Ein politisches Wörterbuch, Teil 1

Thomas Sowell über „Fairness“, „Rassismus“, „Mitgefühl“, „kleinlich“, „gierig“ und „hungrig“.

In einem Wahljahr können wir erwarten, viele Worte zu hören — und die Bedeutung dieser Worte ist nicht immer klar. Ein Glossar der politischen Begriffe kann also recht hilfreich sein.

Einer der vielseitigsten politischen Begriffe ist „Fairness“, der in einem weiten Spektrum von Fragen verwendet wird — von „Fairem Handel“ bis zum „Gesetz für faire Arbeitsbedingungen“ („Fair Labor Standards Act“ von 1938). Und vor kurzem haben wir gehört, daß die Reichen nicht ihren „fairen Anteil“ an Steuern zahlen.

Einige von uns möchten womöglich eine Definition sehen, was „fair“ ist. Doch eine konkrete Definition würde die Vielseitigkeit des Wortes zerstören, das der Grund ist, weshalb es politisch so nützlich ist.

Wenn Sie zum Beispiel sagen, daß 46,7 Prozent ihres Einkommens — oder irgendeine andere Zahl — der „faire Anteil“ ihres Einkommens wäre, den die Reichen an Steuern zu zahlen hätten, dann gäbe es, sobald sie diesen Betrag zahlen, für die Politiker keine Grundlage mehr, beim nächsten Mal mehr zu verlangen — und „mehr“ ist das, was der „faire Anteil“ in der Praxis bedeutet.

Im Allgemeinen ist das Leben nicht einmal annähernd fair — die Begründung, daß die Regierung das Leben fair machen kann, ist für Politiker, die die Regierung groß und größer machen möchten, somit eine sichere Bank.

Ein weiterer Begriff, den wir in einem Wahljahr erwarten können, ist „Rassismus“, vor allem wenn sich die öffentlichen Meinungsumfragen gegen Präsident Barack Obama aussprechen.

Der ehemalige TV-Journalist Sam Donaldson und der aktuelle CNN-Moderator Don Lemon haben bereits verkündet, daß Kritik an Obama rassistisch ist, und wir können zahllose weitere Blupperköpfe (talking heads) erwarten, die das Gleiche sagen werden. Das Wort „Rassismus“ ist wie Ketchup. Es paßt praktisch auf alles — und wer Beweise fordert, ist ein „Rassist“.

Ein eher positiver Begriff, den wir in Wahljahren ebenfalls erwarten können, ist „Mitgefühl“ — was ist das konkret? In der Praxis bedeutet es häufig die Bereitschaft, das Geld der Steuerzahler auf eine Art und Weise auszugeben, die die Chance auf eine Wiederwahl erhöht.

Wenn Sie dieser Praxis skeptisch gegenüberstehen oder, schlimmer noch, kritisch, dann haben Sie Anspruch auf ein anderes politisches Etikett: „kleinlich“. Ein verwandtes politisches Etikett ist „gierig“.

In der politischen Sprache von heute gelten Menschen, die das behalten wollen, was sie verdienen, als „gierig“, während diejenigen, die ihnen den Verdienst nehmen und anderen geben wollen, „Mitgefühl“ zeigen — im Gegenzug werden sie dafür gewählt.

„Die Hungernden“ war ein politischer Begriff, der mich eine lange Zeit verwirrt hatte. Da wir alle Hunger kriegen, war es für mich nicht offensichtlich, welches bestimmte Segment der Bevölkerung „die Hungernden“ sind.

Irgendwann im Laufe der Jahre dämmerte es mir dann endlich. Menschen, die keine Maßnahme treffen, um sich selbst zu ernähren, aber erwarten, daß andere sie sorgen, sind jene, die Politiker und Medien mit „die Hungernden“ meinen.

Diejenigen, die diese Definition erfüllen, können Geld haben, um sich Alkohol, Drogen oder auch verschiedene elektronische Geräte zu leisten. Und viele von ihnen sind übergewichtig. Wenn es aber um freiwillige Spenden geht oder um Geld, das den Steuerzahlern genommen wird, damit sie etwas zu essen haben, dann sind sie „die Hungernden“.

Ich kann mich an eine Zeit erinnern, die lange her ist, als ich im altmodischen Sinne hungrig war. Ich war ein junger Mensch ohne Arbeit, konnte keine Arbeit finden, geriet mit der Miete für mein Zimmer in Rückstand — und, als ich endlich eine Arbeit fand, mußte in Meilen gehen, um dort hin zu kommen, weil ich mir weder die U-Bahn noch etwas zu Essen leisten konnte.

Doch das war früher, in den sogenannten einfacheren Zeiten. Ich war so naiv, daß ich dachte, es wäre an mir, eine Arbeit zu finden und etwas Geld zu sparen. Obwohl ich wußte, daß (der Basballspieler) Joe DiMaggio 100.000 Dollar pro Jahr verdiente, was beim Geld der damaligen Zeit eine schwindelerregende Summe war, kam mir nie in den Sinn, daß es an ihm wäre, zu sehen, daß ich gefüttert werde.

Ich habe also nie die politische Definition „der Hungernden“ beansprucht, auch wenn ich hungrig war. Außerdem habe ich nie das ganze Geld ausgegeben, ganz gleich ob es wenig oder viel war, denn damals hungrig zu sein war viel schlimmer, als heutzutage einer „der Hungernden“ zu sein.

Demzufolge war ich Politikern, die Abhängige suchen, die sie wählen, noch nie von Nutzen. Und ich habe mit solchen Politikern auch nie viel anfangen können.

Hier finden Sie den Originalartikel, A Political Glossary.

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