USA überwachen mysteriöses Bauprojekt in Israel

Walter Pincus über die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme „Anlage 911“.

U.S. overseeing mysterious construction project in Israel

28. November 2012 — Das US-Hauptkommando USACE (United States Army Corps of Engineers) plant die Überwachung der Konstruktion einer fünfgeschossigen unterirdischen Anlage der Israelischen Streitkräfte (Israel Defense Forces, IDF) mit dem seltsamen Namen „Anlage 911“ („Site 911“) auf einem israelischen Luftwaffenstützpunkt in der Nähe von Tel Aviv.

Die etwa 100 Millionen Dollar teure Anlage mit einer Bauzeit von voraussichtlich mehr als zwei Jahren soll Klassenräume haben, die sich auf Ebene 1 befinden, ein Auditorium auf Ebene 3, sowie ein Labor, erschütterungsfeste Türen, einen Schutz vor nichtionisierender Strahlung und schärfste Sicherheitsvorkehrungen. Für alle Bauarbeiter werden Sicherheitsfreigaben erforderlich sein, am Zaun werden Wachen aufgestellt und durch Sperren wird sie vom Rest der Basis getrennt.

An der Ausschreibung, die bis zum 3. Dezember läuft, dürfen laut dem letzten USACE-Bericht nur US-Baufirmen teilnehmen.

„Anlage 911“ ist das neueste Projekt in einer langen Geschichte militärischer Bauvorhaben der Vereinigten Staaten im Rahmen des „US Foreign Military Sales“-Programms für die IDF. Dem 1998er Wye-Abkommen zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde folgten US-Bauvorhaben militärischer Einrichtungen für die Israelis für etwa 500 Millionen Dollar, von denen die meisten zunächst in einem unbebauten Teil der Negev-Wüste durchgeführt wurden. Dies sollte sicherstellen, daß es Basen gab, zu denen die IDF-Truppen in der West Bank umstationiert werden könnten.

Wie das USACE-Magazin EUROPE DISTRICT im Rundbrief „Engineering in Europe“ mitteilte, wurden drei Basen für 20.000 Soldaten gebaut, und die israelische Luftwaffe zog schließlich in die gleiche Gegend und schuf den Luftwaffenstützpunkt Nevatim. Das USACE baute eine neue 2,5 Meilen lange Start- und Landebahn, zusammen mit etwa 100 Neubauten und 10 Meilen an Straßen.

Eigenen Publikationen zufolge baute das USACE im Laufe der Jahre unterirdische Hangars für israelische Jagdbomber, Anlagen für Atomwaffen (obwohl Israel solche Waffen nicht zugibt), Kommandozentralen, Ausbildungslager, nachrichttendienstliche Anlagen und Simulatoren.

In den vergangenen zwei Jahren hat das USACE, das in Israel drei Büros hat, bei Nevatim, laut Magazin ein „ehemaliger kleiner Wüstenaußenposten, der sich zu einem der größten und modernsten Luftwaffenstützpunkte im Land“ entwickelte, für 30 Millionen Dollar eine Reihe von Hangars fertiggestellt. Es überwachte auch ein 20-Millionen-Dollar-Projekt zum Bau von Werkstätten, Hangars und Hauptquartieren für Israels unbemanntes Eitan-Fluggerät.

„Anlage 911“, die an einem anderen Stützpunkt gebaut wird, scheint eines der größten Projekte zu sein. Laut USACE-Bericht werden die ersten drei unterirdischen Etagen jeweils rund 3.800 Quadratmeter (41,000 square feet) haben. Die beiden unteren Etagen sind wesentlich kleiner und lagern Ausrüstung.

Die Sicherheitsbedenken sind laut USACE-Bericht so groß, daß vom Bauherrn anstellte nicht-israelische Mitarbeiter nur aus „den USA, Kanada, westeuropäischen Ländern, Polen, Moldawien, Thailand, Philippinen, Venezuela, Rumänien und China“ kommen können. „Die Beschäftigung von Palästinensern ist ebenfalls verboten“, heißt es.

Weitere Sicherheitsvorschriften: Die Anlage „soll nur ein Tor zum Betreten und Verlassen der Anlage haben“ und „während der Arbeitszeit soll kein Ausgang oder Eingang zu der Anlage erlaubt sein, außer für Versorgungs-LKW“. Israelis mit Erfahrung in der israelischen Luftwaffe werden als Wachen eingesetzt. Auch „das Sammeln von Informationen jeder Art zu Stützpunktaktivitäten ist verboten“.

Das bekannte israelische Architekturbüro „Ada Karmi-Melamede Architects“ kümmert sich um die Ästhetik der Anlage sowie um die Empfindlichkeiten der zukünftigen Mitarbeiter. Die Anlage wird zum Beispiel mit Steinen dekoriert, die vom Architekten ausgewählt, aber vom Bauunternehmer gekauft werden. Laut Ausschreibung sind drei Picknick-Tische geplant. (Anm.: Das israelische Architekturbüro „Ada Karmi-Melamede Architects“ war auch für die Pyramide mit dem allsehenden Auge verantwortlich.)

Das USACE beschrieb ausführlich die Mesusas im Bauwerk der „Anlage 911“, die der Bauunternehmer „für jede Tür oder Öffnung, ausgenommen Toiletten oder Duschen“, liefern muß. Eine Mesusa ist ein Pergament mit hebräischen Versen aus der Thora, die (Anm.: laut Talmud, nicht laut Thora) in einer Schriftkapsel am Türpfosten am Haus einer jüdischen Familie befestigt werden muß. Manche interpretieren das jüdische Gesetz — wie in diesem Fall — daß an allen Türen eines Hauses eine Mesusa befestigt werden muß. (Anm.: Zwanghaft sind die überhaupt nicht.)

Diese Mesusas, so das USACE, „soll in unauslöschlicher Tinte geschrieben werden, auf … unbeschichtetem Leder-Pergament“ und handgeschrieben sein von einem Schreiber, der „eine schriftliche Genehmigung gemäß jüdischem Gesetz innehat“. Die Schrift kann „aschkenasisch oder sephardisch“ aber „keine Mischung“ und sie „muß einheitlich sein“.

Weiterhin heißt es: „Die Mesusas sollen sowohl von einem Computer an einer autorisierten Institution für die Inspektion von Mesusas, als auch manuell zur Kontrolle der Form der Buchstaben von einem Korrektor mit einer Berechtigung vom Oberrabbinat Korrektur gelesen werden.“ Die Mesusas sollen in einem Aluminiumgehäuse mit Löchern geliefert werden, damit sie am Türrahmen oder an einer Öffnung befestigt werden kann. Und: „Alle Mesusas für die Anlage sollen vom Rabbi des Stützpunktes oder seinem bestellten Vertreter und nicht vom Personal des Bauunternehmers befestigt werden.“

Was ist der Zweck der Anlage 911, fragte ich das Pentagon am Dienstag, und das USACE erklärte am Mittwoch, daß nur ein israelischer Sprecher des Verteidigungsministeriums eine Antwort geben könnte.

Dies könnte zu einem Trend werden. Für ein anderes geheimes Bauprojekt in Israel in der Größenordnung von 100 Millionen Dollar, das im nächsten Sommer vergeben werden soll, sucht das USACE ebenfalls einen Bauunternehmer. Dieses Bauprojekt wird „eine komplexe Anlage mit Herausforderungen bei der Entwicklung“ beinhalten, mit erforderlichen Leistungen in den Bereichen „Elektronik, Kommunikation, Heizung, Lüftung, Klimatisierung (mechanical/HVAC), sowie Sanitär“. Das US-Bauunternehmen benötigt für das Projekt, dessen Fertigstellung voraussichtlich fast 2 1/2 Jahre dauern wird, eine Sicherheitsfreigabe des US-Geheimdienstes oder eine gleichwertige israelische Sicherheitsfreigabe.

Das klingt nach einer Hochsicherheitskommandozentrale.

Der Zweck der „Anlage 911“ ist weit weniger klar.

Hier finden Sie den Originalartikel, U.S. overseeing mysterious construction project in Israel.

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