Skandal „Elm Guest House“: Erstes Opfer des Pädo-Gästehauses bricht sein Schweigen

Keir Mudie und Nick Dorman über Pädo-Promis in London und den ersten Zeugen (der jetzt hoffentlich nicht um sein Leben fürchten muß).

Sie zwangen uns, Märchenkostüme zu tragen, machten uns mit Apfelwein betrunken, dann begann der Mißbrauch, erklärt ein Opfer gegenüber THE SUNDAY PEOPLE

Elm guest house scandal: First victim of paedo guest house breaks his silence

Ein Opfer des Promi-Pädo-Gästehauses hat THE SUNDAY PEOPLE von den Schrecken erzählt, die dort vor sich gingen.

Das Waisenkind aus dem ehemaligen Pflegeheim sagt, er und sein 12jähriger Bruder wurden von den Mitarbeitern als „besondere Leckerei“ zum „Elm Guest House“ geschickt.

Dort wurden sie mit Apfelwein- und Bierwettrennen betrunken gemacht und dann mußten sie Märchenkostüme für Mädchen anzuziehen, wobei sie fotografiert wurden.

Nach faulen Versteckspielen wurden sie schließlich zu abscheulichen sexuellen Handlungen gezwungen.

Das Opfer, jetzt ein Familienvater, brach in Tränen aus, als er THE SUNDAY PEOPLE von seinem Albtraum erzählte — und wie sein gequälter Bruder ein Jahrzehnt nach dem Verlassen des Heims Suizid beging.

Er sagte: „Die Verantwortlichen haben Blut an ihren Händen. Ich sollte nicht denken, daß mein Bruder der einzige ist, der sich deswegen sein Leben nahm.

Ich sage jetzt meine Meinung, weil ich für mich und für meinen Bruder will, daß der Gerechtigkeit zum Durchbruch verholfen wird.

Was vor sich ging, war einfach nur ekelhaft. Wenn wir dem Personal im Pflegeheim erzählten, was im ‚Elm Guest House‘ geschieht, pflegten sie zu sagen: ‚Sie sind Freunde, sie sind gute Leute.‘

Niemand hörte uns zu. Es hat 30 Jahre gedauert, bis uns jemand zuhört.“

Das ehemalige Gästehaus im gehobenen Barnes im Südwesten von London steht nun im Mittelpunkt einer großen polizeilichen Untersuchung im Zusammenhang mit einem angeblichen Kindesmißbrauchsring der späten 1970er und frühen 1980er Jahre.

Es spricht vieles dafür, daß hochrangige Politiker, berühmte Persönlichkeiten aus dem Showbusiness und Mitglieder des königlichen Haushalts betroffen sind.

Das erste Opfer, das sich öffentlich ausspricht, hat darauf verzichtet, einen Rechtsanspruch auf Anonymität wahrzunehmen — THE SUNDAY PEOPLE hat jedoch entschieden, ihn nur Dave zu nennen.

In seinem elegant eingerichteten Zuhause, umgeben von Fotos seiner eigenen Kinder, erzählte Dave, wie er und sein ein Jahr jüngerer Bruder in ein Heim kamen, nachdem ihre verwitwete Mutter nach Jahren der Depression Suizid beging.

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Früher das „Elm Guest House“, heute Wohnungen

Im Jahr 1978 wurden sie in das Kinderheim „Grafton Close“ in Hanworth, im Südwesten von London, geschickt.

Dave war 13 Jahre alt, als per Minibus Ausflüge in das acht Meilen entfernte „Elm Guest House“ begannen.

Er sagte: „Uns wurde erklärt, daß wir wegen einer Party zu dem ‚guten Haus‘ gehen.

Es war immer nur eine Handvoll, mehr von uns waren es nicht.

Es war ein riesiges Haus, als wir dort ankamen. Es war so groß, daß ich mich wie ein Kind in einem Puppenhaus fühlte.“

Die Kinder wurden ohne sich ins Gästebuch einzutragen an der Rezeption vorbei escortiert und in ein Hinterzimmer gebracht, wo bald eine verzerrte Party in vollem Gange war.

