschien, wurde in Englisch noch nicht weit verbreitet. Der WWF Deutschland sagte, die Publikation einer Zusammenfassung in englischer Sprache ist für diesem Sommer geplant.

„Uns überraschte, daß die Kohlendioxidersparnis so gering war“, sagte Viviane Raddatz, Kfz-Sachverständige des WWF Deutschland, in einem Telefon-Interview aus Berlin.

In einem Szenario für den bestmöglichen Fall nimmt der WWF an, daß die 1 Million Elektroautos oder Plug-In Fahrzeuge mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden und die maximale Laufleistung erreichen. Elektrofahrzeuge haben aber noch nicht die Reichweite normaler Autos.

Die Reduzierung der Kohlendioxidemission dieser einen Million Elektrofahrzeuge würde für den deutschen Verkehrssektor nur 1 Prozent betragen, so die Studie, und die gesamten nationalen Kohlendioxidemissionen würden nur um 0,1 Prozent gesenkt werden. „Das ist keine besonders große Sache“, sagte Raddatz und fügte hinzu, „es wird uns aus dem Schlamassel der Emissionen nicht heraushelfen“.

Der schlimmste Fall

Das Szenario für den schlimmsten Fall sieht vor, daß die Elektroautos nicht mit Strom aus erneuerbaren Quellen laufen würden, sondern mit Strom aus Kohle.

Das könnte der Fall sein, wenn in den frühen Abendstunden mehr Strom für die Plug-in Fahrzeuge benötigt wird. Also dann, wenn die Stromnachfrage durch Pendler zu einer Tageszeit erhöht wird, wenn die Menschen nach Hause kommen und der Stromverbrauch bereits einen Höchststand erreicht.

Die deutschen Anlagen, die heute nur marginal Strom liefern, werden mit Kohle betrieben. Laut Studie ist dies das Hauptproblem. Hinzu kommt, dass, um die gleiche Menge an Energie zu produzieren, durch Kohle mehr Kohlendioxid entsteht, als durch Benzin.

„Die Ironie ist, daß für Elektroautos nicht sehr viel mehr Strom gebraucht wird“, sagte Raddatz. „Das Problem ist aber, wenn sie diesen Höchstverbrauch verursachen, dann müssten wir Kraftwerke haben, die in Betrieb gehen, (wenn) das massive Aufladen beginnt.“

Durch ein Elektroauto mit Lithium-Ionen-Akku, das mit Strom aus einem alten Kohlekraftwerk betrieben wird, könnten über 200g Kohlendioxid pro Kilometer entstehen, verglichen mit aktuellen durchschnittlichen Benzinfahrzeugen, die in Europa 160g Kohlendioxid pro Kilometer produzieren, so die Studie. Das Ziel der Europäischen Union für 2020 sind 95g Kohlendioxid pro km.

Das Problem mit dem Auflademanagement

Der WWF sagte, Systeme zur Energieverwaltung und zum Laden der Batterien könnten den Spitzenverbrauch über Nacht senken. Mit mehr als 1 Mio. Fahrzeuge in Ladestationen wird ein Lademanagement notwendig, ein ntelligentes Stromnetz ist jedoch nicht genug, so die Studie. Stromspeicher werden ebenfalls benötigt.

„Autobatterien sind eine Sache, es müssen aber auch andere Arten von Speichermedien entwickelt werden“, sagte Raddatz. „Um CO2-Einsparungen sicherstellen, wird eine Menge erneuerbare Energie benötigt.“

Das sozialsozialistische  Deutschland plant bis 2020 den Atomausstieg, der WWF hat deshalb in seiner Studie diese Energiequelle nach 2020 nicht berücksichtigt.

Wie bereits erwähnt, nimmt der WWF an, daß nur die Hälfte des derzeitigen Verkehrssystems durch Elektroautos ersetzt werden könnte.

Die Studie besagt, daß mit der gegenwärtigen Reichweite von Elektroautos durch diese bestenfalls nur die Hälfte der gefahrenen Kilometer ersetzt werden könnte.

Präsident Obama hat für die USA bis 2015 ein Ziel von 1 Million Elektrofahrzeugen festgelegt.

Der „Amerikanische Verband für Elektromobilität“ („Electric Drive Transportation Association“, EDTA), die Lobby-Organisation für Elektroautos in den USA, sagte, daß die durch die WWF-Studie in Deutschland erhobenen Risiken in den USA nicht die gleichen sein werden.

„In den USA gibt es für die Umwelt Vorteile, weil das Stromnetz immer sauberer wird“, sagte Jennifer Watts, Sprecherin der EDTA. Sie zitiert eine Studie des Forschungslabors der staatlichen Energiebehörde PNNL („Pacific Northwest National Laboratory“), die besagt, daß 73 Prozent der leichten Nutzfahrzeuge heute ohne Probleme an das Netz angeschlossen werden könnten, und eine Studie des EPRI („Electric Power Research Institute“), die zeigt, daß sich für jede Region des Landes Reduktionen der Treibhausgasemissionen ergeben, wenn das Elektroauto eingeführt wird.

Ein Ort für Elektroautos

Die deutsche Studie — die ihren Anwendungsbereich auf das Studium der Energieeffizienz beschränkt und nicht die Ökonomie von Elektrofahrzeugen berücksichtigte — schließt das Elektroauto nicht aus. Sie betont, daß Elektroautos für den Einzelnen eine zukünftige Rolle im kohlenstoffarmen Nahverkehr haben könnten. Sie schlägt ferner vor, daß marginaler Strom aus einer sauberen Quelle kommen sollte und aus einem intelligenten Stromnetz, mit einem notwendigen intelligenten Lademanagement. Aber dieses System würde viel Zeit in Anspruch nehmen, um es zu entwickeln, betont die Studie.

„Das Elektroauto ist eine ernst zu nehmende Option für den kohlenstoffarmen Transport der Zukunft“, sagte Raddatz, „muß aber mit erneuerbaren Energien verbunden werden, um etwas zu bewirken“.

Hier finden Sie den Originalartikel, Study: Electric cars not as green as you think.

Siehe auch:

— DER WESTEN: Warum Elektroautos der Umwelt schaden können

— EVANGELISCH: Pferdefuß statt Pferdestärke

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