Rekrutiert vom MI5: Benito Mussolini

Tom Kington über die italienische Marionette der Krake.

Dokumente zeigen, daß der italienische Diktator 1917 beim Start in die Politik vom MI5 wöchentlich mit 100 Pfund entlohnt wurde

Recruited by MI5: the name's Mussolini. Benito Mussolini
Benito Mussolini erhielt vom MI5 pro Woche 100 Pfund, um Italien im Ersten Weltkrieg zu halten. Foto: Bettmann / Corbis

13. Oktober 2009 — Die Geschichte kennt Benito Mussolini als Mitbegründer der ursprünglichen Achse des Bösen, als den italienischen Diktator, der sein Land mit Angst regierte und eine katastrophale Allianz mit Nazi-Deutschland schmiedete. Doch im Lebenslauf von „Il Duce“ ist ein bisher unbekannter Bereich ans Licht gekommen: seine kurze Karriere als Agent der Briten.

Archivierte Dokumente Dokumente haben gezeigt, daß der italienische Diktator beim Start in die Politik im Jahr 1917 vom MI5 mit einem Wochenlohn von 100 Pfund unterstützt wurde.

Für den britischen Nachrichtendienst muß es wie eine gute Investition gewesen sein. Mussolini, damals ein 34jähriger Journalist, war nicht nur bereit, durch die Veröffentlichung von Propaganda in seinem Blatt sicherzustellen, daß Italien weiterhin neben den Verbündeten im Ersten Weltkrieg kämpft. Er war auch bereit, Friedensprotestler zu „überzeugen“, besser zu Hause zu bleiben.

Die Zahlungen an Mussolini wurden von Sir Samuel Hoare genehmigt, ein Abgeordneter und Mann des MI5 in Rom, der zu der Zeit in Italien einen Stab von 100 britischen Nachrichtendienstoffizieren führte.

Peter Martland, Cambridge-Historiker, der Details des Abkommens mit dem künftigen Diktator entdeckte, sagte: „Großbritanniens am wenigsten zuverlässiger Verbündeter im Krieg war zu der Zeit Italien, nachdem sich das revolutionäre Rußland aus dem Konflikt zurückzog. Mussolini wurden ab dem Herbst des Jahres 1917 mindestens ein Jahr lang pro Woche 100 Pfund gezahlt, um die Kampagne für den Krieg am Laufen zu halten — dies entspricht heute etwa 6.000 Pfund pro Woche.“ (Anm.: Offensichtlich ein öffentlich-rechtlicher Historiker, der sich nicht vorstellen kann, daß es Menschen gibt, die durch Kriege Gelde verdienen, indem sie zwei Seiten finanzieren.)

Hoare, der später Lord Templewood werden sollte, erwähnte die Rekrutierung im Jahre 1954 in seinen Memoiren, doch Martland stolperte erstmals über Einzelheiten der Zahlungen, als er Hoares Papiere durchkämmte.

Mussolini hielt bei IL POPOLO D’ITALIA, seiner Zeitung, nicht nur die Druckmaschinen am Laufen, sondern sagte Hoare auch, daß er italienische Armee-Veteranen entsenden würde, um in Mailand Friedensprotestler niederzuschlagen, ein Probelauf für seine faschistischen „Schwarzhemden“ („camicie nere oder squadristi“).

„Das letzte, was England wollte, waren Streiks für den Frieden, die in Mailand die Fabriken zum Stillstand bringen. Die Zahlungen an einen Journalisten waren zu der Zeit eine Menge Geld, aber im Vergleich zu den 4 Mio. Pfund, die Großbritannien jeden Tag für den Krieg ausgab, war es Kleingeld aus der Portokasse“, sagte Martland.

„Ich kann es nicht beweisen, aber ich vermute, daß Mussolini, der ein bekannter Schürzenjäger war, von dem Geld auch viel für seine Geliebten ausgab.“

Nach dem Waffenstillstand begann Mussolini seinen Aufstieg zur Macht, unterstützt durch Wahlbetrug und Gewalt der Schwarzhemden, was Mitte der 1920er Jahre zu einer faschistischen Diktatur führte.

Seine kolonialen Ambitionen in Afrika brachten ihn im Jahr 1935 wieder in Kontakt mit seinem alten Zahlmeister. Hoare, jetzt britischer Außenminister, unterzeichnete den Hoare-Laval-Pakt, der Italien die Kontrolle über Abessinien gab.

„Es gibt keinen Grund zu glauben, daß die beiden Männer Freunde waren, obwohl Hoare mit Italien eine dauerhafte Liebesbeziehung hatte“, sagte Martland, dessen Forschung in Christopher Andrews letzte Woche veröffentlichter Geschichte des MI5, „Verteidigung des Königreichs“ („Defence of the Realm“) enthalten ist.

Die Unbeliebtheit der Hoare-Laval-Paktes in Großbritannien zwang Hoare zum Rücktritt. Mussolini baute mittlerweile auf seinen neuen kolonialen Einfluß, um sich mit Hitler zu verbünden und trat im Jahr 1940 in den Zweiten Weltkrieg ein, dieses Mal, um gegen die Alliierten zu kämpfen.

Nach der alliierten Invasion in Italien im Jahre 1943 abgesetzt, wurde Mussolini mit seiner Geliebten Clara Petacci von italienischen Partisanen getötet, als er zwei Jahre später versuchte, aus Italien in die Schweiz zu fliehen.

Martland sagte: „Mussolini endete mit dem Kopf nach unten in Mailand, doch auch gegenüber Hoare ist die Geschichte nicht freundlich gewesen und verurteilte ihn neben Neville Chamberlain als einen Appeaser des Faschismus.“ (Anm.: Auch hier bringen neue Dokumente Licht ins Dunkel.)

Hier finden Sie den Originalartikel, Recruited by MI5: the name’s Mussolini. Benito Mussolini.

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