Waschen von Drogengeldern: Rabbis unter den Verdächtigen

Robert D. McFadden über eine geschäftstüchtige Gemeinschaft mit internationalen Verbindungen.

(Ja, selbstverständlich bin ich mir der Argumentation von Journalisten oder Politikern bewußt, die darüber aufklären, daß so etwas überall passieren könnte, also auch in der Redaktion oder im Parlament.)

Rabbis Listed Among Suspects In Laundering Of Drug Profits

17. Juni 1997 — Ein Dutzend Männer, darunter zwei orthodoxe jüdische Rabbis, wurden gestern von den Bundesbehörden angeklagt, sich zusammengetan zu haben (with conspiring), um 1.750.000 Dollar an Drogengewinnen für kolumbianische Drogenhändler zu waschen und zu verstecken, indem das Geld durch die Bankkonten einer Synagoge und einer Jeschiwa im Brooklyner Stadtteil Borough Park geleitet wird.

Der bizarre Fall, so die Brooklyner Staatsanwälte, brachte eine Sammlung von seltsamen Bettgenossen zusammen — fünf New Yorker Repräsentanten der kolumbianischen Drogenhändler, drei Zwischenmänner, die angeblich Geld in Koffern transportierten, und vier Männer mit Verbindungen zu einer eng verbundenen jüdischen Gemeinde.

An einem Punkt, so die Beamten, leiteten die Rabbis Dollars in zweistelliger Millionenhöhe an Drogengewinnen über die Bankkonten einer relativ bescheidenen Synagoge in Borough Park und stellten 3,4 Mio. Dollar von amerikanischen und Schweizer Konten bereit, um für die kolumbianischen Drogenbarone ein Flugzeug zu kaufen.

„Geldwäscher sind die unverzichtbaren Partner der großen Drogenhändler, und die zynische Tat, religiöse Institutionen zu nutzen, um Erlöse aus Drogengeschäften zu verbergen, ist besonders verwerflich“, sagte Zachary W. Carter, der US-Staatsanwalt für den östlichen Bezirk von New York, bei der Bekanntgabe der Anklage.

Sieben Angeklagte, darunter die beiden Brooklyner Rabbis Mahir Reiss, 47, wohnhaft 3543 Bedford Avenue, und Rabbi Bernard Grunfeld, 64, wohnhaft 1417 46th Street, wurden gestern festgenommen, später am Tag vor US-Richterin Roanne L. Mann vernommen und angeklagt, sich zusammengetan zu haben, um Geld zu waschen. Zwei Verdächtige, Rabbi Grunfeld und Israel Knobloch, 24, wohnhaft 5200 15th Avenue in Brooklyn, wurden außerdem angeklagt, sich zusammengetan zu haben, um die Meldepflichten für bundesstaatliche Geldtransaktionen zu umgehen.

Sechs Angeklagte wurden ohne Möglichkeit auf Kaution festhalten, und ein Angeklagter, Abraham Reiss, 48, wohnhaft 320 Riverside Drive in Manhattan, ein Bruder von Rabbi Reiss, wurde gegen 750.000 Dollar Kaution freigelassen. Drei weitere Männer wurden in der Anklage als Flüchtige aufgeführt, und zwei weitere wurden wegen anderen Fällen anderswo in New York in Gewahrsam genommen, so der stellvertretende Bundesanwalt Lee Dunst, der in dem Fall ermittelt.

Laut der auf bundesstaatlicher Ebene erhobenen Anklage — welcher eine dreijährige verdeckte Untersuchung voranging, die gerichtlich genehmigte Abhörmaßnahmen und andere Überwachungen einsetzte — wird den beiden Rabbis sowie Abraham Reiss vorgeworfen, 750.000 Dollar gewaschen zu haben, indem sie von Mittelsmännern Bargeld annahmen, es auf den Bankkonten einer Organisation der Synagoge anlegten und, nach dem Abzug von Provisionen, an Drogenhändler Schecks ausstellten.

Die Ermittler sagten, daß die in dem Plan genutzten Bankkonten, die auf den Namen der religiösen Vereinigung „Chaim Shel Shulem“ liefen — die sich mit der Kongregation „Eitz Chaim“ unter der Anschrift 1577 48th Street in Borough Park ein Quartier teilt — während der 10 Monate zwischen August 1995 und Mai 1996, als die Geldwäschetransaktionen stattfanden, Einlagen von mehr als 19 Mio. Dollar aufwiesen.

