Beschneidung von Männern verschlechtert das Sexualleben

Niels Ebdrup über das fehlende Stück Glied.

(Seltsam, als das Thema Beschneidung durchgeboxt wurde, war jedem juristischen Einzeller diese Studie zugänglich, und jedes Medienschaf hätte berichten können, warum manche Glaubenssysteme im Bett so hart drauf sind, und Frauen, abgesehen von denen von Robert Crumb, daran wenig Freude haben.)

Male circumcision leads to a bad sex life

Die dänische Studie ist die erste, die jemals die Auswirkungen einer Beschneidung von Männern auf ihre weiblichen Partner untersuchte. (Foto: Colourbox)

Eine neue Studie zeigt, daß beschnittene Männer größere Schwierigkeiten haben, einen Orgasmus zu erreichen, und ihre weiblichen Partner häufiger unter vaginalen Schmerzen und einem minderwertigen Sexualleben leiden.

Ist ein Mann beschnitten, dann besteht für ihn ein erhöhtes Risiko eines verzögerten Orgasmusses und für seine Partnerin ein erhöhtes Risiko, keine sexuelle Erfüllung zu finden.

Dies ist die eindeutige Schlußfolgerung eines neuen dänischen Forschungsartikels, der internationale Aufmerksamkeit gefunden hat.

Rund 5.000 sexuell aktive Männer und Frauen wurden über ihre Erfahrungen und möglichen Probleme im Zusammenhang mit ihrem Sexualleben befragt. Mit einem spezifischen Schwerpunkt auf beschnittene Männer und ihre Frauen sind die Ergebnisse verblüffend.

„Beschnittene Männer erleben mit einer drei mal größeren Wahrscheinlichkeit eine häufige Unfähigkeit, einen Orgasmus zu erreichen“, sagt der außerordentliche Professor Morten Frisch vom dänischen Forschungsunternehmen SSI (Statens Serum Institut), der einer der Forscher ist.

Die Erforschung der Auswirkungen auf Frauen ist einzigartig

Dies ist eine der wenigen Studien der sexuellen Folgen der männlichen Beschneidung, und insbesondere in einem Bereich ist sie wegweisend:

„Frühere Studien zur männlichen Beschneidung befaßten sich mit den Auswirkungen auf die Männer. Wissenschaftler haben aber nie wirklich die Auswirkungen auf das Sexualleben der Frauen untersucht“, sagt Frisch.

„Es scheint, daß Frauen mit beschnittenen Männern doppelt so häufig sexuell frustriert sind. Bei ihnen besteht ein dreifach erhöhtes Risiko von häufigen Schwierigkeiten beim Erreichen des Orgasmus und ein achtfach erhöhtes Risiko, während des Geschlechtsaktes Schmerzen zu empfinden — auch als Dyspareunie bekannt.“

Beschnittene Männer bevorzugen es rau

Es scheint einen ganz einfachen Grund zu geben, warum beschnittene Männer und ihre Partnerinnen Probleme mit ihrem Sexualleben haben.

Die beschnittenen Mann entwickelt an der Spitze von seinem Penis eine dünne Schicht aus harter Haut, was die Empfindlichkeit herabsetzt. Dies bedeutet, daß er härter daran arbeiten muß, einen Orgasmus zu erreichen, und das kann bei der Frau zu einer schmerzhaften Erfahrung führen.

„Wir führten zwar eine Umfrage durch, aber die Daten erklären nicht, warum diese Probleme auftreten. Die wissenschaftliche Literatur bietet jedoch einige gute Vorschläge“, erklärt er.

Wenn der Penis in die Vagina eindringt, wird die Vorhaut zurückgezogen. Und auf dem Weg heraus geht die Vorhaut wieder zurück, um die Spitze des Penis zu bedecken. Auf diese Weise stimuliert die Vorhaut sowohl den Mann und die Frau.

Die gleitende Vor- und Zurückbewegung der Vorhaut stellt zusammen mit der Vor- und Zurückbewegung innerhalb der Vagina das dar, was als „Gleitbewegung“ bekannt ist.

„Wenn sich ein beschnittener Mann ohne die durch die Vorhaut verursachte ‚Gleitbewegung‘ in einer Frau vor und zurück bewegt, kann dies auf die Schleimhaut der Frau eine schmerzhafte Auswirkung haben. Dies könnte bei einigen Frauen mit beschnittenen Männern den Schmerz und die Neigung zu Trockenheit erklären.“

Fehlerquellen wurden herausgefiltert

Laut einer ärztlichen Schätzung war die Mehrheit der Männer in der Studie beschnitten.

