„Die Unschuld der Muslime“: Blasphemie als politische Taktik

Thierry Meyssan über Amerikas zweites 9/11.

(Es ist natürlich Zufall, daß bei einer Demonstration an einem 11. September, bei der spontan Protestschilder im Vierfarbdruck auftauchten, ein Diplomat und drei amerikanische Botschaftsmitarbeiter abgeschlachtet wurden, obwohl zwei Wochen zuvor eine Reisewarnung ausgesprochen wurde.)

Der Internet-Trailer für den Film „Die Unschuld der Muslime“ löste auf der ganzen Welt Demonstrationen aus und führte in Benghazi zur Ermordung des US-Botschafters für Libyen und von Mitgliedern seiner Entourage.

Auf den ersten Blick liegen diese Ereignisse irgendwo auf der Linie zwischen Salman Rushdies Satanischen Versen und der Koranverbrennung durch Pastor Terry Jones. Dennoch unterscheidet sich dieser neue Angriff von den anderen Vorfällen dadurch, daß der Film nicht auf ein westliches Publikum zielte, sondern eindeutig als ein Instrument konzipiert wurde, das auf die Provokation von Muslimen zielte.

In politischer Hinsicht kann die Angelegenheit aus zwei Blickwinkeln analysiert werden: aus der taktischen Perspektive als antiamerikanische Manipulation; oder aus einer strategischen Perspektive als antimuslimischer psychologischer Angriff.

Produziert wurde der Film von einem ägyptischen Kopten und einer zionistischen Gruppe von Juden mit doppelter, israelisch-amerikanischer Staatsbürgerschaft. Er wurde vor einigen Monaten fertiggestellt und zu einem berechneten Moment veröffentlicht, um Unruhen gegen die Vereinigten Staaten zu provozieren.

In mehreren großen Städten wurden israelische Agenten mit der Mission eingesetzt, die Wut der Menge auf amerikanische oder koptische Ziele zu kanalisieren — nicht auf israelische. Es überrascht nicht, daß sie ihre maximale Wirkung in der libyschen Stadt Benghazi erreichten, der Hauptstadt der Region Cyrenaika.

Die Bevölkerung von Benghazi ist dafür bekannt, besonders reaktionäre und rassistische Gruppen zu beherbergen. Es ist nützlich, daran zu erinnern, daß zu dem Zeitpunkt, als im September 2005 die Mohammed-Karikaturen erschienen, Salafisten das dänische Konsulat angriffen. Im Einklang mit dem Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen setzte die libysche Regierung von Muammar al-Gaddafi damals Truppen ein, um den diplomatischen Dienst zu schützen. Die Unterdrückung des Aufruhrs führte zu zahlreichen Todesfällen. Der Westen, der das libysche Regime zu stürzen versuchte, finanzierte anschließend salafistische Publikationen, die Gaddafi beschuldigten, das dänische Konsulat zu schützen, weil er angeblich hinter der Cartoon-Operation steckte.

Am 15. Februar 2011 organisierten Salafisten in Benghazi zum Gedenken an das Massaker eine Demonstration, bei der eine Schießerei ausbrach, ein Vorfall, der den Beginn des Benghazi-Aufstands markierte, der wiederum den Weg zur NATO-Intervention eröffnete. Die libysche Polizei verhaftete drei Mitglieder italienischer Spezialeinheiten, die gestanden, von den Dächern sowohl auf die Demonstranten als auch auf die Polizei geschossen zu haben, um Chaos und Verwirrung zu erzeugen. Sie wurden während des Krieges, der folgte, gefangen gehalten und freigelassen, als die NATO die Hauptstadt eroberte und sie auf einem kleinen Fischerboot, auf dem ich ebenfalls Passagier war, aus dem Land nach Malta schmuggelte.

Diesmal hatte die Manipulation der Bengasi-Menge durch die israelischen Agenten die Ermordung des US-Botschafters zum Ziel, eine Kriegshandlung, wie man sie seit der Bombardierung der USS Liberty durch die israelische Luftwaffe im Jahr 1967 nicht erlebt hat. Dies ist die erste Ermordung eines Botschafters bei der Ausübung seiner Dienstpflicht seit dem Jahr 1979. Dies ist umso ernster, wenn man bedenkt, daß — in einem Land, wo die gegenwärtige Zentralregierung eine rein juristische Fiktion ist — der US-Botschafter nicht bloß ein Diplomat war, sondern als Gouverneur fungierte, de facto als Staatsoberhaupt.