Dave sagte: „Die Musik, die spielte, war so eine Art ruhiges Zeug, Easy Listening, und es gab viel zu trinken.

Manchmal waren nur zwei Erwachsene dort, ein anderes Mal mehr.

Auf den Tischen stand Bier von ‚Party Seven‘ — ein großes Faß mit sieben Schoppen (pints) — und Apfelwein.

Uns wurden Plastikbecher gegeben und wir hatten eine Art Wettrennen, um zu sehen, wer es als erster austrinken kann.

Gewöhnlich ließen sie uns herausputzen, Märchenkostüme für Mädchen anziehen, dann Verstecken spielen, mit den Erwachsenen, die nach den Kindern suchten.“

Waren die Kinder „gefunden“, wurden sie gezwungen, beim sexuellen Mißbrauch mitzumachen.

Dave sagte: „Wenn jemand herumging, um Aufnahmen zu machen, gingen die Blitzbirnen an. All dies geschah während des Tages, an welchem Wochentag auch immer sie Lust hatten.

Ich kann mich erinnern, daß alle Erwachsenen einen vornehmen Akzent hatten. Sie sagten Dinge wie: ‚Er ist niedlich, er ist schön.‘

Sie suchten sich die hübschen Knaben aus, vor allem diejenigen, die für ihr Alter jung aussahen.“

Daves Aussage spiegelt die des ehemaligen Kinderschutzarbeiters Chris Fay wider, der sagt, daß ihm Fotos von Kindern gezeigt wurden, die im Elm auf sogenannten „Kings and Queens“ Partys in Schale geworfen wurden.

Ein Foto soll einen ehemaligen Minister des Tory-Kabinetts mit einem nackten 14jährigen Knaben in einer Sauna zeigen.

Dave behauptet, daß ein Mann, dem er im „Elm Guest House“ begegnete, für ihn arrangierte, seine Wohnung zu besuchen, wo er zu sexuellen Handlungen gezwungen wurde, und ihm dann ein paar Pfund „Taschengeld“ reichte, um ihn zur Rückkehr zu bewegen.

Dave sagte: „Ich sehe immer noch das Gesicht von dem Kerl. Er war nobel und ich habe ihn seitdem im Fernsehen gesehen.

Er war sehr dick. Er sagte, daß er nicht weit weg wohnt und erklärte mir, ‚Komm zu mir wenn du auf dem Weg in der Nähe bist.‘

Er gab mir Geld. Wir bekamen im Heim kein Taschengeld und ich wollte etwas.

Dadurch klingt es, als ob ich eine Wahl getroffen hatte, aber es war Mißbrauch.“

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Eine Anzeige für das „Elm Guest House“

Dave: „Ich hatte Mama und Papa verloren, und als ich zur Schule ging, machte man sich über mich lustig.

Zu der Zeit war es wie ‚endlich nimmt jemand von uns Notiz‘. Aber wir waren verwundbar, sie hatten es auf uns abgesehen.“

Dave sagte, er dachte, „um im Leben weiterzukommen, mußt du das tun, wenn nicht, werde ich am Ende ein Außenseiter sein.“

Daves Bruder Peter nahm im Jahr 1994 eine tödliche Überdosis Drogen, sechs Tage nach seinem 28. Geburtstag, nach Jahren der Qual, wegen dem Mißbrauch, den er ebenfalls erdulden mußte.

Es wird angenommen, daß er selbst ein Kinderschänder wurde.

Er hinterließ eine Notiz, daß er fürchtete, seine Gewaltfantasien gegen Frauen nicht kontrollieren zu können, wenn er am Leben bliebe. (Anm.: Auf diese Idee würde nicht einmal ein Doktor Jekyll und Mr. Hyde in einem Hollywoodfilm kommen — realistischer wäre ein Klaps auf die Schulter und ein Messer im Rücken.)

Peter wurde im Hochsicherheitshospital Broadmoor behandelt und sein Sachbearbeiter sagte, seine psychischen Probleme waren teilweise eine Folge des Mißbrauchs, den er erlitt, als in der Obhut der örtlichen Behörden war.