„Nur fünf Prozent der dänischen Männer sind beschnitten, dennoch haben wir statistisch stichhaltige Beweise, daß männliche Beschneidung mit sexuellen Problemen verbunden sein kann.“

Auch wenn an der Studie nicht viele religiös beschnittene Männer beteiligt waren, wie zum Beispiel Juden und Muslime, wiesen die Daten in die gleiche Richtung. Die statistischen Analysen berücksichtigten auch eine lange Liste zusätzlicher relevanter Faktoren, darunter:

  • Alter
  • Kultureller Hintergrund
  • Religiöser Hintergrund
  • Familienstand
  • Bildungsniveau
  • Haushaltseinkommen
  • Alter beim ersten Geschlechtsverkehr
  • Anzahl der Sexualpartner
  • Häufigkeit der sexuellen Aktivität mit einem Partner im vergangenen Jahr

„Wir bereinigten die Studie um diese Faktoren, um sicherzustellen, daß die Beschneidung die eigentliche Ursache ist, und daß die Verbindung nicht anderen Faktoren zugeordnet werden kann.“

Die Endergebnisse waren eindeutig

Frisch nennt ein Beispiel, wie Dinge vermischt werden, wenn Forscher bei der Arbeit mit Statistiken mögliche Fehlerquellen nicht bereinigen:

„Betrachten Sie zum Beispiel Menschen, die viel Bier trinken, dann werden Sie sehen, daß für sie im Vergleich zu denen, die nicht viel trinken, ein erhöhtes Risiko besteht, an Lungenkrebs zu erkranken“, sagt er. „Doch es ist nicht das Trinken selbst, das Lungenkrebs verursacht. Es gibt einfach eine Korrelation zwischen Trinken und Rauchen, und es ist in Wirklichkeit das Rauchen, das Lungenkrebs verursacht.“

Derartige Fehlerquellen wurden berücksichtigt, und die Endergebnisse waren eindeutig:

„Wir haben somit ein konsistentes Bild. Auch wenn die beschnittenen Männer — und ihre Frauen — meistens keine Probleme mit ihrem Sexualleben haben, gibt es eine deutlich größere Gruppe beschnittener Männer und ihrer Partnerinnen, die, verglichen mit Paaren, in denen der Mann nicht beschnitten ist, häufig die Erfahrung machen, daß beim Erreichen des Orgasmus Probleme auftreten.“

Darüber hinaus gibt es deutlich mehr Frauen mit beschnittenen Männern, die beim Geschlechtsverkehr vaginale Schmerzen erleben oder die das Gefühl haben, daß ihre sexuellen Bedürfnisse nicht erfüllt werden.

Es sind weitere Studien erforderlich

Frisch hofft, daß diese neue Studie von Forschern in anderen Ländern und Kulturen wiederholt wird.

„So können wir feststellen, ob dieses Phänomen nur für die Dänen gilt, oder ob es sich auch auf andere Kulturen erstreckt“, sagt er. „Alles in allem stehe ich unseren Erkenntnissen bescheiden gegenüber, ich würde also gerne auch sehen, ob andere dänische Studien zum gleichen Urteil kämen.“

Die Studie findet international Resonanz

Laut Frisch hat die Studie international große Beachtung gefunden. Zum Beispiel haben ihn Politiker aus Kalifornien kontaktiert, die mit den Ergebnissen der Studie sehr zufrieden sind, weil sie die Beschneidung in ihrem Bundesstaat verbieten wollen.

Andere sind weniger begeistert und sagen, die Forschung ist umstritten.

„Dies ist ein sehr sensibles Thema, und einige Leute sind gegen die Veröffentlichung dieser Art von Forschung. Einige Leute haben tatsächlich versucht, die Veröffentlichung unseres Artikels zu stoppen“, erklärt er.

Eine Frage der Ethik

Bestimmte Gruppen und Einzelpersonenen betreiben Lobbyarbeit für die Beschneidung aller Männer, erklärt Frisch. Nicht unbedingt aus religiösen Bedenken, sondern weil sie glauben, daß die Beschneidung eine gesundheitsfördernde Wirkung hat. In Afrika gibt es zum Beispiel Anzeichen dafür, daß die Beschneidung das Risiko einer HIV-Infektion verringern könnte.

Den dänischen Artikel finden Sie auf videnskab.dk

Hier finden Sie den englischen Artikel, Male circumcision leads to a bad sex life.


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