Es sollte betont werden, daß die höchsten US-Militärs in den vergangenen Wochen in offenen Konflikt mit der israelischen Regierung gerieten. Sie haben Erklärungen veröffentlicht, die ihre Absicht andeuten, den Kriegszyklus zu beenden, der mit dem 11. September begann (Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien) und der im Rahmen formloser Vereinbarungen des Jahres 2001 noch weiter ausgedehnt werden soll (Sudan, Somalia und Iran). Zum ersten Warnschuß kam es im August 2012 in Afghanistan, als zwei Raketen auf das geparkte Flugzeug von General Martin Dempsey abgefeuert wurden, den Chef der US-Armee. Diese zweite Warnung erwies sich als noch brutaler.

Betrachten wir diese Affäre andererseits aus sozialpsychologischer Sicht, erscheinen die Veröffentlichung des Films und seine Nachwirkungen als Frontalangriff auf den Glauben der Muslime. In dieser Hinsicht ähnelt er der Moskauer „P***y-Riot“-Episode, wo zuerst in der orthodoxen Kirche von Christus dem Erlöser auf der Freiheit der Religionsausübung herumgetrampelt wurde sowie in den vielen Auftritten der Gruppe danach in den Performances mit pornographischer Konzeptkunst. Dies sind Operationen, die Gesellschaften verletzen sollen, die sich dem Projekt der Weltherrschaft widersetzen.

In demokratisch-multikulturellen Gesellschaften wird das Heilige der Privatsphäre zugeordnet und innerhalb der Privatsphäre geäußert. Ein neuer kollektiver Raum des Heiligen ist jedoch in Ausarbeitung. Die westeuropäischen Staaten haben „historische Erinnerungs“-Gesetze geschaffen, die einen historischen Vorfall — die Zerstörung der europäischen Juden durch die Nazis — in ein religiöses Ereignis transformiert haben: die „Shoa“ in der jüdischen Terminologie oder der „Holocaust“ im evangelischen Sprachgebrauch. Nazi-Verbrechen werden dadurch auf die Ebene eines einzigartigen Ereignisses gehoben — auf Kosten der Opfer anderer Massaker, auch anderer Opfer der Nazis.

Das Dogma, das heißt die religiöse Interpretation historischer Fakten in Frage zu stellen, ist strafbar, so wie in der Vergangenheit Blasphemie bestraft wurde. Ähnlich setzten die USA, die EU und einige ihrer Alliierten im Jahr 2001 ein Dekret durch, daß die Bevölkerungen ganzer Nationen zur Erinnerung an die Opfer der Anschläge vom 11. September eine Schweigeminute einlegen müssen. Dieser Beschluß wurde durch eine ideologische Interpretation der Ursachen des Massakers untermauert. Da sie getötet wurden, weil sie Juden waren oder weil sie Amerikaner waren, wird den Opfern in beiden Fällen ein besonderer Status zugesprochen, vor dem der Rest der Menschheit einen Kniefall machen muß.

Während der Olympischen Spiele in London versuchte sowohl die israelische und die amerikanische Delegation, ihren Heiligkeitsrahmen noch weiter auszudehnen, indem während der Eröffnungszeremonie des meistgesehenen im Fernsehen übertragenen Ereignisses der Welt eine Schweigeminute eingelegt werden sollte, diesmal wegen der Geiseln, die 1972 bei den Münchener Spielen genommen wurden. Am Ende wurde der Vorschlag zuruckgewiesen und das Olympische Komitee hielt stattdessen eine separate Zeremonie ab. Dies ist ein weiteres Indiz für die Bemühungen, eine das Weltreich legitimierende Kollektivliturgie zu schaffen.

„Die Unschuld der Muslime“ dient sowohl als Instrument, um Washington in einem Moment, wo es sich von der zionistischen Agenda lossagen will, wieder auf Linie zu bringen, und auch als Mittel, diese Agenda weiter zu verfolgen, indem man den Glauben derer angreift, die immer noch anders sind und sich widersetzen.

Hier bzw. hier finden Sie den Originalartikel, La tactique du blasphème bzw. „The Innocence of Muslims“: Blasphemy as a Political Tactic

Warum war Christopher Stevens (* 18. April 1960; † 11. September 2012) nicht vorsichtiger?

