Groß-Israel erobert die Meere

Roi Tov über Israels Griff nach dem Wasser der Welt.

Und wen dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.
Offenbarung 22:17

Greater Israel Conquers the Seas

Haben Sie jemals in Singapur eine Dusche genommen? Ich meine nicht jene Duschen, die sich fast täglich aus dem tropischen Himmel ergießen, sondern eine Dusche in einem schönen Bad. In Singapur ist alles blitzeblank, man kann beim Rasieren die Armaturen als Spiegel benutzen. Im Gegensatz zu anderen tropischen Zielen gibt es immer heißes Wasser. Nach ein oder zwei Minuten spürt man ein Kribbeln auf der Haut. Doch in den sauberen Laken gab es keine Wanzen, sie konnten den langen Weg von dort nicht überlebt haben … Wer vorsichtig einen Tropfen probiert, stellt fest, daß er sauer ist. Entsalzenes Wasser wird in Singapur durch Ionenaustausch gewonnen; Badezimmer werden mit etwas billigerem Wasser versorgt, deshalb der Säurewert und das Kribbeln.

Die Entsalzungsanlage „Zyklon B” von IDE-Technologies in Chadera
(Anm.: Falls Sie sich über den Namen „Zyklon B“ wundern: Israel ist ein extrem witziges Land und hat auch eine eine Miss Holocaust und eine Anlage 911.)

Nicht weit von dort entfernt …

Singapur und Israel sind enge Verbündete; ich kommentierte oft die militärischen Verbindungen zwischen den beiden Inselstaaten. Israel mag keine physische Insel sein, ist aber eine isolierte Kultur, die mit dem ostasiatischen Freund viele Gemeinsamkeiten hat. Die Verbindungen enden nicht bei den Raketen — beide Länder sind durstig nach Wasser. Singapur löst das Probleme mit großen Entsalzungsanlagen; Israel arbeitet daran, und an strategischen Entscheidungen.

Wasser ist im Heiligen Land schon immer von strategischer Bedeutung gewesen. Ohne die Errichtung der Wasserbehörde „Mekorot“ („Ursprung“) im Jahr 1937, wäre die Gründung des Staates Israel nicht möglich gewesen. Der Transfer von Wasser aus dem fruchtbaren Norden zu den Halbwüsten der zentralen Ebenen, ermöglichte die Schaffung von „Gusch Dan“ („Block Dan“), die große Metropole in Israels Zentrum mit Tel Aviv als Kern. In den ersten beiden Jahrzehnten des Staates errichtete der nationale Wasserversorger „HaMovil HaArtzi“ eine Wasserstrecke zwischen dem See Genezareth, der zentralen Ebene, Jerusalem — über die Burma-Road — und der nördlichen Negev-Wüste. Es funktionierte ein paar Jahre, doch der Spiegel vom See Genezareth sank gefährlich. Um diesen lebenswichtigen See zu retten, wurden die Wassermengen, die durch den Jordan südwärts fließen, stark eingeschränkt. Ich wuchs neben diesem Fluß auf.

Diese übermäßige Ausbeutung war eine der Ursachen für die Austrocknung des südlichen Teils des Toten Meeres (siehe Karte unten). Findet sich für dieses Problem keine Lösung, wird der Meeresspiegel am tiefsten Punkt der Erde in den folgenden 100 Jahren auf minus 550 Meter fallen. Es existieren mehrere Projekte, doch sie sind teuer und können Umweltprobleme verursachen. In der Zukunft wird ein Projekt umgesetzt, um Israel und Jordanien profitable Bromderivate-Industrien zu sichern, doch das ist ein Thema für einen zukünftigen Artikel. Weitere Bohrungen zur Nutzung des Gebirgsgrundwassers werden durch das Interimsabkommen von 1995, das Teil des Oslo-Friedensprozesses ist, untersagt. In den späten 1990er Jahren begann Israel, die Entsalzungsoption für das Mittelmeer zu erkunden.

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Israels Entsalzungsanlagen (Großbild hier)

Ein dringender Anruf bei Marie Antoinette

Angesichts des häßlichen Stereotyps, das die Israelis den Franzosen anhefteten, muß man sich über die strategische Hilfe wundern, die dieses Land Israel im Laufe der Jahre gegeben hat. Schließlich können sie nicht behaupten, nichts zu wissen, da Frankreich die israelischen Siedlungen stärkt und in Israel, auch im Westjordanland, viele Franzosen leben. Frankreich versorgte Israel mit den allerersten Technologien für das Atomprogramm; diese Option wurde von Shimon Peres unterstützt, der die eigenständige Entwicklung durch das „Weizmann Institut“ verwarf. In den 1990er Jahren erinnerte sich Israel daran und entschied sich für Frankreich als einer der Entwickler für das Entsalzungsprojekt.

Anders als bei der israelischen Besessenheit, die Gasfelder im östlichen Mittelmeerraum den USA zu schenken, war das Entsalzungsprojekt freier und es gab eine begrenzte Anzahl an Bewerbern, die sich auf die internationale Ausschreibung meldeten. Der finnische Konzern Kemira, vertreten durch „Jacobson Agencies Ltd.“, war der Außenseiter und verlor. Der Sieger war „Veolia“ aus Frankreich; den Vorgänger, „CGE“ („Compagnie Générale des Eaux“), schuf Napoleon III durch ein kaiserliches Dekret.

