Bischof Shomalis abschätzige Aussagen über den Talmud verärgern die Freunde des christlich-jüdischen Dialogs

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(„Innerhalb des Judentums hat der Talmud trotz der Veränderungen des letzten Jahrhunderts seine doppelte Bedeutung als historischer Faktor noch nicht verloren. Für die Mehrheit der Juden ist er noch immer die höchste religiöse Autorität. Und auch wenn er, wie oben erwähnt, seitens derer, die sich an die moderne Kultur angepaßt haben, nur selten studiert wird, ist er als Produkt des Judentums noch immer ein Gegenstand der Untersuchung für das jüdische Lernen, gleich an zweiter Stelle nach der Bibel.“ — JEWISH ENCYCLOPEDIA)

Bishop Shomali's disparaging statementes on Talmud are disturbing to friends of Christian-Jewish dialogue
(Talmudzitat, Bildquelle: THE UGLY TRUTH)

Jüdische und katholische Gelehrte sind verärgert über die Aussagen des Generalvikars des lateinischen Patriarchen von Jerusalem in einem Interview auf FAMIGLIA CRISTIANA.

10. Juli 2012 — Diejenigen, die Monsignore William Shomali, den Weihbischof und Generalvikar des lateinischen Patriarchats von Jerusalem, kennen und respektieren, waren durch seine Aussagen über den Talmud und das israelische Bildungswesen in der Ausgabe von FAMIGLIA CRISTIANA vom 30. September überrascht und bestürzt. Im Hinblick auf jüdisch-extremistischen Vandalismus gegen christliche heilige Stätten behauptete er, das „Hassen von Christen“ würde in israelischen Schulen und dem Talmud gelehrt werden.

„Der Talmud, das von den Ultraorthodoxen studierte heilige Buch, das mehr verehrt wird als die Bibel selbst, lädt zu religiösem Haß ein, spricht schlecht über Jesus, und noch schlimmer über Maria und Christen im Allgemeinen“, sagte er und fügte hinzu, daß „in israelischen Schulen nicht die Liebe zum anderen gelehrt wird, sondern die Vernichtung des anderen“.

Diese pauschalen, diffamierenden Verallgemeinerungen sorgten bei politischen Vertretern Israels, religiösen Autoritäten der Juden und Freunden des interreligiösen Dialogs für Bestürzung. Während sie die kriminellen Handlungen, die von einer kleinen Gruppe jüdischer Extremisten und „Rowdys“ gegen christliche Stätten begangen wurden, einstimmig verurteilten und dazu aufriefen zu handeln und die Schuldigen festzunehmen, um eine Wiederholung zu verhindern, lehnten sie den Inhalt von Bischof Shomalis Aussagen energisch ab.

Rabbi David Rosen, der Jerusalemer „Direktor für Internationale interreligiöse Angelegenheiten“ („International Interreligious Affairs Director“) des „Amerikanisch-Jüdischen Komitees“ („American Jewish Committee“) strebte zunächst danach, Bischof Shomalis falsche Vorstellung von der Rolle des Talmud im jüdischen Leben zu korrigieren.

„Im Gegensatz zu der uralten Falschmeldung, die unter jenen Christen beliebt ist, die das Judentum im Laufe der Jahrhunderte verunglimpft haben“, sagt er, „wird der Talmud nicht ‚mehr als die Bibel selbst verehrt‘ und ist für Juden nicht einmal ein ‚heiliges‘ Buch, sondern eher ein wichtiges Kompendium von Kommentaren und Diskussionen über die Grundsätze und Gebote der Bibel und der Traditionen, letztere darzulegen“.

Bezüglich Bishop Shomalis Vorwürfen gegen das israelische Bildungssystem sagt Rabbi Rosen: „Obwohl es viel zu tun gibt, um in israelischen Schulen über andere Religionen zu unterrichten … ist es eine völlig ungerechtfertigte Diffamierung, zu behaupten, daß Israels Schulen ‚die Vernichtung des anderen‘ lehren.“

Darauf weist auch Israels Botschafter am Heiligen Stuhl, Zion Evrony, hin: „Monsignor Shomalis Behauptung, daß in israelischen Schulen nicht die ‚Liebe für den anderen‘ gelehrt wird, sondern die ‚Vernichtung des anderen‘ ist völlig falsch und irreführend. Die Werte der Menschenrechte, des Respekts vor den anderen und der Toleranz sind im israelischen Bildungssystem zentrale Themen. Der Weg zur Lösung von Problemen führt nur über Bildung und gegenseitiges Verständnis, nicht über die Erzeugung von neuem Haß … Im Gegensatz zur Lage in den meisten Ländern des Nahen Ostens, leben Christen in Israel sicher, üben ihre Religion frei aus und ihre Zahl nimmt zu.“