War ihm nicht bekannt, daß Personen der Öffentlichkeit häufig am 11. sterben?

Die Öffentlichkeit kennt so etwas bereits von Uwe Barschel (* 13. Mai 1944; † 11. Oktober 1987) …

Fall Barschel führt eine neue Spur zum Mossad

Einem Gutachter im Fall Barschel zufolge weisen neue Erkenntnisse darauf hin, dass der israelische Geheimdienst den Politiker ermordet hat.

Einer der wichtigsten Gutachter im Fall Barschel verdächtigt in einem neuen Gutachten den israelischen Geheimdienst Mossad, den früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten ermordet zu haben. Die chemischen Analysedaten stimmen bis in Details mit dem Ablauf des Barscheltodes überein, wie ihn der ehemalige Mossad-Agent Victor Ostrovsky in einem Buch schildert. Zu diesem bislang unveröffentlichten Ergebnis kommt der renommierte Schweizer Toxikologe Professor Hans Brandenberger in einem exklusiven Aufsatz für die „Welt am Sonntag”. Im Unterschied zu anderen Bekenner-Erklärungen oder Vermutungen „beschreibt Ostrovsky ein Szenario, das mit den Analysedaten erstaunlich gut übereinstimmt“, heißt es in dem Papier. Auffällige Details in Ostrovskys Bericht, zum Beispiel die rektale Zufuhr von Beruhigungsmittel und die zeitlich versetzte Verabreichung von Medikamenten, spiegelten sich im chemischen Befund wider, so Brandenberger.

Es ist das erste Mal, dass sich der Wissenschaftler zur Frage nach den Tätern äußert. Nach seiner Einschätzung belegen toxikologische Untersuchungen des Barschel-Leichnams, dass der CDU-Spitzenpolitiker weder durch Selbstmord noch durch Sterbehilfe ums Leben gekommen sein kann. „Die chemischen Befunde indizieren einen Mord, wobei (…) aufgrund der Komplexität des Mordgeschehens davon ausgegangen werden muss, dass ein Profiteam am Werk war, nicht eine Einzelperson.“

Der frühere Chefermittler im Fall Barschel, Heinrich Wille, sieht nun den Verdacht erhärtet, dass der ehemalige Ministerpräsident von einem professionellen Killerkommando getötet wurde. „Brandenbergers Aufsatz enthält neue Erkenntnisse, die geprüft werden sollten“, sagte der ehemalige Leitende Oberstaatsanwalt von Lübeck der „Welt am Sonntag“. Einen konkreten Verdächtigen gebe es aber bis heute nicht.

Ex-Agent Victor Ostrovsky begrüßte die neuen Erkenntnisse. „Wenn ein Wissenschaftler meine Darstellung belegt, ist das großartig. Aber es überrascht mich nicht. Ich weiß ja, dass es so war“, sagte Ostrovsky der „Welt am Sonntag“. Der Autor, der bis heute nie offiziell von deutschen Ermittlern zum Geschehen von Genf befragt wurde, erklärte sich außerdem zu einer Aussage bereit. „Ich stehe den deutschen Strafverfolgungsbehörden jederzeit als Zeuge zur Verfügung, solange ich dabei in den USA bleiben kann“, so Ostrovsky.

Als Motiv für einen Mord an Barschel führt er an, dass der Politiker alles über einen geheimen Waffenhandel zwischen Israel und dem Iran gewusst habe, der über schleswig-holsteinischen Boden ging. Demnach musste er sterben, weil er sein Schweigen brechen wollte.

Uwe Barschel wurde am 11. Oktober 1987 tot in einer Badewanne des Genfer Luxushotels „Beau Rivage“ gefunden. Nur wenige Tage zuvor war er nach einer Affäre um eine Verleumdungskampagne gegen seinen politischen Widersacher Björn Engholm und einer verlorenen Landtagswahl als Ministerpräsident zurückgetreten. Bis heute ist nicht geklärt, wie Barschel ums Leben kam.

… oder von Jörg Haider (* 26. Jänner 1950; † 11. Oktober 2008) …

Mossad bespitzelte rechtsextremistischen Österreicher

Der israelische Geheimdienst bespitzelte Jörg Haider, den österreichischen Rechtspopulisten, und benutzte einen seiner engsten Mitarbeiter, um Informationen über seine Kontakte mit arabischen Diktatoren zu sammeln. Peter Sichrovsky sagte, daß er bis zum Rückzug aus der Politik im Jahr 2002 fünf Jahre lang ein Mossad Informant war.