Der als Präsident von „Chaim Shel Shulem“ aufgeführte Rabbi Grunfeld soll alle Schecks ausgestellt haben und zu den Drogenhändlern gegangen sein. Er und Israel Knobloch wurden außerdem angeklagt, die Bewegung von 1 Million Dollar an Drogengeldern verschleiert zu haben, indem sie über die Bankkonten der Kongregation „Eitz Chaim“ und der Bobower Jeschiwa, beide am gleichen Ort, 95 Einzahlungen und Auszahlungen von knapp 10.000 Dollar machten — der Betrag, der eine Meldepflicht erforderlich macht.

Die Angeklagten machten gestern vor Gericht keine Aussagen. Obwohl Rabbi Grunfeld von der Staatsanwaltschaft als Leiter der Chaim Shel Shulem aufgeführt wurde, weigerten sich gestern Dutzende von Menschen der Kongregation „Eitz Chaim“, irgendetwas über ihn oder den Fall zu sagen. Einige schienen den Namen Chaim Shel Shulem nicht einmal zu kennen.

Die Synagoge und die Jeschiwa befinden sich in einem fünfstöckigen Gebäude mit einer Backsteinfassade und einem kleinen Vordach. Im Erdgeschoß, in einer zweiräumigen Schule voller Bücher, lernten etwa 100 Personen an Tischen. Ein Mann, der verantwortlich zu sein schien, seinen Namen aber nicht nennen wollte, sagte, er wisse nichts über die zwei in der Anklage genannten Rabbis.

Die von der US-Staatsanwaltschaft, der Drogenbekämpfungsbehörde „Drug Enforcement Agency“ und der Steuerbehörde „Internal Revenue Service“ auf bundesstaatlicher Ebene gemeinsam geführten Ermittlungen begannen laut den Beamten im Jahr 1994, als Agenten ein Muster von Bargeldeinzahlungen und Bargeldauszahlungen erkannten, mit dem die Meldepflicht für die verschiedenen Bankkonten im Namen der Synagoge und der Jeschiwa umgangen werden sollte.

Die Ermittler sagten, daß sie mit gerichtlichen Abhörmaßnahmen, Überwachungen und anderen verdeckten Techniken entdeckten, daß sich Rabbi Grunfeld und Israel Knobloch zusammentaten und schließlich mehr als 1 Million Dollar an Ein- und Auszahlungen tätigten — sie sagten, daß diese Transaktionen den Beteiligten (conspirators) ermöglichte, große Summen an illegalen Drogengewinnen zu bewegen.

Später, in den Jahren 1995 und 1996, so die Ermittler, führten die 12 Männer, die gestern in der Anklage genannt wurden, eine vollständige Geldwäscheoperation durch. Fünf von ihnen — Lisandro Montes De Oca, 29; Francisco Gil, 30; Estenio Rodriguez, 30; Juan Suarez, 39 und Alvaro Duque, 36 — sollen angeblich große Beträge gebracht haben, die kolumbianische Drogenhändler waschen wollten.

Das Geld wurde drei Männern gegeben, die als Vermittler beschrieben wurden — Jack Pinski, 35, ein flüchtiger Kolumbianer, sowie Roberto Buendia, 40, und Fabio Arana, beide aus Medford, New York. Sie sollen das Geld in einer Wohnung unter der Anschrift 243 West 75th Street versteckt haben.

Dort, so die Staatsanwälte, nahm Abraham Reiss das Geld. Es wurde später auf verschiedene Konten eingezahlt, die auf Chaim Shel Shulem laufen. Rabbi Grunfeld, der Präsident der Organisation, unterzeichnete laut Anklage Schecks für „Instanzen, die mit den Anweisungen der Drogenhändler übereinstimmten“. Diese Anweisungen wurden von Rabbi Reiss mitgeteilt, der zu „Chaim Shel Shulem“ keine formalen Verbindungen hatte, so die Ermittler. An die Verdächtigen gingen laut den Beamten Provisionen von 13 bis 15 Prozent.

Die Staatsanwaltschaft sagte, daß sie nicht weiß, wie die Mitglieder einer tief religiösen Gemeinschaft mit professionellen Geldwäschern und Drogenhändlern in Kontakt kam. Aber sie beschuldigte die Rabbis Reiss und Grunfeld, sowie Abraham Reiss, im Jahr 1994 mehrere Millionen Dollar arrangiert zu haben, um den Kauf eines Flugzeugs vom Typ „Beech Super King“ zu finanzieren, ein Typ, der häufig von Drogenschmuggler genutzt wird.

Zachary W. Carter sagte: „Das Flugzeug wurde vom ‚St. Lucie County Airport‘ in Florida zu seinem neuen Eigentümer in Kolumbien geflogen, und zwar kolumbianische Drogenhändler.“

Hier finden Sie den Originalartikel, Rabbis Listed Among Suspects In Laundering Of Drug Profits.

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