Ehrwürden Joseph Sievers, Professor für jüdische Geschichte und Literatur der hellenistischen Periode am „Päpstlichen Biblischen Institut“ („Pontifiico Istituto Biblico“), sagt: „Diese Charakterisierung des Talmud, wie sie FAMIGLIA CRISTIANA berichtet, ist falsch und wirklich schade.“ Er erinnert jedoch daran, daß pädagogische Probleme existieren und berief sich auf eine aktuelle, nuancierte Erklärung der „Versammlung der katholischen Ordinarien des Heiligen Landes“ („Assembly of Catholic Ordinaries of the Holy Land“), die eine „ernste Besorgnis über die Erziehung der Jugend in einigen Schulen, in denen Verachtung und Intoleranz unterrichtet werden“, zum Ausdruck bringt. Er verweist auf den Pfad, der hoffentlich gewählt wird, und zitiert ein anderes Dokument des Vatikan, „Hinweise zur richtigen Präsentation von Juden und Judentum in Predigt und Katechese der römisch-katholischen Kirche“ („Notes on the correct way to present the Jews and Judaism in preaching and Catechesis in the Roman Catholic Church“): „… Unsere beiden Traditionen sind so verbunden, daß sie einander nicht ignorieren können. Das gemeinsame Wissen muß auf allen Ebenen gefördert werden …“

Rabbi Rosen kommentiert: „Ich leugne nicht, daß es unter den Juden Vorurteile gegenüber Christen und dem Christentum gibt … Allerdings sind diese Vorurteile das Ergebnis der tragischen Erfahrungen von Verfolgungen und Vorurteilen, die sie im Laufe der Jahrhunderte durch die Christen erlebten. Ich bedauere zutiefst, daß solche Vorurteile weiterhin bestehen und verurteile vorbehaltlos eine respektlose Handlung gegenüber Christen, ihren Gebetsstätten und ihren Überzeugungen. Solche Taten sind eine Entweihung des Gottesnamens und beleidigen das Judentum tatsächlich noch mehr als das Christentum. Allerdings ist es wichtig, zu verstehen, wo diese Animosität wirklich herkommt und vor dieser Realität nicht die Augen zu verschließen und falsche Sündenböcke zu zeichnen oder alte Vorurteile wiederzukäuen.“

Roms Oberrabbi, Dr. Riccardo Di Segni, findet, Bischof Shomalis Aussagen über die israelischen Schulen „erinnern an eine vorkonziliare Haltung gegenüber dem Judentum, von der wir gehofft hatten, daß sie nicht mehr existiert“, in der die „Liebe“ im Neuen Testament fälschlicherweise dem „Legalismus“ der jüdischen Bibel — oder dem „Alten Testament“ — entgegengesetzt wurde.

„Sie sind sehr störende Proklamationen und stehen im Widerspruch zu den Grundsätzen unseres zeitgenössischen Dialogs“, erklärt Dr. Luigi De Salvia, Präsident von „Religionen für Frieden/Italien“ („Religions for Peace/Italy“), unter Hinweis auf die Direktiven der vatikanischen „Richtlinien und Hinweise für die Konzilserklärung ‚Nostra Aetate Art. 4‘“, die unter anderem besagen: „… Man darf das Alte Testament und die sich darauf gründende jüdische Tradition nicht in einen solchen Gegensatz zum Neuen Testament stellen, daß sie nur eine Religion der Gerechtigkeit, der Furcht und der Gesetzlichkeit zu enthalten scheint, ohne den Anruf zur Liebe zu Gott und zum Nächsten …“

„Hoffentlich werden diese Worte gelöscht oder geklärt“, so Dr. De Salvia. Bezüglich der angeblichen und umstrittenen Referenzen des Talmud, die Jesus betreffen oder auch nicht, stimmen jüdische und christliche Fachleute überein, daß sie für kontrastierende Interpretationen noch immer offen sind.

Rabbi Rosen erklärt: „Es gibt unter den Gelehrten unterschiedliche Meinungen, ob die wenigen Hinweise im Talmud, die sich auf Jesus von Nazareth beziehen, das auch wirklich sind. Der Talmud wurde nicht unter christlicher Herrschaft geschrieben, sondern hauptsächlich unter babylonischer Herrschaft, und somit gibt es überhaupt nur wenige Hinweise auf Christen“, sagt er.

Prof. Sievers beruft sich auf Peter Schäfers „Jesus im Talmud“ und sagt, diese Passagen „unterlagen der christlichen Zensur und können am besten im Rahmen der christlich-jüdischen Polemik der Spätantike verstanden werden.“ (Anm.: Peter Schäfers Buch sagt irgendwie etwas anderes.)

Roms Oberrabbiner warnt: in jedem Fall, „müssen wir mit Augenmaß bewahren. Das Material, auf das sich Bischof Shomali beziehen könnte, nimmt alles in allem 2 bis 3 Seiten von insgesamt 2.700 ein. Es handelt sich um rätselhafte und verwirrte aggadische Erzählungen, und es ist sehr unwahrscheinlich, daß sie sich auf Christen beziehen. Zahlreiche christliche wissenschaftliche Studien, einschließlich italienischer Quellen, bezweifeln ernsthaft, daß dies Sätze über Jesus oder Christen sind. Sie haben keine normative Autorität und dienten im Laufe der Jahrhunderte als Vorwand für die Verbrennung von Talmuds.“ (Anm.: Ist das so wie die Verbrennung von Bibeln?)

„Wir müssen kontextualisieren“, so Roms Oberrabbiner. „Eine ernsthafter interreligiöser Dialog muß die historische Evolution textlicher Interpretationen berücksichtigen.“

„Übermäßig wörtliche Interpretationen der Evangelien und patristischer Texte verbreiten zum Beispiel seit Hunderten von Jahren Haß und Antijudaismus und stiften zum Antisemitismus und zur Gewalt gegen Juden an.“

Hier finden Sie den Originalartikel, Bishop Shomali’s disparaging statementes on Talmud are disturbing to friends of Christian-Jewish dialogue.

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