Sie hören Stimmen? Es könnte Werbung sein

Andrew Hampp über den Segen angewandter  Militärtechnologie  Medientechnik im Alltag.

„Paranormal“: A&E-Werbefläche „flüstert“ eine Geisterbotschaft, die nur in Ihrem Kopf zu hören ist


Nein, er ist nicht verrückt: Unser unerschrockener Reporter Andrew Hampp war in SoHo, um die Technologie selbst zu hören, die die New Yorker „durchdrehen“ läßt und A&E zum Gesprächsthema macht.

Die New Yorkerin Alison Wilson ging letzte Woche in SoHo die Prince Street entlang, als sie in ihrem Ohr deutlich die Stimme einer Frau hörte: „Wer ist da? Wer ist da?“ Sie sah sich um und konnte in ihrer unmittelbaren Umgebung niemanden sehen. Dann sagte die Stimme: „Es ist nicht deine Phantasie.“

Tatsächlich, wirklich nicht. Es ist eine Werbung für „Paranormal State“, eine Serie über Geister, die in dieser Woche auf A&E Premiere hat. Die Werbefläche nutzt eine Technologie von Holosonic, die von einem „Lautsprecher“ auf einem Dach einen „Audio-Richtstrahl“ so überträgt, daß der Klang direkt in Ihrem Schädel ist. Die Technologie, die sich ideal für Museen und Bibliotheken oder Umgebungen eignet, die für isolierte Audiovorführungen eine ruhige Atmosphäre benötigen, ist zuvor nur selten in einem solchen Umfang eingesetzt worden. Für Passanten und Anwohner, die zufällig und ahnungslos durch die Gegend gehen, wo die Stimme auf ihren inneren Frieden trifft, ist es eine andere Geschichte. (Anm.: Die Meldung wird sogar von den sogenannten Skeptics diskutiert — Skeptics sind Intellektuelle, die an den Zauberkünstler James Randi glauben und im Internet beweisen, daß David Copperfields Zaubertricks Zaubertricks sind.)

Wilson, eine New Yorker Stylistin, sagte, sie nahm an, daß die Stimme in ihrem Kopf irgendeine Art Kreativprojekt sei, könnte aber verstehen, wenn es andere anders sehen, insbesondere spät abends auf dem Heimweg. „Ich könnte ein wenig durchdrehen, und ich würde nicht unbedingt denken, daß es von dieser Werbefläche kommt“, sagte sie.

Geringere Lärmbelästigung

Joe Pompei, Präsident und Gründer von Holosonics, sagte, die gruselige Lösung ist wichtig, um auf die A&E-Sendung aufmerksam zu machen. Aber, erklärte er, die Technologie wurde entwickelt, um zusätzliche Lärmbelästigung zu verhindern. „Wenn Sie wirklich eine Menge Leute ärgern wollen, ist ein Lautsprecher der beste Weg“, sagte er. „Wenn Sie auf dem Dach eines Gebäudes einen Lautsprecher aufstellen, wird diesen Lärm jeder hören. Wenn Sie dieses Geräusch aber nur auf einen bestimmten Betrachter richten, werden Sie von Straßenhändlern oder Fußgängern nie eine Beschwerde hören. Die ganze Idee ist, andere Leute zu schonen.“

Holosonics hat schon einmal mit einem Kabelnetz zusammengearbeitet, als COURT TV die Technologie einsetzte, um in ausgewählen Buchhandlungen für ihre Sendung „Mystery Whisperer“ zu werben. Joe Pompei sagte, das Unternehmen hat im Einzelhandelsbereich mit Procter & Gamble und Kraft auch maßgeschneiderte Audiobotschaften in Lebensmittelgeschäften getestet. Ein Kunde, der zum Beispiel Waschmittel kaufen möchte, könnte plötzlich das Geräusch plätschernden Wassers hören und sich so verpflichtet fühlen, als Folge des Klangerlebnisses Tide zu kaufen.

Joe Pompei erklärt, daß die Technik Zeit brauchen wird, damit sich die Verbraucher daran gewöhnen, so wie die strahlenden digitalen Anzeige- und Werbetafeln namens Digital Signage, als sie zum ersten Mal verwendet wurden. Die Internetseite GAWKER veröffentlichte über die Werbefläche letzte Woche einen Artikel mit der Schlagzeile „Schizophrenie ist das neue ad Gimmick“ und fragte: „Wie lange dauert es, bis es neben der Robinson-Schutzliste eine ‚Senden Sie mir keine Werbebotschaften in meinen Kopf‘-Schutzliste gibt?“

„Es wird eine bestimmte Bevölkerungsgruppe geben, die darauf empfindlich reagiert. Aber wenn die Menschen erkennen, was es ist und es selbst hören, werden sie sehen, daß es ist effektiv ist, um Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagte Joe Pompei.

Nicht nur in New York

Die 3 bis 5 Millionen Dollar teure A&E-Kampagne für „Paranormal“ beinhaltet nicht nur die Audiowerbung in New York. In Los Angeles erscheint in einer Werbefläche ein mechanisches Gesicht, als ob es auf den Betrachter zukommt, und zieht sich dann zurück. In den Printmedien überzeugte das Marketingteam zwei Blätter, für ihre Werbung eine ganze Seite aufzugeben — in der Gratiszeitung AM NEW YORK steht eine Seite auf dem Kopf und in der landesweiten Sonntagszeitung PARADE erscheint diese Woche eine Seite mit einem Schachbrettmuster aus Anzeigen für „Paranormal“.

Der Sender nutzte bereits früher in diesem Jahr übernatürliches Marketing, als er für „Mindfreak“-Star Criss Angel eine erfolgreiche Kampagne startete, die den Nutzern erlaubte, ihre Freunde auszutricksen, die denken sollten, daß Criss Angel via YouTube ihre Gedanken las.

„Jeder weiß, daß man die Menschen dazu bringen muß, über diese Sendungen zu reden“, sagte Guy Slattery, stellvertretender Marketingdirektor von A&E. „Es sollte keine rein informative Werbung sein. Als wir über die Vermarktung der Sendung sprachen, verband sie fast jeder mit einem paranormalen Erlebnis, und das war für uns eine Überraschung. Also haben wir wirklich versucht, die gesamte Kampagne auf paranormale Erfahrungen zu stützen.“

War es also ein Gespenst oder einfach nur einen genervter Bewohner, der den Lautsprecher in der vergangenen Woche zweimal an einem Tag von der Werbefläche in SoHo stahl? „Horizon Media“, der Aufsteller, mußte nach einer Lösung suchen, die den Diebstahl vom Dach verhindert. Joe Pompei betrachtet es als Kompliment, daß sich jemand die Mühe macht, seine Technologie zu stehlen, hofft aber, daß mit der Zeit die Akzeptanz durch die Verbraucher kommt. „Der Ton ist keine Rassel im Schädel, er ist nicht penetrant, Ihnen passiert überhaupt nichts. Es ist wie ein Spot im Vergleich zu einer Glühbirne“, sagte er.

Hier finden Sie den Originalartikel, Hear Voices? It May Be an Ad.

Siehe auch:

— FOCUS: Lautsprecher für den stillen Genuss
— DER SPIEGEL: Luft als Lautsprecher
— LAND DER ERFINDER: Die innovativen Lautsprecher Audiospotlight
— BAULINKS: Richtlautsprecher beschallt stark fokussierten Bereich


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