Israelischer Friedensaktivist: Hamas-Führer Jabari mitten in Gesprächen über langfristige Waffenruhe getötet

Nir Hasson über den buchstäblichen israelischen „Wahlkampf“.

(Ja, es gibt Hamas-Terroristen, diesmal war aber alles ganz anders.)


Gershon Baskin, Gründer vom „Forschungs- und Informationszentrum Israel/Palästina“ („Israel/Palestine Center for Research and Information“) — Foto: Tomer Appelbaum

Gershon Baskin, der bei der Freilassung von Gilad Shalit zwischen Israel und der Hamas zu vermitteln half, sagt, Israel machte einen Fehler, der das Leben von „unschuldigen Menschen auf beiden Seiten“ kosten wird.

Stunden bevor der einflußreiche Hamas-Mann Ahmed Jabari (dienen die anderen Schreibweisen Ahmed al-Dschabari, Ahmad Jaabari, Ahmed Dschabari eigentlich dazu, möglichst wenig Suchergebnisse zu finden?) ermordet wurde, erhielt er den Entwurf einer dauerhaften Waffenruhe mit Israel, welcher Mechanismen für die Aufrechterhaltung der Waffenruhe im Falle eines Aufflackerns zwischen Israel und den Fraktionen im Gazastreifen beinhaltete, so der israelische Friedensaktivist Gershon Baskin, der zwischen Israel und der Hamas bei der Vermittlung zur Freilassung von Gilad Shalit half und seitdem eine Beziehung mit Hamas-Führern aufrechterhielt.

Baskin sagte HAARETZ am Donnerstag, hochrangige Beamte in Israel wußten von seinen Kontakten mit der Hamas und dem ägyptischen Geheimdienst mit dem Ziel, eine dauerhafte Waffenruhe zu formulieren, stimmten dem Attentat aber trotzdem zu.

„Ich denke, daß sie einen strategischen Fehler gemacht haben“, sagte Baskin, ein Fehler „der auf beiden Seiten das Leben von sehr vielen unschuldigen Menschen kosten wird“.

„Dieses Blutvergießen hätte vermieden werden können. Diejenigen, die dies entschieden, müssen durch die Wähler beurteilt werden, doch zu meinem Bedauern werden sie dadurch mehr Stimmen bekommen“, fügte er hinzu.

Baskin machte Jabaris Bekanntschaft, als er als Mittler zwischen David Meidin, Israels Vertreter bei den Shalit-Verhandlungen, und Jabari diente. „Jabari war der allmächtige Verantwortliche. Er erhielt die Nachrichten immer über eine dritte Partei, Razi Hamad von der Hamas — er nannte ihn Mister J.“

Seit Monaten schickte Baskin täglich Nachrichten im Vorfeld der Formulierung der Vereinbarung. Er hielt die Kommunikation mit Gaza offen, selbst nachdem die Shalit-Verhandlungen abgeschlossen waren.

Laut Baskin verinnerlichte Jabari während der letzten zwei Jahre die Erkenntnis, daß die Feindseligkeiten mit Israel weder für die Hamas noch für die Bewohner des Gaza-Streifens vorteilhaft sind und nur Leid verursachten, und er verhinderte mehrmals, daß die Hamas nach Israel feuert.

Er sagte, daß, selbst wenn die Hamas zum Abfeuern von Raketen gebracht wurde, ihre Raketen immer in freien Gegenden landen würden. „Und das war Absicht“, stellte Baskin klar.

In den letzten Monaten stand Baskin kontinuierlich in Kontakt mit Hamas-Beamten (Hamas officials) und dem ägyptischen Nachrichtendienst, sowie mit Beamten in Israel, deren Namen preiszugeben er sich weigerte. Vor ein paar Monaten zeigte Baskin Verteidigungsminister Ehud Barak einen Entwurf der Vereinbarung und auf der Grundlage des Entwurfs wurde ein interministerielles Komitee für die Erteilung gegründet. Die Vereinbarung sollte die Grundlage für eine dauerhafte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas konstituieren, welche die wiederholten Schießereien verhindern würde.

„In Israel“, so Baskin, „entscheiden sie, nicht zu entscheiden, und in den letzten Monaten ergriff ich die Initiative, um es wieder durchzudrücken (to push it again).“ In den letzten Wochen erneuerte er den Kontakt mit der Hamas und mit Ägypten, und gerade in dieser Woche war er in Ägypten und traf sich mit Top-Leuten im Nachrichtendienst und einem Hamas-Vertreter. Er sagt, er bekam den Eindruck, daß der Druck der Ägypter auf die Palästinenser, die Schießereien zu beenden, ernst und aufrichtig war.

„Er war bereit, zu sterben, kein Engel und kein rechtschaffener Mann des Friedens“, sagte Baskin über Jabari und seine Gefühle nach der Tötung, „aber seine Ermordung tötete auch die Möglichkeit, einen Waffenstillstand zu erreichen und auch die Funktionsfähigkeit der ägyptischen Vermittler. Nach der Ermordung sprach ich wütend mit den Menschen in Israel, und sie sagten zu mir: Wir haben Sie gehört und wir rufen dazu auf, zu fragen, ob Sie von den Ägyptern oder aus Gaza etwas gehört haben.“

Seit der Ermordung ist Baskin in Kontakt mit den Ägyptern, aber nicht mit den Palästinensern. Ihm zufolge sind die Ägypter sehr besonnen. Sie sagten, es ist notwendig, damit es kein frisches Blut gibt. „Die Leute des ägyptischen Geheimdienstes handeln mit der Erlaubnis und Genehmigung des Regimes und anscheinend glauben Sie an diese Arbeit“, sagt er.

Baskin ergänzt: „Ich bin vor allem traurig. Das ist traurig für mich. Ich sehe, daß Menschen getötet werden und das macht mich traurig. Ich sage mir, daß wir mit jeder Person, die getötet wird, die nächste Generation von Hassern und Terroristen erzeugen“.

Hier finden Sie den Originalartikel, Israeli peace activist: Hamas leader Jabari killed amid talks on long-term truce.

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