Ein politisches Wörterbuch, Teil 2

Thomas Sowell über „Zugang“.

Politiker scheinen eine besondere Vorliebe für Wörter zu haben, die zwei sehr verschiedene Bedeutungen haben, also werden wir in einem Wahljahr wahrscheinlich eine Menge derartiger Wörter hören.

Ein solches Wort lautet „Zugang“. Politiker scheinen immer und ewig zur Rettung von Menschen zu eilen, denen der „Zugang“ zu Krediten, Hochschulen oder was auch immer verweigert wird.

Aber was heißt das konkret?

Es könnte bedeuten, daß irgendeine externe Kraft Ihr Ziel versperrt, was auch immer es sein könnte. Oder es könnte bedeuten, daß Ihnen einfach das fehlt, was nötig ist, um dieses Ziel zu erreichen.

Um ein persönliches Beispiel zu nehmen: Michael Jordan wurde ein Basketball-Star und ein sehr reicher Mann. Ich nichts davon. Lag das daran, daß mir der „Zugang“ zum Profi-Basketball verweigert wurde?

Wer mich als Teenager beim Versuch sah, Basketball zu spielen, könnte Ihnen sagen, daß ich glücklich war, wenn ich das Basketball-Backboard traf, vom Korb ganz zu schweigen.

Mit der ersten Definition hatte ich zur NBA so viel „Zugang“ wie Michael Jordan. Niemand versperrte mir den „Zugang“. Es war nicht nötig, weil ich den Korb genau so wenig packte wie die NBA.

Zwischen externen und internen Versagensgründen zu unterscheiden, würde die Bedeutung des Wortes „Zugang“ klären. Doch eine Klärung würde die politische Nützlichkeit des Wortes zerstören, zusammen mit den staatlichen Programmen, für die dieses Wort zur Rechtfertigung verwendet wird.

Seit Jahren rasten Politiker und Medien wegen der Tatsache aus, daß es für unterschiedliche Gruppen unterschiedliche Bewilligungsquoten für Hypothekenkredite gab. Dies sollte zeigen, daß einigen rassischen Gruppen der „Zugang“ zu Hypothekendarlehen verweigert wurde, und vor allem der „Zugang“ zu den am meisten gewünschten Krediten mit den niedrigsten Zinsen.

Niemand stellte die Frage: Nach welcher Definition von „Zugang“ wurde der „Zugang“ verweigert?

Politische Kreuzfahrer kennen beim Definieren von Wörtern keine Pause. Laut ihrer schrillen Rhetorik waren externe Schranken das Problem. Und das bedeutete: staatliche Intervention war die Lösung, um die Bösen zu schlagen und „soziale Gerechtigkeit“ — ein weiterer nicht näher definierter Begriff — zu liefern.

Als Statistiken zeigten, daß Schwarze bei der Beantragung von Konventionalhypotheken (conventional mortgage loans — auf die Pleitebuden „Fannie Mae“ und „Freddie Mac“ zugeschnittene Hypotheken) doppelt so häufig abgewiesen wurden wie Weiße, war das für diejenigen, die sagen, daß der „Zugang“ das Problem wäre und daß Rassendiskriminierung der Grund dafür wäre, das entscheidende Argument. Da dies in vielen Vierteln zu den bestehenden Vorurteilen paßte, was will man mehr?

Andere Statistiken zeigten jedoch, daß Weiße bei der Beantragung von Konventionalhypotheken fast doppelt so häufig abgewiesen wurden wie Amerikaner asiatischer Herkunft. Mit der gleichen Logik würde das bedeuten, daß Weiße durch Banken, die hauptsächlich von Weißen geleitet werden, rassisch diskriminiert werden.

Doch dieser Schluß wurde nie gezogen, weil die zweite Statistik nie in den Massenmedien auftauchte, obwohl beide Statistiken von den gleichen Quellen verfügbar waren.

Die Veröffentlichung der zweiten Statistik würde zuerst die moralinsauren Medien unterminieren und dann den politischen Kreuzzug.

Statistiken über die durchschnittliche Bonität von Menschen in verschiedenen rassischen Gruppen erblickten ebenfalls selten das Licht der Welt. Die durchschnittliche Bonität der Weißen war höher als die durchschnittliche Bonität der Schwarzen, und die durchschnittliche Bonität der Amerikaner asiatischer Herkunft war höher als die durchschnittliche Bonität der Weißen.

All diese Fakten der Öffentlichkeit vorzulegen, könnte jedoch gut dazu führen, daß die Öffentlichkeit zu dem Schluß kommt, daß Banken und andere Finanzinstitute Kredite lieber an Privatpersonen vergeben, bei denen es wahrscheinlicher sein dürfte, daß sie sie ihnen zurück zahlen.

Die Medien verschwiegen auch die Tatsache, daß viele, wenn nicht sogar die meisten der Finanzkontrolleure, die Kreditbewilligungsentscheidungen trafen, nie einen Blick auf die Antragsteller warfen, sondern ihre Entscheidungen auf der Grundlage des Papierkrams von denjenigen trafen, die mit den Antragstellern zu tun hatten.

Gleichheit beim „Zugang“ führt nicht automatisch zu gleichen Ergebnissen, weder in Kreditinstituten oder im Basketball, noch sonstwo — Worte wie „Zugang“ führen zu großen politischen Erfolgen und zu großen wirtschaftlichen Katastrophen, der Immobilienmarkt ist nur ein Beispiel.

Hier finden Sie den Originalartikel, A Political Glossary: Part II

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