Eine Zeile in seinem Abschiedsbrief schien darauf zu verweisen. Sie lautete: „Ich werde diese Bastarde kriegen.“

Dave behauptet, daß Peter vom Gemeinderat Richmond — der das Kinderheim Grafton betreute — eine Abfindung erhielt, nachdem er sich über seine dortige Behandlung beschwerte.

Er glaubt, es beweist den offiziellen Versuch, den Mißbrauch zu vertuschen.

Dave floh nach weniger als zwei Jahren, nachdem er nach Grafton geschickt wurde.

Er sagte: „Am Ende wurde es zu viel für mich. Niemand kam zu mir. Ich schlief im Freien und ich landete im Gefängnis.“

Letzte Woche wurde Dave von zwei Londoner Polizisten der „Operation Fernbridge“ besucht.

Die Einheit untersucht die durch den Abgeordneten Tom Watson erstmals im Unterhaus erhobene Behauptung, daß es im Elm einen Promi-Pädophilenring gab. Es wird erwartet, daß es innerhalb weniger Wochen zu Verhaftungen kommt. (Anm.: Es konnte nicht bestätigt werden, daß ranghohe Täter erwarten, daß es nur zu Verhaftungen von kleinen Fischen kommt.)

Dave, eines der rund ein Dutzend Opfer, die von der Polizei befragt wurden, verbrachte mehr als eine halbe Stunde damit, seine Zeit im Heim zu diskutieren und sprach später mit per Telefon über das „Elm Guest House“.

Dave, der über 100 Meilen entfernt vom „Elm Guest House“ in einer Stadt am Meer lebt, fuhr fort: „Als ich im Internet ein Bild von dem Ort sah, sprang ich fast von meinem Stuhl.

Es war das gleiche Haus, zu dem man mich nahm, damals, vor all den Jahren. Es brachte alles zurück. Es hat meine Welt auf den Kopf gestellt.

Ich bin jetzt ein Familienvater, ich habe meine eigenen Kinder, und ich hätte nie gedacht, daß all das wieder zum Vorschein kommt. Ich konnte nicht mehr schlafen, seit die Polizei in meinem Haus auftauchte.

Die Leute sagen mir, ich soll stark bleiben, aber das ist nicht so einfach.“

Dave sagt, daß er die letzte Beleidigung erhielt, als er dem Gemeinderat von Richmond schrieb, um nach Papierkram über ihn und seinen Bruder zu fragen, ihm aber gesagt wurde, daß 10 Pfund zu zahlen wären, wenn ihm irgendwelche Informationen geschickt werden sollen.

Er sagte: „Ich konnte es einfach nicht glauben. Sogar jetzt haben sie diese Einstellung. Es sagt alles.“

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Der Abgeordnete Cyril Smith

Zwei prominente Persönlichkeiten, die als regelmäßige Nutzer des „Elm Guest House“ genannt wurden, sind der MI5-Verräter Anthony Blunt, der 1983 starb und Cyril Smith, der ehemalige liberale Abgeordnete für Rochdale, der 2010 starb.

Dave sagte am Freitag, nachdem er ein Bild von Smith studierte, daß der übergewichtige Politiker nicht der „dicke Mann“ war, der ihn mißbraucht hatte.

Der Gemeinderat von Richmond wollte sich gestern nicht zu Vorwürfen äußern, Mißbrauchsopfern Abfindungen gezahlt zu haben. Über Dave und seinen Bruder wollte er sich ebenfalls nicht äußern.

Ein Sprecher sagte jedoch: „Wir nehmen alle Mißbrauchsvorwürfe sehr ernst. Wir bieten der Polizei unsere volle Unterstützung und Kooperation an.

Da die Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist, wäre es zu diesem Zeitpunkt unangemessen, sich weiter zu äußern.“

Im Jahr 1982, zum Zeitpunkt der angeblichen Promi-Vertuschung, wurden die Eigentümer des „Elm Guest House“, Haroon und Carole Kasir, verurteilt, ein Schwulenbordell zu betreiben.

Hier finden Sie den Originalartikel, Elm guest house scandal: First victim of paedo guest house breaks his silence.


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