Kalifornien: Der Staat will die Kontrolle über die Thermostate

Felicity Barringer mit einem Vorschlag von 2008, der unter schwarz-rot-grün-gelben Piraten und biodeutschen Eurokraten Begeisterungsstürme auslösen dürfte — immerhin war in Kalifornien zu der Zeit der von allen geliebte falsche Fuffziger Arnold Schwarzenegger am Drücker.

11. Januar 2008 — Die Idee in der Fernsehserie „Outer Limits“ aus den 1960er Jahren war, daß Kräfte von Außen die Kontrolle über Ihr Fernsehgerät übernommen haben.

Aufsichtsbehörden in Kalifornien dürften nächstes Jahr das Ausnahmerecht haben, zur Bewältigung von Stromversorgungsengpässen in neuen oder wesentlich umgebauten Häusern und Gebäuden einzelne Thermostate zu kontrollieren und die Temperaturen per Funk nach oben oder unten zu regeln.

Die vorgeschlagenen Regelungen finden sich in einem Dokument der „Kalifornischen Energie-Kommission“ („California Energy Commission“), die seit mehr als drei Jahrzehnten die Energieeffizienz-Standards für Haushaltsgeräte wie Warmwasserbereiter, Klimaanlagen und Kühlschränke festgelegt hat. Die Änderungen würden erlauben, durch Vorrichtungen die von den Kunden gewählten Temperaturen abzugleichen, wenn der Strompreis stark ansteigt. Die Kunden könnten die von den Vorrichtungen vorgeschlagen Temperaturen außer Kraft setzen. Aber im Notfall könnten die Vorrichtungen die Wünsche der Kunden außer Kraft setzen.

Die endgültige Zustimmung wird im nächsten Monat erwartet.

„Es gibt Zeiten — sehr selten, alle paar Jahre — in denen Sie einen wiederholten Stromausfall erleben, und alles stürzt ab, vom Computer zu Hause bis zu den Ampeln, und Sie wollen nicht, daß es dazu kommt“, sagte Arthur H. Rosenfeld, ein Mitglied der Energie-Kommission.

Eine Reduzierung des Stromverbrauchs einzelner Kunden — wenn nötig, unfreiwillig — könnte dies vermeiden, sagte Dr. Rosenfeld. „Wenn man wiederholte Stromausfälle dadurch unter Kontrolle bekommt, indem jeder im Staat den Schmerz teilt“, sagte er, „dann gibt es viel weniger Schmerzen“.

Während die Vorschläge in Kalifornien wenig Aufmerksamkeit erhalten haben, ist die Empörung Radio und Internet groß. (Anm.: Im US-Radio wird viel mehr über das gesprochen, was gerade los ist — der basisdemokratische Informationsdachverband Wikipedia erklärt, warum es diese Kultur, im Radio über das zu sprechen, was gerade los ist, hierzulande nicht gibt: „Als Grund für die insgesamt geringe Etablierung von Talkradios in Deutschland ist die im Vergleich zu den USA eher flüchtigere Hörermentalität zu vermuten: Die geringere Verweildauer der Hörer und die hauptsächliche Nutzung des Radios als Situativmedium [‚nebenbei‘] lassen keine intensive Beschäftigung mit dem Inhalt zu.“)

Der Funk-Thermostat ist keine neue Technologie, obwohl er ständig optimiert wird; die jüngsten Neuerungen wurden diese Woche auf der Fachmesse für Unterhaltungs- und Haushaltselektronik in Las Vegas ausgestellt.

„Pacific Gas and Electric“, der wichtigste Energieversorger in Nord-Kalifornien, betreibt bereits ein Pilotprogramm in Stockton, das den Kunden ermöglicht, ihre Klimaanlagen an eine ferngesteuerte Vorrichtung anzuschließen, um den Gebrauch in Zeiten hoher Stromtarife zu reduzieren.

Aber die Idee, daß eine Regierung die Nutzung dieser Geräte vorschreiben würde und die Macht besäße, die Wünsche von Hausbesitzern außer Kraft zu setzen, verärgert einige Leute.

„Das ist ein Skandal“, sagte ein Kalifornier in einer E-Mail an Dr. Rosenfeld. „Wir brauchen neue Stromversorger, um das Wachstum in diesem Staat in den Griff zu bekommen, und keinen Big Brother für die Bürger von Kalifornien.“

Die Aufregung im Internet begann, als Joseph Somsel aus San Jose, ein Autor des Online-Magazins AMERICAN THINKER, vor einer Woche einen Artikel über den programmierbaren Funk-Thermostaten schrieb.

Joseph Somsel’s Argumente, mit denen er den Vorschlag angriff, waren entweder populistisch — „Bei der nächsten Hitzewelle räkeln sich die Eliten in La Jolla dann genußvoll zur Meeresbrise“, während „die Tagelöhner in Central Valley in Bakersfield backen“ — marktwirtschaftlich — „programmierbare Funk-Thermostate vernebeln die Preispolitik der Kraftwerks-Entwickler“ — und bürgerlich-libertär — „die neue Vorschrift programmierbarer Funk-Thermostate scheint zweifellos das Gewohnheitsrecht zu verletzen, das durch die Formulierung ‚My Home is My Castle‘ zum Ausdruck kommt“.

Die Nachricht über den Vorschlag aus Kalifornien riß im Internet die Empörungs-Fenster auf, war darüber in Süd-Kalifornien in der NORTH COUNTY TIMES zu lesen, und sie wurde am Mittwoch spöttisch in Rush Limbaugh’s Radiosendung erwähnt.

Die Tatsache, daß ähnliche Funk-Technologien, die freiwillig für Bewässerungssysteme auf Feldern und Golfplätzen sowie vereinzelt für Gebäude auf Long Island genutzt werden, wird im Internet nur selten erwähnt — dagegen finden sich viele Verweise auf George Orwell’s dystopischen Roman „1984“ und auf „Big Brother“, die allgegenwärtige Stimme des Orwellschen Überwachungsstaates.

Ralph Cavanagh, Energie-Experte im „Verteidigungsausschuß für Natürliche Ressourcen“ („Natural Resources Defense Council“), sagte in einem Interview, daß, in einer Zeit des Spitzenverbrauchs von Strom, „die meisten Menschen gerne diese Möglichkeit wählen würden, wenn ihnen die Wahl gegeben wird, sich entweder für eine Temperaturabsenkung um zwei Grad entscheiden oder für ein Leben im 14. Jahrhundert“.

Joseph Somsel sagte am Donnerstag in einem Interview, daß er nach weiteren Recherchen besorgt wäre, daß das Funksignal — oder die Internet Anweisungen von den zentralen Leitstellen der Versorgungsunternehmen, die im Notfall an die Funkstationen, die das Signal senden, geschickt werden — gehackt werden könnten.

Das ist nicht möglich, erklärte Nicole Tam, eine Sprecherin für „Pacific Gas and Electric“, die an dem Pilotprogramm in Stockton arbeitet. Nicole Tam sagte, die Funksignale sind „verschlüsselt und kodiert“.

Hier finden Sie den Originalartikel, California Seeks Thermostat Control.

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