Das Sag-nicht-schwul-Gesetz geht nicht weit genug

Alexandra Petri erklärt, wie wichtig es ist, durch politische Gehirnwäsche aufgeklärt zu bleiben.

(Weil wir ohne staatliche Aufklärung sonst schon längst ausgestorben wären.)

Die lustige Entenfamilie

23. April 2011 — In Tennessee gibt es ein Gesetz, das Pädagogen verbietet, in Grund- und Mittelschulen über Homosexualität zu sprechen. Der Senat hat es mit 6 zu 3 Stimmen beschlossen. Seine Gegner, die denken, es geht zu weit, nennen es Sag-nicht-schwul-Gesetz. (Anm.: Ist die Institution QUEER eigentlich politisch korrekt oder sexuell verklemmt, wenn sie sich schämt, Sag-nicht-schwul-Gesetz zu schreiben.)

Ich bin auch dagegen: Ich denke, daß es geht nicht weit genug. Das Gesetz sagt, daß es völlig in Ordnung ist, wenn Pädagogen vom Kindergarten bis zur achten Klasse über Heterosexualität sprechen.

Wie schmutzig!

Wie können sie es wagen, die Gemüter von unschuldigen jungen Kindern auf diese Art und Weise zu verschmutzen? Alles, was Sie rechts und links Ihr ganzes Leben lang sehen, sind Heteros, die diesen Lebensstil zur Schau stellen. In der Werbung. In Filmen. In der Musik. In der gesamten zivilisierten Welt. Sogar in Fernsehsendungen, die von Kindern gesehen werden!

Gut, ich habe kein Problem mit Heteros. Ich bin zufällig selbst hetero. Aber das heißt nicht, daß ich will, daß meine Kinder dem ausgesetzt werden, bevor sie in der neunten Klasse sind. Haben sie noch nicht genug damit zu tun, lesen und schreiben zu lernen und auf Landkarten Länder zu erkennen? Weshalb muß eine soziale Agenda durchgedrückt werden?

Sobald Sie erwachsen sind, finden Sie überall Heteros. Sie essen mit Ihnen zu Mittag. Sie nehmen Sie mit auf den Abschlußball. Manchmal müssen Sie mit einem den Arbeitsplatz teilen und mit ihm oder ihr über seine oder ihre Hobbys sprechen. Viele Kinder haben sogar einen in ihrem Zuhause oder in ihrer Familie. Sind in den Medien und in ihrem Zuhause nicht genug Kinder der Heterosexualität ausgesetzt, ohne daß sie gezwungen werden müssen, davon auch noch in der Schule zu hören? Das muß ihnen nicht erklärt werden! Sie sollten die Bundeshauptstädte auswendig lernen und den Nutzwert dessen, was sie produzieren!

Die Leute würden sich nicht zu den Mitgliedern des anderen Geschlechts hingezogen fühlen, wenn ihnen in ihrer Kindheit nicht jemand aus einem Buch über eine männliche und weibliche Ente vorgelesen hätte, die eine Familie gründen. Wer immer aus diesem Buch vorlas, soll verflucht sein! So etwas lenkt zu sehr ab! So etwas beendete die vielversprechende Karriere von Edward VII!

Warum müssen unsere Kinder einer Gehirnwäsche unterzogen werden?

Schneiden Sie es erst gar nicht an, wenn es nicht für alle gilt! Manche Leute sagen, sie würden bestimmte sexuelle Positionen bevorzugen. Meine Lieblingsposition ist die, nicht darüber zu reden, niemals, manchmal ein Sandwich zu essen und sich irgendwie einsam zu fühlen.

Also lassen Sie mich nicht mit diesem ‚Sex‘-Phänomen anfangen. Ich weiß nicht, wessen Idee es war, es kann aber nicht natürlich sein. Wenn Gott gewollt hätte, daß wir nach Herzenslust im Adamskostüm mit den Angehörigen des anderen Geschlechts herumtollen, dann hätte er Adam und Eva geschaffen, anstatt zuzulassen, daß wir uns im Laufe der geologischen Zeit langsam entwickeln, bis wir unsere heutige Position erreichten. Ich komme aus einer skandinavischen Familie, meine gesamte sexuelle Aufklärung erfolgte also zu einer Zeit, als wir den Zoo besuchten und zufällig ein paar Affen sahen. „Was auch immer sie tun“, erzählten mir meine Eltern, „NEIN!“

Ich bin jetzt 23 Jahre alt, und ich glaube immer noch, daß ich durch ein kompliziertes Ritual auf die Welt kam, das mit Ayn Rand und acht Störchen zu tun hat. Ich habe voll und ganz die Absicht, ein Kind zu adoptieren, nicht aus Prinzip, sondern weil ich absolut keine Ahnung habe, wie Babys gemacht werden. Ich gehe davon aus, daß sie entweder unbefleckt empfangen werden — mit viel Glück — oder irgendwo billig zusammengebaut und dann verschifft werden, was erklären würde, warum wir davon sprechen, daß Mütter etwas „erwarten“. (Anm.: Selbsttest: Denken Sie zurück und erinnern Sie sich, daß Sie, bevor Sie staatlich aufgeklärt wurden, hoffnungslos manipuliert waren und glaubten, daß Nachwuchs entsteht, wenn Bienchen auf Blümchen steigen.)

Es ist eine ganze Menge, die man sich in den Kopf packen muß, und ich denke nicht, daß Kinder gezwungen werden sollten, darüber nachzudenken. Später können sie der erschreckenden Tatsache ins Auge sehen, daß sie sich irgendwie zu jemandem hingezogen fühlen. Aber bis dahin, sage ich, sollten wir auf alle Bienen und Blumen verzichten. Wenn sie sich in ihrer Freizeit mit dem das Problem beschäftigen wollen — in Ordnung, je weniger wir ihnen verraten, was sie dabei fühlen könnten, desto besser. Es ist unwahrscheinlich, irgendetwas davon auf eigene Faust herauszufinden. Es ist viel zu kompliziert! Sie können unmöglich hoffen, irgendetwas zu verstehen, ohne daß ihnen die Eltern das 83seitige Handbuch geben. Und das Internet bleibt jeder Person unter 25 Jahren ein völliges Rätsel. (Die Zeile „Chatten, flirten und neue schwule Jungs kennenlernen!“ im ersten Ergebnis für die Suche nach Sexualkundeunterricht Bienen und Blumen, beweist, wie wichtig staatliche Aufklärung ist.)

Lady Gaga ist eine Sache. Wir alle wissen, daß sie vollständig entwickelt aus einem Ei auftauchte. Aber unsere Kinder sind eine andere Sache.

Also sage ich, dieses Gesetz ist ein Hohn — es gibt zu viel Sex darin. Sex hat außerhalb des Klassenzimmers zu bleiben, in Labors, oder wo auch immer er betrieben wird. Ich kann es Ihnen wirklich nicht sagen.

Hier finden Sie den Originalartikel, Tennessee’s ‘Don’t say gay’ bill doesn’t go far enough.

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