Die erste israelische Versuchsanlage wurde im Jahr 1997 in Eilat eröffnet. Die erste kommerzielle Anlage wurde im Jahr 2005 in Ashkelon eröffnet. Inzwischen, im Jahr 2013, hat Israel sieben Entsalzungsanlagen. Die in Chadera (siehe Bild oben) ist eine Meerwasser-Umkehrosmose-Entsalzungsanlage (Seawater Reverse Osmosis, SWRO), die weltweit größte ihrer Art. Mit dem Ausbau der Projekte wird der Preis für entsalztes Wasser fallen, bis Ende dieses Jahres auf voraussichtlich 0,50 Dollar pro Kubikmeter. Zwei weitere Anlagen werden voraussichtlich in diesem Jahr eröffnet, in Soreq neben Israels Forschungsreaktor und in Ashdod, womit die Menge des so genutzten Wassers bei mehr als 10% der Gesamtmenge liegt. Das letztgenannte Projekt gehört einem Milliardär aus Hong Kong, Li Ka-shing. Israel steckt jedoch fest.

Die USA sind praktisch leer. Wenn ich dort reiste, sah selbst das, was die Amerikaner Städte nennen, für mich wie eine große Leere aus — wie eine lange Reihe großer und ziemlich leerer Parkplätze. Amerika ist so leer, daß die Amerikaner China als ein dicht besiedeltes Land betrachten. Das trifft entlang von Chinas Küste zu, machen Sie aber eine Bahnreise von Shanghai nach Kashgar, quer durch das Land, dann würden Sie bei einem Blick aus dem Fenster die meiste Zeit nur eine Wüste zu sehen bekommen. Israel und Palästina sind für das westliche Verständnis unbegreiflich dicht besiedelt, ich werde hier keine Zahlen für die Bevölkerungsdichte nennen, weil das bedeuten würde, die Grenzen Israels anzuerkennen. Der Punkt ist, daß kein Raum übrig ist; dort ist es so überfüllt, daß bestimmte Friedhöfe die Toten in mehrstöckigen Gräbern begraben. Das Mittelmeer beheimatet an der Ostküste von Gaza bis zum Libanon fast zehn Millionen Menschen, viele Militärbasen und unzählige zivile Infrastrukturen. Mit anderen Worten: für weitere Entsalzungsanlagen ist kein Raum übrig. Die israelischen Streitkräfte IDF (Israel Defense Forces) verlegen weite Teile ihrer Nachrichtendienst- und Trainingsinfrastruktur in die Negev-Wüste. Das Nachrichtenkorps würde in die Gegend von Likit ziehen, östlich von Beer Scheva und westlich der Shoket-Kreuzung. Die Schule des militärischen Nachrichtendienstes (Military Intelligence School) würde an die Negev-Kreuzung verschoben werden. Einheiten des technischen Nachrichtendienstes (Technological intelligence units), insbesondere der Stützpunkt „SIGINT 8200“ bei Glilot, würden in der Nähe von Omer verlegt werden.

Der letzte Schritt beinhaltet den Umzug von Mamram — die IDF-Recheneinheit — in die Nähe der Negev-Universität in Beer Scheva. 2017 wäre alles übertragen. Der gewaltige Komplex an Militärbasen bei Tzrifin — ein militärisches Gebiet aus der britischen Mandatszeit — würde zur neuen Stadt der Trainingsstützpunkte verschoben werden, die bis 2014 südlich von Beer Scheba entsteht. Selbst nach dieser radikalen Änderung in der Stationierung der israelischen Streitkräfte gäbe es im größten Ballungsgebiet Israels viel Raum, der von der Armee kontrolliert wird. Doch die frei gewordenen Flächen würden für Wohn- und Gewerbegebiete genutzt werden, die sich viel mehr bezahlt machen können als Entsalzungsanlagen. Israel braucht im Zentrum Raum für sie, neue Flughäfen und Militärbasen.

Im Juni 2012 genehmigte das israelische Kabinett eine Machbarkeitsstudie für den Bau von drei künstlichen Inseln vor Tel Aviv, ein Plan aus den 1990er Jahren. Im Gegensatz zu den ursprünglichen Wohnprojekten enthielten diese Inseln Flughäfen, große Industrieanlagen, Kraftwerke, Militärbasen und weitere Entsalzungsanlagen. Sie würden auch die Kontrolle des israelischen Militärs über die zwischen diesem Land und dem Libanon umstrittenen Gasfelder vereinfachen. Diese Idee birgt Probleme. Jeder, der neben Tel Aviv im Meer plantschte, weiß, daß es schnell in die Tiefe geht und starke Unterströmungen aufweist. Der Meeresboden fällt rasch über 2 Kilometer ab, was die Projektentwicklung stark einschränkt. Doch Israel ist durstig und hat nie eine Gelegenheit verpaßt, die Idee von Groß-Israel voranzubringen — das Mittelmeer würde das nächste Opfer sein.

Hier finden Sie den Originalartikel, Greater Israel Conquers the Seas.


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