„Ich wollte Israel helfen und habe sicher nichts Unrechtes getan“, sagte Peter Sichrovsky, der für die FPÖ als Abgeordneter im Europäischen Parlament und als Generalsekretär von Jörg Haiders FPÖ tätig war. Die österreichische Staatsanwaltschaft sagte gestern, daß sie eine Untersuchung einleitet, um festzustellen, ob Peter Sichrovsky strafrechtlich verfolgt werden sollte. Spionage für eine ausländische Macht wird in Österreich mit einer Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren bestraft.

Die Enthüllungen im Nachrichtenmagazin Profil verblüfften Österreichs politische Klasse. Peter Sichrovsky, der jüdischer Herkunft ist, war für die konservativen Rechten eine umstrittene Figur. Die jüdische Gemeinde betrachtete ihn für die Arbeit mit Jörg Haider als Verräter, während antisemitische FPÖ-Aktivisten aus ihrem Mißtrauen keinen Hehl machten.

Die FPÖ wurde im Jahr 1999 ein Mitglied in Österreichs Regierungskoalition, weshalb die Europäische Union einen diplomatischen Boykott verhängte. Jörg Haider hatte öffentlich die SS und Hitlers Beschäftigungspolitik gelobt (Anm.: Mit Hitlers Beschäftigungspolitik wäre Jörg Haider eigentlich ein perfekter EU-Politiker gewesen — Gräben ausheben und am nächsten Tag wieder auffüllen schafft grüne Arbeitsplätze und sorgt nachhaltig für Vollbeschäftigung.) Israel zog seinen Botschafter ab.

Peter Sichrovsky sollte Jörg Haider helfen, mit der jüdischen Gemeinde Frieden zu schließen. Doch zur gleichen Zeit wollte der israelische Geheimdienst erfahren, was Jörg Haider vorhatte.

„Ich war sicher kein James Bond“, sagte Peter Sichrovsky, jetzt ein Geschäftsmann, der auch bei der „militärischen Kooperation“ zwischen Israel und China vermittelt. „Es stimmt, ich habe bis zu meinem Rückzug aus der Politik 2002 mit dem Mossad kooperiert.“

Jörg Haider hat umfangreiche Kontakte mit Oberst Muammar Gaddafi, dem libyschen Führer, und war mit einem der Söhne des Diktators eng befreundet. „Israel wollte Jörg Haider als Brücke zu arabischen Ländern, mit denen keine offiziellen Kontakte bestanden, nutzen“, sagte Peter Sichrovsky.

Seine Verbindungen mit den Israelis ging weit über gelegentliche Nachbesprechungen. Im Herbst 2000 führte Peter Sichrovsky mit syrischen Politikern Gespräche über das Schicksal von drei durch die Hisbollah im Libanon gefangene israelische Soldaten. Begleitet wurde er von Herbert Scheibner, dem österreichischen Verteidigungsminister, der auch ein Mitglied der FPÖ war. Dies sollte der Europäischen Union und Israel zeigen, daß Österreich ein respektables Mitglied der Weltgemeinschaft war.

Peter Sichrovsky half, in Österreich geheime Treffen zwischen israelischen und palästinensischen Unterhändlern zu arrangieren. Gestern behauptete er, Jörg Haiders umstrittenen Besuch mit Saddam Hussein in Bagdad im Jahr 2002 eingerichtet zu haben. Peter Sichrovsky wurde in letzter Minute ein irakisches Visum verweigert, so daß er keine Informationen aus erster Hand weitergeben konnte. „Der Mossad war sich auf jeden Fall sicher, daß Haider einen Doppelgänger traf“, sagte er.

Jörg Haider blieb gestern gelassen. Er sagte: „Es hat von Anfang an in der Partei Warnungen gegeben, Sichrovsky sei vom Mossad entsandt. Aber es gab keine konkreten Hinweise. Wenn er wirklich von einem Geheimdienst entsandt worden ist, dann hat er relativ wenig zusammengebracht.“

Der Link zum Originalartikel der TIMES aus dem Jahr 2005 ist inzwischen auch tot:

http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/middle_east/article528859.ece


%d Bloggern gefällt das: